Impfungen

Impfung – oft vernachlässigt!

Impfung

Bedeutung von Impfungen

Impfungen sind medizinische Maßnahmen, die sowohl dem einzelnen Menschen wie auch der gesamten Bevölkerung zugute kommen. Der Einzelne wird gegen folgenschwere, auch tödliche Erkrankungen wirksam geschützt. Gleichzeitig schützt eine große Anzahl von Impfungen auch eine Minderheit von Ungeimpften. Je höher der Anteil der Menschen mit Impfschutz, desto sicherer wird der Ausbruch von Epidemien verhindert. Es wird davon ausgegangen, dass beim Impfschutz bei 95 % einer Bevölkerung der Ausbruch einer Epidemie gebannt ist.

Die Schutzimpfung geht auf den englischen Arzt Edward Jenner und den französischen Chemiker Louis Pasteur zurück. Erste Erfolge wurden bei Krankheiten, insbesondere den mörderischen Pocken, im 19. Jahrhundert verzeichnet. Bis heute wurden durch den verbreiteten Impfschutz beispielsweise die Pocken gänzlich ausgerottet. Seitdem befassen sich Mediziner und Pharmakologen, beharrliche Forscher in aller Welt mit der beständigen Entwicklung von immer neuen Impfstoffen. Da Impfungen große Teile der Erdbevölkerung erfassen und Risiken unabsehbare Folgen hätten, gehören Impfstoffe zu den am besten erforschten und auf medizinische Wirksamkeit und Sicherheit erprobten Medikamenten.

Was bei der Impfung geschieht

Ständig wird unser Organismus von unzähligen schädlichen Erregern angegriffen. Die Natur hat alle Lebewesen mit einem umfassenden Selbstschutz ausgestattet. Antikörper werden beim Eintritt von Krankheitserregern aktiviert, heften sich an diese und können sie oder doch einen Großteil der Erreger vernichten. Nach durchgemachter Infektion gehen diese Antikörper faktisch in eine Schlummerfunktion, behalten den einmal erkannten Erreger jedoch bleibend im Gedächtnis. Befällt dieser Erreger neuerlich, werden sie zielstrebig aktiv und vernichten ihn erfolgreich. Die so erlangte Immunität kann vielfach lebenslang wirksam sein.

Auf den Erfolg des Immunsystems bei der Abwehr ist jedoch nicht immer zu 100% Verlass. Es braucht bei der Erstinfektion eine Zeit, bis die Antikörper die Erreger erkannt haben. Das Immunsystem kann durch Vorerkrankungen, Stress, Umwelteinflüsse und mehr geschwächt sein. Die Erkrankung nimmt also einen Verlauf von unterschiedlicher Schwere. Bis der Körper mit den Erregern fertig geworden ist, können irreparable Schäden an Organen, Gehirn und Bewegungsapparat eingetreten sein. Als Beispiele seien nur Erkrankungen wie die Poliomyelitis (Kinderlähmung), Typhus oder Cholera. Selbst sogenannte Kinderkrankheiten, die sich durchaus nicht auf Kinder beschränken, wie Masern, Mumps, Röteln oder Keuchhusten führen im bedrohlichen Verhältnis zur Anzahl der Ausbrüche zu bleibenden Schädigungen, und können sogar tödlich verlaufen.

Bei einer Impfung wird das Immunsystem mit abgeschwächten lebenden oder toten Erregern „hinters Licht geführt“. Diese Erreger sind unfähig, die Erkrankung in voller Stärke zum Ausbruch zu bringen, einschließlich der schweren Folgen. Aber die Antikörper erkennen diese Erreger und reagieren wie auf ihre gefährlichen Brüder. Somit baut der Körper einen Immunschutz von unterschiedlicher Dauer auf. Einige Impfungen führen zu einem lebenslangen Schutz, andere müssen nach einer bestimmten Anzahl von Jahren wiederholt werden.

Es wird wohl nie ausreichend wirksame Impfungen gegen alle schweren Infektionserkrankungen geben. Gegen viele folgenschwere Infektionen, insbesondere gegen Erkrankungen, die epidemisch auftreten, sind bereits gute Impfstoffe entwickelt, die auch immer weiter verbessert werden. Impfungen sind eine Chance viele schwere Infektionskrankheiten endgültig auszurotten und künftige Generationen davor zu schützen. Da die ersten Impfungen im Kindesalter bereits während der ersten Lebensmonate verabreicht werden, sollten sich Eltern frühzeitig informieren.

Wichtige Impfungen – wann geimpft werden sollte

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht, jedoch ist die allgemeine Impfrate für Klein- und Schulkinder sehr hoch. Allerdings beklagen Mediziner, dass es zeitweilig zu einer gewissen Impfmüdigkeit – besonders bei Wiederholungsimpfungen kommt. Auf solche Impflücken lassen sich beispielsweise örtliche Verbreitungen von Masern, Häufigkeit vom Keuchhusten und anderen sogenannten Kinderkrankheiten bei Erwachsenen zurückführen. Wie schwerwiegend die Folgen sind, zeigt, dass es gerade bei den Masernausbrüchen viele schwere Verläufe bis hin zu Todesfällen bei Kindern gab. Für Kinder gibt es feste Impfpläne. Die Impfungen werden in ein Impfbuch eingetragen. So ist auch übersichtlich, wann die Wiederholungsimpfungen durchzuführen sind. Viele der Impfungen, die im Kindesalter verabreicht werden, müssen auch im Erwachsenenalter regelmäßig wiederholt werden. Sonst ist ein ausreichender Schutz nicht gewährleistet.

Von der 6. bis zur 12. Lebenswoche gibt es für Babys eine Schluckimpfung gegen Rotaviren. Rotaviren verursachen schwere Durchfälle, die bei Säuglingen lebensgefährlich sein können. Mit dem 2. Monat erhalten Säuglinge die Grundimmunisierung durch die 6-fach-Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Polio, Tetanus und Hepatitis B (akute bis chronische Leberentzündung). Diese Impfung wird im 4. Monat aufgefrischt. Ebenfalls ab dem 2. Monat gibt es Impfung gegen Pneumokokken (bakterielle Lungenentzündung), die später aufgefrischt wird. Zwischen dem 11. und dem 14. Monat wird die 6-fach-Impfung letztmalig wiederholt.

Im gleichen Alter erhalten Kleinkinder die 3-fach-Impfung gegen Masern, Röteln und Mumps sowie die Impfung gegen Windpocken oder die Wirkstoffe aller vier Impfungen bei einer 4-fach-Impfung. Mit 12 Monaten erfolgt die Impfung gegen Meningokokken (Hirnhautentzündung) und die Kinder können erstmalig gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Zecken übertragbare Hirnhautentzündung, geimpft werden.  Diese Impfung muss zwischen dem 15. und dem 23. Monat aufgefrischt werden.

Im Alter von 5 bis 6 Jahren erhalten die Kinder die weitere Auffrischung gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus und zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr eine Wiederholungsimpfung gegen Polio, Keuchhusten und Diphtherie.

Über diese wichtigen Impfungen im Kindesalter und deren teilweise Auffrischung im Erwachsenenalter hinaus sind auch viele Impfungen empfehlenswert, bzw. sogar Bedingung, für bestimmte Reisen. Je nach Land umfassen solche Impfungen u.a. die Impfung gegen Hepatitis A, Typhus, Cholera, Gelbfieber, Meningokokken und Japan-Enzephalitis.

Vor Reisen in bestimmte Länder und Regionen des subtropischen und tropischen Raums sollten sich Reisewillige vorher gründlich über wichtige Impfungen, eventuelle für die Einreise unbedingt erforderlichen Impfungen sowie über Prophylaxe gegen Malaria informieren.

Impfen – Verantwortung für sich selbst und andere

In Ländern wie Deutschland, wo es keine Impfpflicht gibt, liegt die Entscheidung über Impfungen bei Kindern bei den Eltern, bei Erwachsenen bei jedem selbst. Allerdings handelt es sich gerade bei den Infektionen, die von Mensch zu Mensch übertragbar sind, nicht nur um eine Entscheidung für die einzelne Person. Da eine mangelhafte Durchimpfung bei der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung auch den nicht geimpften Menschen Schutz bietet, liegt beim Impfen auch ein Teil Verantwortung für die Allgemeinheit.

Es gibt Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. Das ist der Fall, wenn beispielsweise eine Erkrankung das Impfen zu risikoreich machen würde. Bei einer akuten Erkrankung muss hier meist nur Aufschub in Kauf genommen werden. Bei schweren chronischen Erkrankungen kann es sein, dass über viele Jahre oder dauerhaft nicht oder nicht mit bestimmten Stoffen geimpft werden kann. In solchen Fällen bietet der allgemein vorliegende Impfschutz der umgebenen Menschen, den einzelnen Erkrankten Schutz, zumindest nicht zusätzlich an den schweren Infektionen zu erkranken, für die es Impfungen gibt.

Kinder können noch nicht selbst Vorteil und Risiko, das Für und Wider von Impfungen einschätzen und schon gar nicht selbst darüber entscheiden. Welchen Gefahren aber Kinder ausgesetzt werden können, die sich dann beispielsweise mit den Masern infizieren, wird bei der Weigerung leider oft übersehen. Trägt ein Kind nach einem schweren Krankheitsverlauf einen schweren, bleibenden Hirnschaden nach einer Hirnhautentzündung davon, ist das nicht mehr rückgängig zu machen.

Impferfolge und Befürchtungen zu Impfgefahren

Immer wieder machen mit den verschiedensten Aussagen Impfgegner von sich reden. Am deutlichsten widerlegen lässt sich wohl die Aussage, dass die Medizin bis heute den Beweis für die Wirksamkeit nicht erbracht hat. Es gibt sehr eindeutige Beweise. Diese müssen nicht einmal von Medizinern betont werden. Jeder in Ländern mit einem hohen Impfschutz kann diese Beweise selbst erkennen und profitiert spürbar davon. Die Geißel der entsetzlichen Pockenepidemien ist weltweit seit 1980 ausgerottet (WHO). Mit Leichtigkeit kann das jeder Bürger selbst erkennen.

Wer ist schon einem Pockenkranken begegnet? Polio, die Kinderlähmung, ist in einigen Ländern mit sehr hohem Impfschutz bereits verschwunden. Derzeitige Impfkampagnen in Ländern wie Indien, Pakistan, Ägypten und weiteren werden die folgenschwere Seuche weiter zurückdrängen. Tetanus (Wundstarrkrampf) wurde ebenfalls sehr erfolgreich bekämpft. Wer einen Impfschutz hat, muss sich nicht mehr vor einer tödlichen Infektion bei kleinsten Wunden fürchten, die mit Erde in Berührung kommen.

Die Tetanusimpfung schützt allerdings auch bei hohem Prozentsatz Geimpfter nicht die Nicht geimpften, da die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch, sondern von Erregern im Boden übertragen wird. Diphtherie tritt infolge der hohen Impfrate in Deutschland so gut wie gar nicht mehr auf.

Auch Meinungen, wie der Nestschutz der Säuglinge durch die Muttermilch wäre ausreichend oder der Schutz nach durchgemachter Krankheit sei sicherer als der einer Impfung, entbehren überzeugende Fundamente. Da sich der Nestschutz aus dem Immunsystem der Mutter nur langsam aufbaut, sind insbesondere Frühgeborene später besonders gefährdet. Nicht alle Mütter sind fähig zu stillen. Übertragen wird nicht der vollkommene Immunschutz der Mutter, und die Widerstandsfähigkeit ist unsicher und sehr unterschiedlich, erstreckt sich nur auf die erste Lebenszeit. Die durchlebte Erkrankung führt zwar bei manchen Infektionen zu starker bis lebenslanger Immunität. Die Risiken der Krankheitsfolgen wie Meningitis bei Masern und anderen Infektionskrankheiten, Unfruchtbarkeit von Jungen nach Mumps, gefährlichen Folgen der Röteln auf Ungeboren sind ungleich hoch.

Weit verbreitet ist die Furcht vor Impfschäden. Diese kommen jedoch nur zu sehr geringen Anteilen an der Zahl der Impfungen vor. Vorübergehende Impfreaktionen wie leichtes Fieber, Mattigkeit oder Gliederschmerzen sind kurz und schwach und lediglich ein Zeichen, dass die Antikörper aktiv sind. Oft werden Erkrankungen auf eine Impfung zurückgeführt, die unabhängig der Impfung ausgebrochen sind. Richtig ist, dass sich bei manchen Menschen kein ausreichender Schutz aufbaut. Auch dieses Risiko ist nicht mit dem einer Epidemie zu vergleichen, zumal sie bei ausreichender Durchimpfung in der Bevölkerung ein sehr geringes, bis kein Infektionsrisiko haben. Geringe Wirkungen bei einigen Impfungen, wie z. B. der Grippeimpfung, hängt mit der hohen Veränderungsfähigkeit der Viren zusammen, was nicht immer absehbar ist. Forscher sind hier intensiv um eine wirkungsvollere Impfmethode bemüht, die direkt die Virenstämme statt der veränderlichen Oberflächen hemmt.

Folgen von Infektionskrankheiten, gegen die es Impfungen gibt

Die Bezeichnung Kinderkrankheiten ist auf die Infektionshäufigkeit von Erkrankungen im Kindesalter zurückzuführen. Die Mehrzahl dieser Krankheiten ist hoch ansteckend und kann sich epidemisch ausbreiten. Zwar heilen die Krankheiten oft folgenlos aus, sehr häufig kommt es aber zu schweren Folgeschäden, die nicht oder nur bedingt behandelbar sind.

Ein Drittel der Masernpatienten erleiden Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, leiden unter heftigen Durchfällen, die gerade für Säuglinge und Kleinkinder bedrohlich sind. Bei einem von 1.000 Masernfällen kommt es zu einer Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung). Ein Fünftel dieser Fälle endet tödlich. Bei anderen bleiben irreparable Hirnschäden zurück.

Mumps kann zu Hörschäden bis hin zur Taubheit, Hornhautentzündung führen. Bei Jungen und jungen Männern führt die Krankheit häufig zu Hodenentzündungen und Folgeschäden als Zeugungsunfähigkeit. Erkranken Schwangere an Röteln, kommt es mit sehr großer Häufigkeit beim Kind zu schweren Organschäden, Augenschäden, Herzschäden, teilweise zum Tod des Ungeborenen. Das wird durch die Impfung mit hohem Erfolg verhindert.

Auch der Keuchhusten ist alles andere als harmlos. Komplikationen können Mittelohr- und Lungenentzündungen sowie Krampfanfälle sein. Gelangen Bakterium ins Gehirn, kann es zur dauerhaften Hirnschädigung kommen. Bei Babys besteht die Gefahr von Atemstillstand. Als Folgeerkrankung kann es zu chronischem Asthma kommen. Dies sind nur einige Beispiele, die aufzeigen, welche Gefahren mit den sogenannten Kinderkrankheiten einhergehen. Impflücken führen dazu, dass solche Infektionskrankheiten heute verstärkt Erwachsene befallen, die über keinen oder keinen ausreichenden Impfschutz (versäumte Auffrischungsimpfungen) verfügen. Die Krankheitsverläufe sind in der Regel für Erwachsene, Säuglinge und ältere Menschen besonders oft von Komplikationen gekennzeichnet.

Der Blick ins Impfbuch lohnt sich. Wo notwendig, wie bei Tetanus und anderen Impfungen, sind periodische Auffrischungen erforderlich. Wer als Kind nicht geimpft wurde, kann das im Erwachsenenalter nachholen. Da diese Krankheiten gerade für noch nicht geimpfte Säuglinge besonders lebensbedrohlich sind, sollte das schon mit Blick auf die eigene Familie getan werden.

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