Reflex

Ein Reflex ist den meisten als Reaktion auf einen Reiz bekannt. Diese Reaktion bleibt gleich, egal wie oft der Reiz wahrgenommen wird. Die meisten Lebewesen können einen Reflex erlernen, bzw den meisten Lebewesen kann ein Reflex beigebracht werden. Diese bezeichnet man als konditionierte oder erworbene Reflexe.
Ein Reflex entsteht im zentralen Nervensystem des Menschen. Die Nervenbahnen leiten den Reiz weiter, woraufhin die Muskeln oder Organe den Befehl zu reagieren erhalten. Einige Krankheiten verhindern, dass Reflexe ausgelöst werden, andere verstärken sie.


Was ist ein Reflex?

Grundsätzlich ist ein Reflex eine immer gleich bleibende Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Nimmt eine Sinneszelle (Rezeptor) einen Reiz wahr, sendet sie ein elektrisches Signal an das zentrale Nervensystem. Nervenfasern leiten die elektrische Erregung an den entsprechenden Muskel oder das Organ (Effektor) weiter, wo es schließlich zur Reaktion kommt. Dieser Prozess geschieht bei gesunden Menschen während eines Bruchteils einer Sekunde. So kann der Körper in einer Gefahrensituation schnell genug reagieren.

Wieso gibt es Reflexe?
Die meisten Reflexe sollen den Körper schützen. Der Kniesehnenreflex zum Beispiel soll einen Sturz besser abfangen. Diesen kann man auch manuell durch einen kleinen Schlag etwas unterhalb der Kniescheibe auslösen. Der Lidschlussreflex hingegen verhindert, dass die Augen zu trocken werden.

Diese beiden sind sogenannte angeborene Reflexe. Man unterscheidet diese von den erworbenen Reflexen. Die angeborenen Reflexe werden zusätzlich in Eigen- und Fremdreflexe unterteilt. Beim Eigenreflex ist lediglich eine Synapse beteiligt, wie beim Kniesehnenreflex. Beim Fremdreflex sind gleich mehrere Synapsen aktiv. Ein Beispiel dafür ist der Lidschlussreflex. Der Reiz wird von der Hornhaut im Auge wahrgenommen. Der Reiz wird weitergeleitet und die Augenlidmuskeln reagieren, nicht das Auge selbst.

Wie kann man Reflexe erlernen?

Mit dieser Fragestellung befasst sich der russische Psychologe Iwan Petrowitsch Pawlow. Er spricht beim Erwerb von Reflexen von klassischer Konditionierung. Sein Experiment dazu wird auch als Phänomen des pawlow’schen Hund bezeichnet.

Pawlow geht davon aus, dass ein neutraler Reiz, der keine Reaktion hervorruft, durch Kombinieren mit einem unkonditionierten Reiz, der einen angeborenen Reflex auslöst, nach mehreren Durchläufen auch bei alleinigem Auftreten diese Reaktion auslöst.

Am Beispiel bedeutet das, dass einem Hund beim Anblick seines Futters das Wasser im Mund zusammenläuft. Das Futter ist der unkonditionierte Reiz. Das Läuten einer Glocke ruft beim Hund nicht diese Reaktion hervor. Die Glocke ist der neutrale Reiz. Ertönt vor der Fütterung regelmäßig die Glocke, wird der Speichelfluss des Hundes irgendwann auch dann angereizt, wenn ausschließlich die Glocke läutet, obwohl der Hund noch kein Essen wahrnimmt.

Also durch das Wiederholen einer Kombination zweier Reize kann ein Reflex erlernt oder antrainiert werden.


Funktion und Aufgaben

 

Wie funktioniert ein Reflex?

Zu allererst nimmt eine Sinneszelle (Rezeptor) einen physikalischen oder chemischen Reiz wahr. Das kann ein Schlag oder eine andere Berührung sein, aber auch ein Gefühl, ein Geruch oder ein Geräusch sein. Der Reiz wird vom Rezeptor in ein elektrisches Signal umgewandelt. Den Vorgang nennt man Transduktion.

Die Impulse werden über afferente Nervenfasern (afferent:“hinführend“) zum zentralen Nervensystem, also dem Rückenmark, gesendet. Das Zentralnervensystem verarbeitet den Reiz und schickt diesen über efferente Nervenfasern (efferent:“wegführend“) an den Effektor. Der Effektor ist meistens eine Muskelzelle. Es kann sich aber auch um Organzellen handeln. Die sogenannte motorische Endplatte empfängt das Signal, wandelt es um und überträgt es auf den Muskel. Es kommt zur Reaktion.

Der Körper ist nicht in der Lage diesen Prozess bewusst wahrzunehmen, da er viel zu schnell passiert. Das ist auch wichtig, da der Körper nur so schnell genug auf Reize reagieren kann. Daher kann der Mensch angeborene Reflexe nicht beeinflussen.

Aufgaben eines Reflex

In erster Linie dienen Reflexe dazu den Körper vor Gefahren zu schützen. Vor allem aber Säuglinge sind auf Reflexe angewiesen, da sie noch keine Fähigkeiten erlernt haben, um das Leben zu meistern. Psychologen und Verhaltenstherapeuten sprechen dann von frühkindlichen Reflexen.

  • Zum Schutz des Körpers
  • Um Bewegungsabläufe von Geburt an richtig auszuführen

Reflexe zum Schutz des Körpers
Der Mensch gerät im Alltag in viele Gefahrensituationen, würde er keine Reflexe besitzen, die ihn davor schützen. Der Würgreflex verhindert, dass er sich verschluckt oder verdorbenes Essen zu sich nimmt. Versagt der Lidschlussreflex und ein Fremdkörper gelangt ins Auge, so spülen die Tränendrüsen das Auge direkt frei. Stolpert er, so kann der Kniesehnenreflex dafür sorgen, dass der Unterschenkel nach vorne schnellt und der Mensch den drohenden Sturz abfängt. Läuft einem das Wasser im Mund zusammen, sobald man Nahrung sieht, sorgt der Speichel dafür, dass der Mensch diese besser verdauen kann.

Jeder Reflex soll den Menschen vor mehr oder weniger drastischen Gefahren schützen, egal ob Magenschmerzen oder Ersticken.

Frühkindliche Reflexe

  • Greifreflex
  • Saugreflex
  • Suchreflex
  • Schwimmreflex
  • Tauchreflex
  • MORO- oder Klammerreflex

Das sind die bekanntesten frühkindlichen Reflexe. Sie alle sorgen dafür, dass der Säugling Nahrung zu sich nehmen kann, Bewegungsabläufe erlernen kann und sich bei diesem Versuch nicht selbst verletzt.

Der Greifreflex
Berührt ein Gegenstand oder ein Mensch die Handinnenfläche des Säuglings, schließen sch die Finger. Er greift also zu und kann so lernen, Gegenstände festzuhalten.

Der Saugreflex
Der Saugreflex oder auch Saug-Schluckreflex wird ausgelöst, sobald etwas den Gaumen des Babies berührt. So kann der Kind bereits nach der Geburt Nahrung aufnehmen ohne die gelernt zu haben.

Der Suchreflex
Kommt die Wange des Kindes in Kontakt mit einem Gegenstand, dreht es automatisch den Kopf dorthin. Der Säugling kann so die Brust der Mutter finden.

Der Schwimmreflex
Gerät das Kind großflächig in Kontakt mit Wasser, beginnt es mit den Armen und Beinen zu strampeln. So kann es sich vor dem Ertrinken schützen.

Der Tauchreflex
Dieser Reflex verliert sich nicht im Laufe der Zeit. Auch bei Erwachsenen verlangsamt sich der Herzschlag, sobald die Fühler neben der Nase und in der Stirn Wasser und Kälte spüren. Bei einem langsameren Herzschlag, wird weniger Sauerstoff in einer bestimmten Zeit benötigt. Dadurch kann sowohl ein Kind als auch ein Erwachsener länger unter Wasser bleiben. Trägt man jedoch eine Taucherbrille, so wird der Reiz von den Fühlern nicht so stark wahrgenommen und der Herzschlag verlangsamt sich nicht.

Der MORO-Reflex
Sobald die Position des Kindes verändert wird, klammert sich das Kind fest, um zu verhindern, dass es fällt.

Die frühkindlichen Reflexe verschwinden meistens jedoch mit der Zeit. Sie werden durch erlerntes Verhalten ersetzt. Durch diese Reflexe sind jedoch schon die Kleinsten zu erstaunlichen Dingen in der Lage. Säuglinge können zum Beispiel die ersten Wochen nach ihrer Geburt tauchen, da hier mehrere Reflexe zusammenwirken.


Störungen der Reflexe und Ursachen

Einige Krankheiten beeinflussen das zentrale Nervensystem oder die Muskeln, sodass auch die Reflexe in ihrer Ausführung eingeschränkt oder gestört sind. Auch Unfälle, die eine solche Schädigung hervorrufen, können die Ursache für gestörte Reflexe sein.

  • Morbus Wilson
  • Vitamin-B6-Mangel
  • Gehirnerschütterung
  • Hyperaktivität
  • Bandscheibenvorfall
  • Schlaganfall
  • Hirnblutung
  • Parkinson
  • Alterunng

All diese können Ursache einer Störung sein. Um einen Patienten auf eine Reflexstörung zu testen, sollte ein Arzt grundsätzlich beidseitig überprüfen, vor allem wenn es sich um Störungen der Arm- oder Beinmuskulatur betreffenden Reflexe handelt. Es ist jedoch normal, dass einige Reflexe im Alter nachlassen. Das geschieht meist beidseitig.

Wer unter Reflexstörungen leidet sollte in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Im Normalfall kann ein Hausarzt erste Tests machen. Je nach Ausmaß ist eine Überweisung in eine Klinik nicht auszuschließen. Wer Nahrungsergänzungsmittel oder regelmäßig Medikamente zu sich nimmt, sollte den Arzt über diese Umstände informieren. Sollte den Symptomen ein bestimmtes Ereignis, wie beispielsweise ein Unfall, voran gegangen sein, muss der Patient den Arzt auch darüber in Kenntnis setzen, da eine Gehirnerschütterung oder sogar ein Schädel-Hirn-Trauma der Grund dafür sein könnten.

Bei Krankheiten, die das zentrale Nervensystem beeinflussen, wie beispielsweise Morbus Wilson oder Morbus Parkinson, leidet der Betroffene unter Zuckungen, die den Alltag massivst beeinflussen. Parkinson-Patienten können die Symptome durch Medikamente lindern. Allerdings ist der Weg, bis der Erkrankte richtig eingestellt ist, oft langwierig. Häufig ist eine Medikation aus mehreren Wirkstoffen nötig, um die Symptome möglichst vollständig zu lindern.

Bei Kindern macht sich eine Reflexstörung meistens durch „nervöses Zucken“ bemerkbar. Das kann die Lidfalte oder andere Muskeln im Gesicht sein. Kinder, die unter Hyperaktivität leiden, zeigen oft auch solche Symptome.


Fragen und Antworten zu Reflexen

 

Kann ich die Reflexe meines Saüglings selbst überprüfen?

Ob sich ein Säugling seinem Alter entsprechend entwickelt, kann am besten ein Arzt beurteilen. Dieser kann auch oft die Unsicherheit nehmen, falls die Eltern das Gefühl haben, dass das Kind auf einem Gebiet untypische Schwächen aufweist.

Wer sich allerdings intensiv einliest, kann zu mindestens feststellen, ob ein Kind gewisse Reflexe noch aufweist oder schon abgelegt hat. Beim Stillen oder beim Tragen des Kindes sind viele Reflexe deutlich zu erkennen.

Was kann man tun, wenn man unter Reflexstörungen leidet?

Stellt man bei sich selbst oder bei einem Mitmenschen Reflexstörungen fest sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Sinnvoll ist es vorher Beobachtungen zu notieren.

  • Seit wann?
  • In welchem Ausmaß?
  • Welche Körperteile sind betroffen?

Solche und weitere Fragen wird auch ein Arzt stellen. Es ist durchaus sinnvoll eine Begleitperson mitzunehmen oder vorher zu befragen. Meistens nimmt eine Person diese Symptome noch anders wahr als man selbst. Vor allem mit Erkrankungen wie Morbus Wilson und Morbus Parkinson sollte man lieber zu früh als zu spät einen Arzt aufsuchen.

Kann Hanf bei spastischen Zuckungen helfen?

Der Eigenanbau, Besitz, Vertrieb und Konsum von Hanf ist illegal. Da Hanf aber erwiesener Maßen chronische Schmerzen und Spastiken lindert, gibt es Ausnahmeregelungen. Medizinisches Hanf ist verschreibungspflichtig. Eine Behandlung mit Cannabis kann außerdem starke Nebenwirkungen hervorrufen.

  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Herzrasen
  • Übelkeit
  • Blutdruckabfall
  • Mundtrockenheit
  • Kopfschmerzen
  • gerötete Augen
  • Atemprobleme
  • psychische Störungen
  • und viele mehr…

Ausschließlich ein Arzt darf entscheiden, ob eine Cannabisbehandlung bei einem Patienten notwendig ist. Dabei sind viele rechtliche Hürden zu beachten, möglich ist eine Behandlung aber prinzipiell.


Unser Fazit

Reflexe sind von Geburt an für den Menschen überlebensnotwendig. Wenn sich auch im Laufe der ersten Monate die Anzahl der Reflexe reduziert, verringert sich nicht ihre Bedeutung für den menschlichen Körper. Sie beschützen den Menschen vor vielen verschiedenen Gefahren im Alltag. Nur ein Reflex gibt uns die Möglichkeit schnell genug zu reagieren.

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