Teenager mit Bulimie reagieren besser auf die Behandlung, wenn die Eltern mit einbezogen werden

Werden Eltern in die Behandlung von Heranwachsenden mit Bulimia nervosa mit einbezogen, ist das Ergebnis viel effektiver als wenn der Patient allen in Therapie geht. Dies belegt eine Studie, geführt von Daniel Le Grange, Professor am Benioff Institut für Kinder-Gesundheit an der Fakultät für Psychiatrie und Pädiatrie der Universität von Kalifornien, San Francisco (UCSF). Unterstützt wurde er von James Lock, Professor für Psychiatrie an der Stanfort Universität, Fakultät für Medizin. Die vorliegende Studie ist die dritte und mittlerweile umfangreichste klinische, randomisierte Untersuchung für Heranwachsende mit Bulimia nervosa.

Die Ergebnisse stehen den bisher üblichen Behandlungsmethoden von Bulimie bei Teenagern entgegen: Bislang wurden die Eltern stets aus der Behandlung ausgeschlossen.

„Die Eltern müssen aktiv an der Behandlung der Kinder mit Essstörungen beteiligt werden.” sagt La Grange. “Die Studie zeigt eindringlich, dass das elterliche Engagement notwendig ist für eine erfolgreiche Therapie. Bislang wurden Ärzte und Psychiater völlig anders instruiert. Dabei schob man Eltern die Verantwortung für die Erkrankung zu und schloss sie aus der Behandlung aus.“

Bulimie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Episoden unkontrollierten Über-Essens, oft als „Fressattacken“ bezeichnet. Diese Fress-Anfälle werden von kompensatorischem Verhalten gefolgt, die Gewichtszunahme verhindern sollen. Dazu gehören selbst-provoziertes Erbrechen, der Missbrauch von Abführmitteln oder Entwässerungsmitteln, Fasten oder exzessives Sporttreiben bis zur Erschöpfung.

Ein bis drei Prozent aller Teenager etwa entwickelt während des Heranwachsens diese Art von Essstörung. Weil die Bulimie ihrer Natur nach im Geheimen „betrieben“ wird und die Mehrheit der Betroffenen ein normales Gewicht hält, leben viele Jugendliche jahrelang mit der Störung, bevor die Eltern auch nur Anzeichen entdecken.

In der Studie wurden zwei Behandlungsmethoden verglichen. Eine Kognitive Verhaltenstherapie und eine familienbasierte Therapie.

Bei der ersten Variante konzentriert sich alles auf den Patienten und auf ein Training, das dem Patienten zu einem besseren Selbstverständnis verhilft und die irrationalen Gedanken unter Kontrolle zu bringen, die zu den Fressanfällen und deren Gegen-Reaktionen führen. Indem sie mit diesen irrationalen Vorstellungen konfrontiert werden, können sie ihr Verhalten ändern und eine Heilung kommt in Gang.

Die familienbasierte Therapie dagegen arbeitet mit den Eltern, um ihnen die Bedeutung der Essstörung klarzumachen. Sie müssen lernen, ihre Kinder bestmöglich Tag für Tag zu unterstützen, gesunde, zuträgliche Lebensgewohnheiten anzunehmen.

Die Studie wurde an der Universität von Chicago durchgeführt (wo Le Gange zuvor einen Lehrstuhl innehatte) und an der Stanford Universität. Die Forscher untersuchten 130 Heranwachsende im Alter zwischen 12 und 18 Jahren mit Bulimia nervosa und führen entweder die eine oder die andere beschriebene Therapie durch. Jede Behandlung umfasste 18 Sitzungen mit Patienten zu Hause über sechs Monate hinweg, nach sechs und 12 Monaten überprüfte man jeweils die Ergebnisse.

Die Teilnehmer an der familienbasierten Therapie waren sehr viel erfolgreicher beim Einstellen der Fress- und „Abführ“-Exzesse als die Patienten in der Gruppe mit der individuellen Behandlung. Am Ende des ersten Behandlungsabschnittes waren 39% der familienbasiert therapierten Patienten praktisch geheilt und ernährten sich normal. Demgegenüber standen nur 20% aus der anderen Gruppe. Nach sechs Monaten waren 44% der Probanden aus der Familien-Therapie geheilt, aber nur 25% der einzeltherapierten Jugendlichen. Auch nach 12 Monaten änderte sich nichts an diesem Ergebnis: Noch immer waren die Ergebnisse bei der familienorientiert therapierten Gruppe besser. Sie lagen bei 49% gegenüber 32%.

Das favorisiert die Behandlung unter Einbeziehung der Eltern eindeutig. Sie ist schneller, effektiver und nachhaltiger. Wo sie nicht durchführbar ist, muss auf die konservative Methode zurückgegriffen werden, doch die Nachteile müssen den Therapeuten klar sein, so Le Grange.

Bei der Behandlung von Jugendlichen mit Bulimia nervosa ist es essentiell wichtig, ihre Fress- und Abmagerungs-Anfälle rasch zu unterbinden, den sie können schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit haben und in extremen Fällen sogar tödlich enden. „Jedes Mal, wenn sich ein kranker Jugendlicher übergibt, läuft er Gefahr, eine Ruptur der Speiseröhre zu erleiden, verliert Elektrolyte und riskiert Herzrhythmusstörungen, die zum Tode führen können.” berichtet Le Grange. “Je schneller wir einschreiten, desto bessere Chancen hat der Patient, gesund zu bleiben.“

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