Morbus Scheuermann

Steckbrief: Morbus Scheuermann

  • Name(n): Morbus Scheuermann; Adoleszentenkyphose
  • Art der Krankheit: Angeborene Fehlstellung der Wirbelsäule
  • Verbreitung: Weltweit
  • Erste Erwähnung der Krankheit: Antike
  • Behandelbar: Zum Teil
  • Art des Auslösers: Noch unbekannt
  • Wieviele Erkrankte: Nicht feststellbar
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Hausarzt; Kinderarzt; Orthopäde; Psychologe
  • ICD-10 Code(s): M42.0

Morbus Scheuermann – Wenn sich der Rücken krümmt

Symptome Kreuzschmerzen

Es gibt eine Reihe an Ursachen, die hinter Kreuzschmerzen stecken können und direkt die Wirbelsäule betreffen

Beim Morbus Scheuermann handelt es sich um eine angeborene krankhafte Verkrümmung der Wirbelsäule, die sich während des Wachstums verschlimmert, danach aber aufhört.

Mit Hilfe der modernen Schulmedizin kann betroffenen Individuen heute jedoch sehr gut geholfen werden und die durch die Erkrankung im Alltag entstehenden Einschränkungen bleiben minimal. Oftmals ist eine Operation notwendig, bisweilen können aber auch schon Orthesen dabei helfen, die Haltung dauerhaft zur korrigieren.

Was genau die Krankheit auslöst, ist bis heute unbekannt. Jedoch vermutet man, dass es eine Mischung auf genetischen Insuffizienzen und Faktoren aus der Umwelt sein könnte. Hierzu finden immer wieder Studien statt, die darauf abzielen, das Rätsel zu lösen und somit eine bessere Vorsorge garantieren zu können.

Definition Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann ist eine Entwicklungsstörung der Wirbelsäule. Sie ist auch als Calvé-Krankheit und juvenile Osteochondrose der Wirbelsäule bekannt. Die Scheuermann’sche Krankheit verursacht ein abnormales Wachstum des Brustwirbels oder des Rückenwirbels, kann aber auch in den Lendenwirbeln gefunden werden.

Beim Morbus Scheuermann wächst eine Seite des Wirbelkörpers normal und die Vorderseite wächst langsamer und / oder abnormal. Dies führt zur Bildung eines Wirbels mit einer deutlichen Keilform. Dies führt wiederum zu einer Zunahme der Biegung im oberen Bereich des Rückens. Dies bezeichnet man auch als eine erhöhte dorsale Kyphose.

Zusammen mit diesem Verkeilen des Wirbels kommt es auch zu einer Veränderung der Grenzfläche zwischen der Bandscheibe und dem Wirbel selbst, die als Endplattenunebenheiten bezeichnet werden. Ein Teil der Bandscheibe schiebt sich dann in den Wirbelkörper und diese werden Schmorl-Knoten genannt und sind typischerweise auf einem Röntgenbild zu sehen. Diese Schmorl’schen Knoten sind oftmals das Leben lang vorhanden, scheinen aber keine Probleme besonderen Probleme zu verursachen.

Eine Behandlung ist oftmals möglich und in der Regel auch sehr erfolgversprechend. Nur selten kommt es zu gravierenden Komplikationen. Man sollte sich also keine allzu großen Gedanken machen, wenn man selbst oder der eigene Nachwuchs von diesem Leiden betroffen ist. Zumindest dann nicht, wenn man sich rechtzeitig einem Arzt zuwendet und sich die angemessene Hilfe holt, derer es bedarf, trotz der vorliegenden Krankheit ein angenehmes und gutes Leben führen zu können.


Was ist Morbus Scheuermann?

Morbus Scheuermann (auch Scheuermann-Krankheit genannt) erscheint in verschiedenen Ausprägungen. Man versteht darunter eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, welche recht häufig bei Jugendlichen vorkommt. Mädchen betrifft es weit weniger als Jungen. Sie tritt insbesondere thorakal (auf Brusthöhe) auf, weniger oft lumbal (im Lendenbereich). Wie der Name schon sagt, besteht die Wirbelsäule aus übereinanderliegenden Wirbeln, hinzu kommen die Bandscheiben sowie die dazugehörigen Bänder. 33 bis 34 Wirbelkörper besitzt ein jeder Mensch, diese erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Keine Wirbelsäule ist gerade, sondern sie zeigt sich in Form eines doppelten „S“. Beim Heranwachsen eines Kindes erfolgt in der Regel die synchrone Entwicklung derselben mit den weiteren Strukturen des menschlichen Körpers. Die Erkrankung Morbus Scheuermann sorgt dabei für Ungleichmäßigkeiten, mit der Folge einer falschen Formung der Wirbelsäule. Diese lassen die vordere Kante eines Wirbels langsamer Heranwachsen als die hintere und er nimmt eine keilförmige Gestaltung an. Betrifft dies mehrere übereinanderliegende Wirbelkörper, entsteht eine krankhafte Krümmung. Im Brustwirbelbereich stellt sich diese als normal dar, jedoch stellt liegt sie bei der Krankheit Morbus Scheuermann in weit größerem Ausmaß vor.

Schon vor etwa 100 Jahren wurde diese Erkrankung von dem Radiologen und Orthopäden Holger Werfel Scheuermann erwähnt. Er war der Erste, welcher das dazugehörige Krankheitsbild beschrieb. Wird Morbus Scheuermann frühzeitig erkannt und behandelt, besteht große Hoffnung, die Symptome und etwaigen Spätfolgen in Schach zu halten. In sehr ausgeprägten Fällen kann jedoch ein Buckel entstehen, der zu Schmerzen und Einschränkungen in der Bewegung bei Erwachsenen führen kann. Bei jungen Menschen wird Morbus Scheuermann oftmals gar nicht erkannt, da noch keinerlei Symptome der Krankheit zum Ausdruck kommen. Ab und an kommt es vor, dass sie während einer sonstigen Untersuchung  durch Zufall entdeckt wird. Insbesondere beim Röntgen der Lunge kann eine ungewöhnliche Verformung der Wirbelsäule auffallen. Hernach sind weitere Ermittlungen in Bezug auf die Ursache von Nöten.

Damit ein Arzt zu einer genauen Diagnose unter Ausschluss ähnlich erscheinender Erkrankungen kommen kann, wird er sich zunächst einmal genauestens über die Krankengeschichte informieren. Besondere Wichtigkeit besitzt hierbei die Klärung der Fragen, wann und wo die – eventuell vorhandenen – Schmerzen begonnen haben. Ebenso spielt es eine Rolle, ob deren Charakteristik eher als bewegungsabhängig, dumpf, stechend oder konstant zu bezeichnen ist. Auch die vom Patienten ausgeführten Arbeits-, Sport- und Freizeitaktivitäten werden mit einbezogen.

Eine körperliche Untersuchung gibt weiteren Aufschluss über die Form der Wirbelsäule, die Beweglichkeit des Betroffenen sowie die Stärke der Schmerzen. Die Ergebnisse dieser Ermittlungen können zu diesem Zeitpunkt bereits Aufschluss über den Schweregrad des Morbus Scheuermann geben. Bestätigt sich die vermutete Diagnose auf diese Erkrankung, können Röntgenbilder zur Bestätigung gemacht werden. Dabei tritt gleichzeitig der Cobb-Winkel (Ausmaß der Krümmung) zu Tage, welcher sich ebenfalls für die Kontrolle des weiteren Verlaufs als sehr wichtig darstellt. Ab und an kommen auch eine Computertomographie oder Kernspin zum Einsatz.

Folgende Symptome, die sehr unterschiedlich in ihrer Ausprägung sein können, weisen auf die Krankheit Morbus Scheuermann hin:

  • Atemprobleme – eher selten, insbesondere bei sehr starker Krümmung der Wirbelsäule;
  • Bewegungseinschränkungen – diese treten insbesondere beim Drehen des Oberkörpers auf;
  • Buckel – oft in einer sehr ausgeprägten Form;
  • Häufige Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule – gehören zu den möglichen Spätfolgen;
  • Missempfindungen – zählen ebenfalls zu den Spätfolgen;
  • Rundrücken – bewirkt oftmals ein Vorfallen der Schultern;
  • Schmerzen – diese tauchen häufig erst relativ spät auf, erscheinen nur bei jedem fünften Betroffenen;
  • Psychische Probleme – sie beziehen sich in der Regel auf ein etwaiges unschönes Erscheinungsbild.

Vorbezeichnete Symptome treten bei einer Erkrankung an Morbus Scheuermann durch verschiedenste Schweregrade auf. Während bei einem Patienten starken Schmerzen an erster Stelle stehen, kommt bei den anderen ausschließlich ein verformter Rücken zum Vorschein.

Die Krankheit Morbus Scheuermann stellt sowohl eine Störung des Wachstums als auch der Entwicklung von Knochen und Knorpel dar. Mehrheitlich findet sie heute ihre Zuordnung unter den sogenannten Osteochondysplasien. Manchmal wird heute gleichfalls von einer aseptischen Osteochondrose gesprochen, da die Scheuermann-Krankheit früher insbesondere unter den so bezeichneten Erkrankungen eingeordnet wurde.

Es besteht die übereinstimmende Auffassung, dass bei Morbus Scheuermann genetische Faktoren an dessen Auftreten beteiligt sind. Zudem wird eine allgemeine Verzögerung vom Wachstum des Skeletts in Zusammenhang mit der Krankheit gesetzt. Aufgrund der Tatsache, dass jüngere Kinder keine sehr gut ausgeprägte Muskulatur besitzen, welche die Wirbelsäule sinnvoll stützt, kann dies schnell Belastung und Belastbarkeit derselben in ein Ungleichgewicht bringen. Wenn Menschen, wie beispielsweise Schulkinder, häufig Sitzen und zudem ein Bewegungsmangel vorliegt, stellt sich die Muskulatur oftmals als schwach dar. In der Folge kann eine Überbelastung der Brustwirbelsäule auftreten, die Morbus Scheuermann in jedem Fall begünstigt.

Als weitere Ursache der Erkrankung kommen ebenfalls hormonelle Veränderungen in Frage. Diese können sowohl als endogene (innere), als auch exogene (äußere) Faktoren daran beteiligt sein. Zudem werden auch Stoffwechselerkrankungen als Verursacher in Betracht gezogen. Auch wenn die auslösenden Umstände noch nicht völlig geklärt sind, wird davon ausgegangen, dass die verschiedenen Ursachen in einer Wechselwirkung zueinander stehen.

Das heißt, es kann eine gegenseitige Beeinflussung sowie Verstärkung derselben vorhanden sein. Morbus Scheuermann findet seinen Beginn in der Regel mit dem ersten pubertären Wachstumsschub. Hernach nimmt die Erkrankung während des weiteren Wachstums seinen stetigen Verlauf. Das Ende der Deformationen sowie Schädigungen findet sich mit der abgeschlossenen Körperentwicklung. Zwar können sich diese nachher nicht mehr verschlimmern, jedoch sind sie auch nicht mehr rückmachbar, sie haben Bestand für das weitere Leben der Betroffenen. Ausschließlich die Symptome können sich verstärken, was sich auf Fehlbelastung – sowie -haltung zurückführen lässt, welche die Wirbelsäulenverkrümmung auslösen kann.

Eine frühe Entdeckung von Morbus Scheuermann kann verhindern, dass die Verformung der Wirbelsäule immer schwerwiegender wird. Operationen kommen nur sehr selten in Betracht, jedoch kann durch eine konservative Therapie vieles erreicht werden. Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Physikalische Therapie – Übungen aus der Krankengymnastik helfen, die verschiedenen Muskeln aufzubauen, welche die Wirbelsäule sinnvoll stützen, sie können gleichzeitig einer weiteren Verkrümmung entgegen wirken; einige Übungen sorgen zudem für eine Dehnung bestimmter Muskelpartien, die durch eine von Morbus Scheuermann verursachte Fehlhaltung einer falschen Belastung ausgesetzt sind und sich dadurch verkürzen können;
  • Therapie durch ein Stützkorsett – besteht eine starke Verkrümmung der Wirbelsäule, kann ein Korsett einer weiteren Verschlechterung Einhalt gebieten; genaue Erstanpassung sowie regelmäßige Kontrolle im Verlauf der Nutzung auf die Passform ist erforderlich; es empfiehlt sich, das Stützkorsett über einen Zeitraum von 12 Monaten mindestens 23 Stunden täglich zu tragen, hernach ist ausschließlich nachts ausreichend; Konsequenz bei dieser Therapie kann sehr gute Erfolge bringen;
  • Therapie mit Arzneimitteln – symptomatische Behandlung; Medikamente mit den Wirkstoffen Paracetamol sowie Ibuprofen kommen häufig bei auftretenden Schmerzen zum Einsatz; eine ständige Fehlhaltung kann Muskelverspannungen auslösen, Muskelrelaxanzien (muskelentspannende Arzneimittel) können helfen;
  • Operative Therapie – nur bei sehr problematischem Krümmungswinkel und nach Abschluss der Wachstumsphase eines Menschen; eventuell werden auch kosmetische Aspekte, dauerhafte Schmerzen oder eine beeinträchtigte Lungenfunktion als Grund für eine Operation angesehen; der Eingriff besteht aus der Entfernung beschädigter Bandscheiben, einem Ersetzen durch Knochenmaterial, welches aus dem Körper des Betroffenen entnommen wird, hernach erfolgt eine Aufrichtung und Stabilisierung der Wirbelsäule durch Schrauben sowie Metallplatten; das Tragen eines Stützkorsetts kann danach für den Zeitraum von mehreren Monaten erforderlich sein.

Für einen günstigen Verlauf der Erkrankung Morbus Scheuermann ist sowohl die Früherkennung als auch der Grad einer Deformierung der Wirbelsäule von Bedeutung. Zu den weiteren Faktoren einer Prognose gehört gleichfalls das Körpergewicht. Diese stellt sich in der Regel als deutlich schlechter dar, wenn der Betroffenen an Übergewichtigkeit leidet. Auch die Morbus Scheuermann möglicherweise begleitende Krankheit Skoliose kann je nach Ausmaß ungünstige Auswirkungen nach sich ziehen.

Welche Ursachen gibt es?

Trotz intensiver Forschung und größter Bemühungen seitens der modernen Schulmedizin war man bislang noch nicht dazu in der Lage, die genauen auslösenden Faktoren und Ursachen, auf die Morbus Scheuermann zurückgeht, zu identifizieren. Nichtsdestoweniger gibt es immer wieder neue Bestrebungen und Ansätze, die darauf abzielen, dem Rätsel auf die Spur zu kommen und ie Ursachen für dieses Leiden zu erforschen.

Tatsächlich gelang es unlängst einigen Forschern, zumindest in Ansätzen, etwaige Faktoren zu isolieren, die eventuell an der Entstehung von Morbus Scheuermann beteiligt sein könnten. Hierbei handelt es sich um das Gen Fibrillin 1. Wie genau dieses aber mit der Krankheit in Verbindung steht, ist weiterhin unklar, dass es jedoch damit in Verbindung steht gilt als zumindest sehr wahrscheinlich. Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe weiterer Gene, die mit der vorliegenden Erkrankung in Verbind gebracht werden können. Da die Krankheit zumeist angeboren ist oder zumindest während der frühesten Phasen der Kindheit auftritt, ist davon auszugehen, dass es sich um ein genetisches Problem handeln muss, das das Leiden auslöst. Es ist vergleichsweise unwahrscheinlich, dass die Krankheit auf eine andere Weise erworben wird oder erworben werden kann.

Andere Stimmen behaupten überdies, dass diese Erkrankung auf mehrere Faktoren zurückgehen muss, sprich, dass es wohl nicht bloß ein Gen oder einen Auslöser gibt, der alleine für die Entstehung des Leidens verantwortlich zu machen wäre. Vielmehr scheint das Zusammenspiel mehrerer auslösender Faktoren dafür zu sorgen, dass Kinder mit dem Morbus Scheuermann geboren werden. Dieser Ansatz ist zwar vielversprechend, aber macht den Forschern die Arbeit nicht unbedingt leichter. Bei Licht betrachtet ist es schlicht schwieriger mehrere potentielle Auslöser festzustellen und zu identifizieren, als nur einen einzigen. Dennoch ist damit zu rechnen, dass man in den kommenden Jahren dazu in der Lage sein wird, die Mechanismen, die hinter der Entstehung der vorliegenden Krankheit stecken, besser oder gar komplett zu verstehen. Bis dahin jedoch müssen Fachleute und interessierte Laien sich schlicht damit abfinden, dass man nichts genaues weiß.


Symptome & Anzeichen

Morbus Scheuermann gilt als eine Form der juvenilen Osteochondrosis der Wirbelsäule. Es kommt vor allem bei Teenagern vor und zeigt eine deutlich schwerwiegendere Deformität als beispielsweise die posturale Kyphose. Patienten mit Scheuermann-Kyphose können ihre Haltung nicht bewusst korrigieren. Die „Spitze“ der Krümmung der Wirbelsäule, die sich in im Bereich der Brustwirbel befindet, ist ziemlich starr und unbeweglich, was wiederum zu massiven Einbußen in der Mobilität des Patienten führen kann.

Der Morbus Scheuermann ist dafür bekannt, Rücken- und Nackenschmerzen im unteren und mittleren Bereich desselben zu verursachen, die schwerwiegend und behindernd im Alltag sein können. Der Betroffene kann auch an den gekrümmten Teilen der Wirbelsäule selbst Schmerzen verspüren, die durch körperliche Aktivität und durch Stehen oder Sitzen oftmals zusätzlich noch verstärkt werden. Dies kann sich erheblich nachteilig auf das Leben und die Lebensqualität auswirken, da das Aktivitätsniveau durch ihre Behinderung gebremst wird. Der Betroffene fühlt sich unter Gleichaltrigen nicht selten isoliert oder unruhig. Betroffene Kinder haben es oftmals besonders schwer. Die können sich nur schwer integrieren und sind von vielen Unternehmungen im Vorhinein ausgeschlossen. Das sorgt dafür, dass sie einzelgängerische Verhaltensweisen entwickeln und / oder teils massive psychische Störungen entwickeln, die sich darin äußern, dass sie Zeit ihres Lebens nicht (mehr) dazu in der Lage sind, normal in der Gesellschaft zu funktionieren oder Bezeihungen aufzubauen und Freundschaften zu knüpfen. Dies ist besonders gravierend, da Morbus Scheuermann eine rein körperliche Erkrankung ist und nicht den Geist befällt.

Zusätzlich zu den mit der Scheuermann’schen Krankheit verbundenen Schmerzen haben viele Betroffene an der Wirbelsäule mit einem Verlust an Wirbelhöhe zu kämpfen und abhängig davon, wo der Scheitelpunkt der Krümmung liegt, können betroffene Individuen einen visuellen buckligen oder runden Rücken aufweisen. Es wurde berichtet, dass Krümmungen in der unteren thorakalen Region verortet sind mehr Schmerzen verursachen, während Krümmungen in der oberen Region eine stärkere visuelle Deformität bedingen, dafür aber weniger Schmerzen. In besonders schweren Fällen, sind beide Areale betroffen. In der Regel sind es Schmerzen oder kosmetische Gründe, die die Betroffenen dazu veranlassen, Hilfe zu suchen und sich behandeln zu lassen. Leider kann aber nicht jedem Betroffenen gleich gut und effektiv geholfen werden. Manche Menschen sind nur schwer behandelbar und müssen lernen, mit ihrer Behinderung zu leben.

Der siebte und der zehnte Brustwirbel sind am häufigsten betroffen. Es verursacht chronische Rückenschmerzen und eine Wirbelsäulenverkrümmung. In sehr schweren Fällen kann es zu inneren Problemen und Rückenmarkschäden kommen, aber diese Fälle sind äußerst selten. Die Krümmung des Rückens verringert die Körperhöhe stark und übt so Druck auf innere Organe aus, die sich auf diese Art und Weise schneller abnutzen als der natürliche Alterungsprozess dies sonst bewirken würde. Bei derart gravierenden Ausprägungen der Erkrankung ist es beinahe immer empfehlenswert, chirurgische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Alles in allem also lassen sich die Symptome mit Rückenschmerzen, einer sichtbaren Krümmung des Rückens und diversen dadurch ausgelösten organischen Schäden zusammenfassen. Aber auch die psychischen Belastungen für das betroffene Individuum sollten an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Diese sind nicht selten ebenso gravierend, die körperlichen Folgen der Erkrankung und schränken die Lebensqualität des Erkrankten ebenso stark ein.


Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Diagnose bei Morbus Scheuermann ist nicht so einfach zu stellen, wie man sich das vielleicht denken könnte. Sicherlich handelt es sich bei dem vorliegenden Leiden um eine oftmals gut nach Außen hin sichtbare Erkrankung, aber die Symptomatik ist nicht exklusiv Morbus Scheuermann zuzuordnen. Es gibt andere Erkrankungen und Fehlstellungen, die ähnliche klinische Bilder erzeugen. Darum ist es durchaus möglich, den Morbus Scheuermann mit anderen Krankheiten zu verwechseln. Das ist allerdings in den meisten Fällen nicht allzu dramatisch, da sich die Behandlung oftmals nicht besonders stark von ähnlichen Erkrankungen unterscheidet. Dennoch ist es natürlich immer besser, die korrekte Diagnose gestellt zu bekommen und sich nicht mit fehlerhaften Einschätzungen zufrieden geben zu müssen.

Noch vor einigen Jahrzehnten wurde die Diagnose Morbus Scheuermann kaum gestellt. Ärzte sagte den Eltern betroffener Kinder schlicht, dass der Nachwuchs einen Buckel habe. Damit war die Diagnose früher gestellt. Heutzutage geht man die Sache glücklicherweise etwas anders an. Die behandelnden Ärzte versuchen, die Ursachen des Buckels, so dieser denn überhaupt sichtbar ist, zu ermitteln und darüber hinaus versuchen sie auch, Lösungen anzubieten und zu evaluieren, ob es sich aus der Krankheit mittelfristig oder auf Lange Sicht besondere Probleme entwickeln könnten. Denn das ist leider nicht auszuschließen.

Um die Diagnose stellen zu können, bedarf es einiger Hilfsmittel. Da die Forschung bis heute noch keine Auslöser für den Morbus Scheuermann fest benennen konnte, ist es oftmals notwendig, etwas tiefer in die „Trickkiste“ zu greifen. Bei einem besonders stark sichtbaren Buckel ist es bisweilen angebracht, den genauen Winkel der Krümmung zu bestimmen oder die exakt betroffenen Wirbel. Anhand dieser Informationen lassen sich andere Erkrankungen der Wirbelsäule oftmals relativ sicher ausschließen.

Des Weiteren kann man sich einiger Tests bedienen, die die Belastungsfähigkeit des betroffenen Individuums untersuchen. Diese Tests dienen allerdings weniger der Feststellung der Krankheit, sondern viel mehr der Feststellung der daraus resultierenden Einschränkungen für die betroffene Person. Im Rahmen eines solchen Tests, wird ein Erkrankter beispielsweise gefragt, auf einem Bein zu stehen, auf einem Strich zu balancieren oder einen Ball zu fangen. Aus den Ergebnissen lässt sich ein Profil der Agilität des Patienten anlegen. Dieses gibt wiederum Aufschlüsse darüber, welche Fähigkeiten das Opfer der Krankheit ohne nennenswerte Beschwerden ausüben kann und welche nicht. Da diese Krankheit bereits im Kindesalter auftritt, ist es zum Beispiel sehr wichtig, auf diese Art und Weise festzustellen, ob das Kind am Schulsportunterricht teilnehmen kann oder nicht.

Somit kann eine Diagnose nicht immer gleich genau sein, ist aber dennoch alles in allem nicht besonders schwer zu stellen. Zu fehlerhaften Diagnose kommt es darum relativ selten, vorallem dann nicht, wenn das zu untersuchende Kind bereits etwas älter oder die Krankheit bereits etwas stärker fortgeschritten ist. Anders sieht es bei Wickelkindern aus, die noch keine besonders deutlichen Symptome aufweisen. Hier kann der Arzt bisweilen an seine Grenzen geraten.

Krankheitsverlauf
Die Krankheit verläuft von Individuum zu Individuum sehr unterschiedlich. Bisweilen kommt es nur zu sehr geringfügigen Ausprägungen der Krankheit. In anderen Fällen kann es sein, dass sich ein extremer Buckel bildet, der das Leben des Patienten massiv einschränkt.

Auch das Wo und Wann der Entstehung eines solchen Buckels oder einer Verkrümmung der Wirbelsäule ist stark vom individuellen Fall abhängig. Manche bleiben beinahe ganz davon verschont, während andere Zeit ihres Lebens massive Probleme haben und sehr stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt werden. Darüber hinaus kommt es bei einigen Patienten bereits sehr früh zur Herausbildung eines Buckels, während diese bei anderen Menschen erst vergleichsweise spät einsetzt.

Es ist darum nicht möglich, allgemeingültige Aussagen zu dieser Thematik zu treffen. Es betrifft jeden anders. Man muss sich dennoch darauf einstellen, dass die Symptome der Krankheit mit zunehmendem Alte rund bei nicht zureichender Behandlung immer gravierender werden.


Häufigkeit & Diagnosedaten

Leider lassen sich nur sehr wenige gehaltvolle Aussagen zur Häufigkeit von Morbus Scheuermann treffen. Selbst in gut entwickelten Ländern sind die Statistiken darüber im beste Falle lückenhaft zu nennen. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass die Krankheit nicht allzu einfach zu diagnostizieren ist und viele ältere Menschen überhaupt nie korrekt diagnostiziert wurden. Ihnen wurde lediglich gesagt, dass sie einen Buckel haben und das war das. Das ist heutzutage zwar anders, aber dennoch bisweilen immer noch etwas unzureichend. Dennoch lassen sich für die Zukunft wohl bessere und aussagekräftigere Daten erwarten als die, die zur Zeit zur Verfügung stehen.

Es scheinen keine geschlechtsspezifischen Verteilungen vorzuliegen, kurzum bedeutet das, dass Frauen und Männer gleich häufig vom Morbus Scheuermann betroffen sind. Allerdings gibt es einige Regionen der Erde, da Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Ein klarer Trend lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Es gibt zwar einige lokale Häufungen des Morbus Scheuermann, aber alles in allem kommt er in etwa der gleichen Häufigkeit weltweit vor. Lediglich in einigen Gebieten Afrikas und des südlichen Amerikas gibt es höhere Patietenzahlen. Da allerdings viele der stärker betroffenen Kinder in diesen Gegenden schlicht ausgesetzt oder ins Heim gegeben werden, tauchen auch diese in keinen Statistiken auf. Das erschwert die Einschätzung der Prävalenz der Erkrankung sehr stark. Somit sind alle Zahlen im besten Falle als grobe Schätzungen zu begreifen, nicht aber als eine exakte Widerspiegelung der Wahrheit.

Die Krankheit tritt häufig bereits im frühesten Kindesalter auf, somit ist das Alter des Patienten ein mehr oder weniger wichtiger Faktor. Es bleibt jedoch zu sagen, dass die Krankheit sich nicht beiden bereits während der frühen Kindheit bemerkbar macht. Manche Menschen haben die Erkrankung zwar von Geburt an, sie bricht aber erst mit fortgeschrittenem Alter aus oder sie bleibt zeitlebens wenig auffällig. All dies ist möglich. Zumeist jedoch ist davon auszugehen, dass die Krankheit, so sie denn vorhanden ist, vergleichsweise früh ausbricht und sich bereits während der Kindheit deutlich bemerkbar macht.

Diagnosedaten
Da es keine Tests gibt, die dazu dienen könnten, den Morbus Scheuermann als solchen direkt und ohne Umschweife zu identifizieren, kann man auch folglich keine Diagnosedaten im klassischen Sinne gewinnen. Vielmehr dienen die im Rahmen einer Untersuchung und einer Anamnese gewonnen Daten dazu, die Schwere der Krankheit selbst zu bestimmen, nicht aber die Krankheit als solche.


Komplikationen bei der Krankheit

Bei dieser Erkrankung kann es zu zahlreichen Komplikationen kommen, die man auf keinen Fall unterschätzen sollte. Zunächst einmal ist davon auszugehen, das betroffene Individuen Zeit ihres Lebens mit mehr oder weniger starken Schmerzen zu kämpfen haben. Das ist nicht nur sehr unangenehm, sondern schränkt einen im Alltag auch sehr ein. Das wird jeder Mensch mit einer chronischen Erkrankung bestätigen können.

Darüber hinaus entstehen sehr unschöne, ja beinahe hässlich zu nennende Verformungen des Rückens. Diese bilden oftmals den klassischen „Buckel“. Ein solcher muss nicht unbedingt schmerzhaft sein, nichtsdestoweniger aber schränkt ein solcher im Alltag sehr ein. Je nach schwere der Erkrankung kann er so stark ausgeprägt sein, dass der Erkrankte nicht mehr dazu in der Lage ist, seinen Alltag alleine zu meistern und Hilfe für die banalsten Aufgaben benötigt. Auch gestaltet es sich dann meistens sehr schwierig die Schule zu besuchen oder eine Arbeit zu finden. Dies liegt nicht etwa daran, dass auch die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sei, denn dem ist nicht so, sondern vielmehr daran, dass sehr stark betroffene Personen schlicht nicht sitzen können, zumindest aber nicht an einem Tisch oder Schreibtisch.

Auch die psychologischen Komplikationen sollten nicht unterschätzt werden. Eine derartige Entstellung ist nichts, das unbemerkt an einem vorbeigeht. Man wird in der Öffentlichkeit beäugt und gilt nicht selten als Außenseiter. Auch könnte man, selbst wenn man wollte und dürfte, an vielen Unternehmungen nicht teilnehmen, da man dazu physisch schlicht nicht in der Lage ist. Hierdurch kommt es bisweilen zur Vereinsamung betroffener Individuen. Eine Psychotherapie kann darum beim Morbus Scheuermann ebenso zu empfehlen sein, wie eine Operation oder eine Orthese.

Alles in allem also sollte man damit rechnen, dass einen die Krankheit im Alltag sehr stark einschränkt und dass man zumindest ein gewisses Maß an Hilfe benötigt, um sich erfolgreich durchs Leben manövrieren zu können. Sicherlich aber kann man lernen, mit diesen Problemen zu leben und trotz alledem ein halbwegs normales und schönes Leben zu führen.


Wann sollte man zum Arzt gehen?

Man sollte sofort dann zum Arzt gehen, wenn man feststellt, dass man selbst oder der Nachwuchs an eine seltsame Haltung aufweist. Besonders bei Kindern kann der Prozess der krankhaften Veränderung der Wirbelsäule oftmals schleichend sein. Darum ist es notwendig, bereits kleinste Warnsignale ernstzunehmen und sofort zu einem Arzt zu gehen, damit dieser eine Diagnose stellen und möglicherweise eine Therapie veranlassen kann.

Eine früh begonnen Therapie kann dafür sorgen, dass es trotz der Erkrankung zu kaum nennenswerten Einschränkungen kommt. Das sollte im Interesse aller beteiligten Parteien liegen und damit auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Wer also Grund zur Annahme hat, dass das eigene Kind eine ungesunde Haltung einnimmt, sollte dies als Anlass für einen Besuch beim Arzt nehmen und nicht allzu viel Zeit ungenutzt verstreichen lassen. Hier gilt: Je früher desto besser.

Behandlungsmethoden & Therapie

Eine Therapie oder Behandlung kann entweder konservativ, sprich medikamentös oder aber operativ, sprich progressiv erfolgen. Hier kommt es sehr stark auf die Ausprägung der Krankheit selbst an. Eine Heilung kann zu erzielt werden, ist aber selten. Zumeist zielt eine Behandlung darauf ab, das Leben das Patienten zu erleichtern und die Symptome zu lindern. Sollte jedoch eine vollständige Heilung möglich sein, so strebt man natürlich diese an.

Morbus Scheuermann ist selbstlimitierend. Das bedeutet, dass sie sich nur solange ausbreitet, wie die äußeren Umstände es zulassen. In dem Falle der vorliegenden Krankheit ist dies die Phase des Wachstums. Nach Abschluss des Wachstums, verschlimmert sich die Krankheit nicht mehr. Das muss aber nicht heißen, dass sie harmlos ist. Viel kann mit der Wirbelsäule geschehen, während der Jahre des Wachstums. Sobald der Patient jedoch vollständig ausgewachsen ist, werden die Knochen die Deformität beibehalten. Aus diesem Grund gibt es viele Behandlungsmethoden und Therapieoptionen, die darauf abzielen, die Kyphose zu korrigieren, während die Wirbelsäule noch wächst und insbesondere darauf abzielt, eine Verschlimmerung zu verhindern.

Während es keine Erklärung dafür gibt, was den Morbus Scheuermann verursacht, gibt es Möglichkeiten, ihn zu behandeln. Seit Jahrzehnten gibt es viele Kontroversen um etwaige Behandlungsmöglichkeiten. In weniger extremen Fällen können manuelle Medizin, physikalische Therapie und / oder Rückenorthesen helfen, die Kyphose umzukehren oder zu stoppen, bevor sie zu schwerwiegend wird. Da die Krankheit oft gutartig ist und eine Rückenoperation viele Risiken birgt, wird eine Operation in der Regel nur als letzter Ausweg für die Patienten angesehen. In schweren oder extremen Fällen können die Patienten jedoch durch ein ausgedehntes chirurgisches Verfahren behandelt werden, um zu verhindern, dass sich die Krankheit verschlechtert oder den Körper dauerhaft schädigt.

In Deutschland ist die Standardbehandlung für Morbus Scheuermann und Lumbalkyphose die sogenannte Schroth-Methode, ein System der spezialisierten Physiotherapie für Skoliose und verwandte Wirbelsäulendeformitäten. Es wurde gezeigt, dass die Methode während eines stationären Behandlungsprogramms die Schmerzen reduziert und den kyphotischen Winkel signifikant verringert.

Morbus Scheuermann kann erfolgreich mit chirurgischen Eingriffen korrigiert werden, von denen fast alle eine Art der Wirbelsäulenfusion mittels sogenannter „Hardware-Instrumentierung“, d.h. Stäbchen, Pedikelschrauben, etc. beinhalten. Während viele Patienten zwar eine Operation für ihre Korrektur erhalten möchten, ist es wichtig vor der Operation zu realisieren, dass sie darauf abzielt, Schmerzen zu reduzieren und nicht etwa kosmetische Mängel zu revidieren. Wie immer sollte der chirurgische Eingriff nur als letzter Ausweg in Betracht kommen, sobald eine konservative Behandlung gescheitert ist oder die Gesundheit des Patienten in unmittelbarer Gefahr ist. Da ein chirurgischer Eingriff niemals risikofrei ist, sollte man nicht allzu leichtfertig damit umgehen. Die zu erwartenden Komplikationen sind jedoch relativ gering und die Operationen oftmals erfolgreich.

Eine der größten Debatten rund um die Korrektur der Scheuermann’schen Krankheit ist die Verwendung sehr vieler unterschiedlicher Verfahren. Es gibt verschiedene Techniken, um eine Kyphose zu korrigieren. Bei der klassischen Operation werden teilweise zwei Titanstäbe (je nach Größe der Kyphose) in den Rücken beiderseits der Wirbelsäule eingebracht. Acht Titan Schrauben und weitere „Hardware“ werden durch den Knochen gebohrt und sichern die Stäbe auf beiden Seiten der Wirbelsäule somit ab. Auf der nach innen gerichteten Seite der Wirbelsäule müssen Bänder (die zu kurz sein können, um die Wirbelsäule in die allgemeine Form der Kyphose zu ziehen) chirurgisch geschnitten oder gelöst werden. Eine solche Operation gilt heutzutage mehr oder weniger als Routineeingriff und Komplikationen sind vergleichsweise geringfügig. Dennoch sind sie nicht grundsätzlich auszuschließen.

Normalerweise werden die beschädigten Bandscheiben zwischen den gestörten Wirbeln entfernt und durch Knochentransplantate aus der Hüfte oder anderen Teilen der Wirbel ersetzt, die sich, wenn sie einmal verheilt sind, verfestigen. Die Titanstäbe halten alles während des Heilungsprozesses an Ort und Stelle und sind nicht mehr notwendig, sobald die Fusion abgeschlossen ist. Die Genesung beginnt im Krankenhaus und je nachdem, ob die Operation ein- oder zweizeitig ist, kann der Patient erwarten, dass er sich mindestens eine Woche im Krankenhaus aufhalten muss, möglicherweise auch länger je nach Schnelle der Abheilung. Patienten werden dann oft für mehrere Monate lang eine Orthese tragen müssen, um sicherzustellen, dass die Wirbelsäule richtig heilt und der Patient die richtige Haltung einnimmt. Die Titanstäbe können dauerhaft im Körper verbleiben oder Jahre später wieder entfernt werden. Patienten, die wegen dem Morbus Scheuermann operiert werden, benötigen häufig eine physikalische Therapie, um die Schmerzen zu behandeln und die Mobilität zu fördern. Jedoch ist ihr Bewegungsumfang im Allgemeinen nicht besonders stark eingeschränkt. Eine Erholung von einer Kyphose-Korrektur kann sehr lang dauern. Typischerweise dürfen Patienten über 6 Monate bis zu einem Jahr nichts schweres heben. Viele können auch für mindestens ein halbes Jahr keiner geregelten Arbeit nachgehen. Sobald die Narben jedoch verheilt sind, können die meisten Patienten innerhalb von ein bis zwei Jahren zu ihrem gewohnten Lebensstil zurückkehren.

Man sieht also, dass die Chancen einer erfolgreichen Therapie sehr hoch sind und ausreichend viele und gute Möglichkeiten einer Therapie zur Verfügung stehen.


Vorbeugung – Impfung & Prävention

Leider gibt es keinerlei Maßnahmen, die ergriffen werden könnten, um gegen dieses Leiden orzubeugen. Zumindest nicht nach dem Stande der heutigen Wissenschaft. Es kann jedoch durchaus förderlich sein, seinen Nachwuchs früh auf das Vorhandensein einer möglichen Fehlbildung der Wirbelsäule hin untersuchen zu lassen. Das verhindert zwar den Ausbruch von Morbus Scheuermann nicht, kann aber dazu beitragen, die Folgen der Erkrankung möglichst geringfügig zu halten.


Prognose zur Heilung

Spinale Fusion für Kyphose und Skoliose ist eine extrem invasive Operation. Das Risiko von Komplikationen wird auf etwa 10% geschätzt. Mögliche Komplikationen können Entzündungen des Weichgewebes oder tiefe Entzündungsprozesse, Atembeschwerden, Blutungen und Nervenverletzungen oder Infektionen sein.

Bereits fünf Jahre nach der Operation benötigen etwa 5% der Patienten eine erneute Operation und langfristige Probleme können auftreten. Unter Berücksichtigung, dass einige der Symptome der Wirbelsäulendeformität durch chirurgische Eingriffe nicht verändert werden können, bleibt die Operation eine kosmetische Indikation, obwohl die kosmetischen Effekte der Operation nicht unbedingt stabil sind.

Somit ist die Prognose eher durchwachsen. Eine Operation kann sehr vieles bewirken und große Abhilfe leisten, manchmal jedoch schafft sie das nicht und es bleiben mehr oder weniger starke Symptome zurück oder sie bilden sich nach einiger Zeit wieder neu. Dennoch sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Besser man versucht es trotz der potentiellen Gefahren. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Es ist jedoch auf jeden Fall absolut notwendig, sich vor einem operativen Eingriff eingehend von seinem Arzt beraten zu lassen, um zu verstehen, was genau mit einem auf dem Operationstisch passieren wird. Das hilft dem Patienten dabei, die Angst zu nehmen und stellt zusätzlich noch sicher, dass beide Seiten guten Gewissens in die Operation gehen können. Zudem sollte man auch nicht vergesse, dass die Komplikationen mit 5% und 10% immer noch relativ selten auftreten. Somit bleibt schlusszufolgern, dass eine OP in 95% der Fälle eine merkliche Heilung bewirkt und der Patient seinen Alltag fürderhin besser meistern und sein Leben genießen kann. Diese Aussieht sollte es einem auf jeden Fall wert sein und man sollte sich nicht durch etwaige Horrorgeschichten missglückter Operationen den Wind aus den Segeln nehmen lassen.

Also bleibt abschließend zu bemerken, dass die Prognose mit einer Operation zwar durchwachsen ist, ohne eine solche aber ist sie weitaus schlimmer. Darum ist eine Behandlung in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle absolut empfehlenswert.


Die Wirbelsäule

Die Wirbelsäule, auch Rückgrat genannt, ist Teil des axialen Skeletts. Die Wirbelsäule ist das definierende Merkmal eines Wirbeltiers. Wirbelkörper, die durch Zwischenwirbelscheiben voneinander getrennt sind, sind die Bestandteile der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule beherbergt den Wirbelkanal, eine Höhle, die das Rückenmark umschließt und schützt.

In der Wirbelsäule eines Menschen sind normalerweise dreiunddreißig Wirbel. Die oberen vierundzwanzig sind artikulierend und durch Bandscheiben voneinander getrennt und die unteren neun sind bei Erwachsenen fusioniert, fünf im Kreuzbein und vier im Steißbein. Die Gelenkwirbel werden nach ihrer Region der Wirbelsäule benannt. Es gibt sieben Halswirbel, zwölf Brustwirbel und fünf Lendenwirbel. Die Anzahl der Wirbel in einer Region kann variieren, aber insgesamt bleibt die Anzahl gleich. Die Anzahl derer in der Halsregion verändert sich jedoch nur selten. Es gibt Bänder, die die Länge der Wirbelsäule an der Vorderseite und am Rücken verlängern und zwischen den Wirbeln, die die Dornfortsätze, die Querfortsätze und die Wirbelplatten verbinden.

Die Wirbel der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sind unabhängige Knochen und im Allgemeinen ziemlich ähnlich. Die Wirbel des Kreuz- und Steißbeins sind gewöhnlich miteinander verwachsen und können sich nicht unabhängig bewegen. Zwei spezielle Wirbel sind der Atlas und die Achse, auf denen der Kopf ruht.

Ein typischer Wirbel besteht aus zwei Teilen: Dem Wirbelkörper und dem Wirbelbogen. Der Wirbelbogen ist posterior, das heißt, er befindet sich auf der Rückseite. Zusammen umschließen sie das Foramen vertebrale, das das Rückenmark enthält. Da das Rückenmark in der Lendenwirbelsäule endet und Kreuzbein und Steißbein verschmolzen sind, enthalten sie kein zentrales Foramen. Der Wirbelbogen wird durch ein Paar Pedikel und ein Paar Laminae gebildet und stützt sieben Teile der Wirbelsäule, vier artikuläre, zwei transversale und eine spinale, wobei letztere auch als die neurale Wirbelsäule bekannt ist. Zwei Querfortsätze und ein Dornfortsatz liegen hinter dem Wirbelkörper. Der Dornfortsatz kommt hinten heraus, ein Querfortsatz kommt links und einer rechts heraus. Die Dornfortsätze der Hals- und Lendenwirbelsäule können durch die Haut gefühlt werden.

Die Wirbelsäule umgibt das Rückenmark, das sich innerhalb des Wirbalkanals bewegt und von einem zentralen Loch in jedem Wirbel gebildet wird. Das Rückenmark ist Teil des zentralen Nervensystems, das alle Nerven versorgt und Informationen vom peripheren Nervensystem im Körper erhält. Das Rückenmark besteht aus grauer und weißer Substanz und einem zentralen Hohlraum, dem sogenannten zentralen Kanal. Neben jedem Wirbel entstehen Spinalnerven. Die Spinalnerven versorgen den Körper mit Sympathikus, wobei die Nerven den sympathischen Stamm und die Splanchnicusnerven bilden. Der Wirbelkanal folgt den verschiedenen Kurven der Wirbelsäule.

Die obere Halswirbelsäule hat eine nach vorne konvexe Kurve, die an der Achse (zweiter Halswirbel) am Scheitelpunkt des Dens axis beginnt und in der Mitte des zweiten Brustwirbels endet. Diese nach innen gerichtete Kurve ist als eine Lordosekurve bekannt. Die nach vorne konkave Thoraxkurve beginnt in der Mitte der zweiten und endet in der Mitte des zwölften Brustwirbels. Der prominenteste Punkt dahinter entspricht dem Dornfortsatz des siebten Brustwirbels. Diese Kurve wird als kyphotische Kurve bezeichnet. Ist diese jedoch überkrümmt oder sonst wie beschädigt, liegt dies nicht selten am Morbus Scheuermann. Aber auch viele andere Erkrankungen können zu einer Fehlstellung der Wirbelsäule beitragen.

Die Lendenwirbelsäule ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Sie beginnt in der Mitte des letzten Brustwirbels und endet im Sakrovertebralwinkel. Sie ist nach vorne konvex, wobei die Konvexität der unteren drei Wirbel viel größer ist als die der oberen zwei. Diese Kurve wird als eine Lordosekurve beschrieben. Die Sakralkurve beginnt bei der sacrovertebralen Artikulation und endet an der Steißbeinspitze. Die Konkavität ist als kyphotische Kurve nach unten und vorne gerichtet. Die thorakalen und sakralen kyphotischen Kurven werden als primäre Kurven bezeichnet, weil sie bereits im Fötus vorhanden sind. Die zervikalen und lumbalen Kurven sind kompensatorisch oder sekundär und entwickeln sich erst nach der Geburt. Die zervikale Kurve bildet sich, wenn der Säugling seinen Kopf (nach drei oder vier Monaten) hochhalten und aufrecht sitzen kann (nach etwa neun Monaten). Die lumbale Kurve bildet sich später von zwölf bis achtzehn Monaten, wenn das Kind zu laufen beginnt.

Alles in allem also ist die Wirbelsäule ein faszinierender Baustein des menschlichen Körpers über den zu viele Menschen leider viel zu wenig wissen. Nicht zuletzt deswegen kommt es immer wieder zu Fehlbelastungen und unfreiwilliger Zerstörung dieser lebensnotwendiger Knochensäule.


Alternative Behandlungsmethoden

Da es sich hierbei um eine sehr schwerwiegende degenerativ wirkende Erkrankung handelt, sollte man von alternativen Heilmethoden absehen und sich alleine der Schulmedizin zuwenden. Alles andere ist wenig zielführend und den betroffenen Kindern gegenüber ungerecht und verantwortungslos.

Welche Hausmittel können helfen?

Auch Hausmittel können, genau wie alternativmedizinische Verfahren, bei dieser Krankheit nicht helfen. Dennoch ist natürlich alles erlaubt, was die Symptome bekämpft und Schmerzen lindert. Hierzu gehören beispielsweise Massagen oder Bäder in warmem Wasser.

Heilkräuter & Heilpflanzen

  • Weide
  • Efeu
  • Arnika
  • Holunder
  • Johanniskraut
  • Sternanis
  • Königskerze

Dass die Verwendung dieser Kräuter nicht dabei helfen kann, die Krankheit zu heilen, sollte jedem klar sein, dennoch lässt sich daraus beispielsweise eine lindernde Salbe herstellen, die dazu dienen kann, die entstehenden Schmerzen etwas zu verringern. Hierzu muss man die Kräuter in frischer oder getrockneter Form in zerlassenes Schmalz geben und dieses Anschließend aushärten lassen. Die Wirkstoffe aus den Pflanzen und Pflanzenteilen ziehen dann in das Fett ein und man kann es als Salbe verwenden. Oftmals gibt es auch bereits fertige Produkte im Fachhandel.

Es empfiehlt sich zudem, vor der Anwendung Rücksprache mit dem zuständigen Mediziner zu halten um etwaige allergische Reaktion schon im Vorfeld ausschließen zu können.

Ätherische Öle

  • Ylang Ylang
  • Nelke
  • Rosmarin
  • Myrte
  • Minze
  • Salbei
  • Lavendel

Auch ätherische Öle können den Morbus Scheuermann nicht heilen. Dennoch können diese dabei helfen, dass der Patient sich entspannt. Dies ist zumeist im Rahmen einer Aromatherapie der Fall. Einige dieser Öle, wie beispielsweise Minze und Nelke, können auch zum Einreiben verwendet werden. Da sie allerdings sehr stark dosiert sind, sollte man zuvor mit einem Arzt reden und dessen Meinung einholen und sei es nur, um potentielle allergische Reaktionen auszuschließen.

Eine gute Bezugsquelle für ätherische Öle ist das Internet oder der Heilpraktiker des Vertrauens. Letzterer gibt auch Auskünfte über Anwendung und Dosierung.

Homöopathie & Globuli

  • Colocynthis
  • Lachesis
  • Ruta
  • Sepia
  • Arnica
  • Nux vomica
  • Belladonna

Homöopathische Mittel haben zwar keinen nachgewiesenen medizinischen Effekt, dennoch können sie bei Menschen, die daran glauben, einen sehr starken Placebo Effekt auslösen und somit tatsächlich dabei helfen, die Symptome zu lindern. Das gilt auf für Morbus Scheuermann. Allerdings sollte man sich nicht zu viel davon versprechen und auf eine schulmedizinische Behandlung ist keinesfalls zu verzichten.

Die genauen Dosierungen für die oben genannten Präparate sind stark vom vorliegenden Fall abhängig. Im Groben kann man aber von folgender Dosierung ausgehen:
Tropfen: Zw. 3 und 8
Tabletten: 1 Tablette
Globuli: 6 – 20 Globuli

Oder man entnehme die genauen Dosierungshinweise jedoch der Packungsbeilage oder halte Rücksprache mit dem zuständigen Heilpraktiker.

Schüssler-Salze

  • Nr. 5 Kalium phosphoricum: Dieses Mittel wirkt entkrampfend und entspannend und ist daher bestens geeignet, um mit den Symptomen der vorliegenden Erkrankung fertig zu werden.
  • Nr. 2 Calcium phosphoricum: Auch dieses Mittel wirkt entkrampfend. Darüber hinaus fördert es die Durchblutung und stärkt den Aufbau der Knochen. Alles in allem also eine gute Empfehlung bei der Scheuermann’schen Krankheit.

Schüssler Salze können einen starken Placebo Effekt auslösen, der tatsächlich dazu beitragen kann, Schmerzen zu lindern. Darum ist nichts verkehrt daran, diese einzunehmen. Man sollte dabei jedoch nicht vergessen, dass von ihnen keine medizinisch zu bestätigende Wirksamkeit ausgeht. Darum sollten sie eine schulmedizinische Behandlung auf keinen ersetzen, sondern nur begleitend dazu eingenommen werden.

Man entnehme die genauen Dosierungshinweise jedoch der Packungsbeilage oder halte Rücksprache mit dem zuständigen Heilpraktiker.

Diät & Ernährung

Es gibt keine diätistischen Regeln, die dabei helfen würden, effektiv etwas gegen Morbus Scheuermann zu unternehmen. Dennoch ist einem damit geholfen, wenn man sich an die gängigen Maßregeln zum Umgang mit Nahrungsmitteln hält und sich allgemein gesund ernährt.

Auch ist eine kalziumreiche Ernährung empfehlenswert, da diese die Stärke und Gesundheit der Knochen fördern kann. Auch Übergewicht sollte auf jeden Fall vermieden werden. Der Körper ist auch ohne die überschüssigen Pfunde durch die Krankheit schon genügend geschunden. Man sollte sein Glück hier nicht herausfordern. Aufgrund der geringen sportlichen Aktivitäten, die man mit Morbus Scheuermann ausüben kann, kann es jedoch bisweilen schwierig werden, sich fit zu halten. Dennoch sollte man alles daran setzen.


FAQ – Fragen & Antworten

Bekommt man von Morbus Scheuermann einen Buckel?
Nicht jeder, der an der Erkrankung leidet, bekommt tatsächlich einen Buckel, dennoch sollte man davon ausgehen, dass sich ein solcher im Rahmen der Erkrankung früher oder später herausbildet. Wie stark dieser ausgeprägt ist, ist von Fall zu Fall zu sehr unterschiedlich. Manche Menschen haben kaum einen Buckel, während andere dagegen mit einer massiven Verkrümmung der Wirbelsäule leben müssen. Wie stark er sein wird, lässt sich leider nicht im Vorhinein feststellen.

Oftmals jedoch kann man einen etwaig aufgrund der Krankheit entstandenen Buckel operativ entfernen oder den Rücken zumindest so korrigieren, dass der Buckel, sprich die Verkrümmung abnimmt. Auch damit ist vielen Betroffenen schon sehr stark geholfen und sie können fortan leichter durchs Leben gehen.

Sind Kinder mit Morbus Scheuermann vom Schulsport befreit?
Kinder, die an Morbus Scheuermann leiden sind nicht automatisch vom Schulsport befreit. Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass sie gar nicht oder in nur sehr geringem Umfange daran teilnehmen können. Darum ist es absolut notwendig, hier ärztlichen Rat einzuholen und sich beraten zu lassen. Auch sollte man Rücksprache mit dem zuständigen Sportlehrer halten, um zu eruieren, ob es vielleicht doch einige Übungen und Spiele gibt, an denen das erkrankte Kind teilnehmen kann. Das wäre positiv zu betrachten, da es sich auf diese Art und Weise besser in die Klassengemeinschaft integrieren kann und nicht außen vor bleibt.

Ist Morbus Scheuermann erblich?
Leider lässt sich diese frage aufgrund der geringen Faktenlage, was die Auslöser und Ursachen der vorliegenden Erkrankung angeht, nicht beantworten. Dennoch gibt es einige Hinweise, darauf hindeuten, dass es sich durchaus um eine erbliche Erkrankung handeln könnte. Darum kann es sinnig sein in Erfahrung zu bringen, ob man Verwandte hat, die an Morbus Scheuermann leiden, bevor man selbst Kinder bekommt und diese somit dem Risiko aussetzt, eventuell auch mit diesem Leiden geboren zu werden.

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