Lässt der Geruchssinn im Alter nach?

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beate899
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Lässt der Geruchssinn im Alter nach?

Beitrag von beate899 » 18.02.2012, 23:03

Hi, kann es sein, dass der Geruchssinn im Alter nachlässt? Mein Vater (85) pflegt meine an Alzheimer erkrankte Mutter und ich frage mich, ob er nicht riecht, wie es inzwischen in deren Wohnung nach Urin stinkt. Er lehnt es ab, meiner Mutter Windelhosen anzuziehen, die meistens noch auf die Toilette geht, aber manchmal „passiert“ es eben und da er ihr nur so dicke Einlagen einlegt, reicht das wohl nicht aus und ab und zu ist auch schon mal Urin z.B. auf den Sessel gekommen, den er mit Handtüchern belegt hat. Man darf nichts sagen, weil er meint, er hätte alles im Griff.
Was mich nur wundert ist, dass er sein ganzes Leben hochgradig empfindlich auf Gerüche reagiert hat und auch immer gesagt hat, dass er „eine feine Nase“ hat.
Wie kann es sein, dass ihm offenbar der jetzige Gestank nicht auffällt und er nichts dagegen macht? Sind seine Geruchsnerven abgestorben?

hugo89
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Geruchssinn im Alter

Beitrag von hugo89 » 20.02.2012, 12:30

Bei deinem Vater treffen zwei Probleme aufeinander. Zum einen lässt der Geruchssinn im Alter tatsächlich nach und zum anderen ist es eine Sache der Gewöhnung. Wenn man ständig demselben Geruch ausgesetzt ist, dann nimmt man ihn einfach nicht mehr so wahr, als wenn man als Außenstehender dazu kommt.

Die Sache mit den Windelhosen finde ich problematisch. Es ist ja auch eine Frage des Lebensgefühls für deine Mutter.

Eine Hilfe könnten zum Beispiel die Einmalwickelunterlagen sein, wie man sie für Babys unterwegs bekommt. Wenn man solche unter die Handtücher auf dem Sessel legt und regelmäßig wechselt, dürfte das Problem eingedämmt sein.

beate899
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Lässt der Geruchssinn im Alter nach?

Beitrag von beate899 » 20.02.2012, 22:12

Hi Hugo, genau mit dem „Lebensgefühl“ argumentiert mein Vater auch immer, weil er meint, die Windelhosen seien zu breit im Schritt und das sei für meine Mutter sicher unangenehm, aber die Einlagen, die er in die Unterhosen legt, sind auch nicht viel schmaler. Der Unterschied ist, dass sie nicht dicht halten. Schön ist das alles nicht...
Das mit der Nicht-Wahrnehmung des Uringeruches leuchtet mir schon ein, wenn Du sagst, dass eine gewisse Gewöhnung eintritt, wenn man den Geruch dauernd um sich hat, aber bei Lebensmitteln ist mein Vater nach wie vor sehr empfindsam mit der Nase - und das passt halt irgendwie nicht zusammen.

Mathilda
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Inkontinenz

Beitrag von Mathilda » 21.02.2012, 09:56

Ich glaube da spielt auch Verdrängung eine Rolle. Er hat sich teils an den Geruch gewöhnt und zum anderen will er ihn vermutlich nicht wahrnehmen. Das ist für ihn ein sichtbares Zeichen, wie sehr sich seine Frau verändert hat. Die Windeln wären für ihn der nächste Schritt, dies anzuerkennen. Wer will das schon, nach vermutlich etlichen Ehejahren?

Verwendet deine Mutter eigentlich spezielle Inkontinenzeinlagen? Die sollten nämlich dicht sein. Außerdem gibt es auch spezielle Inkontinenzunterwäsche. Da soll angeblich nichts auslaufen und manche dieser Unterhosen haben ein extra Einlagefach für die Binden, damit die nicht verrutschen. Vielleicht wäre so etwas ein Kompromiss?

beate899
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Lässt der Geruchssinn im Alter nach?

Beitrag von beate899 » 21.02.2012, 12:41

Hi Mathilda,
danke für Deinen Kommentar. Das, was Du vorschlägst, hört sich alles sehr gut an.
Ich sag’s ganz ehrlich - ich habe seit einigen Monaten keinen Kontakt zu meinem Vater und damit leider auch zu meiner Mutter, weil die Situation für mich unerträglich geworden ist, dass mein Vater einfach jede Hilfe ablehnt und jede Idee, die man äußert, als Eingriff in seine Kompetenzen versteht. Anscheinend hat er eine Riesenangst vor dem eigenen „Kontrollverlust“.
Ich kann es mir kaum erklären, dass er diesen penetranten Geruch nicht wahrnimmt und trotzdem darauf beharrt, eben keine speziellen Inkontinenz-Einlagen oder spezielle Unterwäsche für meine Mutter zu verwenden.
Irgendwann muss man einfach aufstecken, wenn Hilfe immer nur negativ bewertet wird. Ich musste mich jetzt mal einige Monate zurückziehen, weil ich nur noch Ablehnung erfahren habe, obwohl ich nur da sein und helfen wollte.

bacteria
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Re: Lässt der Geruchssinn im Alter nach?

Beitrag von bacteria » 11.04.2012, 12:54

Ich kann dich total gut verstehen, aber versuche auch die Lage deines Vaters zu verstehen. Er realisiert langsam aber sicher, dass er älter wird und nicht mehr alles alleine schaffen kann. Das ist sicher keine einfache Sache. Gib ihm ein bisschen Zeit und bleib hartnäckig. Ich weiß, das ist nicht einfach und dein Vater macht es dir sicher schwer.

marlaa
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Re: Lässt der Geruchssinn im Alter nach?

Beitrag von marlaa » 11.04.2012, 19:51

Tagchen,
ich kann Beate voll und ganz verstehen, weil es in unserer Familie eine ähnliche Situation gibt und von anderen habe ich auch gehört, dass manchmal ein längerer Abstand von Familienmitgliedern Wunder wirken kann.
Das Problem sind meist die Männer der Kriegsgeneration, die sich mit ihrem Altersstarrsinn in jeder Hinsicht so vehement gegen alles und jeden wehren, dass eine Hilfe eigentlich unmöglich wird. Die Machtspiele, denen man immer wieder ausgesetzt wird, können dann unerträglich werden.
Um auf das Thema des ersten Beitrags zu kommen, so glaube ich auch, dass eine gewisse Gewöhnung eintritt, wenn jemand diesem Uringeruch dauerhaft ausgesetzt ist. So schwindet die Sensibilität dafür.

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