Galle

Die Galle ein wichtiger Verdauungshelfer

Der menschliche Organismus produziert am Tag etwa 700 Milliliter dieser ganz besonderen Flüssigkeit, die wir Galle nennen. Das Wort stammt vom indogermanischen ghel=gelb/grün ab. Früher hielt man die Galle für einen der vier Lebenssäfte, die nicht nur den menschlichen Körper am Laufen halten, sondern auch für den Charakter, das Naturell große Bedeutung haben.

Ein Übermaß an sogenannter gelben Galle (cholera citrina) sollte den Menschen aufbrausend und unbeherrscht, zum Choleriker machen, Zuviel schwarze Galle (melanina chole) sollte das Kennzeichen trauriger verschlossener und in sich gekehrter Menschen, der Melancholiker, sein. Auch wenn man heute weiß, das das nicht stimmt, hat die Galle im menschlichen Organismus mehrere wichtige Aufgaben zu erfüllen.

Was ist Galle?

Sie besteht zu etwa 80 Prozent aus Wasser, zu 12 Prozent aus Salzen, der Rest sind Gallensäuren, alkalische Enzyme, phosphorhaltige Lipide, Lecitin, Cholesterin, Hormone, Elektrolyte und Glykoproteine. Galle oder griechisch Chole ist zähflüssig und sieht, wie der Name schon sagt, gelblich bis grünlich aus. Gebildet wird die Gallenflüssigkeit, kurz Galle genannt, in der Leber. Die kleinen Leberkapillaren, winzige Kanälchen im Lebergewebe, speichern sie und führen sie dann über größere Kanäle dem Lebergang zu. Dieser teilt sich in zwei Äste. Einer führt in die Gallenblase, wo die Galle gespeichert und konzentriert wird, um später in den Zwölffingerdarm zu gelangen, wo sie für die Verdauung benötigt wird. Der andere Ast führt ohne den Umweg in die Gallenblase direkt in den Zwölffingerdarm.

Funktionen & Aufgaben

Die Galle spielt eine sehr wichtige Rolle dabei, Fette aus dem Essen zu verarbeiten. Außerdem trägt sie dazu bei, dass der Speisebrei, der nach Passage des Magens stark sauer ist, zu neutralisieren. Sie ist in der Lage, fett-und eiweißspaltende Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse und aus dem Dünndarm zu aktivieren. Diese emulgieren die Nahrungsfette, damit sie besser zerlegt und verwertet werden können. Die Gallensäuren bilden mit den Spaltprodukten die sogenannten Mizellen. Dadurch wird deren Resorption erst ermöglicht. Auch Cholesterin und Bilirubin können auf diese Weise ausgeschieden werden, ebenso auch andere schwer wasserlösliche Substanzen wie zum Beispiel Stoffwechsel-Abbauprodukte und Medikamente.

Darüber hinaus wirkt der Gallensaft bakterizid, das heißt, er tötet schlechte Darmbakterien ab. Bei allen diesen Prozessen bleibt ein erheblicher Teil der Galle erhalten, wird gewissermaßen recycelt. Sie wird am Ende des Dünndarmes zurückgehalten und gelangt über das Blut wieder zurück in die Leber. Nur ein Teil muss neu produziert werden. Das geschieht nicht nur, wenn der Mensch Fette zu sich nimmt, sondern laufend. Wird die Galle nicht benötigt, speichert sie die Gallenblase und dickt sie dabei auf etwa ein Zehntel ihres Volumens ein. Die Gallenblase ist ein birnenförmiges Gebilde, durchschnittlich etwa 10 cm lang und 4 bs 5 cm breit. Sie fasst etwa 60 Milliliter Galle, die durch einen speziellen Schließmuskel solange zurückgehalten wird, bis sie gebraucht wird. Der Botenstoff Cholezystokinin gibt das Signal und die Gallenblasse gibt Gallenflüssigkeit in den Darm ab. Ein Viele Menschen sprechen kurz von der Galle, wenn sie eigentlich die Gallenblase meinen.

Anatomie & Aufbau

Wie bereits erwähnt besteht die Galle zu etwa 4 Fünfteln aus Wasser. Dazu kommen dann die Gallensalze, Gallensäuren, das Lecithin, die Farbstoffe und in sehr geringen Mengen die anderen Bestandteile. Eine der allerwichtigsten Funktionen der Galle besteht darin, dass sie Cholesterin binden kann Das schafft sie nur, wenn ihre Bestandteile in einem ganz bestimmten ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Ist diese Verhältnis gestört, dann kommt es zu Fehlfunktionen und letzten Endes auch zu Erkrankungen.

Krankheiten, Beschwerden & Störungen

Cholelithhiasis (Gallensteine)

Die häufigste Krankheit im Zusammenhang mit der Galle sind Gallensteine, lateinisch Cholelithiasis. Sie bestehen aus verfestigter Gallenflüssigkeit, wenn deren Zusammensetzung aus dem Gleichgewicht geraten ist. Geschätzt haben mehr als 10 Prozent aller erwachsenen Europäer Gallensteine, Frauen viel häufiger als Männer. Sie können einen Durchmesser von mehrere Zentimetern haben, aber auch winzig klein sein. Dann sprechen die Ärzte von Gallengrieß. Vielen Menschen bereiten ihre Gallensteine jahrelang keinerlei Probleme. Erst wenn es zu viele oder zu große werden oder sie den Abfluss des Gallensaftes behindern, kommt es zu zum Teil äußerst schmerzhaften Gallenkoliken. Die Therapie der Cholelithiasis besteht darin, die Gallensteine aufzulösen, zu zertrümmern oder wenn nötig, operativ zu entfernen. Im schlimmsten Fall muss die gesamte Gallenblase heraus.

Cholezystitis (Gallenblasenentzündung)

Sie entsteht zu 90 Prozent durch Gallengrieß oder Gallensteine und vor allem dann, wenn durch sie der Abfluss der Galle behindert wird. Aber auch Darmbakterien, die aus dem Zwölffingerdarm in die Gallenblase wandern, können dort Entzündungen auslösen. Weitere mögliche Ursachen sind Störungen des Gefäßsystems, Unfälle, chemisch-toxische Reaktionen und Zuviel fettes Essen.

Porzellangallenblase

Neben den Gallensteinleiden oder den Gallenblasenentzündungen gibt er noch weitere Erkrankungen der Gallenblase. Lagern sich Kalk und fibröse Bindegewebsfasern in der Gallenblase ab, sprechen die Mediziner von der so genannten Porzellangallenblase oder Kalkgalle. Die Gallenblase wird durch den Kalk nach und nach in ihrer Funktion eingeschränkt. Dadurch entstehen ähnliche Beschwerden wie bei der Gallenblasenentzündung. Auch bei der Kalkgalle muss das Organ fast immer operativ entfernt werden. Aus einer verkalkten Gallenblase kann unter Umständen auch ein Gallenblasenkarzinom entstehen.

Das Gallenkarzinom

Bösartige Tumore in der Gallenblase und im Gallengang sind zum Glück nur selten, allerdings werden sie häufig auch erst in sehr weit fortgeschrittenem Stadium entdeckt, weshalb die Sterblichkeitsrate bei dieser Krebsart relativ hoch ist. Gallenkrebs entsteht manchmal aus chronischer Gallenblasen-Entzündung, aber auch aus gutartigen Gallenpolypen und wie erwähnt, aus einer stark verkalkten Gallenblase. Er bewirkt häufig auch Metastasen in der Leber und der Bauchspeicheldrüse.

Gallensäureverlustsyndrom und Gallensäurebedingter Durchfall (Chologene Diarrhoe)

Damit der Gallensaft im Körper erhalten bleibt, wird der größte Teil zusammen mit den Nahrungsbestandteilen vom Dünndarm aufgenommen (resorbiert). Es gibt aber einige Darmerkrankungen, bei denen diese Funktion gestört ist. Dazu gehören in erster Linie:

  • Die Darmkrankheit Morbus Crohn
  • Eine Teilentfernung des Dünndarms, besonders des Dünndarm-Endes
  • Die Folgen von Krebs-Bestrahlungen
  • Störungen der Bauhin’schen Klappe zwischen Dünn- und Dickdarm

Wird der Gallensaft im Dünndarm nicht richtig resorbiert, kommt zu viel davon in den Dickdarm. Er reizt dort die Schleimhaut und das führt zu heftigen und schmerzhaften Durchfällen, Flüssigkeitsverlust und zu Vitamin- und Mineralstoffmangel.

Wenn die Galle überläuft

Solche Sprüche kennt sicher jeder: „Da läuft einem doch die Galle über“, „Mir kommt gleich die Galle hoch“ oder „Er/Sie spuckt Gift und Galle“. Nun ja, Galle spucken geht rein anatomisch nicht und hochkommen kann sie auch nicht. Der Vorgang ist auch nicht wörtlich sondern im übertragenen Sinn gemeint. Aber woher stammen diese Sprüche und was sollen sie ausdrücken?. Ganz einfach, es geht hier um eine häufig zu beobachtende Verbindung zwischen Verdauung und Psyche. Tatsächlich können Zorn, Ärger, Stress, Hektik und seelisches Ungleichgewicht funktionelle Beschwerden auslösen, die nicht nur „auf den Magen schlagen“ sondern sich auch in Gallenbeschwerden von Völlegefühl über Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit bis zu schweren Koliken zeigen. Die Symptome sind die gleichen, wie bei Gallensteinen, Gallenblasenentzündungen, Polypen etc., ohne das die Ärzte körperliche Ursachen finden können. Ärzte sprechen bei den funktionellen Gallenbeschwerden von somatoformer autonomer Funktionsstörung. Hauptauslöser der Beschwerden sind die Hormone Cholecystokinin und Sekretin und der Vagus Nerv. Sie lösen Kontraktionen der Gallenblase aus, die sich dann in den Dünndarm entleert und das in Stresssituationen bei manchen Menschen auch dann, wenn gar keine Speisen zu verarbeiten sind. Der Mensch kann den Vorgang nicht bewusst steuern, genauso wenig wie zum Beispiel den Herzschlag, den Blutdruck, die Atmung und so weiter. Er läuft unabhängig vom Bewusstsein ab. Trotzdem ist das autonome oder vegetative Nervensystem im Gehirn auf noch nicht ganz genau erforschte Weise auch mit den Steuerzentren für die Gefühle verknüpft. Freude und Trauer, Schmerz und Wohlgefühl wirken sich eben auch auf die Ausschüttung von Hormonen, Verdauungssäften etc. aus. Nicht alle Menschen sind davon gleich stark betroffen, manche reagieren sensibler als andere und leiden dann verstärkt unter funktionellen Störungen.

Fragen & Antworten

Kann der Mensch ohne Gallenblase normal weiterleben?

Wird eine operative Entfernung der Gallenblase notwendig, dann bedeutet das für die Patienten, dass ihnen künftig der Zwischenspeicher für die Galle fehlt. Sie produzieren aber trotzdem weiter Gallensaft in der Leber und der reicht in der Regel aus, normale Mahlzeiten zu verdauen. Bei manchen Menschen erweitert sich auch der Gallengang nach einer Gallenblasenentfernung etwas aus und übernimmt einen Teil der Speicherung. Ohne Gallenblase können die Betroffenen also durchaus normal leben und müssen nicht einmal unbedingt bestimmte Diäten einhalten. Allerdings sollten sie nicht allzu üppig tafeln und keine große Mengen sehr fetter Speisen bei einer Mahlzeit zu sich nehmen. Es gibt aber durchaus auch Patienten, die nach der Gallenblasenentfernung einige Beschwerden haben. Sie sollten dann öfter kleine Mahlzeiten zu sich nehmen, fettreduziert essen, blähende Speisen, scharfe Gewürze und Frittiertes reduzieren, vielleicht auch nebenwirkungsfreie pflanzliche Arzneimittel zur Regulierung des Gallensaftes einnehmen.

Gibt es Möglichkeiten der Selbsthilfe bei Gallebeschwerden?

Wer zum ersten Mal Gallebeschwerden hat, sollte auf alle Fälle fettiges Essen sowie auf Alkohol und Kaffee verzichten. Handelt es ich bei den Beschwerden um eine Gallenkolik, helfen wärmende Umschläge auf dem Oberbauch, Pfefferminztee und oft auch galletreibende verdauungsanregende Hausmittel wie Artischocke, Schafgarbe, Gelbwurz und Löwenzahn. Hilft das allein nicht, gibt es viele gute krampflösende Medikamente. Bei funktionellen Gallenbeschwerden können Entspannungstechniken zum Stressabbau wirkungsvoll sein. Halten die Beschwerden länger an oder treten immer wieder auf, sollte der Arzt zu Rate gezogen werden.

Wie merkt man, dass man Gallensteine haben könnte?

Typisch für Gallensteine sind gleichmäßig drückende Schmerzattacken, die mindestens 15 Minuten bis mehrere Stunden anhalten, in den Rücken und bis in die rechte Schulter ausstrahlen. Sie entstehen fast immer während oder nach dem Essen und führen häufig zu starker Übelkeit und zu Erbrechen.

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