Blut

Blut ist eine lebenswichtige Körperflüssigkeit, hält unseren Organismus am Laufen und durchströmt wichtige Organe wie Leber, Muskeln und das Gehirn. Schon Mephisto in Goethes Faust sagte „Blut ist ein ganz besonderer Saft„. Damit hatte er nicht ganz unrecht. In diesem Artikel wird das Blut charakterisiert.

Die Funktionen, Aufgaben, die Anatomie und Aufgaben des Blutes werden vorgestellt und übersichtlich dargestellt. Zuerst wird das „flüssige Organ“ kurz vorgestellt, anschließend näher auf die Funktion des Blutes und den Aufbau der lebenswichtigen Flüssigkeit eingegangen. Abschließend behandelt der Text die bekanntesten Erkrankungen des Blutes und häufige Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist Blut?

Blut ist für den Körper überlebenswichtig. Es ist ein Gewebe, welches aus Blutzellen sowie einer flüssigen Interzellularsubstanz, dem Blutplasma, besteht und im Herz-Kreislauf-System fließt. Im Organismus übernimmt es vielfältige Transport- sowie Regulationsfunktionen. Die dunkelrote Flüssigkeit erreicht über das Gefäßsystem, also über die Blut- und Lympfgefäße (insgesamt fast 100.000 Kilometer lang), alle Bereiche des menschlichen Körpers. Dabei ist das Blut dickflüssiger als Wasser und sogar etwas klebrig. Trotzdessen kann es durch den Körper zirkulieren, da das Herz als Pumpe des Blutes fungiert. Die Menge des Blutes hängt von der Größe und dem Gewicht eines Menschen ab. Pro Kilogramm Körpergewicht gibt es etwa 70 Milliliter Blut, bei einem ausgewachsenem Menschen ergibt dies ein Blutvolumen von 4 bis 6 Litern, was bei Normalgewichtigen etwa 6 bis 8 Prozent des Körpergewichtes ausmacht. Frauen besitzen durchschnittlich ein Liter weniger Blut als Männer, was auf das geringere Körpergewicht und die geringere Körpergröße der Frauen zurückzuführen ist. Das Blut ist also der „Treibstoff“ für das Herz, den „Motor“ des Körpers. Die Temperatur beträgt etwa 38°C, somit ist das Blut rund ein Grad wärmer als die Körpertemperatur des Menschen.
Da der Organismus nicht auf die vielfältigen Funktionen und den reibungslosen Zyklus des Blutes verzichten kann, wird es als „flüssiges Gewebe“ oder auch als „flüssiges Organ“ bezeichnet.

Funktionen und Aufgaben

Die primäre Aufgabe des Blutes ist die Transportfunktion. Das Blut hat, mit seinen einzelnen Bestandteilen, die Aufgabe alle Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Hauptsächlich werden Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen befördert, während Stoffwechselprodukte wie Kohlenstoffdioxid und Harnsstoff abtransportiert werden. Auch Hormone und andere Wirkstoffe werden zwischen den Zellen hin und her befördert. Des Weiteren dient Blut der Homöostase, also der Aufechterhaltung und Regulation des Wasser– und Elektrohaushaltes, der Körpertemperatur und des pH-Wertes.
Die Atmung beschreibt den Transport des Sauerstoffes von der Lunge zu den Zellen und von dem Abfallprodukt Kohlenstoffdioxid zurück zur Lunge. Der Sauerstoff gelangt über die Luftröhre in die Lungenbläschen und von dort aus weiter in die Blutgefäße. Das Blut wurde zuvor durch den Lungenkreislauf vom Herzen zur Lunge gepumpt. In der Lunge gibt das zunächst sauerstoffarme Blut Kohlenstoffdioxid ab und nimmt anschließend dort Sauerstoff auf. Nun ist das Blut sauerstoffreich und fließt in den linken Vorhofen des Herzens, von wo es über den Blutkreislauf im gesamten Organismus verteilt wird. Dabei ist der in den roten Blutkörperchen enthaltende Blutfarbstoff Hämoglobin sehr wichtig. Das Hämoglobin bindet den Sauerstoff und macht so den Sauerstofftransport erst möglich. 98,5 Prozent des Sauerstoffs im Blut sind an Hämoglobin-Moleküle gebunden, die restlichen 1,5 Prozent sind im Plasma gelöst. Hat das Blut den Sauerstoff in den Zellen abgegeben, nimmt es Kohlenstoffdioxid auf und wird wieder zum Herzen und zur Lunge gepumpt.

Auch die Abwehrfunktion bzw. die Immunabwehr hat das Blut als Aufgabe. Blut ist Teil des Immunsystems und muss gegen Fremdkörper und Antigene reagieren. Die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, sind die körpereigene Immunabwehr und schützen den Körper vor Infektionen und Krankheiten. Sie sind zwar in kleiner Anzahl, dafür aber in doppelter Größe der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) vorhanden. Die Leukozyten können sich eigenständig fortbewegen und haben die Mögichkeit, Fremdkörper und Antigene durch Antikörper unschädlich zu machen oder sie einfach durch Phagozyten, die sogenannten Fresszellen, „aufzufressen“. Genau wie die roten Blutkörperchen werden auch die weißen Blutkörperchen im Knochenmark produziert.
Des Weiteren soll das Blut, Wunden durch Blutgerinnung schnell schließen, damit keine Krankheitserreger in den Organismus gelangen. Diese Aufgabe fällt den farblosen, dünnen Blutplättchen zu.

Dieser Prozess der Blutgerinnung wird unter dem Begriff der Hämostase zusammengefasst, wobei man zwischen der primären und der sekundären Hämostase unterscheidet.

Bei der primären Hämostase sind neben der den Blutplättchen auch verschiedene Plasma und Faktoren, die sich an der Gefäßwand befinden, beteiligt. Nach etwa zwei bis vier Minuten kommt es zur Abdichtung der Wunden. Zunächst verengt sich das Gefäß, dann verkleben die Blutplättchen die Wunde, es bildet sich ein fester Pfropfen aus Fibrin (Klebstoff der Blutgerinnung).
Bei der sekundären Hämostase findet ein Zusammenwirken verschiednener Gerinnungsfaktoren statt. Ziel der sekundären Hämostase ist die Bildung von Fibrinpolymere, welche das Blut zu „Klumpen“ gerinnen lassen. Ist das Blut geronnen, findet ein Prozess der Rückbildung der Fibrinklumpen, durch das Enzym Plasmin statt.

Die letzte Aufgabe des Blutes ist die Wärmeregulation des Körpers. Die ständige Zirkulation verteilt die Wärme gleichmäßig im Körper, was zu einer konstanten Körpertemperatur von ca. 36-37°C führt. Die Haut gibt diese Körpertemperatur ab.

Aufgaben des Blutes

  • Transportfunktion
  • Abwehrfunktion
  • Blutstillung und Blutgerinnung
  • Wärmeregulation

Anatomie und Aufbau

Blut besteht aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen. Die Hälfte des Anteiles stellt das Blutplasma, während die Erythrozyten 42 Prozent ausmachen. Neben den zellulären Bestandteilen besteht das Blut noch aus einer wässrigen Lösung (ca. 90% Wasser) aus Proteinen, verschiedenen Salzen und Monosacchariden. Außerdem sind im Blut noch Hormone, Nährstoffe wie Zucker und Vitamine, gelöste Gase, sowie Stoffwechsel– und Abfallprodukte vorhanden. Die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, machen nur 0,07% aus. Somit ist das Blut aus chemisch-physikalischer Sicht eine Suspension, ein Gemisch aus Wasser und anderen Bestandteilen. Seiner roten Farbe verdankt das Blut dem Hämoglobin, einem Blutfarbstoff. Wie vorher bereits erwähnt, transportiert das Hämoglobin den Sauerstoff zu den Zellen.

Damit das Blut reibungslos zu den Zellen gelangen kann, sind Gefäße, die vom Herzen wegführen, notwendig. Diese Arterien verfügen über eine muskulöse, kräftige Struktur, um den ständigen Druck aushalten zu können. Diese Arterien verzweigen sich immer weiter und werden schließlich zu Ariolen und Kapillaren, welche dünn und durchlässig sind, um Sauerstoff und Nährstoffe an die Zellen abzugeben. Die Blutgefäße auf dem zum Herzen zurück werden Venen genannt.

Zelluläre Bestandteile

Die Zellen, die im Blut enthalten sind, werden in rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Bluttplättchen (Thrombozyten) unterschieden.

Die Erothrozyten sind für den Transport von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid zuständig. Die Sauerstoff- bzw. Kohlenstoffdioxidmoleküle binden an Hämoglobin, welches diese zu den Zellen transportiert. Die Leukozyten bzw. die weißen Blutkörperchen dienen der Blutungsstillung und damit der Wundheilung. Die weißen Blutkörperchen werden jedoch noch einmal in Basophile, Eosinophile und Neutrophile Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten unterschieden. Diese verschiedenen Arten werden als Populationen bezeichnet. Somit sorgen die weißen Blutkörperchen dafür, dass der Organismus nicht Krank wird.

Anzahl der Zellen im menschlichen Blut:

  • Erythrozyten: 4,5 bis 5,5 Millionen
  • Leukozyten: 4.000-11.000
  • Neutrophile: 2.500-7.500
  • Eosinophile: 40-400
  • Basophile: 10-100
  • Lymphozyten: 1.500-3.500
  • Monozyten: 200-800
  • Thrombozyten: 300.000

Aufbau und Abbau der Zellen im Blut

Alle Zellen, die sich im Blut befinden, werden im Knochenmark gebildet. Aus Stammzellen werden multipolente Stammzellen. Aus denen entwickeln sich schließlich die zellulären Bestandteile des Blutes. Dieser Prozess kann auch reguliert werden. Kommt es im Körper zu einer Sauerstoffschuld bzw. zu einem Sauerstoffmangel, wird die Hormonausschüttung erhöht. Dadurch werden längerfristig mehr rote Blutkörperchen produziert.
In der Milz und in der Leber findet der Abbau der roten Blutkörperchen statt. Erythrozyten haben nur eine durchschnittliche Lebensdauer von 120 Tagen, bis sie abgebaut werden. Auch das Hämoglobin wird über mehrere Schritte abgebaut. Zunächst zu Urobilin (verantwortlich für die Farbe des Urins) und anschließend zu Sterkobilin (verantwortlich für die Farbe des Kots).

Krankheiten, Beschwerden und Störungen

Das Blutsystem ist für den Menschen überlebenswichtig. Kommt es zu Schaden, verliert das Blut Teile seiner wichtigen Fähigkeiten. Da das Blutsystem den Organismus vernetzt, kann eine Erkrankung zu schweren, möglicherweise irreparablen Schäden oder Folgekrankheiten wie dem Hirninfarkt führen. Eine der häufigsten Erkrankungen des Blutes ist die akute und chronische Leukämie. Die meisten kennen diese Krankheit unter den Namen „Blutkrebs„. Bei der Leukämie bzw. dem Blutkrebs verändert sich die Zusammensetzung des Blutes unnatürlich. Die Zahl der roten Blutkörperchen verringert sich, während die Anzahl der weißen Blutkörperchen steigt.
Auch die Anämie oder Blutarmut kommt häufig vor. Hierbei leiden die Betroffenen an einer „Armut des Blutes“, das heißt, in den Blutgefäßen der Betroffenen fließt weniger als die durchschnittlichen 4 bis 6 Liter Blut.
Eine weitere Erkrankung ist die Hämophilie oder auch Bluterkrankheit. Bei dieser Erbkrankheit funktioniert die Blutgerinnung nicht wie bei normalen Menschen, was bedeutet, das die Betroffenen große Mengen Blut verlieren. Betroffene Menschen werden häufig auch als „Bluter“ bezeichnet. Der Grund für diese Erkrankung liegt in der falschen Zusammensetzung des Blutes. Durch die intakten Blutplättchen kommt es zunächst zu einer Krustenbildung. Allerdings führt die verzörgerte Blutgerinnung dazu, dass diese Verkrustungen der Wunde immer wieder aufbrechen, so dass die Blutung nur sehr langsam unter hohem Blutverlust oder gar nicht gestillt wird.
Die Symptome der Erkrankung sind vom Schwergrad der Erkrankung abhängig. Schwere Fälle haben nach Verletzungen stärkere und vor allem längere Blutungen. Außerdem können auch Spontanblutungen auftreten, z.B. Hämatome (Ansammlung von Blut im Körpergewebe), Gelenkeinblutungen und auch innere Blutungen. Bei leichteren Formen tritt die Hämophilie nur bei Trauma (Ereignis, das den Organimus beschädigt oder verletzt) und Operationen auf.

Bluttransfusion

Bei größeren Blutverlusten, wie es bei der Hämophilie möglich ist, werden meist Bluttransfusionen durchgeführt. Sie werden durchgeführt, um bestimmte Blutbestandteile, die in mangelhafter Form vorhanden sind, zu ergänzen oder um das Blutvolumen aufzufüllen. Dabei ist es wichtig, dass das Blut von Spender und Empfänger bestimmte Bedingungen im Rahmen der Blutgruppen erfüllen muss. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt kann es zu schweren Transfusionszwischenfällen kommen.
Damit eine Bluttransfusion möglich ist, sind jedoch Blutspenden möglich. Dabei wird zwischen Eigenblutspenden, Vollblutspenden und Spenden von einzelnen spezifischen Blutbestandteilen unterschieden.

Bei der Vollblutspende werden dem Blutspender ungefähr 500 ml Blut entnommen, welches anschließend konserviert und in verschiedene Blutprodukte aufgetrennt wird. Diese Blutprodukte werden nun in einer Blutbank gelagert.
Die Eigenblutspende dient dazu, vor einer Operation Blut bereitzustellen, welches bei eventuellen Blutverlust dem Patienten verabreicht werden kann.

Es gibt allerdings noch zwei ALternativen zu den Blutspenden: Eine ist künstliches Blut, welches aus gefriergetrockneten roten Blutkörperchen und einer isotonischen Lösung besteht. Die andere ist Blutersatz, das starken Blutverlust durch Verdünnung des Blutes ausgleichen soll. Der Blutersatz sorgt für einen funktionierenden Blutkreislauf, da es das Restblut verdünnt und das notwendige Volumen wiederherstellt.

Blutvergiftung

Wird das Blut-, Blutgerinnungs- oder Blutbildungssystem durch Blutgifte (Hämotoxine) verändert, können die Transport- und Stoffwechselfunktionen des Blutes verhindert oder zumindest eingeschränkt werden. Zu dne Blutgiften zählen Benzol, Alkohole, Kohlenmonoxid, organische Nitroverbindungen, Arsen– und Bleiverbindungen und viele tierische Gifte. Ist der Blutkreislauf erst einmal mit Blutgiften infiziert, ist eine Blutreinigung oder auch Dialyse notwendig. Bei der Dialyse wird das Blut gereinigt.

Typische und häufige Erkrankungen

  • Blutvergiftung
  • Akute lymphatische Leukämie
  • Chronische lymphatische Leukämie
  • Chronische myeloische Leukämie
  • Hämophilie

Fragen und Antworten

Warum dürfen Prostituierte und Homosexuelle kein Blut spenden?
Es ist umstritten, dass homosexuelle Männer von der Blutspende pauschal ausgeschlossen sind. Dies ist allerdings keine Diskriminierung, der Gesetzgeber will einzig und allein das Risiko für die Übertragung bestimmter Krankheitserreger (wie z.B. der hiv-Virus) niedrig halten. Daher schließt die Bundeärztekammer Personen aus, die ein erhöhtes Übertragungsrisiko für bestimmte schwere Infektionskrankheiten haben. Dazu gehören auch Homosexuelle sowie männliche und weibliche Prostituierte.

Warum ist das Blutspenden wichtig?
Wie vorher bereits erwähnt, ist das Blut unabdingbar für den Organismus und übernimmt wichtige Aufgaben. Spenderblut wird benötigt, wenn der Patient, z.B. nach einem Unfall, schnell große Mengen Blut verliert. Die einzelnen Bestandteile des Spenderblutes werden in einer Zentrifuge voneinander getrennt. Bei einer Transfusion bekommt dann jeder Patient nur den Bestandteil, den er benötigt. Aus dem Blutplasma werden außerdem noch lebenswichtige Medikamente für die Patienten hergestellt. Da die eMenschen immer älter werden, steigt auch die Anzahl der Krebspatienten. Diese brauchen die meisten Blut-Präparate, weshalb es immer genug Spenderblut geben muss.

Kann Blut noch anders verwendet werden?
Im Mittelalter ist menschliches Blut als Futtermittel in der Schweinemast, in vielfältigen Rezepturen aus Bauwesen und Haushalt und als Gartedüngemittel in der Literatur erwähnt worden. Diese Verwendung war möglich, da Menschenblut oft in beträchtlichen Mengen vorhanden war.
Blut kann auch als Blutagar als Nährboden für Mikroorganismen in der Mikrobiologie verwendet werden. Mit diesem Nährboden können verschiedene Erreger nachgewiesen werden. Auch heute werden Tiere noch mit Blut gefüttert. Dieses Blut von Schlachttieren wird in Blutmehl als Proteizusatzfuttermittel oder auch als Düngemittel verwendet.

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