Viele Eltern verkennen die Risiken der E-Zigarette für Kinder

In den vergangenen Jahren erfreut sich die Elektronische Zigarette, auch E-Zigarette genannt, wachsender Beliebtheit. Allerdings häufen sich parallel dazu auch Anrufe in Notrufzentralen für Vergiftungsfälle. Doch viele Eltern, die E-Zigaretten oder “Verdampfer” nutzen, sind sich nicht klar darüber, wie gefährlich die Geräte und die für den Betrieb nötigen Zutaten für Kinder sind. Eine Studie an der medizinischen Fakultät der Washington Universität in St. Louis, USA, belegt diese Tatsache.

Die Geräte werden wie Zigaretten geraucht – doch anstelle von Tabak wird darin eine Flüssigmixtur aus Nikotin, Glyzerin und Glykoläther verdampft und inhaliert. Die Liquide sind aromatisiert, ihre Farbe und ihr Geruch locken Kinder magisch an. Gelangen die Substanzen jedoch ins Verdauungssystem, stellt oft ein Teelöffel bereits eine tödliche Dosis für ein Kind dar. Selbst kleinste Mengen können Schwindel, Übelkeit und Erbrechen in so starkem Maß auslösen, dass eine medizinische Notaufnahme aufgesucht werden muss. Sogar reiner Hautkontakt mit bestimmten Liquiden kann Kinder krank machen.

Diese Risiken ließen sich weitgehend vermeiden. Doch weil E-Zigaretten so neu sind, wissen viele Menschen, Kinderärzte eingeschlossen, nicht über die damit verbundenen Gefahren Bescheid, erklärt Studienleiterin Jane Garbutt, Professorin für Medizin und Pädiatrie an der genannten Universität.

658 Eltern und Betreuer von insgesamt 15 Kinderkliniken in der Region um St. Louis lieferten Angaben über ihr Wissen und die ihnen bekannte Nutzungsweise von E-Zigaretten. Fast alle Eltern wussten gut Bescheid. Ein Erwachsener von fünf hatte sie bereits selbst ausprobiert, ein Befragter von Acht gab an, dass ein Familienmitglied sie regelmäßig raucht. In zwei Drittel aller Haushalte, in denen Kinder mit Rauchern von E-Zigaretten in Kontakt kommen, wurden auch herkömmliche Zigaretten verwendet.

Doch 36% aller Raucher von E-Zigaretten gab an, die Liquid-Behälter niemals wegzuschließen oder in kindersicheren Behältern aufzubewahren. Im Gegensatz zu Europa sind diese Behälter in den USA nicht vorgeschrieben. 34% der Nutzer bewahrten die Liquide schlicht in Schubladen oder Schrankfächern auf, in einer speziellen Tasche etwa 22% und 13% ließen sie einfach auf der Anrichte liegen, wie die Studie nachwies.

„3% der Befragten in der Studie gaben an, dass bereits einmal ein Kind in ihrem Haushalt versucht hätte, das Liquid zu trinken“, gibt Garbutt zu bedenken. „Der einfachste Weg, die Risiken zu senken, besteht darin, die Flüssigkeiten außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren. Anrichten, offene Regale, nicht verschließbare Schubladen, offen herumliegende Taschen und Beutel eignen sich definitiv nicht.

Vergangenes Jahr starb in New York ein Kleinkind nach der Einnahme von Nikotin-Flüssigkeit.

Das Forscherteam war überrascht über die weite Verbreitung der E-Zigaretten und erschrocken über die Risiken für Kinder durch das allzu nachlässige Aufbewahren der Liquide. Doch vielen Eltern ist die Gefahr überhaupt nicht bewusst.

In der Studie stellte sich heraus, dass nur 15% der E-Zigarettenraucher den Ärzten ihrer Kinder von der Existenz der Geräte und Zutaten im Haushalt berichtet hätten. Nur etwa 6% hatten mit Hausärzten über die Nutzung und sichere Aufbewahrung der Substanzen diskutiert oder wären informiert worden.

„Wir empfehlen Kinderärzten, Eltern bezüglich ihres Nikotingebrauchs zu befragen, einschließlich der Nutzung von E-Zigaretten – und sie über die Risiken für ihre Kinder und die gefährlichen Folgen eines Kontaktes eingehend aufzuklären“, rät Garbutt. Die orale Einnahme ist natürlich höchst gefährlich, doch selbst Hautkontakt kann ein Kind schädigen.

 

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