Häufigkeit, Diagnosedaten & Komplikationen

Häufigkeit & Diagnosedaten

Es gab einmal eine Zeit, die sich viele sog. „Genussraucher“, wobei es fraglich ist, ob so etwas überhaupt existieren kann, zurück wünschen. Und zwar die Jahrzehnte zwischen dem Ende des zweiten Weltkrieges und der frühen 1970er Jahre. In dieser Zeit gab es wesentlich mehr Raucher als Nicht-Raucher. Zudem war das Rauchen mehr oder weniger überall gestattet. Selbst in den Krankenhäusern, rauchten die bettlägerigen Patienten in ihren Betten, die Ärzte rauchten während der Visite und die Schwestern hatten eine Zigarette im Mundwinkel, während sie die Verbände wechselten. Und das ist nicht einmal übertrieben. Auch in Schulen und Kindergärten sah es nicht anders aus. Zwar war auch den Kindern das Rauchen bis zu ihrem 18. Lebensjahr grundsätzlich verboten, aber die Lehrer konnten im Klassenraum rauchen so viel sie wollten. Auch das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und Räumen war grundsätzlich gestattet, ebenso wie in Zügen und Flugzeugen.

Diese Zeiten waren für Raucher also mehr als paradiesisch. Nichtsdestoweniger sind diese Tage lange vorbei und kaum ein Nicht-Raucher dürfte ihnen allzu sehr nachtrauern. Tatsächlich ist es so, dass die Anti-Raucher-Lobby immer stärker wird und darum immer mehr Einfluss auf Politik und Gesellschaft auszuüben imstande ist. Heutzutage ist es beispielsweise in Deutschland niemandem mehr gestattet, in öffentlichen Gebäuden zu rauchen, auch das Rauchen in Klassenzimmern, in Zügen und Flugzeugen sowie in Krankenhäusern hört sich so absurd an, dass viele sich nicht vorstellen können, dass dies wirklich einmal Gang und Gäbe war. Sogar in Kneipen, Destillen, Bars und Restaurants findet man immer mehr Einschränkungen, was den Konsum von Tabakprodukten angeht.

Nachvollziehbar fühlen sich viele Raucher dadurch in ihrer Freiheit beschnitten. Hier gilt es es jedoch, sich ganz klar die Frage zu stellen, inwieweit Raucher an dieser Stelle Opfer von Diskriminierung werden und inwieweit man Nicht-Raucher schützt. Eine nicht immer ganz so leicht zu klärende Frage.

Globale Fakten

Allerdings steht Deutschland mit diesen doch teilweise sehr strengen Reglements nicht alleine dar. Im Grunde ist Deutschland, was den Nicht-Raucher-Schutz angeht, sogar noch etwas im Verzug. Die Länder Skandinaviens oder die USA sind in diesen Punkten schon viel weiter gegangen, als Deutschland und andere zentraleuropäische Länder. Dort ist diese oftmals tödlich endende Angewohnheit nämlich noch wesentlich stärker restriktiert, als hierzulande. In Finnland ist es beispielsweise untersagt, sich in Sichtweite einer Schule oder eines öffentlichen Gebäudes eine Zigarette anzuzünden. Darüber hinaus ist jegliche Werbung verboten und Zigaretten können nur in braunen Packungen verkauft werden, die keinen Rückschluss auf die Marke zulassen. Dies soll verhindern, dass eine Kundenbindung zu einer speziellen Marke entsteht.

Des Weiteren konnte man leicht beobachten, dass die Preise für Zigaretten global beinahe überall angestiegen sind. Dies liegt nicht alleine an der allgemeinen Erhöhung der Preise, sondern auch an den teils immensen Tabaksteuern, die man auf diese Erzeugnisse aufschlägt. So, kostete eine durchschnittliche Packung Zigaretten hierzulande im Jahre 2009 noch etwa zwischen 4,50 und 4,70 Euro, wohingegen sie heute zumeist einen Euro mehr kosten. Dieser Trend findet sich auch in anderen Ländern. Besonders hohe Preise lassen sich in den USA und Großbritannien verorten. Dort zahlt man locker bis zu 10 Dollar oder 10 Pfund pro Packung. Somit ist es nicht nur allgemein schwieriger als noch vor einigen Jahren, Tabakwaren zu erwerben, auch der Preis schreckt viele Menschen ab. Die Zeiten, als Tabakerzeugnisse für jedermann erschwinglich waren, sind lange vorbei und kommen wohl auch nicht wieder.

Nur in wenigen Ländern ist der Zigarettenpreis in den letzten Jahren relativ stabil geblieben. Hierunter zählt insbesondere China. Dieses Land weist ohnehin eine immense Dichte an Rauchern auf und könnte darum eine signifikante Erhöhung der Preise vor der Gesellschaft nicht verantworten. Alles in allem geht die Tendenz aber klar in die Richtung, dass Rauchen immer schwieriger zu machen.

Diagnosedaten

Die aus einer Diagnose gewonnenen Daten sind oftmals mehr als eindeutig und es fällt in der Regel nicht allzu schwer, bei einem Starkraucher zu definieren, aus welcher Ecke seine Krankheit entsprungen ist. Natürlich ist es auch möglich, dass ein Raucher unabhängig von seiner negativen Angewohnheit an einer Erkrankung leidet, dies ist aber doch eher selten. Die meisten Leiden, Übel und Gebrechen lassen sich auf den Konsum von Tabak zurückführen.

Die große Schwierigkeit, die einer Diagnose von Rauchern innewohnt ist die, dass man nicht weiß, inwieweit sich das zu behandelnde Individuum bereits selbst geschädigt hat oder nicht. Zwar sollte man zu seinem Arzt immer ehrlich sein, aber viele Suchtpatienten halten sich nicht daran. Das gilt nicht nur für Alkoholiker und Rauschgiftsüchtige, auch Raucher scheinen sich nicht selten für ihre Sucht zu schämen und rücken entweder nicht recht mit der Sprache raus oder spielen die Zahlen klein. Damit helfen sie aber weder sich noch dem behandelnden Arzt wirklich weiter. Tatsächlich verzerren solche Lügen, Unwahrheiten oder Weglassungen das entstehende Bild immens und bedingen in der direkten Folge nicht selten fehlerhafte Diagnosen. Diese gehen zum Schaden beider Seiten. Zum einen kann der Patient deshalb keine ausreichend gute Therapie erfahren und der Arzt verliert einen Teil seiner Reputation und Glaubwürdigkeit.

Nicht zuletzt deswegen sollte es im Interesse des nikotinsüchtigen Patienten liegen, den für ihn zuständigen Mediziner nicht anzuschwindeln und mit offenen Karten zu spielen. Alles andere wäre unverantwortlich sich selbst und auch seinem Arzt gegenüber.

Aber auch ein ehrlicher Umgang macht das Stellen einer Diagnose nicht zwingend leichter. Insbesondere dann nicht, wenn der Patient über diverse Leiden klagt, die nicht oder nur teilweise in direktem Zusammenhang zueinander stehen. Dieses kommt bei Rauchern besonders oft vor und erfordert darüber hinaus einen immensen diagnostischen Mehraufwand. Ein solcher zermürbt Arzt und Patient gleichermaßen und verfälscht das Bild oft.


Komplikationen bei der Krankheit

Wie kaum anders zu erwarten, sind die Komplikationen, die im Rahmen einer Abhängigkeit zu Rauchwaren auftreten können nicht nur von immenser Anzahl, sondern auch von immenser Stärke. Es ist beinahe unmöglich, als Raucher ein langes und gesundes Leben zu führen. Selbst wenn man aufgrund einer guten Physis und guter Gene sowie eines starken Immunsystems dazu prädestiniert wäre, lange und gesund zu leben. Sicherlich gibt es auch hier große Ausnahmen und man hört immer wieder von Rauchern, die 100 Jahre und älter sind. Die zwei prominentesten Beispiele hierfür sind wahrscheinlich der noch nicht allzu lang verstorbene Schauspieler und Sänger Johannes Heesters, der noch mit 107 Jahren jeden Tag eine ganze Packung Zigaretten rauchte und die Französin Jeanne Calment. Letztere war der älteste Mensch, der je gelebt hat. Sie erreichte ein Alter von 122 Jahren und rauchte täglich seit ihrem 15 Lebensjahr eine oder zwei Zigaretten.

Sicherlich könnte man diese beiden Personen und eventuell auch noch einige mehr als Beispiel dafür anführen, dass Rauchen ja gar nicht „so schädlich“ sein kann. Das ist aber nicht nur falsch, sondern auch reiner Selbstbetrug. Es handelt sich hierbei um zwei gloriose Ausnahmen. Stellt man diesen beiden Personen jedoch die Millionen und aber Millionen Personen entgegen, die jedes Jahr aufgrund einer Erkrankung sterben, die direkt auf das Rauchen von Tabak zurückzuführen ist, so merkt man sehr schnell, wie wenig sinnvoll und wie haltlos diese Argumentation ist.

Rauchen ist ein Risiko. Darüber braucht man nicht zu streiten oder zu debattieren. Selbst die Tabakproduzenten haben das eingesehen und machen keinen Hehl daraus, dass das Produkt, das sie verkaufen, schädlich und potentiell tödlich ist. Nichtsdestoweniger sollte man nicht vergessen, dass die Entscheidung, sich wirklich eine Schachtel Zigaretten zu kaufen und diese auch zu rauchen beim Individuum selbst liegt. Man kann diese Verantwortung nicht auf etwaige Werbung oder Gruppendruck abwälzen.

Gesellschaftliche Komplikationen

Wie bereits erwähnt, ist es nicht mehr „schick“ oder „cool“ zu rauchen. Diese Zeiten sind lange vorbei. Gleichwohl man in manchen gesellschaftlichen Gruppierungen immer noch häufiger auf Raucher trifft als in anderen, geht doch der allgemeine Trend dazu hin, das Rauchen als solches eher negativ zu betrachten.

Die meisten Raucher findet man heutzutage unter Jugendlichen und Studenten. Zumindest auf internationaler Ebene. Die scheint auch weniger ein Problem zu sein. Das studentische Leben bietet viel Platz und viele Freiräume, die man zum Rauchen nutzen kann. Berufstätige Menschen haben diese Freiräume oftmals nicht. Die meisten Arbeitsplätze bieten gar keine oder nur sehr beschränkte Möglichkeiten an, die man dazu nutzen kann, seine Sucht zu befriedigen. Selbst die berühmte „Raucherpause“ ist nicht mehr Gang und Gäbe. Das schafft oftmals Verdruss und Frust unter der nikotinsüchtigen Belegschaft und sie geben als Folge dessen ihr Rauchen komplett auf. Schließlich ist es sinniger, eine potentiell tödliche Angewohnheit aufzugeben, als deswegen einen sicheren Arbeitsplatz aufs Spiel zu setzen.

Aber auch im Alltag kommen Raucher heute nicht mehr gut weg. Nicht allein die Tatsache, dass sie im Wo des Rauchens stark beschränkt sind, spielt hierbei eine Rolle. Viele Nicht-Raucher beschweren sich auch lauthals über rauchende Personen, mögen sie damit im Recht sein oder nicht, und schaffen somit Unmut und Unbehagen. Der Druck auf Raucher, mit ihrer Gewohnheit zu brechen wird also von gesellschaftlicher Warte aus immer größer und größer.

In den USA, dem Land der Extreme, geht dieser Hass der Nicht-Raucher sogar so weit, dass Raucher öffentlich bloßgestellt und erniedrigt werden. Dieses sog. „Smoker Shaming“ hat schon viele Menschen dazu verleitet, ihre Sucht in Angriff zu nehmen. Solche Auswüchse sind hierzulande oder im Rest Europas allerdings glücklicherweise noch nicht zu beobachten. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass viele Menschen doch eher verächtlich und abwertend auf Raucher herabsehen.

Gesundheitliche Komplikationen

Wie bereits weiter vorne im Text erwähnt, zieht der regelmäßige Konsum von Rauchwaren eine immens Vielzahl potentieller Erkrankungen nach sich. Diese sind zwar zumeist nicht direkt tödlich, aber auf lange Sicht schon. Bei tiefer gehendem Interesse ist es daher ratsam, sich die oben angeführte Liste der potentiellen Erkrankungen noch einmal zu Gemüte zu führen, um sich einen allgemeinen Überblick über das horrende Ausmaß etwaig entstehender Krankheit zu verschaffen.

Dennoch sei hier noch einmal zusammenfassend erwähnt, dass man davon ausgehen kann, dass ein Raucher sein Leben pro gerauchter Zigarette ca. um 10 Minuten verkürzt. Das ist aus medizinischer Sicht durchaus nicht übertrieben. Wenn überhaupt handelt es sich hierbei um eine moderate oder gar milde Schätzung. Es ist zwar sehr schwierig zu sagen, inwieweit sich die Lebenserwartung eines Rauchers im Allgemeinen senkt, vorallem deswegen, weil jeder Mensch unterschiedlich viel raucht, aber was man ohne Probleme sagen kann ist, dass die Zahl signifikant ist. Man bewegt sich hier allgemein im Bereich von mehreren Jahrzehnten der Kürzung.

Monetäre und sonstige Komplikationen

Rauchen ist nicht billig und wird zudem immer teurer. Die Zeiten, da man eine Packung Zigaretten für 1,20 DM kaufen konnte sind glücklicherweise lange vorbei. Heutzutage muss man für dieselbe Menge an Zigaretten oftmals das 10fache oder mehr berappen. Darum können die monatlichen Ausgaben für Tabakwaren ein merkliches Loch in den Geldbeutel eines Rauchers schneiden. Nicht allein schon deswegen sollte man es sich zwei Mal überlegen, ob dieser kurz andauernde und schädliche Genuss wirklich die damit verbundenen immensen Kosten wert ist. Eine Person, die eine Packung am Tag raucht, kommt im Monat ohne allzu großen Aufwand auf Kosten von 190 bis 200 Euro, aufs Jahr verteilt sind das 2400 Euro oder mehr. Für den ein oder anderen mag das nicht viel Geld sein. Wer aber nur ein geringes Einkommen zur Verfügung hatte, sollte hier ganz klar abwägen, was er im Jahr an Zigaretten verschwendet und was er stattdessen mit dem Geld anfangen könnte.

Sicherlich bekommt man für 2400 Euro keinen Porsche oder keinen Ferrari, aber ein schöner Urlaub ist dafür durchaus zu haben. Auf diesen muss man jedoch verzichten und zündet sein Geld buchstäblich stattdessen an.

Aber nicht nur das Geld ist eine mögliche Komplikation, sondern auch die etwaige Stigmatisierung des Nachwuchses von Rauchern. Raucher gelten allgemein hin als willensschwach, wenig standhaft und biegsam. Alles Eigenschaften, die in der modernen Leistungsgesellschaft keinen allzu hohen Stellenwert einnehmen. Darüber hinaus überschwebt das Rauchen auch immer mehr die Aura der sozialen Unterschicht. Die Tage, an denen Tabakerzeugnisse Luxusgüter waren, sind lange vorbei. Statistisch gesehen sind es heutzutage oftmals die sozial Schwächsten, die zum Klimmstängel greifen. Damit wirft man ggf. auch ein negatives Bild auf seine Kinder und seine Lebensumstände. Schließlich suggeriert man der Außenwelt durch sein Laster einen geringeren sozialen Status, als man eventuell hat. Auch das kann ein sehr großes Problem sein.

Allgemeine Übersicht der Komplikationen

  • Starke gesundheitliche Belastungen (siehe obige Liste)
  • Gesellschaftliche Ächtung
  • Soziales Abseits
  • Unfähigkeit an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen
  • (Stark) geminderte Lebenserwartung
  • Sehr hohe zusätzliche Kosten
  • Stigmatisierung als der sozialen Unterschicht zueghörig
  • Wahrnehmung als willensschwach
  • Erzeugter Gestank
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