Chinin

Vielen ist Chinin als Geschmacksgeber in Getränken bekannt. Der Wirkstoff ist allerdings auch in einigen Medikamenten zur Behandlung verschiedener Beschwerden zu finden.

Gewonnen wird der Wirkstoff aus der Rinde des Chinarindenbaums, der vor allem in Zentralamerika und Südamerika vorkommt. Was der Wirkstoff Chinin zu bieten hat, soll im weiteren Verlauf dargestellt werden.

ChininWas ist Chinin?

Das aus dem Chinarindenbaum gewonnene Chinin ist ein natürlicher Wirkstoff, der zu der Gruppe der Chinolin-Alkaloide gehört. Die Rinde enthält circa 11-15 % Chinin, welches mithilfe von Ethanol aus der Rinde herausgelöst wird.

Jährlich werden rund 300-500 Tonnen des Wirkstoffes aus den Chinarindenbäumen gewonnen. Zu erkennen ist der Wirkstoff an seiner weißen Farbe und der Pulverform.

Es ist nur sehr schwer in Wasser löslich. Aufgrund des bitteren Geschmacks wird Chinin neben dem Einsatz in Medikamenten auch als Geschmacksgeber in Getränken wie Bitter Lemon oder Tonic Water eingesetzt.

Da es sich bei Chinin aber um einen pharmakologisch wirksamen Wirkstoff handelt, unterliegt er in Deutschland der Kennzeichnungspflicht, sobald es in alkoholfreien Getränken enthalten ist.

Als Obergrenze sind in Deutschland 85 mg/kg bei alkoholfreien und 300 mg/kg in alkoholhaltigen Getränken festgelegt worden.

Obwohl der Wirkstoff im Allgemeinen als sehr gut verträglich eingestuft wird, kann die Einnahme ab und an zu beträchtlichen Nebenwirkungen führen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Muskelkrämpfe sollen gelöst werden
  • Behandlung bei nächtlichen Wadenkrämpfen
  • Bei Verdacht auf Malaria: Erreger im Blut abtöten
  • Bei Erkrankung an Malaria: Fieber senken

Allgemeines

Allgemeines
NameChinin
Andere Namen
  • (–)-(8α,9R)-6′-Methoxycinchonan-9-ol
  • (–)-Chinin
  • 1-(6-Methoxychinolin-4-yl)-1-(5-vinyl-1-azabicyclo[2.2.2]oct-2-yl)methanol (syst.)
  • 1-(6-Methoxychinolin-4-yl)-1-(5-vinyl-1,4-ethanopiperidin-2-yl)methanol
  • QUININE (INCI)
SummenformelC20H24N2O2
Kurzbeschreibungweißer, geruchloser kristalliner Feststoff

Wirkungsweise

So wirkt Chinin

Besonders bekannt ist Chinin für den Einsatz gegen Malaria. Dies ist eine tropische Infektionskrankheit, die bei Nicht-Behandlung schnell zum Tod führen kann. Im Verlauf der Krankheit werden die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) von krankheitserregenden Einzellern befallen.

Um Aminosäuren zu gewinnen, bauen die Einzeller Hämoglobin in den roten Blutkörperchen ab. Infolgedessen entsteht das Spaltprodukt „Häm“, welches einzeln für den Malaria-Erreger giftig ist.

Aus diesem Grund werden Häm-Gruppen mithilfe eines Enzyms gebildet, um sie unschädlich zu machen. Chinin bewirkt, dass dieses Enzym gehemmt wird und verhindert so die Entstehung der Häm-Gruppen. Häm liegt also frei vor und tötet die Malaria-Erreger ab.

Des Weiteren hat Chinin einen schmerzstillenden, fiebersenkenden und entkrampfenden Effekt. Aufgrund der krampflösenden Wirkung wird Chinin häufig auch zur Behandlung beziehungsweise Vorbeugung von Muskelkrämpfen (wie zum Beispiel zur Therapie nächtlicher Wadenkrämpfe) verwendet.

Da Chinin außerdem die Gebärmuttermuskulatur anregt, wurde es in der Vergangenheit häufig als wehenfördernden Wirkstoff angewandt. Die Einnahme von Chinin während der Schwangerschaft wird jedoch vom BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) kritisiert.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Chinin

Sobald Chinin oral eingenommen wurde, wandert es in den oberen Teil des Dünndarms. Von dort aus wird es zügig in das Blut aufgenommen. Die höchste Konzentration wird nach circa 1 bis 3 Stunden erreicht.

Das Produkt wird über die Nieren ausgeschieden. Ein Großteil des Wirkstoffs wird vorher bereits von der Leber verstoffwechselt. Es dauert etwa 12 Stunden, bis die Hälfte der Wirkstoffmenge über die Nieren ausgeschieden wurde.


Anwendungsgebiete

Wann wird Chinin eingesetzt?

Im Wesentlichen gibt es zwei Einsatzgebiete, in denen Chinin vorkommt: die Lebensmittel- & die Pharmaindustrie.

In der Lebensmittelindustrie verleiht Chinin Getränken wie Tonic Water oder Bitter Lemon den einmalig bitteren Beigeschmack. Man findet Chinin hier allerdings nur in geringen Mengen vor.

In der Pharmaindustrie ist in Deutschland lediglich ein einziges Chinin-Präparat zugelassen. Dieses dient der Therapierung nächtlicher Wadenkrämpfe und wird in Tablettenform verabreicht. Da Chinin nur schwer wasserlöslich ist, enthalten die Tabletten Chininsulfat, welches sich besser in Wasser auflösen lässt.

Anderweitig (zum Beispiel in der Schweiz) ist Chinin auch zur Behandlung von Malariainfektionen zugelassen. Hauptsächlich kommt der Wirkstoff gegen Malaria tropica zum Einsatz.

Malaria tropica ist die gefährlichste Form der Malariaerkrankungen. Nachdem immer mehr synthetische Mittel gegen Malaria entwickelt wurden, verlor Chinin zunächst an Bedeutung. Dies änderte sich, als die Erreger resistent gegen Chloroquin (Malariamittel) wurden oder gar multiresistent waren.


Richtige Anwendung

So wird Chinin angewendet

Es wird geraten eine Dosis von 200 mg bis maximal 400 mg (1-2 Tabletten) Chinin nach dem Abendessen einzunehmen. Diese Dosis sollte nicht länger als zwei bis drei Wochen zu sich genommen werden. Sollten die Beschwerden nach diesem Zeitraum noch anhalten, ist ein Besuch beim Arzt empfehlenswert.

Die intravenöse Zugabe von Chinin erfolgt ausschließlich bei Malariaerkrankungen. Die Dosis wird von Fall zu Fall und je nach Schwere der Krankheit vom behandelnden Arzt festgelegt.


Medikamente

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Chinin?

Es ist nur ein einziges Medikament mit dem Wirkstoff Chinin auf dem Markt erhältlich:

  • Limptar N

Bei Limptar N handelt es sich um Schmerztabletten der Firma MCM Klosterfrau Vertr. GmbH. Das Medikament ist in verschiedenen Verpackungsgrößen (30 Stück und 80 Stück) erhältlich. Die Filmtabletten enthalten je 200 mg Chinin.


Handelsnamen

Monopräparat

Limptar N fällt unter die Gruppe der Monopräparate. Das bedeutet, dass das Medikament einzig und allein einen pharmakologisch wirksamen Arzneistoff (in diesem Fall Chinin) enthält. Der Vorteil von Monopräparaten liegt darin, dass sie ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen darstellen.


Indikationen

  • Vorbeugen von (nächtlichen) Wadenkrämpfen
  • Behandlung von Malaria
  • Geschmacksgeber für Getränke aufgrund der Bitterstoffe

Gegenanzeigen

Wann darf Chinin nicht verwendet werden?

Wie bei allen Wirkstoffen gibt es eine Reihe von Gegebenheiten, bei denen Chinin nicht eingenommen werden sollte. Welche diese sind, zeigen wir Ihnen im Folgenden. Sie sollten Chinin nicht einnehmen, wenn Sie..

  • .. eine Allergie gegen Chinin oder Chininsulfat haben.
  • .. zu dem Zeitpunkt der Einnahme schwanger sind.
  • .. unter angeborenen Herzrhythmusstörungen leiden.
  • .. unter Muskelschwäche oder Muskelerkrankungen leiden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Wenn Chinin in hohen Dosen während der Schwangerschaft eingenommen wird, kann das Ungeborene unter Umständen gravierende Schäden davontragen. Es ist daher dringend zu empfehlen auf die Einnahme während der gesamten Schwangerschaft zu verzichten.

Dies gilt auch für die Dauer des Stillens, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergehen kann.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Das Verabreichen von Chinin bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wurde bisher nicht ausreichend erforscht. Aus diesem Grund sollte diese Zielgruppe auf die Einnahme des Wirkstoffs verzichten.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Chinin?

Zur besseren Übersicht sind die Nebenwirkungen unten stehend nach dem Auftreten der Häufigkeit aufgezählt. Gerade bei längerfristiger und hoch dosierter Einnahme kommen die sogenannten Cinchonismen (Nebenwirkungen aufgrund von Chinin) vor.

Häufige Nebenwirkungen

Zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen gehören:

  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Tinnitus
  • Sehstörungen
  • Hautreaktionen (Hautausschläge, Juckreiz)

Seltene Nebenwirkungen

Neben den häufig auftretenden Nebenwirkungen gibt es auch jene, die zwar sehr selten vorkommen aber dennoch zu erwähnen sind.

  • Magen-Darm-Störungen
  • Leberfunktionsstörungen
  • Arzneimittelfieber mit einhergehenden Blutbildveränderungen
  • Auftreten kleinster Blutungen mit Folge von Blutergüssen

Das Auftreten von Blutergüssen ist ein Hinweis auf eine besonders starke Empfindlichkeit gegenüber Chinin. Die Dosis des Wirkstoffs ist in diesem Fall unerheblich.

In extrem seltenen Fällen führt diese Empfindlichkeit zu Gerinnungsstörungen oder sogar Nierenversagen. Nachdem die Gabe von Chinin abgesetzt wird, bilden sich die Blutergüsse in der Regel wieder zurück.

Sobald eine der genannten Nebenwirkungen bei der Einnahme von Chinin auftritt, sollten Sie sofort Ihren Arzt kontaktieren, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ein Arzt kann die aktuelle Situation am besten beurteilen.


Wechselwirkungen

Welche Wechselwirkungen zeigt Chinin?

Während Chinin eingenommen wird, sollten Arzneimittel, die den pH-Wert (Säuregrad) des Harns erhöhen, umgangen werden. Der angehobene pH-Wert sorgt dafür, dass der Wirkstoff nur vermindert ausgeschieden werden kann, was das Risiko von Nebenwirkungen erhöht.

Säurebindende Mittel hingegen vermindern bei gleichzeitiger Einnahme die Aufnahme von Chinin. Diese Arzneimittel, bekannt als Antazida, werden zur Behandlung von Magengeschwüren und Sodbrennen eingesetzt.

Des Weiteren wird davon abgeraten, Chinin in Kombination mit Wirkstoffen zu verwenden, die den Herzrhythmus verändern. Hierzu zählen beispielsweise Antidepressiva, Antibiotika oder Mittel gegen Psychosen.

Die Wirkung von Gerinnungshemmern, Muskelrelaxanten und Herzmedikamenten kann durch die Gabe von Chinin verstärkt werden.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Chinin zu beachten?

Generell ist zu sagen, dass vor der Einnahme geklärt werden sollte, ob man zu der Gruppe von Menschen gehört, die Chinin nicht einnehmen dürfen (siehe Überschrift „Gegenanzeigen“).

Sollten Sie sich für eine Behandlung mit chininhaltigen Medikamenten entscheiden, achten Sie darauf, dass Sie die empfohlene Dosis von 200 mg bis 400 mg täglich nicht überschreiten. Diese Dosierung entspricht 1-2 Filmtabletten.

Außerdem sollte der Wirkstoff maximal drei Wochen am Stück eingenommen werden. Tritt innerhalb dieses Zeitraums keine Besserung der Symptome ein, nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Arzt auf.

Die Filmtabletten werden unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit NACH dem Abendessen eingenommen. Bei mittelschweren bis schweren Beschwerden werden abends zwei Tabletten verabreicht. Die erste unmittelbar nach der abendlichen Mahlzeit und die zweite kurz vor dem Schlafengehen.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Chinin

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) entschloss, das chininhaltige Medikamente ausschließlich nach ärztlicher Verordnung ausgegeben werden dürfen. Das bedeutet, dass Sie zwingend ein Rezept zum Erhalt benötigen.


Geschichte

Seit wann ist Chinin bekannt?

Überlieferungen zufolge erkrankte die Frau des spanischen Vizekönigs von Lima im Jahre 1638 an Sumpffieber. Die Krankheit erreichte schnell ihren Höhepunkt und es bestand wenig Hoffnung für das Überleben von Francisca Henriques de Riviera.

Der Vizekönig erinnerte sich an ein Gerücht seines Arztes, das besagte, dass den Indianern aus dem Gebiet um Luxa ein Heilmittel bekannt sei. Die Abgesandten des Vizekönigs kehrten mit einem bitterschmeckenden Stück Rinde aus der Familie der Rubiazeen zurück.

Aus dieser Rinde wurde ein Gebräu hergestellt und Francisca verabreicht. Nach nur weniger Zeit war ihr Fieber verschwunden. Ab diesem Zeitpunkt nannte man den Baum zu Ehren der Gräfin „Chinchona“ oder zu deutsch Chinarindenbaum.

Im Jahr 1819 gelang es dem deutschen Chemiker Friedhelm Ferdinand Runge ein Pulver aus der Rinde zu isolieren, das schon in kleinen Mengen gegen Fieber wirkte. Er war es auch, der dem Wirkstoff den Namen „Chinin“ verlieh.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Eine Langzeitbehandlung sollte nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden.
  • Bei Auftreten eines Tinnitus, Hör- oder Sehstörungen oder Hautrötungen ist die Einnahme von Chinin sofort abzubrechen.
  • Auch bei Auftreten von Fieber sollte die Einnahme des Wirkstoffs umgehend gestoppt und ein Arzt aufgesucht werden.
  • Der Wirkstoff ist nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen geeignet.

Quellen

  • Deutsches Ärzteblatt: Risiken und Missbrauch: BfArM fordert Rezeptpflicht für Chinin (20.12.2013): www.aerzteblatt.de (Abruf: 16.03.2014)
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.

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