Thrombozytenfunktionstests

Auf einen Blick

Bis vor einigen Jahren wurde die Thrombozytenfunktion durch die sogenannte Blutungszeit bestimmt. Eine der zur Verfügung stehenden Methoden ist die Bestimmung der Blutungszeit nach Ivy, bei der zunächst dem Patienten am Arm eine Blutdruckmanschette angelegt und auf ca. 40 mmHg aufgeblasen wird. Anschließend wird an der Innenseite des Unterarmes ein Schnitt gesetzt und die Zeit notiert, bis die Blutung stoppt. Dauert die Blutung um eine bestimmte Normzeit zu lange, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient während eines Eingriffs (z. B. Operation) einem erhöhtem Blutungsrisiko ausgesetzt ist. In den letzten Jahren verlor die Bestimmung der Blutungszeit immer mehr an Bedeutung. In vielen Krankenhäusern wird dieser Test nicht mehr angeboten. Viele nationale Gremien empfehlen diesen Test nicht mehr als Routinetest vor einer geplanten Operation durchzuführen. Die Blutungszeit ist weder sensitiv (Erkennen von kranken Patienten) noch spezifisch (Erkennen von gesunden Patienten); Risiko und Schweregrad einer operativen Blutung können daraus nicht eindeutig abgelesen werden. Das Ergebnis der Blutungszeit kann schlecht nachkontrolliert werden (mangelnde Reproduzierbarkeit), wird durch Aspirin-Einnahme beeinflusst und ist untersucherabhängig; außerdem bleiben bei dieser Methode oft Narben am Unterarm zurück.

Der PFA-100 (Platelet Function Analyzer) ist ein Testgerät, das mittlerweile viele Krankenhäuser als Standard-Methode zur Bestimmung der Thrombozytenfunktion an Stelle der Blutungszeit einsetzen. In diesem Gerät wird außerhalb des Körpers der Gerinnungsprozess nachgeahmt. Hierfür wird aus einer Armvene Blut entnommen und ein Teil davon in eine Kammer gefüllt, die ins Gerät eingesetzt wird. Anschließend zieht das Gerät die Blutprobe mittels Vakuum durch ein dünnes Röhrchen, das innen mit Kollagen und Adrenalin (PFA1) oder ADP (PFA2) ausgekleidet ist. Diese Substanzen regen die vorbeiströmenden Blutplättchen zum Anhaften und Aggregieren an. So bildet sich im Inneren des Röhrchens ein Thrombus, der den weiteren Blutfluss stoppt. Die Zeit zwischen Testbeginn und Ende des Blutflusses wird gemessen und als Verschlusszeit angegeben. Jeder Testlauf beginnt mit dem PFA1-Röhrchen. Befindet die PFA1-Verschlusszeit sich im Normbereich, ist eine Thrombozytenfunktionsstörung unwahrscheinlich; ist sie erhöht, wird zusätzlich die Verschlusszeit im PFA2-Röhrchen bestimmt. Ist auch diese Zeit außerhalb der Norm, wird bei dem Patienten eine Störung der Plättchenfunktion angenommen; es folgen weitere Tests auf angeborene oder erworbene Störungen der Blutgerinnung. Ist schließlich bei erhöhter PFA1-Verschlusszeit die PFA2-Verschlusszeit normal, lässt dies auf die Einnahme von Aspirin schließen – die häufigste Ursache einer verlängerten PFA1-Verschlusszeit, da dieses Medikament bis zu zehn Tage lang die Thrombozytenfunktion beeinflussen kann.

Während die Testmethode mit dem PFA-100 zum Erkennen von Störungen in der Thrombozytenfunktion weitgehend akzeptiert wird, herrscht immer noch Uneinigkeit darüber, ob dieser Test der beste Ersatztest für die Bestimmung der Blutungszeit ist. Denn es ließ sich nicht zeigen, dass der PFA-100 die Wahrscheinlichkeit einer massiven Blutung während einer Operation voraussagen kann; außerdem muss der volle Nutzen dieser Methode noch klinisch ermittelt werden.

Eine weitere Methode zur Bestimmung der Thrombozytenfunktion ist die Thrombozyten-Aggregometrie. Vor allem Universitätskliniken und große Krankenhäuser setzen diese Methode ein: Vollblut oder plättchenreiches Plasma wird mit Substanzen versetzt, die die Gerinnung in der Probe einleiten. Dabei wird die Probe mit Licht durchleuchtet, dessen Intensität durch die Gerinnungsvorgänge im Glasröhrchen beeinflusst wird. Diese Intensitätsänderung wird in Abhängigkeit von der Zeit gemessen; daraus kann man Schlüsse auf die Thrombozytenfunktion ziehen. Der Test dient der Differenzierung von angeborenen oder erworbenen Störungen der Thrombozytenfunktion. Die Einnahme von Aspirin und einer Reihe anderer Medikamente beeinflusst das Ergebnis.

Es existieren noch viele andere Tests zur Bestimmung der Thrombozytenfunktion, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Plättchenaggregation oder der Gerinnselbildung untersuchen. Einige dieser Tests werden nur für Forschungszwecke angewendet, andere finden in Krankenhäusern bei spezifischen Fragestellungen Anwendung. Der Ultegra RPFA (Rapid Platelet Function Analyzer) zum Beispiel wird zur Überwachung einer Therapie mit dem Thrombozytenaggregationshemmer Abciximab eingesetzt. Das System Plateletworks überwacht bei Eingriffen mit der HerzLungen-Maschine durch Aggregationsmessungen ständig die Thrombozytenfunktion.

Ein anderes Messinstrument erlebt gerade eine Renaissance: die Thromboelastographie (TEG). Dabei macht man sich die Festigkeit des gebildeten Thrombus zunutze. Die Methode wird bei operativen Eingriffen an Herzgefäßen und herznahen Gefäßen zur Überwachung der Thrombozytenfunktion und der Gerinnung eingesetzt; außerdem wird sie zur Beurteilung der Effektivität von Bluttransfusionen bei Eingriffen an Herz und Lunge angewendet. Angesichts der geringen Haltbarkeitsdauer der Proben für die Thrombozytenfunktionsprüfung sollte die Wahl des Tests auf die an Ort und Stelle vorhandenen Geräte beschränkt sein. Die Untersuchung ist teilweise sehr aufwändig.

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