Gedächtnistraining

Die Merkfähigkeit des Gehirns steigern

Behandlung GedächtnistrainingGedächtnistraining, auch unter dem Namen Mnemotechnik bekannt, bezeichnet eine aus verschiedenen Techniken bestehende Form des Gehirntrainings.

Dieses soll dazu beitragen, die Merkfähigkeit des Gehirns zu steigern und dessen Verfall aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen.

Eine der bekanntesten Techniken der Mnemotechnik stellt die Eselsbrücke dar, wobei für ein möglichst effektives Training auf verschiedene Techniken zurückgegriffen werden sollte.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Gedächtnistraining. 

Was versteht man unter Gedächtnistraining?

Unter dem Gedächtnistraining werden sämtliche Maßnahmen zusammengefasst, welche die die kognitiven Fähigkeiten einer Person fördern und erhalten. Dies erfolgt in aller Regel auf spielerische Art und Weise, um eine möglichst große Motivation zu gewährleisten.

Die Grundlage des Gedächtnistrainings bilden sogenannte Memotechniken. Dabei handelt es sich um Übungen, mit denen die Gedächtnisleistungen einer Person trainiert werden.

Die Effektivität des Gedächtnistrainings liegt in der Plastizität des menschlichen Gehirns, der sogenannten Neuroplastizität. Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, sich ein Leben lang Wissen und Fähigkeiten anzueignen. Auf dieser Tatsache beruht der historisch gesehen einmalige Erfolg der Spezies Homo sapiens.

Doch aufgrund dieser Neuroplastizität besitzt das Gehirn ebenfalls die Fähigkeit, beispielweise aufgrund krankhafter Veränderungen, beschädigte Areale effektiver zu nutzen oder neue Aufgaben auf andere, noch intakte Hirnareale zu übertragen. Aufgrund der Neuroplastizität können Synapsenverbindungen lebenslang gebildet, verändert und repariert werden.

Mithilfe eines ausgeklügelten Gedächtnistrainings können diese für den Menschen typischen und überlebenswichtigen neuroplastischen Vorgänge selbst im hohen Alter noch angeregt werden. Aufgrund der Struktur des Gehirns hat ein kognitives Training wie das Gedächtnistraining jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns und des Gedächtnisses, sondern auch auf andere geistige Fähigkeiten. Nennenswert wären hier z.B. die Konzentrationsfähigkeit, das Urteilsvermögen und die Sprache.

Ursprung & Entwicklung:

Schon die Redner im antiken Griechenland bedienten sich nachgewiesenermaßen der Mnemotechnik, wobei der Dichter Simonides von Keos als Erfinder der Gedächtniskunst gilt.

Einer Anekdote zufolge soll Simonides bei einem Festmahl durch einen Zufall dem Tod entronnen sein, wobei die anderen Gäste des Festmahls aufgrund des eingestürzten Dachs nicht mehr identifiziert werden konnten. Nur weil Simonides sich die Tischordnung gemerkt hatte, konnten dennoch alle Gäste in den richtigen Gräbern beigesetzt werden.

Anfang des 19. Jahrhunderts kam die Mnemotechnik wieder stark in Mode, wobei der Begriff besonders von Aimée Paris geprägt wurde. Das von ihm erfundene Major-System bildete die Grundlage der modernen Mnemotechnik.

Funktion, Wirkung & Ziele:

Obwohl das gezielte Gedächtnistraining meist bei älteren Menschen und Erkrankungen wie Demenz eingesetzt wird, spielt es doch im Grunde im Alltag aller Menschen jeden Alters eine Rolle, die ihr Gehirn leistungsfähig und fit halten möchten. Hierfür gibt es verschiedene Techniken, die je nach Kontext oder individuellen Zielen variieren können.

Behandlung GedächtnistrainingBei älteren Personen spielt das konsequente und zielgerichtete Gedächtnistraining spätestens mit Beginn einer dementiellen Erkrankung des Gehirns eine entscheidende Rolle, um den Verlauf der Krankheit zumindest zu verzögern. Dabei kann die noch vorhandene Gedächtnisleistung in der Regel auch wieder verbessert werden.

Besonders wichtig in Zusammenhang mit einer Demenzerkrankung sind nicht nur die Konzentrations- und Merkfähigkeit, sondern auch die Fähigkeiten, das richtige Wort zu finden oder Entscheidungen zu treffen.

Dies ist sowohl für die Patienten selbst, als auch für die Angehörigen und das betreuende bzw. medizinische Personal von großer Bedeutung und kann einen ausschlaggebenden Effekt auf die Lebensqualität ausüben.
Doch das Gedächtnistraining kann auch älteren Menschen ohne Demenzerkrankung Erfolgserlebnissen im Alltag bescheren und dadurch ihr Selbstwertgefühl steigern.

Zudem ist das wöchentliche Gedächtnistraining eine Möglichkeit, aus der Isolation auszubrechen und wieder am sozialen Leben teilzunehmen. Dadurch wird sowohl Langeweile als auch Einsamkeit, die oft das Leben älterer Menschen bestimmen, Einhalt geboten.

Auch Kinder können mithilfe von Spielen wie Memory ihr Gedächtnis bereits auf spielerische Art und Weise trainieren.

  • Gedächtnistraining besonders ausschlaggebend in der Behandlung von Demenzpatienten im Frühstadium.
  • Auch bei älteren Patienten kann ein Gedächtnistraining das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit fördern.
  • Sogar bei Kindern kommt bereits ein spielerisches Gedächtnistraining, z.B. in Form vom Spie Memory, zum Einsatz.

Durchführung & Wirkungsweise:

Um welche Lern- oder Erinnerungsvorgänge es sich auch handelt – stets ist immer das ganze Gehirn am Vorgang beteiligt.

Erinnerungen werden im Gehirn in sogenannten Netzen aus Nervenzellen gespeichert. Wenn dieses verstärkt werden soll, müssen die Nervenzellen mit ihren Fortsätzen, den sogenannten Synapsen, sich mit anderen Nervenzellen verbinden.

Die Information im Gedächtnis bleibt umso mehr im Gehirn haften, je intensiver diese Nervenverbindungen aufgebaut werden. Das hängt wiederum von der Stärke und Häufigkeiten der Kommunikation zwischen den Synapsen ab.

In Bezug auf das Gedächtnis wird zwischen dem sogenannten Kurzzeitgedächtnis und dem Langzeitgedächtnis unterschieden. Beim Kurzzeitgedächtnis wird – wissenschaftlich betrachtet – eigentlich nur die aktuelle Gegenwart verarbeitet. Dass es sich hier um eine sehr kurze Angelegenheit handelt zeigt auch die Tatsache, dass diese Art von Gedächtnis von Neuropsychologen mithilfe von Aufgaben getestet wird, die sich im Sekundenbereich abspielen.

Das Langzeitgedächtnis kann man dagegen als die Architektur des Gehirns bezeichnen, die sich laufend aufgrund der Erfahrungen eines Menschen ändert. An die Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis kann man sich erinnern. Ob die beteiligten Verbindungen der Nervenzellen nur wenige Tage oder ein Leben lang bestehen, ist davon abhängig, wie oft sie benutzt werden und wie tiefgreifend die Erfahrung war.

Beim Gedächtnistraining werden nun sowohl das Kurz- als auch das Langzeitgedächtnis trainiert, indem durch spielerische und motivierende Übungen die Bildung neuer Synapsen angeregt wird. Dabei ist die Begeisterung, mit der das Training ausgeführt wird, von ausschlaggebender Bedeutung.

Denn wer vor Langeweile fast einschläft, bildet in aller Regel keine neuen Synapsenverbindungen. Zudem ist die Abwechslung der Übungen von entscheidender Bedeutung: wer z.B. sein Leben lang Kreuzworträtsel gelöst hat, sollte am besten sein Repertoire erweitern und mal Sudoku oder andere Zahlenrätsel ausprobieren.

Fördert & stärkt:

  • Neuroplastizität des Gehirns
  • Kognitive Fähigkeiten, u.a. Wortfindung und Konzentrationsfähigkeit
  • Gedächtnisleistungen

Aufgrund der oben genannten Trainingseffekte eines Gedächtnistrainings werden, als ein Nebeneffekt, ebenfalls das Selbstvertrauen und die Selbstständigkeit einer Person gestärkt. Dies ist insbesondere im Alter der Fall.

Beispielübungen:

  • ABC-Spiel
  • Wählen Sie einen Oberbegriff (z.B. Beruf) und suchen Sie zu jedem Buchstaben des Alphabets mindestens einen passenden Begriff (z.B. Arzt, Biologe, Chemiker…) Diese Übung dient insbesondere der Wortfindung.
  • Assoziationsketten
  • Reihen Sie die Lernbegriffe aneinander und bilden Sie aus der Wortkette eine Geschichte.
  • Buchstaben suchen
  • Nehmen Sie einen Zeitungsartikel und kreisen Sie im gesamten Artikel einen Buchstaben ein, z.B. das „a“. Diese Übung trainiert das Konzentrationsvermögen und der Trainingseffekt kann gemessen werden, indem man jeden Tag die benötigte Zeit misst.
  • Loci-Methode
  • Entwerfen Sie in Ihrer Vorstellung einen Spaziergang, während dem sie nicht an realen Orten, sondern an den benötigten Lernbegriffen vorübergehen.
  • Radio hören
  • Hören Sie morgens Radio und versuchen am Nachmittag, sich an so viele Ereignisse, Namen und Themen wie möglich zu erinnern. Der Übungseffekt kann noch verstärkt werden, indem sie einer anderen Person gezielt und detailliert von dem Gehörten erzählen. Diese Übung trainiert effektiv das Langzeitgedächtnis.

Risiken & Nebenwirkungen:

In Bezug auf das Gedächtnistraining sind weder Risiken noch Nebenwirkungen bekannt.

Gedächtnistraining und Demenz:

Allein mit einem Gedächtnistraining kann eine Demenz nicht verhindert werden, da bei der Entwicklung einer Demenz verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Vorteilhafter ist in diesem Fall ein umfassendes kognitives Training, bei dem neben dem Gedächtnis noch weitere geistige Funktionen wie Sprache, Konzentration und Urteilsvermögen verstärkt trainiert werden.

Behandlung GedächtnistrainingBei einer Demenzerkrankung verändert sich die Gehirnstruktur, es kommt zum Verlust von Verbindungen von Nervenzellen und deren Absterben.

Durch effektives Training können aber noch im hohen Alter neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen aufgebaut und neue Neuronen gebildet werden.

Dennoch lässt sich das Einsetzen und Fortschreiten einer Demenz aufgrund des Abbaus von Nervenzellen nicht vollständig unterdrücken.

Obwohl die Auslöser einer Demenz noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es eine Reihe von Faktoren, mit denen jeder Mensch sein Erkrankungsrisiko senken kann.

Ein abwechslungsreicher Alltag kann hierfür schon genügen. Das heißt aktiv zu sein, Interesse an seiner Umwelt zu haben und immer wieder mal etwas Neues zu lernen. Auch regelmäßiger Sport, eine gesunde Ernährung und soziale Kontakte spielen eine Rolle.

Das Gedächtnistraining spielt in Zusammenhang mit Demenz besonders dann eine Rolle, wenn eine Person z.B. aufgrund einer Krankheit nicht mehr mobil ist und sich deswegen meistens allein zu Hause aufhält. Dann kommt es im Alltag zu weniger Anregungen und das Gehirn verkümmert, wenn dem nicht rechtzeitig entgegengewirkt wird.

Voraussetzungen für ein effektives Gedächtnistraining:

  • Entspannte Atmosphäre (d.h. kein Druck)
  • Freiwillige Teilnahme
  • Übungsangebot entspricht Leistungsniveau (d.h. keine Über- oder Unterforderung)
  • Abwechslungsreiches Übungsangebot (d.h. keine Monotonie)
  • Bewusste Ausführung der Übungen
  • Spaß (wichtig als Motivationsfaktor)

Da sich das Gehirn nach ungefähr zwei Monaten an Aufgabenstellungen gewöhnt hat, sollte man spätestens dann auf neue Übungen und Spiele zurückgreifen, damit das Gedächtnistraining nicht zur Routine wird.

Wer behandelt?

Von Psychologen und anderen Personen mit psychologischer Ausbildung werden oft wöchentlich stattfindende Treffen angeboten, deren Ziel das Gehirntraining ist. Zudem gibt es inzwischen zahlreiche Bücher, mit deren Hilfe das Gedächtnistraining auch zu Hause ausgeführt werden kann.

Unser Fazit:

Aufgrund seiner enormen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns ist das Gedächtnistraining für Menschen jeder Altersklasse geeignet. Damit es auch wirklich effektiv funktioniert, sollte jedoch darauf geachtet werden, dass es Vergnügen bereitet und nicht zur reinen Pflichtaufgabe wird. Aus diesem Grund sollte ebenfalls auf genügend Abwechslung geachtet werden.

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