Kommt 2012 die Krankenpflege NEU?

Diskussion um geplante Richtlinie. Die EU-Kommission überlegt, die Zugangsvoraussetzungen für die Pflege neu zu regeln. Damit wäre der Berufsabschluss des Krankenpfleger in anderen EU-Staaten automatisch anerkannt. Künftig sollen Personen, die in Deutschland in diesem Sektor arbeiten möchten, zwölf Jahre allgemeine Schulbildung vorweisen. Was meinen die Befürworter und Gegner zu dieser Novelle?

Pflegenotstand, was ist das überhaupt?

Unserer Gesellschaft wird älter und der Pflegebedarf steigt, zugleich sinken die Geburten und weniger Erwerbstätige sind auf dem Arbeitsmarkt. Wegen dieses demografischen Wandels kommt es zu einer Schere, die Experten unter dem Begriff „Pflegenotstand“ führen.

Schon jetzt haben in Deutschland rund zweieinhalb Millionen Menschen Anspruch auf eine Pflegeversicherung. Das Statistische Bundesamt hat berechnet, dass bereits 2018 ein Mangel an Pflegekräften in Deutschland auftreten dürfte.

Ausbildung Pflege aktuell

Momentan muss ein Krankenpfleger über 2.000 Theoriestunden in einer dreijährigen Ausbildung absolvieren. Es wird umfangreich die Gesundheitspflege vermittelt, aber auch Grundlagen der Sozial- und Rechtswissenschaft. Etwa 90 Prozent der an Krankenpflege interessierten Jugendlichen verfügen über die mittlere Reife, sagt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste.

Viel Vorwissen und viel Verantwortung, doch der Durchschnittslohn von 1.600 Euro netto und Dienste rund um die Uhr schrecken viele ab. Auch aus diesem Grund werden viele Arbeitskräfte in der Pflege zusätzlich angelernt. Vermittler haben sich darauf spezialisiert, professionelle Pfleger bundesweit sowie aus anderen EU-Staaten zur Unterstützung für Familien zu organisieren. Informationen zur 24h Pflege von Linara könnt ihr online im Detail abrufen.

Pro Pflegenovelle

Die Befürworter der neuen Zugangsvoraussetzungen sehen in der höheren Qualifikation der Krankenpflege zunächst den Vorteil, dass die Beschäftigten durch die Anhebung besser bezahlt werden. Damit geht für sie auch eine höhere gesellschaftliche Anerkennung einher.

 

Der deutsche Berufsverband für Pflegeberufe argumentiert, dass die Anforderungen an die Auszubildenden in den vergangenen Jahren ohnehin gestiegen sind. Um das derzeitige Niveau der Ausbildung zu halten, sei diese Novelle also sinnvoll. Durch eine Professionalisierung der Pflege würde die Qualität für die Patienten gewahrt und ein Einstieg für Berufstätige attraktiver.

Mehr Verdienst, mehr Wertschätzung und mehr Sicherheit. Doch im Sinne eines alten Schlagers frage ich euch: „Wer soll das bezahlen?“

Contra Pflegenovelle

Ohne politisch geregelte Unterstützung droht bereits jetzt, die professionelle Pflege für viele Menschen in Deutschland zu teuer zu werden. Über eine Million Pflegebedürftige werden  in den eigenen vier Wänden gepflegt, neben moralischen Aspekten fließen auch finanzielle Gründe dafür ein.

Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe befürchtet, dass die geplante Änderung der EU den drohenden Fachkräftemangel hierzulande weiter verschärft. Es ginge nicht nur um Bildungsjahre. Ebenso wichtig seien bei der Pflege die Motivation und die Fähigkeit des Einzelnen, auf Menschen einzugehen.

Wie ihr bemerkt, hält dieses Thema ganz unterschiedliche Perspektiven bereit. Als Zwischenlösung wird über ein gestaffeltes Pflegesystem diskutiert, das neben Spezialisten auch Anstellungen für Helfer der Krankenpfleger vorsieht. Professionalisierung versus Pflegermangel, die Debatte geht weiter.

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Einen Kommentar

  1. 1

    C.Paul

    Guten Tag!
    Nach nunmehr fast 20 Jahren Tätigkeit in der Krankenpflege regt mich diese Diskussion unglaublich auf!
    Es wird von Professionalisierung gesprochen! Schön und gut! Und davon, dass der Beruf attraktiver werden soll! Noch besser!
    Wie wäre es, den durchaus respektablen Verdienst nicht immer als Schlechte Bezahlung hinzustellen? Und auch die viel zitierten schlechten Arbeitszeiten stellen für Viele doch eine Chance dar! Im Schichtdienst kommen nicht nur Langschläfer und Nachteulen voll auf ihre Kosten, sondern auch Mütter, Berufswiedereinsteiger, Väter, Junge und Alte.
    Professionalisierung fängt im Kopf an und geht mit Fort- und Weiterbildung weiter! Viel wichtiger sind für mich die inneren Werte, soll heißen die sozialen Kompetenzen, die man leider auch nicht durch den Erwerb des Reifezeugnisses erlangt (und noch weniger durch ein total verkauftes Studium!). Da sind erfahrungsgemäß die Prolls deutlich besser ausgebildet! Ein Hoch auf die vielen Alten- und KrankenpflegerInnen, die seit Urzeiten erfolgreich Ihre Arbeit gut und gerne tun! Die gute alte Gemeindeschwester, die mancherorts das ganze Dorf medizinisch versorgt; warum sollte man ihr gedanklich ins Knie schiessen?
    Völlig abgesehen davon läßt man die demographische Entwicklung in Deutschland völlig ausser Acht! Klar macht Heute fast jeder Abitur (bedenklich, was die Qualität der Schulen angeht!), aber wird der Beruf wirklich interessanter und gesellschaftlich anerkannter, wenn die Zugangsbedingungen raufgeschraubt werden? Es gibt viele Bereiche in der Pflege, die gut, erfolgreich und emphatisch von Haupt-und Realschülern geleistet werden können. Andere hingegen sollten natürlich von studierten Fachpersonen ausgeübt werden! Da würde sich ein Stufensystem anbieten, wie auch in der Schweiz praktiziert!
    Z.B. Die Öffentlichkeits-und Pressearbeit sollte endlich mal von jemandem in die Hand genommen werden, der sich damit auskennt. Und damit meine ich nicht die von der harten Realität in das (irreale) Studium getriebenen Weltverbesserer.

    Die oft genannte Schweiz regelt das gesellschaftliche Ansehen des Berufsstandes zwar u.a. über die Ausbildung, aber größten Teils über die Bezahlung! Dort verdient die Krankenschwester einfach deutlich mehr als ein Kellner!!!!

    Ich für meine Teil habe immer noch Spaß an meinem Beruf! Und das nicht nur, weil ich die Arbeit mit Menschen liebe.
    Paradoxerweise wollen die meisten Jugendliche irgendwas mit Menschen machen, wenn man sie nach Berufswünschen fragt! Die Meisten aber verschanzen sich dann aber doch lieber hinter Computern und anderen Mauern!
    Die flexiblen Arbeitszeiten, die vielen Einsatzmöglichkeiten, die für mich gute Bezahlung und der wirklich sichere Arbeitsplatz tragen dazu bei, dass für mich der Beruf einfach super bleibt!
    MfG C.Paul

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