Milchstau

Steckbrief: Milchstau

  • Name(n): Milchstau
  • Art der Krankheit: entzündliche Stauung; Stillkomplikation
  • Verbreitung: weltweit bei stillenden Frauen
  • Erste Erwähnung der Krankheit: unbekannt
  • Behandelbar: ja
  • Art des Auslösers: Funktionsstörung (Milch fließt nicht ab)
  • Wieviele Erkrankte: unbekannt
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Frauenarzt; Hausarzt
  • ICD-10 Code(s): O92

Probleme in der Stillzeit

Ist die anstrengende Phase der Entbindung vollendet, schließt sich das Wochenbett an. Am gesündesten für das Neugeborene ist es, wenn es gleich von Anfang an mit Muttermilch genährt wird, da diese optimal auf die Bedürfnisse des Kindes angepasst ist.

Aber auch beim Stillen kann es zu unerwarteten und unangenehmen Komplikationen kommen. Eine davon ist der Milchstau, von dem prinzipiell jede stillende Mutter ein- oder auch mehrmals betroffen sein kann.

Glücklicherweise gibt es zahlreiche Tipps und Tricks zur Vorbeugung und auch zur Behandlung. Mit der richtigen Hebamme und ausreichend Wissen über den Milchstau lässt sich dieser in vielen Fällen schnell wieder beseitigen.

 

Definition Milchstau

 

Unter dem Begriff Milchstau wird eine schmerzhafte und entzündliche Stauung von Muttermilch, eine Verstopfung der Milchgänge in den Milchdrüsen, in den Brüsten stillender Frauen verstanden.

Dieser kann besonders häufig während den erste zwei bis vier Tagen nach der Geburt, der Zeit des Milcheinschusses, aber auch während der kompletten Zeit des Stillens auftreten.

 

Der Milchstau geht mit Schwellungen und Schmerzen einher. Er kann nur sowohl nur eine als auch beide Brüste gleichzeitig betreffen. Stillende Frauen können entweder ganz davon verschont bleiben, einmal oder auch wiederholt darunter leiden.

Der Milchstau kann sich entweder an einer oder an mehreren Stellen der Brust bemerkbar machen. Die Ursachen und auch die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig.

 

Was ist Milchstau?

 

Wenige Tage nach der Geburt eines Babys schießt die Milch in die Brust der Frau ein. Der Stillreflex wird ausgelöst und der Körper produziert Muttermilch. Diese befindet sich so lange in der Brust, bis sie vom Kind benötigt wird. Dies ist alle paar Stunden der Fall und die Milchdrüsen passen ihre Produktionsgeschwindigkeit an die Bedürfnisse des Säuglings an, also an die Häufigkeit und auch an die benötigte Menge.

 

Wenn das Baby jedoch weniger Milch trinkt als produziert wird, also nicht alle Brustbereiche komplett leer getrunken werden, verbleibt jedes Mal ein Rest in der Brust. Es wird immer weiter Muttermilch nachproduziert, welche nicht mehr abfließen kann und sich immer weiter sammelt. Es kommt zu Schmerzen an den entsprechenden Stellen der Brustdrüsen, sie werden hart uns sehr berührungsempfindlich. Wenn innerhalb weniger Tage keine Besserung auftritt, kann eine Entzündung in den Brüsten entstehen, welche noch mehr Schmerzen mit sich bringt als der Milchstau allein.

 

Neben dem unzureichenden Trinken des Säuglings gibt es jedoch noch einige andere Ursachen für einen Milchstau. Auch wenn es eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit ist, kann er sehr gut behandelt werden. Trotzdem haben viele Frauen Angst davor, da sie befürchten nicht mehr stillen zu können. Ein Abstillen ist jedoch meistens nicht nötig. Wenn sich stillende Mütter zuvor ausreichend mit dem Thema beschäftigen und sich darauf vorbereiten, können sie in vielen Fällen auch durch Hausmittel eine Besserung erzielen, ohne zu einem Arzt zu müssen. Auch Hebammen können ausgezeichnet helfen und beraten. Sie werden oft mit dem Thema konfrontiert, da es eine der häufigsten Komplikationen im Wochenbett ist.

 


Welche Ursachen gibt es?

 

Eine Brustdrüse besteht aus mehreren Drüsenlappen. Diese wiederum setzen sich aus Bläschen, welche die Milch bilden, und einem Netz aus Milchgängen zusammen, durch welches die Muttermilch zur Brustwarze geleitet wird. Weshalb dieser Weg blockiert wird und sich ein Milchstau entwickelt, das kann mehrere Ursachen haben.

 

Am häufigsten liegt der Grund in einer mechanischen Behinderung der Milchentleerung. Zu enge Kleidung oder zu kleine BHs können das Drüsengewebe einengen, wodurch die Milch nicht richtig abfließen kann. Immer, wenn Reste der Muttermilch in der Brust verbleiben, kann sich daraus ein Milchstau bilden. So ist es auch der Fall, wenn eine ungünstige Stillposition eingenommen wird oder wenn zu kurz oder zu selten gestillt wird und dadurch die Brust nicht komplett leer ist. Die Muttermilch wird jedoch weiterhin nachproduziert und sammelt sich. Auch falsches und unzureichendes Abpumpen ist ein Grund dafür.

 

Besonders kurz nach der Geburt ist die Gefahr eines Milchstaus groß. Die Produktion muss sich erst der Nachfrage des Säuglings anpassen. Auch wenn das Baby noch nicht so richtig trinken kann oder will, wird die Brust durch das reine Stillen nicht ganz entleert. Dieser Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage kann nicht nur zu Beginn auftreten, sondern auch nach mehreren Wochen, wenn das Kind plötzlich seine Trinkgewohnheiten ändern. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das Baby plötzlich länger schläft und somit mehr Milch auf einmal benötigt.

 

Auch zu viel Stress und körperliche Belastung, wie sie direkt nach der Entbindung häufig auftreten, da sich die Mutter sich erst an die neue Situation gewöhnen muss, können den Milchspendereflex stören und zur Stauung führen. Eine weitere Ursache sind sogenannte Milchzysten. Diese bilden sich nur sehr selten noch während des Stillens, etwas häufiger jedoch nach dem Abstillen. Sie verschließen pfropfenartig die Milchkanäle und führen zum Milchstau.

Zusammenfassung der häufigsten Ursachen:

  • zu enge Kleidung
  • zu kleiner BH
  • ungünstige Stillhaltung
  • plötzliche Änderung der Trinkgewohnheiten des Säuglings
  • Stress und körperliche Belastung der Mutter
  • übermäßige Milchproduktion
  • Milchzysten

Symptome & Anzeichen

 

Es gibt mehrere Symptome, die so ein Milchstau mit sich bringen kann. Diese sind dann jedoch fast immer auch eindeutig genau dieser Stillkomplikation zuzuordnen. Das wohl am häufigsten bemerkte Anzeichen ist der lokale Schmerz. Der betroffene Bereich ist äußerst berührungsempfindlich und auch das Saugen das Babys tut sehr weh. Es entstehen Druckschmerzen und auch Rötungen können sich zeigen.Ein Milchstau tritt immer sehr plötzlich auf und überrascht so manche stillende Mutter. Obwohl er zu jeder Zeit am Tag auftreten kann, berichten Hebammen besonders oft von abendlichen oder nächtlichen Anrufen ihrer zu betreuenden Mütter.

 

Wenn sich die Milch nur an einer einzigen Stelle in der Brust angesammelt hat, ist diese als ein harter Knoten tastbar. Dieser Bereich kann sich auch etwas wärmer anfühlen als die restliche Umgebung. Breitet sich der Milchstau aus, fühlt sich die komplette Brust hart an und diese kann auch etwas vergrößert sein. Es kann allerdings auch gleichzeitig die Brustwarze mit betroffen sein,
indem diese geschwollen ist und zusätzlich starke Schmerzen bereitet.

 

Neben den reinen Schmerzen an der betroffen Brust, es können allerdings auch beide Brüste gleichzeitig betroffen sein, kann auch ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Die Mutter fühlt sich, als würde sie eine Erkältung oder eine Grippe bekommen. Abgeschlagenheit kann mit starkem Unwohlsein und auch Übelkeit auftreten. Auch Fieber tritt öfters auf, meist zusammen mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Wenn die angestaute Milch abgelassen wird,
was in den meisten Fällen mit enormen Schmerzen verbunden ist, kann ein Milchstau auch genauso plötzlich wieder verschwinden, wie er sich gebildet hat.

Die häufigsten Symptome:

  • lokaler Schmerz
  • tastbare Verhärtungen
  • leichte Überwärmung des betroffenen Bereichs
  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • Gliederschmerzen

Diagnose & Krankheitsverlauf

 

Die Diagnose eines Milchstaus wird in der Regel durch eine Kombination aus direkter manueller Untersuchung und einigen Fragen ermittelt. Als erstes wird die betroffene Brust abgetastet. Dabei sollte der Arzt sehr vorsichtig vorgehen, um der Betroffenen nicht noch zusätzlich unnötige Schmerzen zu bereiten. Es wird untersucht, ob eventuell Verhärtungen vorhanden sind und wie ausgeprägt diese sind.

 

Zusätzlich zu dem Abtasten werden der Frau noch einige Fragen gestellt. Es wird ermittelt, ob es begleitende Systeme wie Fieber, Gliederschmerzen, Schüttelfrost oder sonstige erkältungs- und grippeähnliche Anzeichen gibt. Desweiteren möchte der Arzt wissen, ob sich die Trinkgewohnheiten des Kindes geändert haben oder ob es allgemeine Schwierigkeiten beim Stillen gibt. In den meisten Fällen wird zusätzlich erfragt, ob die stillende Mutter derzeitig unter starkem Stress leidet.

 

Durch die Vielzahl an Fragen möchte der untersuchende Arzt feststellen, ob eine tatsächliche Ursache für den Milchstau vorhanden ist. Gleichzeitig muss beurteilt werden, ob eventuell schon ein Verdacht auf eine fortgeschrittene Entzündung der Brust besteht. In dem Fall müssten weitere Untersuchungen angeschlossen werden. Besonders bei Symptomen mit Fieber und Schüttelfrost direkt nach der Geburt ist es wichtig, dass der Arzt ein Kindbettfieber ausschließen kann, da dieses lebensbedrohlich sein kann.

 

Verschiedene Phasen gibt es bei dem Milchstau nicht. Je länger dieser jedoch unbehandelt bestehend bleibt, desto größer wird die Gefahr für ernstzunehmende Entzündungen. Bleibt die Milch längere Zeit in der Brust, können sich Bakterien darin besonders gut und schnell vermehren. Dies begünstigt eine Entzündung. Deshalb sollte ein Milchstau auch immer schnell behandelt werden, nicht zuletzt auch da die betroffene Frau meist unter starken Schmerzen leidet.

 


Häufigkeit & Diagnosedaten

 

Über die generelle Häufigkeit des Auftretens dieser Stillkomplikation lassen sich leider kaum Aussagen treffen. Dies ist darin begründet, dass eine Vielzahl an Frauen einen Milchstau erfolgreich selbst oder auch mit der Hilfe ihrer Hebamme behandeln und es diesbezüglich auch kaum nennenswerte Statistiken gibt. Es ist jedoch eine allein den Frauen vorbehaltene Erkrankung. Stillende Mütter der ganzen Welt sind davon betroffen.

 

Je mehr und je länger Frauen in einem Land stillen, desto größer ist natürlich auch die Anzahl der Betroffenen in dem jeweiligen Gebiet. Generell werden in Deutschland 81,5 % aller geborenen Kinder gestillt, dies durchschnittlich 6,9 Monate lang. Mütter im Alter von 30-39 Jahren stillen am häufigsten, hier beträgt der Prozentsatz 80 %. Diese erreichen mit durchschnittlich 7,85 Monaten auch die längste Stilldauer der Deutschen. Somit sind Frauen in diesem Alter öfter betroffen als junge Mütter unter 20 Jahren, da von diesen lediglich 69 % ihr Kind säugen.

 

In den Vereinigten Staaten stillen 70,9 % aller Mütter, wobei nur noch 36,2 % der 6-monatigen Babys Muttermilch erhalten. Demzufolge ist die Anzahl an Frauen mit Milchstau in den USA niedriger als in Deutschland.

 

In Irland stillen zwar 81 % aller Mütter ihr Baby mindestens ein mal direkt nach der Geburt im Krankenhaus, die meisten hören jedoch nach der Entlassung direkt wieder auf. Somit werden nur 34 % aller Kinder voll gestillt, nach zwei Monaten sogar nur noch 15 %. Somit ist die Anzahl an Frauen aus Irland, die einen Milchstau erlitten haben, dementsprechend niedrig.

 

Grundsätzlich kann jede Mutter von Milchstau betroffen sein, unabhängig von ihrer Nationalität, Hautfarbe oder Alter. Die einzige Voraussetzung besteht darin, dass sie überhaupt Muttermilch produziert.

 


Komplikationen bei der Krankheit

 

Neben den ohnehin schon sehr unangenehmen Symptomen eines Milchstaus kann es zu weiteren Komplikationen kommen. Findet eine ausreichende Behandlung nicht oder zu spät statt, besteht die Gefahr einer Brustentzündung. In der angestauten Muttermilch in der Brust der Frau können sich ungehindert Keime vermehren und somit zu einer Entzündung führen. Dafür gibt es aber auch noch einen anderen Auslöser, bei dem Keime keine Rolle spielen. Wird der Druck in den Milchgängen durch die Stauung zu groß, kann sich die Muttermilch auch in dem umliegenden Brustgewebe verbreiten und dort eine Entzündung hervorrufen.

 

Es gibt noch eine weitere Art von Entzündung, welche durch einen Milchstau hervorgerufen werden kann. Da die Milch in so einem Fall meist nicht so richtig fließen will, muss das Baby stärker saugen. Dies führt zu wunden Brustwarzen, bei denen Keime in das Innere gelangen können, beispielsweise durch den Mund und den Rachen des Säuglings. Die Folge davon ist eine Entzündung der Brustwarzen. Egal welche der zwei bereits genannten Komplikationen auftritt, ob die Brustentzündung oder die Bustwarzenentzündung, auf jeden Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden.

 

Obwohl gerade bei einem Milchstau weiterhin gestillt werden sollte, um den Milchfluss zu gewährleisten und Brust komplett zu entleeren, kann das Baby dies verweigern. Ab und zu kommt es vor, dass das Kind nach wenigen Zügen aufhört zu trinken oder sogar gänzlich die betroffene Brust abweist. Die Ursache dafür ist ein anderer Geschmack der Milch, da diese bei einem Milchstau ungewohnt salzig sein kann. Die betroffene Frau sollte das Kind dann einfach an der anderen Seite anlegen und die erkrankte Brust durch Abpumpen entleeren.

Mögliche Komplikationen:

  • Brustentzündung
  • Entzündung der Brustwarzen
  • Abweisen der betroffenen Brust durch den Säugling

Wann sollte man zum Arzt gehen?

 

Bei den ersten Anzeichen für einen Milchstau ist zwar noch kein Gang zum Arzt notwendig, jedoch sollte umgehend dagegen vorgegangen werden, beispielsweise mit Hausmitteln. Ist das nötige Wissen zur Selbstbehandlung nicht vorhanden, kennen auch Hebammen viele Tipps und Tricks. Erst wenn keine schnelle Besserung auftritt (innerhalb 24-48 Stunden) oder wenn die Symptome sich verschlimmern sollte in Arzt konsultiert werden. Das ist auch der Fall wenn von Anfang an Fieber vorhanden ist oder eitriges Sekret aus der Brustwarze austritt. In den Fällen muss ein lebensbedrohliches Kindbettfieber oder eine Brustentzündung ausgeschlossen werden. Der Arzt kann dann weitere, speziellere Therapien einleiten, wie zum Beispiel die Einnahme von Antibiotika. Auch wenn der Milchstau sich nicht verschlimmert, aber trotzdem keine Besserung zu verzeichnen ist, ist der Besuch eines Facharztes angebracht. Der Hausarzt oder auch der Frauenarzt sind geeignete Anlaufstellen.

 


Behandlungsmethoden & Therapie

 

Medizinische Behandlungsmethoden sind bei einem Milchstau nicht notwendig. Erst wenn dieser sich zu einer Entzündung entwickelt hat, ist die Einnahme von Antibiotika erforderlich. Tritt der Milchstau während oder kurze Zeit nach dem Abstillen ein, können Abstilltabletten hilfreich sein. Diese Maßnahme erfolgt dann aber auch nur unterstützend zu den herkömmlichen Behandlungsmethoden.

 

Was bei einem Milchstau getan werden muss, dass erfahren Mütter durch eine Stillberatung oder ihre Hebamme. Auch ein Arzt kann nützliche Tipps geben ist aber zu Beginn meist nicht erforderlich. Da diese Stillkomplikation auch mit homöopathischen Mitteln behandelt werden kann, ist auch ein Spezialist in dem jeweiligen Fachgebiet ein guter Ansprechpartner.

 

In vielen Fällen reichen aber bereits einige Hausmittel und machen medizinische Therapien somit überflüssig. Welche Hausmittel und andere alternativen Behandlungsmethoden angebracht und besonders wirkungsvoll sein können, das ist unter dem jeweiligen Absatz ausführlich beschrieben. Das wichtigste ist dabei jedoch immer, dass die entsprechende Brust komplett entleert wird und bei einer Verschlechterung des allgemeinen Zustandes, oder wenn sich keine Besserung einstellt, einen Arzt aufzusuchen.

 

Einige Mütter sind sich nicht sicher, ob sie ihr Baby an der betroffenen Brust bei einem Milchstau weiter stillen können. Das ist nicht nur möglich, sondern auch unbedingt ratsam. Auf einige Dinge sollte dabei jedoch trotzdem geachtet werden, wie zum Beispiel die Position des Kindes beim Stillen. In manchen Fällen verweigert der Säugling das trinken, da die Milch etwas salziger schmecken kann. Das ist kein Grund zur Beunruhigung. Das Kind wird dann einfach an der anderen Seite angelegt und die erkrankte Brust manuell entleert, zum Beispiel durch Abpumpen.

 


Vorbeugung – Impfung & Prävention

 

Auch wenn sich ein Milchstau nicht komplett verhindern lässt, das Risiko kann jedoch mit einigen vorbeugenden Maßnehmen enorm vermindert werden. Die Kleidung der stillenden Frau sollte immer locker und bequem sein. Auch die BH’s, egal ob Still-BH oder normale Variante, dürfen nicht einengend sein. Besonders kurz nach der Entbindung kann es sein, dass mehr Muttermilch produziert wird als das Baby benötigt. Der Rest sollte dann immer abgepumpt oder ausgestrichen werden, bis die Stillbeziehung perfekt harmoniert.

Bei einem beginnenden Milchstau oder wenn einfach zu viel Muttermilch produziert wird, ist der Verzicht auf manche Getränke ratsam, welche die Milchproduktion fördern. Besonders einige Kräuter- und Stilltees sollten deshalb vermieden werden. Da die Ursache für einen Milchstau in zu viel Stress liegen kann, sind ausreichend lange Erholungsphasen wichtig. Mütter brauchen öfters einfach Zeit für sich um abzuschalten und zu entspannen, weshalb sie den Haushalt und das Baden und Wickeln des Babys auch gelegentlich dem Vater überlassen sollten.

Vorbeugende Maßnahmen im Überblick:

  • lockere, gut sitzende Kleidung und BH’s
  • entspannende Ruhephasen einlegen, den Haushalt öfters dem Vater überlassen
  • auf Getränke verzichten, die die Milchbildung anregen
  • restliche Milch in der Brust immer abpumpen oder ausstreichen

Prognose zur Heilung

 

Ein Milchstau ist zwar äußerst unangenehm, jedoch verschwindet er auch immer wieder komplett. Selbst wenn sich aus dieser Stillkomplikation eine richtige Brustentzündung entwickelt, kann diese mit Antibiotika schnell wieder in den Griff bekommen werden. Je schneller die ersten Anzeichen richtig gedeutet und gleich darauf die richtigen Behandlungsmethoden angewendet werden, desto kürzer ist auch die Dauer der Erkrankung. Ein normaler Milchstau ist nach wenigen Tagen wieder komplett verschwunden. Nur wenn dieser bereits fortgeschritten ist, da keine sofortigen Maßnahmen ergriffen wurden, können die Beschwerden auch mehrere Tage andauern. Mit den richtigen Tipps und Tricks und eventuell der Hilfe einer Hebamme klingen die Symptome aber bereits nach kurzer Zeit ab. Egal wie lange der Milchstau insgesamt andauert, eine vollständige Heilung ist immer möglich. Diese Komplikation beim Stillen kann jedoch mehrmals und auch in kurzer Zeit hintereinander auftreten. Im Normalfall lernen die Mütter aber sehr schnell was ihnen besonders schnell hilft und gut tut.

 


Stillen trotz Milchstau

 

Auch wenn es sich bei dem Milchstau um eine Stillkomplikation handelt, ist das weitere Füttern des Babys an der betroffenen Brust absolut ratsam. Mütter sollten sich also keine Sorgen machen, ihr Kind nicht mehr ausreichend stillen zu können. Regelmäßiges Anlegen ist sogar eine Art der Behandlung und kann zu einer schnelleren Heilung beitragen. Ein paar Ratschläge können dabei aber trotzdem helfen. Der Unterkiefer des Babys sollte dabei immer zu der betroffenen Stelle zeigen, auch wenn dabei eventuell recht ungewohnte Stillpositionen eingenommen werden könnten. Durch die Trinkbewegung wird bei diesen Positionen der besagte Bereich massiert und somit der Milchfluss erleichtert.

 

Vor dem Stillen kann die Brust beispielsweise mit Umschlägen oder einem Kirschkernkissen angewärmt werden. Auch dies verbessert den Milchfluss. Direkt nach dem säugen des Kindes kann ein eingewickeltes Kühlkissen oder auch kühle Quarkwickel zur Abkühlung genutzt werden. Dies hemmt die Milchproduktion etwas und die betroffene Brust bekommt mehr Zeit, um sich zu erholen.

 

Generell sollte bei einem Milchstau das Baby immer als erstes an die betroffene Brust angelegt werden, damit diese komplett geleert wird. Wenn nötig muss zusätzlich noch abgepumpt oder die verbliebene Milch ausgestrichen werden. Falls beide Brüste gleichzeitig betroffen sind, sollte das Kind an der Seite angelegt werden, an der es bei der vorhergehenden Mahlzeit zuletzt getrunken hat. Es kann auch sein, dass der Säugling an der Brust mit dem Milchstau nicht trinken möchte, da die Milch etwas salziger schmecken kann. Das ist absolut normal und kein Grund zu Beunruhigung. Das Baby sollte trotzdem jedes Mal erneut an der Seite angelegt werden, um zu testen wann es wieder trinken mag. Bis dahin muss es mit der gesunden Brust gestillt werden und die andere Seite sollte manuell durch Abpumpen vollständig geleert werden.

 

Alternative Behandlungsmethoden

 

Je weniger medizinische Arten der Therapie es für einen Milchstau gibt, desto größer ist die Anzahl an alternativen Behandlungsmethoden. Das ist auch besonders Vorteilhaft, da so die Milch nicht durch die Einnahme von chemischen Medikamenten belastet wird und das Stillen abgebrochen werden müsste. Das Nutzen von alternativer Medizin ist demzufolge sowohl für die Mutter als auch für das Kind eine gesunde und optimale Möglichkeit der Behandlung. Selbst für Mütter die nicht besonders von homöpathischen Mitteln oder Schüssler-Salzen überzeugt sind gibt es eine Vielzahl an Hausmitteln, die sich über viele Jahrzehnte bewährt haben.

Folgende alternative Behandlungsmethoden finden Anwendung:

  • Akupunktur
    In vielen Fällen beherrscht sogar die eigene Hebamme einige Techniken der Akupunktur, die bei einem Milchstau hilfreich sein können.
  • Traditionelle chinesische Medizin
    Dieser Bereich beinhaltet ein paar Wirksame Behandlungsmethoden, mit denen ein entsprechender Spezialist der betroffenen Mutter helfen kann.
  • Heilpflanzen und Heilkräuter
    Auf verschiedene Weisen anwendbar können Kräuter bei einem Milchstau effektiv eingesetzt werden.
  • Ätherische Öle
    Diese können sowohl bei der Erkrankung an sich, als auch an unschönen Folgen, wie zum Beispiel einer Brustwarzenentzündung, hilfreich sein.
  • Homöopathie und Globuli
    Hier gibt es eine Vielzahl an Präparaten, welche auf unterschiedlichste Weise helfen, einen Milchstau zu beheben. Angefangen von einer Verminderung der Milchproduktion bis hin zur Erholung der Mutter und der Linderung von Schmerzen.

Welche Hausmittel können helfen?

 

Hausmittel sind mitunter die besten Behandlungsmethoden für einen Milchstau. Diese beinhalten größtenteils verschiedene Verhaltensweisen, welche zu einer Linderung und sogar auch zur Heilung führen können. In sehr vielen Fällen kann somit der Milchstau komplett ohne ärztliche Hilfe nur durch eigenes Handeln beseitigt werden.

Zusammenfassung der Hausmittel:

  • Brust entleeren durch Abpumpen, Stillen oder Ausstreichen
  • warme Umschläge
  • kalte Umschläge
  • Massagen
  • Ruhe und Entspannung

Die Brust entleeren

Sofort wenn der Milchstau bemerkt wird, sollte die Brust komplett entleert werden. Dies kann durch verschiedene Methoden geschehen. Am natürlichsten ist das Stillen des Babys, mit dem Unterkiefer zur betroffenen Stelle gerichtet. Durch die Bewegung beim Trinken entsteht gleichzeitig eine leichte Massage, welche den Milchfluss positiv beeinflusst. Wenn das Kind nicht genug trinkt um eine vollständige Entleerung herbeizuführen, kann die Frau zu einer Handpumpe oder auch einer elektrischen Pumpe greifen, um die Milch aus einer oder beiden Brüsten gleichzeitig zu entfernen. Die Muttermilch muss dann auch nicht entsorgt werden, sondern kann im Kühlschrank gelagert oder eingefroren werden. Alternativ kann die Brust auch noch auf einem anderen Weg entleert werden. Dabei wird, mit frisch gewaschenen Händen, mit sanftem Druck oberhalb und unterhalb der Brustwarze die Milch ausgestrichen, ohne aber zu quetschen.

warme Umschläge

Um den Milchfluss und somit die Befreiung der Milchgänge zu verbessern, können vor dem Stillen oder manuellen Entleeren warme Umschläge genutzt werden. Nebenbei hat dies auch noch den Effekt der Schmerzlinderung. Dazu reicht bereits ein feuchter, warmer Waschlappen oder ein Kirschkernkissen. Auch eine warme Dusche ist eine gute Lösung.

kalte Umschläge

Nach der Entleerung sind kalte Umschläge wohltuend und hilfreich. Diese lindern Schmerzen und hemmen gleichzeitig die Milchproduktion für eine kurze Zeit, so dass die Brust etwas Zeit zur Erholung hat. Quarkwickel oder Kohlwickel sind besonders gut geeignet. Diese werden für ca. 20 Minuten aufgelegt. Alternativ kann auch ein Kühlakku genutzt werden, dieser muss aber mit einem Handtuch umwickelt sein. Der direkte Kontakt ist nicht empfehlenswert.

Massagen

Kreisende Massagen der Brust können helfen den Milchfluss anzuregen und verhärtete Stellen zu beseitigen. Dies sollte die Mutter aber lieber immer selbst tun, da sie ihre Brüste am besten kennt und unnötige Schmerzen vermeiden kann. Eine Hebamme oder der Partner können die Massage der Brust zwar auch übernehmen, sollten dabei jedoch extrem vorsichtig vorgehen. Sie wissen nicht an welcher Stelle die Frau am meisten Schmerzen hat oder welche Berührungen unangenehm sind.

Ruhe und Entspannung

Bei einem Milchstau ist absolute Bettruhe am besten, falls möglich. Der Partner sollte den Haushalt übernehmen und der Frau helfen zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen. Das ist sehr wichtig, um einen Milchstau schnell zu beseitigen. Nacken- oder Rückenmassagen tragen zusätzlich zur Erholung bei.

 

Heilkräuter & Heilpflanzen

Folgende Kräuter und Pflanzen können bei einem Milchstau verwendet werden:

  • Honigklee
  • Melisse
  • Sellerie
  • Traubensilberkerze

Die genannten Kräuter und Pflanzen können auf verschiedene Arten verwendet werden. Für die innere Anwendung können Tees hergestellt und getrunken werden. Für die äußere Anwendung empfehlen sich Extrakte, welche in Apotheken oder Drogerien erhältlich sind. Sellerie hilft bei einem Milchstau nur, wenn er äußerlich verwendet wird. Der Verzehr hat keine Auswirkung auf den Heilungsprozess. Traubensilberkerze wird in der Stillzeit nicht empfohlen, sollte also nur verwendet werden, wenn der Milchstau während oder nach dem Abstillen entstanden ist. Die Anwendung sollte bei jedem der genannten Kräuter und Pflanzen vorher mit einem Spezialisten oder einer Hebamme besprochen werden.
Diese können am besten einschätzen, welches Mittel bei einer Frau individuell geeignet ist und ein optimales Ergebnis erzielt. Auch können diese Personen zu einer bestimmten Art der Anwendung und auch zu einem bestimmten Produkt raten.

 

Ätherische Öle

Diese ätherischen Öle finden bei einem Milchstau Anwendung:

  • Immortelle (Strohblume)
  • Lavendel
  • Melisse
  • Rose

Immortelle und Lavendel können nicht nur für den Milchstau, sondern auch für eventuell daraus folgende wunde Brustwarzen verwendet werden, da sie schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Die ätherischen Öle sind nur zu äußerlichen Anwendung vorgesehen. Manche Exemplare, wie zum Beispiel Lavendel, haben auch eine entspannende Wirkung und können deshalb als Badezusatz verwendet werden. Nach der Anwendung ätherischer Öle müssen die Brüste sehr gründlich gereinigt werden, bevor das Kind wieder gestillt werden kann. Ein Spezialist oder eine Hebamme kann die Therapie individuell auf die betroffene Person ausrichten, damit ein optimales Ergebnis erzielt werden kann.

 

Homöopathie & Globuli

In der Homöopathie haben sich folgende Mittel zur Behandlung eines Milchstaus bewährt:

  • Belladonne (schwarze Tollkirsche)
    Dies ist besonders geeignet bei Entzündungen und gegen Fieber.
  • Conium (Schierling)
    Es hilft besonders gut gegen sehr berührungsempfindliche, gerötete Stellen auf der Brust. Die Einnahme hilft auch gegen starke Schmerzen.
  • Nux vomica (Brechnuss)
    Das Präparat wird in Form von Globuli gegen den Milchstau verwendet.
  • Phytolacca
    Dieses Mittel hilft bei geröteten, verhärteten oder auch berührungsempfindlichen Brüsten.

Die genannten Mittel können auf verschiedene Arten angewendet werden, teilweise auch in Form von Globuli. Eine selbstständige Behandlung sollte jedoch auf keinen Fall stattfinden. Ein entsprechender Spezialist oder eventuell auch die eigene Hebamme können wichtige Ratschläge und Informationen zur richtigen Dauer, Menge und Form der Anwendung geben. Auch können diese Ansprechpartner jede Situation der betroffenen Frau individuell einschätzen und ein genau passendes Präparat empfehlen. An die Anweisungen sollte sich dann genau gehalten werden, da sonst keine erfolgreiche Behandlung stattfinden kann.

 

Schüssler-Salze

Diese Schüssler-Salze können bei einem Milchstau verwendet werden:

  • Nr. 11 Silicea – Kieselerde (Kieselsäure)
  • Nr. 12 Calcium Sulfuricum – Gips (Calciumsulfat)
  • Nr. 18 Calcium sulfuratum – Kalziumsulfid (Calciumsulfid)
  • Nr. 21 Zincum chloratum – Zinkchlorid

Die genannten Schüssler-Salze können in verschiedenen Potenzen und Dosen eingenommen werden, um einen Milchstau erfolgreich zu behandeln oder auch um die Symptome zu lindern. Eine eigenständige Dosierung und Einnahme sollte jedoch nicht erfolgen, auch wenn die Präparate frei in Apotheken erhältlich sind. Ein Spezialist in diesem Gebiet kann für jeden einzelnen Fall eine individuelle Auswahl mit den richtigen Dosen und Potenzen zusammenstellen. Dabei geht er auf die individuelle Situation der betroffenen Frau ein und kann somit nicht nur Mittel empfehlen die allgemein gegen den Milchstau helfen, sondern auch solche, die unangenehme Symptome beseitigen. Um ein optimales Ergebnis und eine schnelle Linderung zu erhalten, sollte sich also genau an die Anweisungen des Fachmanns gehalten werden.

 

Diät & Ernährung

 

Diäten oder Ernähungsumstellungen sind bei einem Milchstau nicht nötig, da es sich um eine funktionelle Störung im Brustgewebe handelt. Da die Ernährung aber einen Einfluss auf die Menge der produzierten Milch haben kann, ist ein Verzicht auf solche Lebensmittel ratsam, die die Milchproduktion anregen. Besonders Stilltees und auch manche Kräutertees (besonders aus Kreuzkümmel, Anis, Kümmel oder Fenchel) kommen dabei infrage. Andere Teesorten hingegen können die Milchproduktion etwas hemmen wie zum Beispiel Pfefferminz- und Salbeitee. Diese sollten dann jedoch nur getrunken werden, wenn weiterhin gestillt wird und gleichzeitig mehr Muttermilch produziert als vom Baby benötigt wird. Hebammen kennen sich mit den verschiedenen Wirkungen von Teesorten meist hervorragend aus und können hilfreiche Ratschläge geben.

So wird mithilfe der Ernährung der Heilungsprozess des Milchstaus verbessert:

  • keine Stilltees trinken
  • Verzicht auf Tees aus Kreuzkümmel, Anis, Kümmel oder Fenchel
  • Trinken von Tees aus Pfefferminze oder Salbei, falls zu viel Milch produziert wird

FAQ – Fragen & Antworten

Kann ich mein Baby trotz Milchstau weiterhin stillen?

Ja, unbedingt. Das Stillen sorgt für eine Entleerung der Brust und hilft somit effektiv, den Milchstau wieder zu beseitigen. Die Muttermilch hat dabei keinerlei negative Auswirkungen auf das Kind.

Wie lange dauert der Milchstau?

Im Normalfall bessern sich die Anzeichen nach kurzer Zeit und der Milchstau ist nach ca. 2 Tagen wieder verschwunden. Voraussetzung dafür ist jedoch ein sofortiger Behandlungsbeginn, wenn die ersten Symptome bemerkt werden. Zeigt sich keine Besserung, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Kann ich meine Schmerzen bei dem Milchstau irgendwie lindern?

Sehr viele Möglichkeiten gibt es leider nicht. Um die Schmerzen beim Stillen zu lindern, kann die Brust durch vorherige Wärmeanwendungen, wie zum Beispiel duschen oder Umschläge, angewärmt werden. Nach dem Stillen helfen kalte Umschläge dabei die Brust wieder zu kühlen und auch dadurch werden die Schmerzen gelindert. Die Einnahme von Schmerztabletten wird jedoch nicht empfohlen.

Kann der Milchstau mehrmals auftreten?

Ja, das kann er. Dabei ist es vollkommen egal, wann der Milchstau das erste mal aufgetreten ist. Er kann bereits nach ein paar Tagen oder Wochen erneut vorkommen. Es ist auch egal, ob es sich um das erste, zweite dritte oder vierte Kind handelt, das gestillt wird. Vorbeugende Maßnahmen, wie zum Beispiel das tragen lockerer Kleidung, kann die Wahrscheinlichkeit jedoch verringern.

Wer hilft mir bei einem Milchstau?

Der erste Ansprechpartner ist die eigene Hebamme, diese hat sehr oft damit zu tun und kennt viele hilfreiche Tipps und Tricks. Auch eine Stillberatung ist eine gute Anlaufstelle. Natürlich kennt auch der Frauenarzt und jeder Hausarzt einige Mittel dagegen, zu Beginn ist ein Besuch beim Arzt jedoch nicht zwingend erforderlich.

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