Morbus Scheuermann

Inhaltsverzeichnis Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann

Symptome

Ursache

Behandlung


Morbus Scheuermann – Wachstumsstörung der Wirbelsäule

Morbus Scheuermann (auch Scheuermann-Krankheit genannt) erscheint in verschiedenen Ausprägungen. Man versteht darunter eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, welche recht häufig bei Jugendlichen vorkommt. Mädchen betrifft es weit weniger als Jungen. Sie tritt insbesondere thorakal (auf Brusthöhe) auf, weniger oft lumbal (im Lendenbereich). Wie der Name schon sagt, besteht die Wirbelsäule aus übereinanderliegenden Wirbeln, hinzu kommen die Bandscheiben sowie die dazugehörigen Bänder. 33 bis 34 Wirbelkörper besitzt ein jeder Mensch, diese erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Keine Wirbelsäule ist gerade, sondern sie zeigt sich in Form eines doppelten „S“. Beim Heranwachsen eines Kindes erfolgt in der Regel die synchrone Entwicklung derselben mit den weiteren Strukturen des menschlichen Körpers. Die Erkrankung Morbus Scheuermann sorgt dabei für Ungleichmäßigkeiten, mit der Folge einer falschen Formung der Wirbelsäule. Diese lassen die vordere Kante eines Wirbels langsamer Heranwachsen als die hintere und er nimmt eine keilförmige Gestaltung an. Betrifft dies mehrere übereinanderliegende Wirbelkörper, entsteht eine krankhafte Krümmung. Im Brustwirbelbereich stellt sich diese als normal dar, jedoch stellt liegt sie bei der Krankheit Morbus Scheuermann in weit größerem Ausmaß vor.

Schon vor etwa 100 Jahren wurde diese Erkrankung von dem Radiologen und Orthopäden Holger Werfel Scheuermann erwähnt. Er war der Erste, welcher das dazugehörige Krankheitsbild beschrieb. Wird Morbus Scheuermann frühzeitig erkannt und behandelt, besteht große Hoffnung, die Symptome und etwaigen Spätfolgen in Schach zu halten. In sehr ausgeprägten Fällen kann jedoch ein Buckel entstehen, der zu Schmerzen und Einschränkungen in der Bewegung bei Erwachsenen führen kann. Bei jungen Menschen wird Morbus Scheuermann oftmals gar nicht erkannt, da noch keinerlei Symptome der Krankheit zum Ausdruck kommen. Ab und an kommt es vor, dass sie während einer sonstigen Untersuchung  durch Zufall entdeckt wird. Insbesondere beim Röntgen der Lunge kann eine ungewöhnliche Verformung der Wirbelsäule auffallen. Hernach sind weitere Ermittlungen in Bezug auf die Ursache von Nöten.

Morbus Bechterew, Sudeck, Skoliose – gleicher Namensanfang, andere Krankheiten

Damit ein Arzt zu einer genauen Diagnose unter Ausschluss ähnlich erscheinender Erkrankungen kommen kann, wird er sich zunächst einmal genauestens über die Krankengeschichte informieren. Besondere Wichtigkeit besitzt hierbei die Klärung der Fragen, wann und wo die – eventuell vorhandenen – Schmerzen begonnen haben. Ebenso spielt es eine Rolle, ob deren Charakteristik eher als bewegungsabhängig, dumpf, stechend oder konstant zu bezeichnen ist. Auch die vom Patienten ausgeführten Arbeits-, Sport- und Freizeitaktivitäten werden mit einbezogen.

Eine körperliche Untersuchung gibt weiteren Aufschluss über die Form der Wirbelsäule, die Beweglichkeit des Betroffenen sowie die Stärke der Schmerzen. Die Ergebnisse dieser Ermittlungen können zu diesem Zeitpunkt bereits Aufschluss über den Schweregrad des Morbus Scheuermann geben. Bestätigt sich die vermutete Diagnose auf diese Erkrankung, können Röntgenbilder zur Bestätigung gemacht werden. Dabei tritt gleichzeitig der Cobb-Winkel (Ausmaß der Krümmung) zu Tage, welcher sich ebenfalls für die Kontrolle des weiteren Verlaufs als sehr wichtig darstellt. Ab und an kommen auch eine Computertomographie oder Kernspin zum Einsatz.

Folgende Symptome, die sehr unterschiedlich in ihrer Ausprägung sein können, weisen auf die Krankheit Morbus Scheuermann hin:

  • Atemprobleme – eher selten, insbesondere bei sehr starker Krümmung der Wirbelsäule;
  • Bewegungseinschränkungen – diese treten insbesondere beim Drehen des Oberkörpers auf;
  • Buckel – oft in einer sehr ausgeprägten Form;
  • Häufige Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule – gehören zu den möglichen Spätfolgen;
  • Missempfindungen – zählen ebenfalls zu den Spätfolgen;
  • Rundrücken – bewirkt oftmals ein Vorfallen der Schultern;
  • Schmerzen – diese tauchen häufig erst relativ spät auf, erscheinen nur bei jedem fünften Betroffenen;
  • Psychische Probleme – sie beziehen sich in der Regel auf ein etwaiges unschönes Erscheinungsbild.

 

Vorbezeichnete Symptome treten bei einer Erkrankung an Morbus Scheuermann durch verschiedenste Schweregrade auf. Während bei einem Patienten starken Schmerzen an erster Stelle stehen, kommt bei den anderen ausschließlich ein verformter Rücken zum Vorschein.

Kinder besitzen im jungen Alter noch keine stützenden Muskeln

Die Krankheit Morbus Scheuermann stellt sowohl eine Störung des Wachstums als auch der Entwicklung von Knochen und Knorpel dar. Mehrheitlich findet sie heute ihre Zuordnung unter den sogenannten Osteochondysplasien. Manchmal wird heute gleichfalls von einer aseptischen Osteochondrose gesprochen, da die Scheuermann-Krankheit früher insbesondere unter den so bezeichneten Erkrankungen eingeordnet wurde.

Es besteht die übereinstimmende Auffassung, dass bei Morbus Scheuermann genetische Faktoren an dessen Auftreten beteiligt sind. Zudem wird eine allgemeine Verzögerung vom Wachstum des Skeletts in Zusammenhang mit der Krankheit gesetzt. Aufgrund der Tatsache, dass jüngere Kinder keine sehr gut ausgeprägte Muskulatur besitzen, welche die Wirbelsäule sinnvoll stützt, kann dies schnell Belastung und Belastbarkeit derselben in ein Ungleichgewicht bringen. Wenn Menschen, wie beispielsweise Schulkinder, häufig sitzen und zudem ein Bewegungsmangel vorliegt, stellt sich die Muskulatur oftmals als schwach dar. In der Folge kann eine Überbelastung der Brustwirbelsäule auftreten, die Morbus Scheuermann in jedem Fall begünstigt.

Als weitere Ursache der Erkrankung kommen ebenfalls hormonelle Veränderungen in Frage. Diese können sowohl als endogene (innere), als auch exogene (äußere) Faktoren daran beteiligt sein. Zudem werden auch Stoffwechselerkrankungen als Verursacher in Betracht gezogen. Auch wenn die auslösenden Umstände noch nicht völlig geklärt sind, wird davon ausgegangen, dass die verschiedenen Ursachen in einer Wechselwirkung zueinander stehen.

Das heißt, es kann eine gegenseitige Beeinflussung sowie Verstärkung derselben vorhanden sein. Morbus Scheuermann findet seinen Beginn in der Regel mit dem ersten pubertären Wachstumsschub. Hernach nimmt die Erkrankung während des weiteren Wachstums seinen stetigen Verlauf. Das Ende der Deformationen sowie Schädigungen findet sich mit der abgeschlossenen Körperentwicklung. Zwar können sich diese nachher nicht mehr verschlimmern, jedoch sind sie auch nicht mehr rückmachbar, sie haben Bestand für das weitere Leben der Betroffenen. Ausschließlich die Symptome können sich verstärken, was sich auf Fehlbelastung – sowie -haltung zurückführen lässt, welche die Wirbelsäulenverkrümmung auslösen kann.

Frühentdeckung von Morbus Scheuermann ist sehr wichtig

Eine frühe Entdeckung von Morbus Scheuermann kann verhindern, dass die Verformung der Wirbelsäule immer schwerwiegender wird. Operationen kommen nur sehr selten in Betracht, jedoch kann durch eine konservative Therapie vieles erreicht werden. Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Physikalische Therapie – Übungen aus der Krankengymnastik helfen, die verschiedenen Muskeln aufzubauen, welche die Wirbelsäule sinnvoll stützen, sie können gleichzeitig einer weiteren Verkrümmung entgegen wirken; einige Übungen sorgen zudem für eine Dehnung bestimmter Muskelpartien, die durch eine von Morbus Scheuermann verursachte Fehlhaltung einer falschen Belastung ausgesetzt sind und sich dadurch verkürzen können;
  • Therapie durch ein Stützkorsett – besteht eine starke Verkrümmung der Wirbelsäule, kann ein Korsett einer weiteren Verschlechterung Einhalt gebieten; genaue Erstanpassung sowie regelmäßige Kontrolle im Verlauf der Nutzung auf die Passform ist erforderlich; es empfiehlt sich, das Stützkorsett über einen Zeitraum von 12 Monaten mindestens 23 Stunden täglich zu tragen, hernach ist ausschließlich nachts ausreichend; Konsequenz bei dieser Therapie kann sehr gute Erfolge bringen;
  • Therapie mit Arzneimitteln – symptomatische Behandlung; Medikamente mit den Wirkstoffen Paracetamol sowie Ibuprofen kommen häufig bei auftretenden Schmerzen zum Einsatz; eine ständige Fehlhaltung kann Muskelverspannungen auslösen, Muskelrelaxanzien (muskelentspannende Arzneimittel) können helfen;
  • Operative Therapie – nur bei sehr problematischem Krümmungswinkel und nach Abschluss der Wachstumsphase eines Menschen; eventuell werden auch kosmetische Aspekte, dauerhafte Schmerzen oder eine beeinträchtigte Lungenfunktion als Grund für eine Operation angesehen; der Eingriff besteht aus der Entfernung beschädigter Bandscheiben, einem Ersetzen durch Knochenmaterial, welches aus dem Körper des Betroffenen entnommen wird, hernach erfolgt eine Aufrichtung und Stabilisierung der Wirbelsäule durch Schrauben sowie Metallplatten; das Tragen eines Stützkorsetts kann danach für den Zeitraum von mehreren Monaten erforderlich sein.

Für einen günstigen Verlauf der Erkrankung Morbus Scheuermann ist sowohl die Früherkennung als auch der Grad einer Deformierung der Wirbelsäule von Bedeutung. Zu den weiteren Faktoren einer Prognose gehört gleichfalls das Körpergewicht. Diese stellt sich in der Regel als deutlich schlechter dar, wenn der Betroffenen an Übergewichtigkeit leidet. Auch die Morbus Scheuermann möglicherweise begleitende Krankheit Skoliose kann je nach Ausmaß ungünstige Auswirkungen nach sich ziehen.

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