Fazialisparese

Steckbrief: Fazialisparese

  • Name(n): Fazialisparese; Gesichtslähmung; Bell’sche Lähmung
  • Art der Krankheit: Erkrankung des siebten Hirnnervs (Nervus facialis)
  • Verbreitung: Größtenteils Erwachsene mittleren Alters
  • Erste Erwähnung der Krankheit: Ende des 18. Jahrhunderts
  • Behandelbar: Medikamentöse Behandlung; Ergo-/Physiotherapie; Operation
  • Art des Auslösers: Idiopathisch; Infektionen; Verletzungen; Tumore; Schlaganfälle
  • Wieviele Erkrankte: Von 100.000 Personen ca. 20-25 Erkrankte
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: HNO-Arzt; Neurologe; Internisten
  • ICD-10 Code(s): G51.0

Lähmung der Gesichtsmuskulatur

Die Fazialisparese ist eine unspezifische Erkrankung, die durch eine meist halbseitige Lähmung der Gesichtsmuskeln gekennzeichnet ist. Ausgelöst wird das Leiden durch eine Erkrankung des siebten Hirnnervs (Nervus facialis). Männer und Frauen mittleren Alters sind am Meisten betroffen.

Zur erfolgreichen Behandlung der Gesichtslähmung ist es wichtig festzustellen, durch was die Krankheit ausgelöst wurde und darauf basierend eine passende Therapie einzuleiten.

In den meisten Fällen ist der Auslöser jedoch unbekannt (idiopathisch), weswegen die Symptome genaustens beobachtet werden müssen, um eine erfolgreiche Genesung des Patienten in Aussicht zu stellen.

Definition der Fazialisparese

Die Fazialisparese wird umgangssprachlich als Gesichtslähmung bezeichnet, da die betroffenen Patienten nicht mehr bzw. nur eingeschränkt in der Lage sind ihre Gesichtsmuskulatur zu beanspruchen. Die Fehlfunktion wird durch eine Erkrankung des siebten Hirnnervs verursacht und beschränkt sich in der Regel auf eine bestimmte Gesichtshälfte.

In erster Linie sind die motorischen Fähigkeiten der betroffenen Gesichtshälfte eingeschränkt. Bewegungen wie das Zeigen der Zähne, lächeln, das Rümpfen der Nase oder das Schließen der Augen sind nur bedingt oder garnicht mehr möglich.

Dadurch wird ebenfalls die Sprache sowie die Nahrungsaufnahme negativ beeinflusst.

In schlimmen Fällen kann durch die eingeschränkte Funktion des Lidschluss eine Austrocknung der Augenhornhaut auftreten und die Sehfähigkeit des Patienten gefährden. Eine umgehende Behandlung nach der Diagnose, ist deshalb umso wichtiger um weitere Leiden zu verhindern.

Die Fazialisparese ist die am weitesten verbreitete Störung der Hirnnerven und kann unabhängig von Alter und Geschlecht auftreten. Die am meisten registrierten Fälle treten jedoch bei Patienten im mittleren Erwachsenenalter auf.

Jüngste Studien haben ergeben, dass schwangere Frauen in den letzten Schwangerschaftsmonaten sowie Diabetiker besonders gefährdet sind. Eine schlechte Blauzuckereinstellung begünstigt das Entstehen der Fazialisparese. Über familiäre Vererbung wird ebenfalls spekuliert.

Was ist eine Fazialisparese?

Erstmalig diagnostiziert wurde die Fazialisparese von Nicolaus Anton Friedreich, gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Erfolgreiche Behandlungsmethoden wurden jedoch erst im 20. Jahrhundert entwickelt.

Eine Gesichtslähmung ist immer mit einer Erkrankung des siebten Hirnnervs verbunden. Der Verlauf dieses Nervs geht vom Kopf- und Halsbereich, durch die Schädelhöhle hin zur Gesichtsmuskulatur und ist für dessen Steuerung verantwortlich. Bei einer Fehlfunktion ist vor allem die Mimik betroffen, was mit einer hängenden Gesichtshälfte, der Unfähigkeit zur Nahrungsaufnahme und eingeschränkter Sprachfunktion einhergeht.Weitere Symptome sind von der Art der Erkrankung abhängig. Man unterscheidet bei der Fazialisparese zwischen zentralem, periphererem, idiopathischem und nukleärem Typ.

Bei einer zentralen Lähmung ist der entsprechende Nerv, unweit seines Ursprungs im Gehirn betroffen. In der Regel ist bei diese Art eine Gesichtshälfte mehr oder weniger in ihrer Funktion eingeschränkt. Die Bereiche von Stirn und Augen sind dabei nicht betroffen.

Bei der peripheren Lähmung ist der siebte Hirnnerv auch in seinem Verlauf betroffen und löst dadurch eine komplette Fehlfunktion der jeweiligen Gesichtshälfte aus. Erkennbar wird dies durch eine Bewegung des Augapfels, beim Versuch das Auge zu schließen (Bell-Phänomen). Je nach dem wie weit die Schädigung des Nervs fortgeschritten ist kann es dabei auch zu Schädigungen der Hör- und Geschmackswahrnehmung kommen.

Die idiopathische bzw. nukleäre Fazialisparese tritt am häufigsten auf und geht zusätzlich zu den bereits genannten Symptomen, mit weiteren neurologischen Störungen einher, da dabei auch andere Hirnnerven in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Unkontrollierbare Zuckungen im Bereich des Gesichts sind beispielsweise kennzeichnend für diesen Typus.

Um eine erfolgreiche Behandlung der Krankheit in Aussicht zu stellen ist es wichtig bei den kleinsten Anzeichen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und eine gezielte Therapie einzuleiten. In 80% der Fälle kommt es innerhalb von sechs Monaten zu einer spontanen Heilung, welche in manchen Fällen jedoch, geringfügige, bleibende Fehlfunktionen der Mimik hinterlässt . Selten sind plastische Operationen erforderlich. 10 % der Erkrankten klagen über ein Wiederauftreten der Krankheit nach einiger Zeit.


Welche Ursachen gibt es?

Die genaue Ursache der Erkrankung ist in über 70 % der Fälle ungeklärt, weswegen man von einer idiopathischen Fazialisparese spricht. Man geht von einer virenbedingten oder bakteriellen Infektion aus, die zu einer Schädigung des Nervenstamms (Hüllscheiden) führt und diesen dadurch angreifbar macht. Aufgrund dessen das dieser Nerv nur durch einen einen engen Kanal verläuft, reicht eine geringfügige Schwellung aus um diesen dermaßen einzuengen, dass ein zu hoher Druck entsteht. Dadurch wird die Hüllscheide beschädigt und ihre schützende Funktion außer Kraft gesetzt.

Um eine genauere Feststellung der Ursachen zu treffen, sollte der behandelnde Arzt alle in Frage kommenden Faktoren berücksichtigen. Dazu gehören unfallbedingte Verletzungen, Erkrankungen der Ohren oder des Gehirns und damit verbundene Operationen, Tumore, Autoimmunerkrankungen sowie weitere Krankheiten die das Organ- bzw. zentrale Nervensystem betreffen.

Anhand gewisser Symptome wie z.B vermindertem bzw. erhöhtem Tränenfluss, Ohrenschmerzen, fehlendem Geschmack- und Geruchssinn und gestörter Sprachfunktion kann ebenfalls eine Fazialisparese diagnostiziert werden.

Die periphere Gesichtslähmung, welche etwa 25 % der Fälle ausmacht, wird oft durch gewisse Vorerkrankungen ausgelöst. Dazu zählen unter anderem:

  • Unfälle,
  • operative Eingriffe,
  • Borreliose,
  • Syphilis,
  • Diphtherie,
  • Diabetes,
  • und Tumore.

Eine Vielzahl an Krankheitserregern, können für die Entstehung der Fazialisparese verantwortlich gemacht werden. Patienten die im Vorfeld von Drüsenfieber, Windpocken oder dem HI-Virus betroffen waren zeigten eine erhöhte Anfälligkeit für die Gesichtslähmung. Ebenso können bakterielle Infektionen die Entstehung der Krankheit begünstigen.

Bei einer beidseitigen Gesichtslähmung, ist in der Regel ein Zeckenbiss (Neuroborreliose), eine Autoimmunkrankheit (z.B. Sarkoidose) oder das Carey-Fineman-Ziter Syndrom als Ursache auszumachen. In einigen Fällen führen auch Verletzungen des Felsenbeins sowie wachsende Tumore zu einer Schädigung des siebten Hirnnervs und lösen dadurch eine Fazialisparese aus.

Wichtig ist, jedes noch so kleine Anzeichen ernst zu nehmen und umgehend untersuchen zu lassen. Um so früher die Diagnose gestellt wird und der Patient eine ordnungsgemäße Behandlung erfährt, desto höher stehen die Chancen auf eine vollständige Heilung.


Symptome & Anzeichen

Das auffälligste und am häufigsten vorkommende Anzeichen einer Fazialisparese ist die halbseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Diese zeichnet sich in erste Linie durch einen herabhängenden Mundwinkel aus und Patienten klagen außerdem über ein merkwürdiges Gefühl im Bereich hinter dem Ohr. Bei einer peripheren Fazialisparese können die Betroffenen zudem die Stirn nicht mehr runzeln, da dabei die Funktion des zuständigen Gesichtsnervs außer Kraft gesetzt ist.

In der Regel macht sich eine Gesichtslähmung innerhalb weniger Tage bemerkbar und beginnt meist mit leichten Schmerzen hinter dem Ohr sowie einem seltsamen Gefühl in der betroffenen Gesichtshälfte. Abhängig von der Art und Ausprägung der Fazialisparese, treten neben den Lähmungserscheinungen weitere Symptome auf, wie z.B

  • Unfähigkeit das Augenlied komplett zu schließen
  • Verschwommene Artikulation
  • Augapfel gleitet nach oben bei schließen des Augenlieds (Bell-Phänomen)
  • fehlende Falten auf der Stirn sowie im Bereich zwischen Nase und Mund

Handelt es sich bei der Erkrankung um eine zentrale Fazialisparese, geht diese mit einer Schädigung der Nervenzellen im Gehirn einher und wirkt sich vorwiegend auf die Mimik bzw. Gesichtsmuskulatur aus. Im Gegensatz zur peripheren Gesichtslähmung ist die Stirn dabei nicht betroffen.

Zusätzlich zu den bereits genannten Symptomen kommen im Falle eines im inneren Bereich, stark geschädigten Nervs, weitere Beschwerden hinzu. Diese sind vor allem:

  • fehlender Geschmackssinn
  • eingeschränkter Speichel- und Tränenfluss
  • hohe Lärmempfindlichkeit (Hyperakusis)
  • Schwerhörigkeit
  • ausgetrocknete Nasenschleimhäute

Die Schwere des Erkrankung wird anhand der Symptome gemessen und teilt sich in 6 verschiednen Stufen ein. Um eine Verschlimmerung der Symptome zu verhindern ist eine eingehende Untersuchung und umgehende Behandlung von äußerster Notwendigkeit.


Diagnose & Krankheitsverlauf

Erfahrene Mediziner erkennen eine Fazialisparese in der Regel auf den ersten Blick, da die Symptome im Gesicht (herabhängende Mundwinkel, verwaschene Sprache, unkontrollierter Speichelfluss) sehr auffällig sind. Zu Beginn der Diagnose, erfolgt in der Regel ein Patientengespräch in dem grundlegende Fragen erörtert werden müssen, die für die weitere Behandlung wichtig sind. Diese sind beispielsweise:

  • Datum der ersten auffälligen Anzeichen?
  • Wie äußern sich die Symptome?
  • Bestehen andere Beschwerden, die vorher nicht vorhanden waren?

Sind die grundlegenden Fragen geklärt muss eine internistische Untersuchung erfolgen. Dabei werden die Ohren genaustens kontrolliert und der behandelnde Arzt prüft die Funktion der Lunge, des Herzens sowie der Halsgefäße. Hierbei können bereits erste Feststellungen gemacht werden.

Um Hinweise auf eine bakterielle oder virenbedingte Erkrankung zu erhalten erfolgt eine Blutanalyse sowie ein Abstrich auf der Haut, um eventuelle Krankheitserreger nachzuweisen. Werden hierbei Vorerkrankungen wie Herpes, Borreliose, Diabetes melitius oder ähnliche Leiden festgestellt, kann dies ein deutlicher Hinweis auf die Ursache der Gesichtslähmung sein.

Weitere Untersuchungsmaßnahmen sind erforderlich um das Ausmaß und den genauen Typus der Fazialisparese zu diagnostizieren. Die übliche Vorgehensweise besteht aus einer Reihe von Tests die am Patienten durchgeführt werden. Dazu zählen u.a.:

  • Eine Überprüfung der Geschmacksnerven
  • Ein Schirmer-Test (Dabei wird die der Tränenfluss untersucht)
  • Röntgenaufnahme des Schädels
  • Elektromyographie (Messung der elektrischen Ströme im Muskel)
  • Computertomographie
  • Magnetresonanztomografie

Bei Verdacht auf eine vorhandene Fazialisparese sind internistische, psychologische und neurologische Untersuchungen umgehend einzuleiten.


Häufigkeit & Diagnosedaten

Unter den medizinisch bekannten Erkrankungen der im Gehirn befindlichen Nerven ist die Fazialisparese, das am Häufigsten vorkommende Leiden. Jährlich erkranken zwischen 20 bis 30, von 100.000 Patienten an einer Gesichtslähmung. 7 von 100 der betroffenen Personen, erleiden nach erfolgreicher Behandlung, eine erneute Fazialisparese. Der Großteil der Patienten befindet sich im mittleren Erwachsenenalter (zwischen 30 und 50 Jahre). Männer und Frauen sind statistisch gesehen etwa gleichmäßig betroffen, mit steigendem Alter steigt das Risiko jedoch. Eine familiäre Vererbung ist ebenfalls möglich.

Jüngste Studien haben ergeben dass schwangere Frauen einem dreifach erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an einer Gesichtslähmung zu erkranken. Vor allem in den letzten Monaten der Schwangerschaft besteht eine besonders hohe Gefahr. Im Durchschnitt erkranken 45 von 100.000 schwangeren Frauen jährlich an einer Fazialisparese. Über die genauen Ursachen dieses Phänomens sind sich Mediziner jedoch bislang uneinig.

Eine weitere Gruppe die häufiger als der Durchschnitt von der Fazialisparese betroffen ist, sind Diabetiker. Die Ursache dafür lässt sich in der Regel auf einen unausgewogenen Blutzuckerspiegel zurückführen, welcher sich wiederum negativ auf die Funktion des siebten Hirnnervs auswirkt


Komplikationen bei der Krankheit

Komplikationen können in erster Linie dann auftreten wenn die Fazialisparese einen operativen Eingriff erfordert. Wie bei jeder Operation sind gewisse Risiken damit verbunden. Die größte Gefahr dabei, ist eine zeitweilige oder gar bleibende, Schädigung der Hörfunktion. Die Wahrscheinlichkeit für eine derartige Komplikation liegt im Schnitt zwischen 1,5 und 8 Prozent. Des weiteren kann es in 3-8 Prozent der Fälle, innerhalb von zwei Wochen nach der Operation, zu einer erneuten Fazialisparese kommen. Lebensbedrohliche Komplikationen sind mit unter 1 Prozent sehr selten.

Ein weiterer Faktor ist die psychische Belastung des Patienten. Durch die sichtbaren Veränderungen im Gesicht, die gestörte Sprachfunktion und weitere Symptome fühlt sich der Patient eingeschränkt und entwickelt ein erhöhtes Schamgefühl gegenüber anderen Menschen. Die Betroffenen weigern sich dann das Haus zu verlassen, isolieren sich und verfallen in Depressionen. Um diesen Komplikationen entgegenzuwirken ist die Unterstützung durch eine Vertrauensperson von enormer Wichtigkeit.

Vorbeugende Maßnahmen um Komplikationen zu verhindern sind:

  • Betreuung des Patienten durch Angehörige
  • Den Patienten stets über alle Maßnahmen und Fortschritte zu informieren
  • eine ruhige und ausgewogene Atmosphäre schaffen
  • Maßnahmen zur Regeneration einleiten (Physio- bzw. Ergotherapie)
  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin
  • Gesunde Ernährung und ein ausgewogener Schlafrhythmus

Sollte es im Krankheitsverlauf zu weiteren oder ungeahnten Komplikationen kommen, ist umgehend der Rat des behandelnden Arztes einzuholen, so dass dieser die erforderlichen Schritte einleiten kann.


Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da die ersten Symptome einer Fazialisparese äußerlicher Natur sind, sollte bei den ersten Anzeichen (schlapper Gesichtshälfte, tränendem Auge, Sprachstörung etc.) umgehend der Hausarzt konsultiert werden. Dieser kann anhand genauerer Untersuchungen, die Art und Schwere der Gesichtslähmung diagnostizieren und darauf hin weitere Schritte einleiten.

Abhängig vom jeweiligen Fall muss der Patient dann von einem HNO-Arzt behandelt werden oder gegebenenfalls eine neurologische Untersuchung (CT und MRT) durchgeführt werden. Dies ist allerdings nur angebracht wenn Verdacht auf eine unmittelbare Schädigung des siebten Hirnnervs vorliegt.

Im Falle eines zuvor erlittenen Schlaganfalls, ist das Risiko für eine zentrale Fazialisparese ebenfalls um ein Vielfaches erhöht, weswegen eine ausführliche Untersuchung unbedingt von Nöten ist.


Behandlungsmethoden & Therapie

Bei der idiopathischen Fazialisparese, hat sich die zeitweilige Verabreichung von Kortikosteroiden bisher als die effektivste Therapiemaßnahme erwiesen. Kortikosteroide haben eine abschwellende und antibakterielle Wirkung, müssen jedoch möglichst direkt nach dem ersten Auftreten von Symptomen verabreicht werden um eine erfolgreiche Heilung in Aussicht zu stellen. Die Medikation sollte nicht länger als 10 Tage erfolgen.

Falls die Gesichtslähmung durch Viren (Herpes, Gürtelrose, Windpocken etc.) verursacht wurde, ist die zusätzliche Einnahme eines Virostatikums notwendig um die Erreger zu bekämpfen und eine vollständige Heilung zu erreichen. Bei einer bakteriellen Infektion (z.B Borreliose) wird dagegen mit Antibiotika gearbeitet. Diabetiker müssen durch gewisse Maßnahmen ihre Blutzuckerwerte regulieren. Außerdem ist ein besonderer Schutz der Augen unabdingbar um deren Austrocknung zu verhindern. Hierfür kommt normalerweise Salben oder bestimmte Augentropfen zum Einsatz.

Grundlegend werden folgende Maßnahmen für eine erfolgreiche Therapie empfohlen:

  • Krankengymnastik, die auf eine Wiederherstellung der Mimik abzielt (Massagen, Bewegungsübungen, Lymphdrainagen)
  • physiotherapeutische Übungen zur Wiederherstellung der Geschmacksnerven
  • Verabreichung von Vitamin-B-komplex und Kortison
  • Schmerzlindernde Medikamente
  • Durchblutungsfördernde Infusionen
  • Das Auge mit einem Uhrglasverband abdecken
  • operative Durchtrennung der Nervenfasern (sehr selten)

Bei unkontrollierbaren Zuckungen im Gesichtsbereich, wird Botulinum-Toxin intravenös in die Knochen geleitet, um die Zuckungen zu unterdrücken. Falls die Gesichtslähmung vom Ohr ausgeht sind Maßnahmen zur Behandlung einer Mittelohrentzündung einzuleiten. Sollte der Gesichtsnerv durchtrennt worden sein, kann dieser durch einen chirurgischen Eingriff wiederhergestellt werden.

In manchen Fällen reicht die ambulante Behandlung leider nicht aus oder der Patient hat nach der Heilung mit dauerhaften Folgeschäden zu kämpfen. In diesem Fall bestehen verschiedene Möglichkeiten von plastisch-chirurgischen Eingriffen, die die Leiden des Patienten lindern können.

Hierzu zählen in erster Linie:

  • Transplantation bzw. Verbindung von gesunden Nerven
  • Implantation von Gold oder Platin in das Augenlid (falls dieses nicht geschlossen werden kann)
  • Verpflanzung von Muskeln aus anderen Körperregionen im Gesichtsbereich

Alternative Behandlungsmethoden wie beispielsweise das Leiten von Reizströmen in die Muskulatur, haben eventuell eine heilungsfördernde Wirkung. Ihr tatsächlicher Nutzen ist wissenschaftlich jedoch umstritten.


Vorbeugung – Impfung & Prävention

Es gibt leider keine allgemein gültigen Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Entstehung einer Fazialisparese, da die Ursachen vielseitig bzw. oft unbekannt sind. Eine bedingte Prävention ist jedoch durch Verhinderung möglicher Ursachen gegeben.

Beispielsweise ist es ratsam durch regelmäßige Impfungen Borreliose vorzubeugen, da diese ein häufiger Auslöser der Gesichtslähmung ist. Des weiteren sollte durch ausreichende Hygiene und eine gesundem Lebenswandel, anderen Krankheiten vorgebeugt werden, welche die Entwicklung einer Fazialisparese begünstigen. Hierzu zählen in erster Linie die Mittelohrentzündung und Diabetes melitius. Sollte es dennoch zu einer der genannten Erkrankungen kommen ist eine frühzeitige und gezielte Behandlung umso wichtiger.

Anderen Ursachen wie Schlaganfällen, Tumoren und Syphilis ist ebenfalls durch einen gesunden Lebensstil vorzubeugen. Der Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum, Rauchen und ungeschützten Geschlechtsverkehr spielt dabei eine wichtige Rolle. Ebenso sollte bei Reisen in tropische Gebiete auf mögliche Erreger geachtet werden und dementsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.

Einen Impfstoff gegen die Fazialisparese gibt es nicht.


Prognose zur Heilung

Die Heilungsprognose einer Gesichtslähmung, ist immer abhängig von der Ursache der Erkrankung, der Schwere der Symptome und dem Alter des Betroffenen. Umso älter der Patient, desto geringer die Chance auf eine vollständige Regeneration.

Bei der idiopathischen Fazialisparese (Belsche Lähmung) stehen die Chancen auf eine Heilung sehr gut. 90 Prozent der Betroffenen erfahren bei ordnungsgemäßer Therapie einen deutlichen Rückgang der Symptome. Mehr als zwei Drittel der Patienten ist nach etwa vier Monaten vollständig geheilt. Je nach dem wie schwerwiegend die Verletzung des siebenten Hirnnervs ist , kann sich die Heilung auch über Jahre hinaus ziehen. Derart lange Therapien sind aber eher eine Seltenheit.

Bei einer peripheren oder zentralen Gesichtslähmung ist die Prognose eher schlecht, was allerdings immer mit dem Ausmaß der Schädigung zusammenhängt. Eine vollständige Lähmung, falsche Medikation oder eine zu spät erfolgte Behandlung wirkt sich negativ auf die Heilungschancen aus. In vielen Fällen kommt es dann zu einer sogenannten Defektheilung (unvollständige Regeneration). Der Patient leidet dann im Nachhinein an Zuckungen, erhöhter Spannung im Gesichtsmuskel und unkontrolliertem Tränenfluss. Eventuell können die dafür verantwortlichen, zerstörten Nervenfasern operativ wiederhergestellt werden.


Auswirkungen und Umgang

Emotionale Auswirkungen einer Gesichtslähmung und der Umgang mit Betroffenen

Der siebte Hirnnerv, welcher für die Funktion der Gesichtsmuskeln verantwortlich ist steuert sämtliche Emotionen und Bewegungen (lachen, kauen, schmunzeln usw.), die im Gesicht stattfinden. Eine Fazialisparese ist daher sehr auffällig und lässt sich gegenüber den Mitmenschen kaum verheimlichen. Viele Betroffene werden dadurch in ihrem Selbstwertgefühl beeinträchtigt und neigen zur Entwicklung von Depressionen und sozialer Abgrenzung.

Kommunikation

Eine Gesichtslähmung beeinträchtigt den Patientin in seiner Fähigkeit zur Kommunikation. Durch die veränderte Erscheinungsform ihres Gesichts, bekommen sie oft den Eindruck bei ihren Gesprächspartner negative Gefühle hervorzurufen. Zu dem ist es durch die fehlende Mimik unmöglich den momentanen Gefühlszustand des Patienten festzustellen. Es könnte z.B sein dass er zu weinen scheint (Krokodilstränen), obwohl er glücklich ist, oder er kann Freude nicht ausdrücken weil seine Muskulatur kein Lachen zulässt. All das ist für viele Patienten sehr belastend.

Außerdem ist die Ausschüttung der körpereigenen Glückshormone (Serotonin, Dopamin und Oxytocin) gehemmt. Dies rührt auch daher, dass Patienten nicht in der Lage sind ihre Gefühle nach außen hin auszudrücken.

Hilfe und Unterstützung

Um den Betroffenen zu unterstützen ist es vor allem wichtig ihm das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein und ihm durch Gespräche klarzumachen, dass es keinen Grund gibt sich gegenüber anderen Mitmenschen zu schämen. Dem Patient sollte bewusst werde, dass er nur eine vorübergehende Krankheit hat, die durchaus heilbar ist. Einige Methoden zur mentalen Unterstützung sind:

  • Professionelle Gesprächstherapie
  • Sanfte Gesichtsmassagen
  • Aktive Beschäftigung des Patienten

Ausschlaggebend für die psychische Stabilität, welche eine bedeutende Rolle im Heilungsprozess spielt ist die umfassende Betreuung durch vertraute Personen. Das Schlimmste was einem Patienten mit Fazialisparese passieren könnte, ist im Stich gelassen zu werden.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben der schulmedizinischen Therapie gibt es auch alternative Methoden um eine Gesichtslähmung zu bekämpfen. Die Methoden dabei sind so zahlreich wie umstritten, doch viele Patienten schwören auf ihre Wirksamkeit. Auch hier sind natürlich eine Vielzahl an Faktoren, wie z.B das Alter, die Schwere der Erkrankung, die Symptome etc. entscheidend. Die gängigsten alternativen Behandlungsmethoden sind:

  • Akupunktur an den betroffen Stellen
  • TCM (traditionelle chinesische Medizin) in verschiedenen Formen
  • Homöopathische Mittel die den Heilungsprozess fördern
  • Gesichtsmassagen um die Muskulatur zu regenerieren
  • Kräuter und Pflanzen die sich positiv auf die Psyche auswirken

Neben der äußerlichen Behandlung ist seelischer Beistand ein nicht zu unterschätzender Faktor und ebenso ausschlaggebend für den Heilungsprozess. Wichtig: Alternative Behandlungsmethoden sollten nur als Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden.

Welche Hausmittel können helfen?

Die Dinge die vom Patienten bzw. dessen Angehörigen selbst zur Heilung beigetragen werden können, sind relativ gering und beschränken sich neben der seelischen Unterstützung, auf eine Hand voll rezeptfreier Präparate. Abhängig davon, um welche Art von Fazialisparese es sich handelt können unterstützende Mittel eingesetzt werden.

Patienten, deren Augen betroffen sind berichten beispielsweise über die positive Wirkung bestimmter Augentropfen (z. B. Hylo-Care) und Augensalben (Bepanthen), die gegen unangenehme Begleiterscheinung der Gesichtslähmung helfen. Um die -regeneration der Nerven zu fördern schwören viele Betroffene auf das sogenannte ”Conjunktisan A“.

Des weiteren werden verschiedene Tees und Tinkturen, zur Beruhigung der Nerven eingesetzt. Ebenso werden Bandagen und kalte Wickel auf die Betroffenen stellen gelegt und je nach Ausprägung der Krankheit auch schlaffördernde Mittel verabreicht, um den Patienten zu beruhigen und psychisch zu entlasten.

Heilkräuter & Heilpflanzen

Um die negativen Begleiterscheinungen der Gesichtslähmung zu dämpfen und die Heilung zu fördern, werden von Naturheilpraktikern eine Reihe von Kräutern und Pflanzen empfohlen. Diese sind u.a :

  • Johanniskraut
  • Bachblüten
  • indischer Hanf
  • Kaktusmilch
  • Eisenkraut
  • rohe Kakaobohnen

Die Einnahme dieser Kräuter und Pflanzen sollte nur nach Absprache mit einem erfahrenen Heilpraktiker erfolgen. Da bei falscher Dosierung bzw. Anwendung durchaus negative Nebenwirkungen oder gar Vergiftungen auftreten können, sollte damit nicht leichtsinnig hantiert werden.

Ätherische Öle

Bei der Behandlung mit ätherischen Ölen scheiden sich bekanntlich die Geister. Während die einen ihre Wirksamkeit propagieren, sprechen andere wiederum von Hokuspokus oder gar negativen Nebenwirkungen. Studien und Forschungen in dem Gebiet sind sehr rar. Die gängigsten ätherischen Öle die bei einer Gesichtslähmung angewandt werden sind:

  • Amber royal
  • Fichtennadel
  • Ciitronella
  • Patchouli
  • Teebaumöl
  • Grapefruit
  • Jasmin
  • Lavendel
  • Bergamotte

Je nach Art der traditionellen Medizin (chinesisch, japanisch, esoterisch etc.) unterscheiden sich die verwendeten Öle bzw. deren Zusammensetzung und Einsatzgebiet. Es ist unmöglich eine allgemeine Aussage darüber zu treffen, da es keine schulmedizinischen Studien darüber gibt. Für genauere Informationen sollte ein Fachkundiger zu Rate gezogen werden.

Homöopathie & Globuli

Homöopathische Mittel können zusätzlich zur kausalen Therapie verwendet werden und die Patienten im Heilungsprozess eventuell unterstützen. Neben schmerzlindernder Globuli, sollen einige Präparate auch direkt den Nerv und dessen Schädigung heilen. Die Wirkung ist jedoch umstritten. Gängige homöopathische Mittel sind z.B.:

  • Magnesium phosphoricum,
  • Cactus grandiflorus,
  • Colocynthis,
  • Cedron,
  • Staphisagria,
  • und Causticum.

Für die richtige Dosierung und Anwendung sollte ein erfahrenerer Homöopath zu Hilfe gezogen werden. Auch hier sollte darauf geachtet werden, neben der Homöopathie, die kausale Therapie nicht zu vernachlässigen.

Schüssler-Salze

Die allgemein bekannten Schüssler-Salze werden in einigen Fällen auch zur Behandlung einer Gesichtslähmung eingesetzt. Es gibt dabei sowohl Präparate in Tablettenform zur oralen Anwendung als auch Salze, die äußerlich auf die betroffene Gesichtshälfte aufgetragen werden.

Innerliche Anwendung

Diese drei Schüssler-Salze sind als Tabletten erhältlich und werden gegen Gesichtslähmung eingesetzt:

  • Nr. 1. Calcium Fluoratum
  • Nr. 5. Kalium Phosphoricum
  • Nr. 11. Silicea

Es können entweder alle passenden Salze gleichzeitig eingenommen werden oder jeweils nur ein Bestimmtes. Die genaue Dosierung sollte in Absprache mit dem Heilpraktiker erfolgen.

Äußerliche Anwendung

Schüssler-Salze in Form von Salben, werden äusserlich gegen die Fazialisparese eingesetzt. Als einziges Präparat wird hierbei das Schüssler-Salz Nr. 5 (Kalium Phosphoricum) verwendet.

Die Salbe muss mehrmals täglich dünn aufgetragen oder einmassiert werden.

Diät & Ernährung

Grundsätzlich hat eine Fazialisparese wenig mit der Ernährung zu tun. Eine gesunde und ausgewogene Nahrungszufuhr hat jedoch stets eine positive Wirkung auf Körper und Geist. So kann durch einen gesunden Lebenswandel bestimmten Krankheiten vorgebeugt werden, die eine Gesichtslähmung mit sich ziehen. Beispielsweise ist der Verzicht auf Alkohol und Nikotin vorbeugend gegen Tumore und Schlaganfälle. Der Konsum von Obst und Gemüse dagegen wirkt vitalisierend auf den Körper und versorgt ihn mit den nötigen Abwehrstoffen, die eine bakterielle oder virale Infektion verhindern. Eine spezielle Diät, um einer Gesichtslähmung vorzubeugen gibt es jedoch nicht.


FAQ – Fragen & Antworten

Sind manche Menschen besonders anfällig für Fazialisparese?

Da bei über 70 Prozent der Fälle von Gesichtslähmung keine genaue Ursache ermittelt werden kann ist es schwer, Prognosen im Voraus zu stellen. Generell sind junge wie auch ältere Menschen gleichermaßen gefährdet, so lange kein potenzieller Auslöser für die Krankheit vorliegt.

Bei Menschen die bereits an einer Krankheit leiden, welche eine Gesichtslähmung auslösen könnten, sollte stets auf deren momentane Verfassung geachtet werden und bei den ersten Anzeichen eine ärztliche Untersuchung eingeleitet werden.

Ich meide aufgrund der Gesichtslähmung, den Kontakt zu anderen Menschen. Was sollte ich tun ?

Isolation ist sehr gefährlich für das psychische Wohlbefinden und sollte unbedingt vermieden werden. Um so mehr sich der Patient in seinen Zustand reinsteigert um so schlimmer erlebt er diesen. Menschen die einem nahe stehen achten nicht auf Äußerlichkeiten, weswegen es ratsam ist deren Nähe zu suchen und über Probleme und Unsicherheiten zu sprechen.

Oft ist es so, dass man als Betroffener die Situation schlimmer einschätzt als sie wirklich ist und sich durch gezielte Abschottung in Depressionen und negative Gedanken reinsteigert. Um eine erfolgreiche Heilung in Aussicht zu stellen sollte dieser Zustand unbedingt vermieden werden.

Wie hoch stehen die Chancen auf eine vollständige Regeneration?

In 80 Prozent der Fälle von idiopathischen Fazialisparese werden die Patienten innerhalb von 4-12 Monaten vollständig geheilt. Nur ein kleiner Anteil (etwa 7%) erleidet einen Rückfall.

Bei zentraler bzw. periphere Gesichtslähmung sind die Chancen etwas geringer, da der Nerv dadurch sehr geschädigt wird. Oft können ernsthafte Verletzungen der Nerven nicht vollständig geheilt werden .Optisch können durch chirurgische Eingriffe, jedoch nahezu vollständige Wiederherstellungen der Gesichtsmuskulatur erreicht werden. .

Ist die Anwendung alternativer Heilmethoden sinnvoll?

Ja und Nein. Die Wirkung von alternativen Heilmethoden ist höchst umstritten. Manche Mediziner raten gänzlich davon ab, da sie befürchten dass dadurch keinerlei Wirkung erreicht wird und lediglich wertvolle Zeit verschwendet wird. Andere wiederum berichten von eindeutigen Heilerfolgen durch Homöopathie, Akupunktur und andere Naturheilverfahren.

Da keine empirischen Studien über dieses Thema vorliegen, ist es eher ratsam auf eine alternative Therapie zu verzichten oder diese wenn dann nur, zusätzlich zur kausalen Therapie einzusetzen.

Sind die äußerlichen Merkmale der Fazialisparese, nach der Behandlung weiterhin sichtbar?

Ob die optischen Veränderungen wie z.B die schlaffe Gesichtshälfte, auch nach der Behandlung dauerhaft bestehen bleiben, hängt von der Schwere des Falls und der genauen Art der Erkrankung ab. In einigen Fällen bilden sich die äußerlichen Symptome nach der Behandlung automatisch zurück. Andere Patienten wiederum leiden unter bleibenden Schäden, die nur durch plastische Chirurgie zu beheben sind.

Das Spritzen von Botoxinfusionen in die Betroffenen Gesichtsregionen, hat sich als erfolgreiche Methode bewährt. Die Muskeln im Gesicht werden dadurch entspannt und Synkinesien (unkontrollierte Zuckungen) verhindert. Ein symmetrisches Gesichtsbild kann durch gezielte Behandlung wieder komplett hergestellt werden.

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