Karpaltunnelsyndrom

KarpaltunnelsyndromViele Menschen klagen über Missempfindungen in den Händen, morgens sind die Finger eingeschlafen oder es fällt ein Taubheitsgefühl im Daumen auf.

Flaschen können nicht mehr richtig aufgedreht werden oder es treten unerklärliche Schmerzen in der Hand auf, die sich bis in den Arm hinaufziehen.

Hinter diesen Beschwerden kann sich ein Karpaltunnelsyndrom verbergen.

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Der menschliche Arm wird durch drei Hauptnerven versorgt. Der mittlere Armnerv verläuft von der Schulter bis hin zur Hand und ist zuständig für deren Bewegung und ihren Tast- und Empfindungssinn. Am Handwurzelknochen, dem Übergang von Elle und Speiche zum Handgelenk, laufen Blutgefäße, Sehnen und Nerven durch eine Art Kanal (den Karpaltunnel), bevor sie sich zur Versorgung der Fingermuskulatur verzweigen.

Ist dieser Raum zu eng oder wird dauernd starkem Druck oder wiederkehrender Belastung ausgesetzt, werden die Nerven eingequetscht. Auch eine Sehnenscheidenentzündung im Handbereich engt durch die angeschwollenen Sehnenscheiden den Nerv ein. In allen Fällen ist die Nervenleitung zu den Fingern gestört, ständig gereizt oder gar unterbrochen. Besonders betroffen von dieser Störung sind meist Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Missempfindungen, Schmerzen oder auch Lähmungen können auftreten.

Was sind die Ursachen für ein Karpaltunnelsyndrom?

Ein Karpaltunnelsyndrom kann die verschiedensten Ursachen haben.

Dazu gehören:

  • Krankheiten
    • Eine rheumatische Erkrankung kann zu einer Sehnenscheidenentzündung im Handbereich führen und durch das Anschwellen der Sehnenscheiden das Auftreten eines Karpaltunnelsyndroms begünstigen.
    • Die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms, wie nächtliches Einschlafen der Hände oder Kribbeln in den Fingern, können auch bei einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion auftreten.
    • Auch Diabetes oder starkes Übergewicht zählen zu den Ursachen, da Bänder und Gelenke durch starke Wassereinlagerung beeinträchtigt sind.Patienten, die über einen langen Zeitraum aufgrund einer Nierenerkrankung eine Dialyse benötigen, entwickeln an dem Arm, an dem das Dialysegerät angeschlossen wird, ebenfalls oftmals ein Karpaltunnelsyndrom.
    • Das Vorliegen einer Handgelenksartrose ist ebenfalls sehr oft die Ursache für ein Karpaltunnelsyndrom.
  • Verletzungen
    Brüche oder Verrenkungen im Bereich der Handwurzel können im weiteren Verlauf zu einem Karpaltunnelsyndrom führen.
  • starke, dauerhafte Belastung
    Eine lang andauernde oder immer wiederkehrende starke Belastung im Bereich des Handgelenks, beispielsweise bei Gartenarbeiten, Handarbeiten, Arbeiten mit vibrierenden Maschinen, führt oft zu einer Entzündung der Sehenscheiden in der Hand. Die entzündeten Sehnenscheiden engen den Nerv im Karpaltunnel ein, es entwickelt sich ein Karpaltunnelsyndrom.
  • erbliche Veranlagung
    Hier liegt meist eine angeborene Veränderung des Handwurzelknochens vor, sodass der Karpaltunnel für Nerven und Sehnen zu eng ist.
  • hormonelle Veränderungen
    In den Wechseljahren, aber auch während einer Schwangerschaft, verändert sich der Hormonspiegel im weiblichen Körper. Die Folge ist unter anderem eine Wassereinlagerung in den Gelenken, die auch den Karpaltunnel in der Hand verengen kann und zu typischen Beschwerden führt.

Symptome & Anzeichen eines Karpaltunnelsyndroms

Fast jeder kennt das Gefühl von „eingeschlafenen“ Händen bzw. Fingern oder steifen, geschwollenen Fingern am Morgen, einem Kribbeln in der Handinnenfläche oder einem schmerzendem Handgelenk nach einer starken Belastung. Diese Beschwerden können auch nach Gartenarbeit, Putzen, Stricken oder Arbeiten an vibrierenden Maschinen auftreten. Sie vergehen im Anfangsstadium der Erkrankung sehr bald und bleiben daher oft unbeachtet. Die Beschwerden können aber erste Anzeichen für ein beginnendes Karpaltunnelsyndrom sein.

Der Nerv, welcher Hand und Finger versorgt, ist eingeklemmt oder gereizt und verursacht dadurch Missempfindungen. In einem späteren Stadium der Erkrankung treten zusätzlich Schmerzen in der Hand oder im Handgelenk auf, die bis in den Arm oder die Schulter ausstrahlen können. Finger, insbesondere der Daumen, werden taub. Zusätzlich können Lähmungen auftreten, die ein normales Benutzen der Hand unmöglich machen. Der Betroffene verliert nach und nach die feinmotorischen Fähigkeiten der betroffenen Hand.

Bleibt das Karpaltunnelsyndrom unbehandelt, wird sich im weiteren Verlauf die Daumenmuskulatur zurückbilden, es entsteht eine sichtbare Delle am Daumenballen. Eine Greifbewegung mit dem Daumen ist nicht mehr möglich, da der eingeklemmte Nerv bereits zu stark geschädigt ist.

Das Karpaltunnelsyndrom tritt meist an beiden Händen auf, aber nicht unbedingt zur gleichen Zeit. Auch sind die Symptome bei jedem Betroffenen unterschiedlich.

Diagnose & Krankheitsverlauf beim Karpaltunnelsyndrom

Um ein Karpaltunnelsyndrom eindeutig zu diagnostizieren, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Der Arzt wird den Daumenballen der betroffenen Hand auf Muskelschwund untersuchen und Tast-, Greif- und Empfindungssinn der Finger testen. Zu den weiterführenden Untersuchungen gehören die Provokationstests.

  • Hoffman-Tinel-Test
    Die Haut über dem Karpaltunnel wird durch Abklopfen auf das Auftreten von Schmerzen und Missempfindungen geprüft.
  • Phalen-Zeichen
    Der Patient legt seine Hände mit dem Handrücken aneinander. Durch die extreme Beugung des Handgelenks treten bei einem Karpaltunnelsyndrom starke Schmerzen auf.

Eine ganz sichere Diagnose ergibt der neurologische Karpaltunnelsyndrom-Test. Mittels der
Elektroneurografie wird gemessen, wie schnell Reize über den Armnerv auf die Muskulatur übertragen werden. Ein Vergleich mit einem gesunden Nerv gibt Aufschluss über die Schädigung des erkrankten Nerves. Per Ultraschall wird die Ausdehnung des Karpaltunnels überprüft, bei einem Verdacht auf Artrose kann eine Röntgenaufnahme hilfreich sein.

Die ersten Anzeichen eines Karpaltunnelsyndroms werden oftmals als Kleinigkeit angesehen, der Patient verzichtet auf einen Arztbesuch. Doch je länger die Krankheit unbehandelt bleibt, desto stärker wird der eingeengte Nerv geschädigt und es treten immer wieder und immer öfter Schmerzen auf. Normalerweise können die Beschwerden durch eine Operation vollständig ausheilen.

Bei einer sehr starken Schädigung des Nerves ist eine völlige Heilung nicht mehr möglich. Der Muskelschwund am Daumen und die Empfindungsstörungen in der Hand und den Fingern verursachen eine ständige Bewegungseinschränkung im Alltag.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung und Therapie des Karpaltunnelsyndroms richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Eine konservative Behandlung, das heißt, eine Behandlung ohne chirurgischen Eingriff, bietet sich für leichtere und mittelschwere Formen der Erkrankungen an.

Dabei wird das betroffene Handgelenk mittels einer Schiene über Nacht ruhig gestellt, damit die Hand nicht abgeknickt werden kann. Möglicherweise muss ein Kortisonpräparat verschrieben oder gespritzt werden, um einer akuten Entzündung entgegen zu wirken.

Ist die Erkrankung bereits sehr weit fortgeschritten, ist eine Operation unumgänglich. Sie wird normalerweise ambulant, mit einer lokalen Betäubung, von einem Handchirurgen durchgeführt. Für den chirurgischen Eingriff bieten sich zwei Möglichkeiten an:

  • offene Operation
    Der Chirurg schneidet das Karpalband über dem Handgelenk durch und entfernt das Gewebe, welches den Nerv einengt. Diese Operationsmethode wird bei einem ausgeprägten Syndrom oder einem Wiederholungseingriff angewandt.
  • endoskopische Operation
    Bei dieser Schlüsselloch-OP wird nur ein kleiner Schnitt quer zum Handgelenk durchgeführt. Durch diese Öffnung führt der Arzt seine Instrumente ein und befreit den eingeengten Nerv.

Beide Operationsmöglichkeiten führen zum selben Ergebnis. Anschließend an die Operation
erhält der Patient eine Schiene zur Ruhigstellung der operierten Hand.

Wie jede Operation haben auch die Karpaltunneloperationen ihre Risiken. Bei einer offenen Operation können der Armnerv oder seine Verästelungen geschädigt werden. Das führt zu Gefühlsstörungen in Daumen und Fingern. Im schlimmsten Fall kann es zur Sudeck’schen Erkrankung kommen. Dabei handelt es sich um eine Knochenentkalkung und Weichteilschwellung im Bereich des betroffenen Gelenks, welche zu dessen Versteifung führen können.
Bei der endoskopischen Operation kann der Chirurg Besonderheiten im Bereich des Handgelenks nicht ausreichend überblicken. Die Verletzungsmöglichkeit des Armnerves ist
größer.

Fragen & Vorbeugung

Die eindeutige Ursache für das Auftreten eines Karpaltunnelsyndroms ist nicht geklärt, demnach kann dieser Erkrankung nicht vorgebeugt werden. Aber es gibt viele Möglichkeiten, die Risiken zu verringern. Menschen, die ihre Handgelenke bei der Arbeit stark belasten müssen und somit zur Risikogruppe zählen, sollten stündlich eine Pause einlegen, um die Muskulatur zu strecken und zu entspannen.

Hilfsmittel, wie ergonomische Bürostühle oder Handgelenksauflagen am Computer, helfen, eine gesunde Körperhaltung (Arm, Hand und Handgelenk bilden eine Linie)einzuhalten. Auch Handgelenksschienen zur Entlastung des Handnerves haben sich bewährt. Wer sich zudem körperlich fit hält, beispielsweise durch Gymnastik, Yoga oder Aerobic, achtet automatisch auf eine gute Körperhaltung und kann dadurch weitgehend einem Karpaltunnelsyndrom vorbeugen.

Auch wer gerne Süßes nascht und Lebensmittel bevorzugt, die stark zuckerhaltig sind, begünstigt ein Karpaltunnelsyndrom. Zucker wirkt sich negativ auf Entzündungen im Körper aus.
Tritt das Karpaltunnelsyndrom jedoch aufgrund anderer Krankheiten auf, wie zum Beispiel Rheuma, ist eine Vorbeugung nicht möglich.

Wer erkrankt in erster Linie am Karpaltunnelsyndrom?

Es erkranken Männer und Frauen, die etwa zwischen 40 und 70 Jahre alt sind, wobei Frauen häufiger betroffen sind. Kinder erkranken nur sehr selten. Viel körperliche Arbeit ist einer der Hauptgründe für die Erkrankung.

Gibt es Hausmittel gegen das Karpaltunnelsyndrom?

Sind die Schmerzen bei Vorliegen eines Karpaltunnelsyndroms nicht sehr ausgeprägt, kann man mit einfachen Hausmitteln eine Linderung herbeiführen. Arnikasalbe mehrmals täglich auf das Handgelenk aufgetragen, kann die Schmerzen lindern. Kühlung ist ebenfalls wirkungsvoll. Johanniskraut, welches in erster Linie bei Depressionen eingesetzt wird, kann auch verwendet werden, da dieses Kraut Nervenschädigungen lindert. Positiv wirkt sich auch eine magnesiumreiche Ernährung aus. Magnesium hilft, Muskeln und Nerven zu entspannen.

Gibt es Übungen zur Vorbeugung eines Karpaltunnelsyndroms?

Um nach anstrengender Handarbeit Finger und Hände zu entlasten und zu dehnen, können einfache gymnastische Übungen durchgeführt werden.

Einige Beispiele:

  • die Finger einer Hand mit einem Gummi zusammenhalten, langsam spreizen, wieder zusammenführen, mehrfache Wiederholungen an beiden Händen
  • einen Arm nach vorn ausstrecken, Handgelenk nach oben beugen und mit der anderen Hand gegen die Finger drücken, mehrfach wiederholen und Arm wechseln
  • einen Arm mit der Handfläche nach oben ausstrecken, mit der anderen Hand die Finger zu sich ziehen, kurze Zeit halten und wechseln
  • einen Arm ausstrecken, Hand zur Faust ballen, mit der anderen Hand die Faust zum Körper ziehen, kurz halten und wechseln

Welche Hilfsmittel sind bei einem Karpaltunnelsyndrom empfehlenswert?

Eine ergonomisch korrekte Ausstattung im Büro verhilft zu einer guten Körperhaltung. Ebenso ist eine Auflage für die Hände, sowie eine ergonomisch geformte Maus bei der Arbeit am Computer empfehlenswert. Für Menschen, die körperlich an oder mit Maschinen arbeiten müssen, wirkt oft eine Handgelenkschiene entlastend. Trotzdem sind Pausen zur Entspannung unerlässlich.

Kann die Erkrankung wiederholt auftreten?

Sobald ein Karpaltunnelsyndrom operiert ist, stellt sich nach kurzer Zeit eine Besserung der Beschwerden ein. Im Normalfall heilt die Krankheit vollständig ab. Dennoch kann sie auch nach Jahren wieder auftreten, wenn eine erneute Verengung des Karpaltunnels, beispielsweise durch Narbengewebe, vorliegt.

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