Negative Folgen fälschlich positiver Mammographie-Ergebnisse

Mammographien haben schon vielen Menschen das Leben gerettet, den sie helfen, Brustkrebs rechtzeitig zu entdecken. Doch eine aktuelle Studie zeigt auch, dass das Verfahren nicht nur Vorzüge hat. Der Bericht darüber in einer US-Fachzeitschrift über Krebs, Biomarker und Vorsorge beschäftigt sich mit der seelischen Verfassung von Frauen, die ein falsches positives Ergebnis erhalten haben.

Besonders bei jüngeren Frauen, bei denen kürzlich eine Brust-Biopsie durchgeführt wurde, die östrogenhaltige Medikamente zu sich nehmen oder in deren Familie bereits Brustkrebs vorkam, sind solche falschen positive Ergebnisse durchaus möglich.

Die Mitarbeiter der Studie notierten, dass in einigen Fällen die negativen Auswirkungen der falschen Diagnose, wie ein Zusammenbruch des Selbstvertrauens, Verhaltensbeeinträchtigungen und Schlafstörungen noch über 12 Monate nach der Mitteilung des Screening-Ergebnisses anhielten.

Studienautorin Anetta Bolejko von der Abteilung für Medizinische Bildgebende Verfahren und Physiologie am Skåne Universitätskrankenhaus in Malmö, Schweden, berichtet, dass etwa ein Drittel der Frauen in der Studie nach einer solchen Falschdiagnose ein Jahr lang an den psychologischen Folgen litt.

“Es ist wichtig, auch darüber zu berichten. Denn Frauen, die dazu eingeladen werden, an Mammographie-Screenings teilzunehmen, sollten über die potentiellen Vor- und Nachteile des Programms gut Bescheid wissen“, so Bolejko. „Das Risiko langfristiger psychologischer Konsequenzen nach einer falschen Krebs-Diagnose sollte thematisiert werden.“

Bei der Mammographie wird mittels Röntgenstrahlen die weibliche Brust untersucht. Dabei handelt es sich um die gängige Brustkrebs-Diagnose. Mammographien lassen Tumore erkenne, die nicht ertastet werden können und ermöglichen es auch, weitere Spuren von Krebs aufzufinden, nachdem ein Knoten identifiziert wurde.

Unglücklicherweise ist die Mammographie nicht perfekt. Gelegentlich legt ein abweichendes Ergebnis den Verdacht auf Krebs nahe, stellt sich später aber als falsch heraus: Im Medizin-Jargon heißt dies falsche positive Diagnose.

Jedes von der Norm abweichende Ergebnis erfordert zusätzliche Überprüfung, um festzustellen, ob tatsächlich Krebs vorliegt – das heißt, dass auch Frauen mit falschen positiven Ergebnissen sich unnötigen weiteren Diagnoseverfahren unterziehen müssen, beispielsweise der Entnahme einer Gewebeprobe, einer Biopsie. Diese zusätzlichen Untersuchungen sind teuer, zeitaufwändig und eine Quelle starker Beunruhigung.

Dr. Bolejko und ihr Team untersuchten gezielt die Auswirkungen solch falsch-positiver Ergebnisse und befragten dazu knapp 400 Frauen anhand eines speziellen Fragenbogens, der in Schweden zur Ermittlung der Folgen von Brustkrebs-Screening entwickelt wurde.

Die Teilnehmerinnen an der Studie wurden jeweils aufgenommen, nachdem man sie zu einer Nachdiagnose auf ein anormales Mammogramm hin wieder in die jeweilige Praxis zitiert hatte. Ihre Antworten wurden aufgezeichnet, nachdem kein Brustkrebs gefunden worden war. Der Fragebogen wurde entwickelt, um zu dokumentieren, wie die Frauen sich fühlten – die Frauen füllten ihn zunächst bis zum Ende aus, bevor man ihnen mitteilte, dass nun doch kein Krebs gefunden worden war. Einen endgültigen Abschluss fand der Fragebogen zwischen sechs und 12 Monaten nach der Falschdiagnose.

Ebenso füllten knapp 500 Kontrollpatientinnen der gleichen Altersgruppe den Fragebogen aus, die durchgängig negative Mammographie-Resultate erhalten hatten.

In der Zeitspanne zwischen der Bekanntgabe des falsch-positiven Ergebnisses und dem krebs-negativen Endresultat nach einer Nachkontrolle durchlebten viele der Umfrageteilnehmerinnen höchst unangenehme psychosoziale Konsequenzen und Gefühle.

  • 88% berichteten, sie hätten sich zurückgewiesen gefühlt
  • 83% berichteten von Angst
  • 67% berichteten von Beeinträchtigungen wie Schwierigkeiten, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren
  • 53% litten an massiven Schlafstörungen

Nach der ersten Bearbeitung der Fragebögen stellt sich bereits heraus, dass fünfmal mehr Probandinnen aus der Gruppe derer mit falsch-positiven Diagnosen Schwierigkeiten hatten als diejenigen aus der Kontrollgruppe.

Das war auch noch zwischen sechs und 12 Monaten nach dem Untersuchungsresultat der Fall – etwa doppelt so häufig bei den Testpersonen mit falsch-positivem Ergebnis.

Nach weiterer Analyse fanden die Wissenschaftler erstaunt heraus, dass ein Auslöser für die psychosozialen Folgen der frühe Rückruf zu einem Nachtest war.

„Wir waren überrascht, zu sehen, dass Frauen, die mehrmals mit einer zusätzlichen klinischen Mammographie untersucht werden, nachdem sie zuvor die Erfahrung mit einem falsch-positiven Ergebnis konfrontiert worden waren, häufiger von psychischen Konsequenzen betroffen waren. Das heißt, ein solcher früher Rückruf sollte mit Vorsicht angewendet werden – er führt zu Verwirrung und erhöhtem psychosozialen Stress, “ berichtet die Studienleiterin.

Das Team berichtet auch, dass Gespräche zwischen den früh zurückgerufenen Frauen und Fachpersonal diesen Trost und Sicherheit vermitteln, der Folgestress wird dadurch signifikant vermindert. An der Kommunikation zwischen Frauen vor und nach einem Mammographie-Screening und medizinischen Experten muss offensichtlich noch viel verbessert werden.

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