Carvedilol

An Blutdruck oder Herzinsuffizienz leidende Menschen werden oft mit dem Wirkstoff Carvedilol behandelt. Der aus der Reihe der Betablocker stammende Wirkstoff wird in der Regel in Form von Tabletten eingenommen und weist Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit und Kopfschmerzen auf.

Doch, wie wirkt Carvedilol eigentlich, was ist bei der Anwendung zu beachten und welchen Zwecken dient der Wirkstoff? Auf die wichtigsten Fragen zu dem Wirkstoff wird nachfolgend eingegangen.

CarvedilolWas ist Carvedilol?

Bei Carvedilol handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der Betablocker, welche typischerweise bei Bluthochdruck eingesetzt werden.

Für diesen Zweck wird auch Carvedilol eingesetzt. Hier liegt der Zweck des Wirkstoffs außerdem speziell darin, den Blutdruck langfristig zu normalisieren beziehungsweise ein normales Level der Blutdruckwerte zu erzielen.

Weiterhin besteht der Zweck des Wirkstoffs darin, die Belastung des Herzens durch einen Bluthochdruck zu verringern – dies ist speziell bei Patienten mit einer Herzmuskelschwäche der Fall.

Sämtliche Folgen, welche aus einem Bluthochdruck resultieren, sollen außerdem durch die Anwendung des Wirkstoffs verringert beziehungsweise gänzlich verhindert werden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Blutdruck senken, wenn Bluthochdruck vorliegt
  • langfristig Blutdruck normalisieren
  • Herz entlasten, wenn Herzmuskelschwäche vorliegt

Allgemeines

Allgemeines
NameCarvedilol
Andere Namen
  • (RS)-1-(4-Carbazolyloxy)-3-[2-(2-methoxyphenoxy)-ethylamino]-2-propanol
  • (±)-1-(4-Carbazolyloxy)-3-[2-(2-methoxyphenoxy)-ethylamino]-2-propanol
  • rac-1-(4-Carbazolyloxy)-3-[2-(2-methoxyphenoxy)-ethylamino]-2-propanol
SummenformelC24H26N2O4
Kurzbeschreibungweißes bis fast weißes, kristallines und polymorphes Pulver

Wirkungsweise

So wirkt Carvedilol

Die Funktion eines Betablockers wie Carvedilol liegt darin, die sogenannten „beta-Rezeptoren“ des Herzens zu besetzen und somit dafür zu sorgen, dass an diese nicht mehr die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin andocken können.

Diese sorgen im Körper grundsätzlich für einen höheren Puls und damit auch für einen höheren Blutdruck. Können diese jedoch nicht mehr an die beta-Rezeptoren andocken, so wird der Blutdruck automatisch gesenkt beziehungsweise kann gar nicht erst in die Höhe steigen, da das Herz nicht mehr schneller schlägt.

Das Besondere an Carvedilol ist, dass der Wirkstoff nicht nur die beta-Rezeptoren des menschlichen Organismus‘ besetzt, sondern auch an die alpha-Rezeptoren andockt und somit als Alphablocker wirkt.

An diesen würde normalerweise das Stresshormon Adrenalin andocken und für eine Engstellung der Gefäße erzeugen, wodurch der Blutdruck ansteigt. Der Wirkstoff verursacht hier jedoch eine Weitstellung der Gefäße, was wiederum zu einem Sinken des Blutdrucks führt. Dadurch wirkt Carvedilol besonders effektiv.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Carvedilol

Carvedilol wird in der Regel oral über Tabletten eingenommen. Erst einmal im Darm angelangt, wird der Wirkstoff schnell aufgenommen und in den Blutkreislauf geleitet. So erreicht der Wirkstoff nach circa 1 Stunde die höchste Wirkstoffkonzentration im Blut.

Abgebaut wird Carvedilol hauptsächlich über die Leber, wo der Wirkstoff verstoffwechselt wird und anschließend in die Galle gelangt, wo dieser wiederum über den Stuhl ausgeschieden wird. So ist circa 6 bis 10 Stunden nach der Einnahme die Hälfte des Wirkstoffes abgebaut.


Anwendungsgebiete

Angewendet wird Carvedilol bei einem erhöhten Blutdruck, einer Herzmuskelschwäche sowie bei einer chronischen Herzenge, welche auch als Angina Pectoris bezeichnet wird.

Wann wird Carvedilol eingesetzt?

In der Regel wird Carvedilol bei einem primären beziehungsweise essenziellen Bluthochdruck eingesetzt. Es ist hier auch die Rede von einer primären beziehungsweise essenziellen Hypertonie. Hierbei handelt es sich um einen Bluthochdruck, bei welchem die Ursache nicht erkenntlich ist.

Die Anwendung erfolgt hier meist langfristig, um den Blutdruck wieder auf ein normales Level zu senken. Wird Carvedilol bei einer Herzmuskelschwäche beziehungsweise einer Herzinsuffizienz eingesetzt, so erfolgt die Anwendung meist in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie ACE-Hemmern.

Außerdem wird Carvedilol nur bei einer chronischen Herzmuskelschwäche eingesetzt. Da der Blutdruck bei einer chronischen Herzenge in der Regel höher ist, kann der Wirkstoff auch hier helfen, indem der Blutdruck gesenkt wird. Bei einer Angina Pectoris erfolgt die Anwendung ebenfalls langfristig.


Richtige Anwendung

Da es sich bei Carvedilol um einen starken Wirkstoff handelt, darf nur eine ärztliche Behandlung erfolgen, in welcher der Arzt die genaue Dosis sowie den Zeitraum für die Einnahme festlegt. Eine Selbstmedikation ist in jedem Fall ausgeschlossen, da diese zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann.

So wird Carvedilol angewendet

Eingenommen wird Carvedilol über Tabletten beziehungsweise Filmtabletten, welche den Wirkstoff enthalten.

Die Initialdosis beträgt in den ersten 2 Tagen jeweils 12,5 mg. Anschließend wird die Dosis meist auf 25 mg täglich erhöht – kann aber je nach Grund der Anwendung auch höher oder tiefer liegen.

Da die maximale Dosis für die Einzeleinnahme bei 25 mg liegt, wird die tägliche Dosis auf 2 Einnahmen aufgeteilt, wenn die tägliche Dosis erhöht werden muss. Eingenommen werden sollte Carvedilol stets zur gleichen Tageszeit.


Medikamente

Carvedilol wird in unterschiedlichen Medikamenten von unterschiedlichen Herstellern angeboten. Je nach Medikament und Hersteller kann dabei eine andere Wirkstoffmenge vorliegen. Demnach entscheidet der behandelnde Arzt, welches Medikament verschrieben wird.

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Carvedilol?

  • Carvedilol AbZ Filmtabletten (6,25, 12,5 und 15 mg)
  • Carvedilol CT Tabletten (6,25, 12,5 und 25 mg)
  • Carvedilol-ratiopharm Filmtabletten (6,25, 12,5 und 25 mg)
  • Dilatrend Tabletten (3,125, 6,25, 12,5 und 25 mg )
  • Querto Tabletten (6,25, 12,5 und 25 mg)

Handelsnamen

Monopräparate

Monopräparate mit dem Wirkstoff Carvedilol sind unter den Handelsnamen CarLich, Carvedigamma, Dilatrend, Dimetil und Querto bekannt.

Kombinationspräparate

Derzeit gibt es ein Kombinationspräparat mit dem Wirkstoff Carvedilol, welches unter dem Handelsnamen Co-Dilatrend bekannt ist.


Indikationen

Zu einem der Hauptindikatoren für die Behandlung mit Carvedilol zählt ein Bluthochdruck, welcher beim Patienten festgestellt werden kann.

Des Weiteren zählt dazu eine Herzmuskelschwäche. Wird bei einer Untersuchung eine chronische Herzenge festgestellt, so liegt ein weiterer Grund zur Behandlung mit dem Wirkstoff vor.


Gegenanzeigen

Wann darf Carvedilol nicht verwendet werden?

Carvedilol darf in einigen Fällen nicht eingenommen werden, da es unter Umständen zu schweren Nebenwirkungen und Komplikationen kommen kann.

Dies zum einen der Fall, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vorliegt. Zum anderen darf Carvedilol nicht eingenommen werden, wenn eine sehr starke Herzmuskelschwäche, ein verlangsamter Herzschlag, ein niedriger Blutdruck sowie ein Herz-Kreislauf-Schock vorliegt.

Gleiches gilt für Patienten, welche an Prinzmetal-Agina, Leberfunktionsstörungen, schweren Erkrankungen des Reizleitungssystems des Herzens, Asthma und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen leiden.

Wer einen unbehandelten Nebennierenrindentumor und eine Stoffwechselübersäuerung hat, muss ebenfalls auf Carvedilol verzichten. Darüber hinaus muss bei der Anwendung bestimmter Medikamente auf den Wirkstoff verzichtet werden – dazu aber in den folgenden Absätzen mehr.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft sollte vollständig auf die Einnahme von Carvedilol verzichtet werden. Der Wirkstoff kann nämlich in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes gelangen und hier Schäden anrichten.

Auch in der Stillzeit sollte keine Anwendung von Carvedilol erfolgen, da der Wirkstoff in die Muttermilch gelangt und somit durch das Stillen in den Körper des Säuglings gelangt.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Nach Möglichkeit sollte keine Anwendung des Wirkstoffes bei Kindern erfolgen. Kann eine Anwendung von Carvedilol allerdings nicht umgangen werden, so sollte diese nur nach einer ärztlichen Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses durchgeführt werden.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Carvedilol?

Wie bei jedem anderen Wirkstoff sind auch bei der Einnahme von Carvedilol keine Risiken und Nebenwirkungen auszuschließen. Auftreten können diese allerdings bei jeder individuellen Behandlung auf unterschiedliche Art und Weise.

Abhängig sind die Risiken und Nebenwirkungen dabei auch von der Wirkstoffmenge und dem Behandlungszeitraum. Beachtet werden sollte, dass bei dem Auftreten von Nebenwirkungen sofort ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Häufige Nebenwirkungen

Häufig kommt es durch die Einnahme von Carvedilol zu Nebenwirkungen wie:

  • Schwindel,
  • Kopfschmerzen,
  • Asthenie
  • Schwäche
  • Hypotonie

Außerdem können häufig Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen im Gewebe, Blutmengenüberschuss, Flüssigkeitsspeicherung im Körper, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Gleiches gilt für einen langsamen Puls, Sehstörungen sowie einen plötzlichen Blutdruckabfall.

Gelegentliche Nebenwirkungen

Gelegentlich kann es durch die Einnahme von Carvedilol zu einer Ohnmacht oder Vorstufen einer Ohnmacht kommen. Des Weiteren können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Verschlechterung der Herzmuskelschwäche
  • Schlafstörungen
  • Albträume
  • Depressionen
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheit
  • nervliche Missempfindungen in Armen und Beinen
  • Sehstörungen
  • Impotenz
  • Hautreaktionen
  • Blutgefäßverstopfungen
  • Verschlechterung einer Schaufensterkrankheit
  • Verschlechterung der Durchblutung von Fingern und Zehen
  • ein AV-Block

Seltene Nebenwirkungen

Nur selten ruft die Behandlung mit Carvedilol folgende Nebenwirkungen hervor:

  • verstopfte Nase
  • Mundtrockenheit
  • Störungen beim Wasserlassen
  • Blutbildveränderungen

Zudem kann es bei Patienten mit einer allgemeinen Gefäßerkrankung oder einer Nierenfunktionsstörung zu unnormalen Nierenfunktionen oder einem Nierenversagen kommen.

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen

In besonders seltenen Fällen entstehen durch die Einnahme von Carvedilol eine Blutbildveränderung, eine Leberwerterhöhung, Psychosen oder sämtliche allergische Reaktionen.


Wechselwirkungen

Wechselwirkungen, welche bei der gleichzeitigen Einnahme von Carvedilol und anderen Medikamenten entstehen, sind grundsätzlich nicht auszuschließen. Daher sollte bei bestimmten Medikamenten keine gleichzeitige Einnahme mit dem Wirkstoff erfolgen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Carvedilol?

Keine gleichzeitige Einnahme sollte unter anderem bei Kalziumkanalblockern und MAO-Hemmern gegen Depressionen erfolgen, da es hier zu schweren Folgewirkungen kommen kann.

Beachtet werden sollte, dass die Einnahme einiger Medikamente die Wirkung von Carvedilol abschwächen kann. Dies ist unter anderem der Fall bei nicht-steroidalen Antirheumatika, Östrogenen und Corticosteroiden.

Gleichzeitig kann die Wirkung anderer Wirkstoffe durch die gleichzeitige Einnahme mit Carvedilol abgeschwächt werden. Dies gilt für die Medikamente Corticosteroiden, Rifampicin oder Acetylsalicylsäure.

Ebenso kann es zu einer Verstärkung der Wirkung anderer Medikamente kommen.

Dazu zählen Mutterkornalkaloide, sämtliche im Gehirn wirkende blutdrucksenkende Wirkstoffe, sämtliche Wirkstoffe, welche gegen Diabetes eingesetzt werden sowie Betablocker, blutgefäßerweiternde Mittel, Antiarrhythmika, Nitrate, Mittel zur Wasserausscheidung, Narkosemittel, Kalziumantagonisten, Neuroleptika und andere Psychopharmaka. Außerdem wird die Wirkung von Alkohol durch Carvedilol verstärkt.

Wird die Behandlung zusätzlich mit Clonidin kombiniert, so muss Clonidin stufenweise abgesetzt werden, wenn die Behandlung mit Carvedilol schon einige Tage zuvor beendet wurde, da es auch hier zu Wechselwirkungen kommen kann.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Carvedilol zu beachten?

Carvedilol darf grundsätzlich nur unter ärztlicher Absprache angewendet werden. Dabei sollte stets die verschriebene Tagesdosis eingehalten werden, denn diese darf nur vom behandelnden Arzt angepasst werden. Gleiches gilt für den ärztlich festgelegten Behandlungszeitraum.

Zudem dürfen sämtliche zuvor genannte Medikamente aufgrund ihrer Wechselwirkungen nicht zusammen mit Carvedilol eingenommen werden.

Werden andere Medikamente zusammen mit Carvedilol eingenommen, so muss im Voraus eine Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Unter Umständen muss hier die Dosis angepasst werden.

Weiterhin sind bei der Anwendung von Carvedilol regelmäßige ärztliche Kontrollen notwendig, um die schwere Nebenwirkungen oder Folgeerscheinungen auszuschließen.

Darüber hinaus sollten Kontaktlinsenträger beachten, dass es durch die Einnahme des Wirkstoffs zu einer verminderten Tränenbildung kommen kann. Hier ist unter Umständen eine Anwendung von Augentropfen erforderlich.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Carvedilol

Bei Carvedilol handelt es sich um einen Wirkstoff, welcher verschreibungspflichtig ist und daher nur unter Vorlage eines Rezeptes in der Apotheke erhältlich ist. Dies gilt für jegliche Wirkstoffkonzentrationen von Carvedilol in Medikamenten.


Geschichte

Seit wann ist Carvedilol bekannt?

Da Carvedilol ein Betablocker der dritten Generation ist, handelt es sich hierbei um einen der moderneren Betablocker. Ursprünglich entwickelt wurde der Wirkstoff von dem heutigen Unternehmen Roche, welches die Rechte für den Wirkstoff einige Jahre später an das Unternehmen GlaxoSmithKline verkaufte.

Anschließend wurde der Wirkstoff in der EU in den 1990er Jahren zugelassen und wird seitdem für sämtliche Behandlungen, welche Betablocker erfordern, angewendet.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Es sollte grundsätzlich beachtet werden, dass eine Behandlung mit Carvedilol nicht plötzlich erfolgen darf, da sonst eine erhöhte Gefahr für einen Herzinfarkt besteht.

Der Wirkstoff muss also in jedem Fall unter ärztlicher Aufsicht langsam abgesetzt werden. Steht eine Operation bevor, so sollte der Arzt in jedem Fall über die aktuelle Anwendung des Wirkstoffs unterrichtet werden, um bei der Operation auftretende Komplikationen zu vermeiden.

Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Reaktionsfähigkeit durch die Anwendung von Carvedilol eingeschränkt werden kann – dies gilt gerade für den Behandlungsbeginn beziehungsweise für den Zeitraum unmittelbar nach der Einnahme.

Die Teilnahme am Straßenverkehr oder das Bedienen von Maschinen kann somit zu einem Risiko werden.


Quellen

  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013
  • Anne Paschen: Herz. 2016, S. 262.
  • Datenblatt Carvedilol bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 15. März 2011 (PDF).
  • Eintrag zu Carvedilol in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  • Eintrag zu Carvedilol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 25. Juni 2019.
  • Europäische Arzneibuch-Kommission (Hrsg.): EUROPÄISCHE PHARMAKOPÖE 5. AUSGABE. Band 5.0–5.8, 2006.

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