Apostrophitis

Was ist Apostrophitis (Achtung IRONIE)

Die Apostrophitis ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Egal ob Analphabet oder studierter Germanist.

Ein typisches Symptom dieses Leidens ist unter anderem das Zwanghafte Setzen eines Apostrophs, das auch als Hochkomma bezeichnet wird, wo es nicht hingehört.

Insbesondere bei Genitiven, Pluralformen und Abkürzungen machen viele einen Federstrich zu viel und setzen ein Apostroph an eine Stelle, an die es nicht gehört.

Die Ausgeprägte Form und quasi Endphase der Krankheit nennt sich beim Erkrankten „Deppenapostroph„.

Das ist aber gar kein Problem!- es ist nicht besonders schwierig bei dieser bösen Krankheit Abhilfe zu leisten. Das Lesen einschlägiger germanistischer oder semantischer Fachliteratur können hierbei wahre Wunder wirken.

Ursachen

Einer Apostrophitis können vielerlei Ursachen zugrunde liegen, diese sind unter anderem:

  • Mangelndes Interesse
  • Im Deutschunterricht nicht aufpassen
  • Falsche Freunde

Manchen Personen ist es schlicht und einfach egal, ob nun von „Annas Buch“ oder „Anna’s Buch“ die Rede ist – und das ungeachtet der Tatsache, dass ersteres ein Buch beschreibt, das einer Anna gehört und letzteres faktischer Unsinn ist. Außer natürlich man wollte tatsächlich „Anna es Buch“ sagen. Manche Wortkünstler lieben die Metaebene.

Darüber hinaus kann es auch sehr gefährlich sein, wenn man im Deutschunterricht nicht genügend aufpasst! Hier sollte es einem eigentlich beigebracht werden, wie man’s (← so ist’s nämlich richtig) mit den Apostrophen hält und wie nicht. Es ist imgrunde auch nicht schwierig. Ein Apostroph setzt man dann, wenn man die verkürzte Form von „es“, also „’s“ an etwas anhängen möchte. Oder aber, wenn man andere Worte selektiv und wissentlich verkürzt, damit sie ins Metrum passen oder damit der Text umgangssprachlicher wirkt. „Hast Du mal ’ne Mark?“ ist zum Beispiel korrekt, wohingegen „Mein Hund rennt um’s Haus.“ vollkommener Käse ist.

Eine weitere nicht zu unterschätzende Ursache sind sog genannte falsche Freunde. Hierunter sind insbesondere Personen zu verstehen, die selbst nur bedingt dazu in der Lage sind, Apostrophe korrekt anzuwenden und andere Individuen mit diesem gefährlichen Halbwissen negativ beeinflussen. „Ey, hast Du meine CD’s gesehen?“ wäre beispielsweise ein Satz, den man von so einer Person zu lesen bekommt. Darauf muss man nicht antworten, schließlich ist der Satz an sich sinnentleert. „Ey, hast Du meine CDs gesehen?“ dagegen ist vollkommen korrekt.

Fallbeispiele

Natürlich ist nicht gleich jeder, der nicht in der Lage dazu ist, ein Apostroph korrekt zu setzen ein schlechter Schüler gewesen. Es kann durchaus andere Gründe haben. Vielleicht ist eine an Apostrophitis leidende Person auch einfach nur ein großer Freund englischsprachiger Literatur und hat sich hier den falschen Input geholt. In der englisch Sprache ist es nämlich tatsächlich vorgeschrieben, einen Genitiv mit einem Apostroph anzuzeigen. „Is that Tim’s house?“ ist ein vollkommen korrekter Satz, wohingegen das deutsche Äquivalent „Ist das Tims Haus?“ heißen müsste, ohne das Hochkomma.

Ein weitere Möglichkeit, warum man die Setzung dieser Satzzeichen nur unzureichend beherrscht, könnte darin liegen, dass man 200 Jahre alt oder älter ist. Tatsächlich war das Apostroph in Deutschland vor einigen Jahrhunderten sehr viel häufiger anzutreffen als heute. So findet man in Originalwerken aus der Zeit durchaus Überschriften wie „Schiller’s gesammelte Werke“ oder „Heine’s Gedichte“ – hierbei handelt es sich nicht um Setzfehler, sondern um die korrekte für die damalige Zeit gängige Schreibweise. Diese Zeiten sind aber lange vorbei. Das sollte inzwischen bei jedem angekommen sein.

Behandlung und Therapie

Wie bringt man einen militanten Apostrophensetzer nun dazu, diese schlechte Angewohnheit zu unterlassen? Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass die Kassen eine dahingehende Therapie nur selten zahlen und man also wohl selbst auf den Kosten sitzen bleibt. Da diese aber in aller Regel überschaubar sind, sollte man sich nicht allzu viele Gedanken machen, was das angeht.

Um die Apostrophitis erfolgreich auszumerzen zu können, ist besonders das Umfeld des Erkrankten gefragt. Es bietet sich zum Beispiels an, wenn man dem Betroffenen zum Geburt’s-Tag … Geburtstag, Entschuldigung, einfach mal einen Duden oder ein grammatisches Werk schenkt. Die hieraus zu ziehenden Erkenntnisse helfen zumeist enorm bei der Verbesserung der eigenen Satzzeichensetzfähigkeit.

Es ist also wirklich kein allzu großer Aufwand, wenn man eine Person, die einem am Herzen liegt, von diesem Leiden befreien möchte. Bei manchen dauert es überdies etwas länger als bei anderen, aber am Ende kann doch der überwiegenden Mehrheit der betroffenen Personen geholfen werden.

Häufige Missverständnisse

Missverständnisse entstehen nicht nur dadurch, dass man durch das falsche Setzen eines Apostrophs den Sinn so manchen Textes entleert, sondern es liegen solche auch bei einigen Regeln vor, die sich mit der korrekten Zeichensetzung beschäftigen.

Einige Beispiele hierfür sind:

  • Der Genitiv geht auch ohne
    Viele Menschen spüren beim Ausschreiben eines Genitivs den beinahe unüberwindlichen Drang, ein durch ein Apostroph abgetrenntes „s“ anzufügen. Das sollte man lassen. Es ist „Haralds Kaugummi“ und nicht „Harald’s Kaugummi“. Darüber hinaus leiden viele Menschen unter der Apostrophitis, wenn es um die Bildung des Genitivs bei Wörtern, die natürlich auf s enden, geht. Auch hier fühlen sich die meisten Menschen genötigt, ein Apostroph zu setzen. Das ist Humbug. Es heißt: „Das ist Hans Katze“, nicht „Das ist Hans‘ Katze“. 99,9% der deutschen Bevölkerung sind in der Lage auch ohne Apostroph zu verstehen, dass es sich hierbei um eine Katze handelt, die einer Person namens Hans gehört und nicht um einen Hans, dessen Nachname Katze ist. Diesen Fehler findet man aber dennoch immer wieder. Dasselbe passiert auch häufig mit lateinischen Lehnworten, die auf -us enden. „Das Labyrinth des Minotaurus“ ist korrekt. Ein Apostroph kann man sich hier sparen. Wer es aber ganz verwegen mag, der kann auch gerne auf den originalen lateinischen Genitiv zurückgreifen und gleich „Das Lyrinth des Minotauri“ schreiben …
  • Zusammengesetzte Präpositionen
    Vielen Menschen fällt es darüber hinaus schwer zu verstehen, dass zusammengesetzte Präpositionen auch gänzlich ohne die Anwendung von Apostrophen valid sein können. Dies gilt besonders für Personen, die „um’s“ Eck gehen und etwas „unter’m“ Bett suchen. Diese Verwendung des Apostrophs ist schlicht und ergreifend falsch. Es sieht weder gut aus, noch ist es sonderlich sinnig. Es reicht hier, wenn man sich an das hält, was der Lehrer in der Schule einem beigebracht hat und man auch weiterhin ums, unterm, beim, zum, ins und aufs schreibt.
  • Der Plural und seine Tücken
    Sicherlich mag es verlockend wirken, besonders bei Abkürzungen, der Übersicht halber ein Apostroph einzufügen. „Gib mir meine DVD’s zurück!“ ist jedoch eine grundsätzlich eher schlechte Art, seine Filme zurückzuverlangen. „DVDs“ ohne Apostroph tun’s genauso. Dasselbe gilt natürlich auch für CDs, PKWs, LKWs und ICEs.

Abschließende Bemerkungen

Personen, die an einer Apostrophitis leiden kann geholfen werden! Niemand ist mit diesem Übel auf sich allein gestellt. Darum sollte man nicht zögern und sich dementsprechende Hilfe suchen, wenn man sie benötigt. Damit tut man nicht nur sich selbst, sondern auch seinem Umfeld etwas Gute’s … Gutes.

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