Interesse

Das Interesse an Objekten und anderen Lebewesen ist gleichzusetzen mit der Anteilnahme, die wir diesen Objekten und Lebewesen entgegen bringen. Dabei ist Interesse eine Grundvoraussetzung für das ausgiebige Beschäftigen mit unserer Umwelt und steuert außerdem unsere Reizwahrnehmung sowie unsere kognitiven Prozesse maßgeblich.
Dabei ist Interesse stets individuelle Natur und kann sich daher ändern. Das Gegenteil von Interesse ist Desinteresse.
Da das Interesse von zentraler Bedeutung für die Betrachtung der Umwelt ist, kann ein Fehlen desselben (krankhaft: Empathie) zu Symptomen einer Krankheit gezählt werden.

Was ist das Interesse?

Interesse ist vor allem die positive innere Resonanz auf Umweltreize. Dabei können nicht alle Umweltreize Interesse erzeugen. Ebenso können ehemals interessante Dinge uninteressant werden, weil wir durch andere Prägungen anders auf ihre ausgesendeten Reize reagieren.
Ob man kognitiv positiv – das heißt, mit positiven Emotionen und Aufmerksamkeit – reagiert, hängt zum einen von den entsprechenden Fähigkeit des Reizes ab, einen überhaupt zu interessieren. Aber auch die Prägung des eigenen Denkens, die Gefühlslage und vorangegangene Tätigkeiten, Reize und eigene Fähigkeiten haben Einfluss darauf, ob man interessiert an etwas ist.
Dabei entsteht Interesse vor allem im Frontalhirn und im Limbischen System. Es ist abhängig von Emotionen und Erfahrungen. Wird eine Wahrnehmung mit Emotionen (meist mit positiven) im Hirn verknüpft, wird sich das Interesse – also die Anteilnahme – an dieser Wahrnehmung und an den Reizen, die die Wahrnehmung ausmachen, steigern.
Dabei ist es unerheblich, um was für eine Art Umweltreiz es sich handelt. Interessen reichen dabei von großen Landschaftspanoramen über einzelne Personen bis hin zu bestimmten einzelnen Tonarten. Hat eine Person Interesse an einem dieser Dinge, so wird ein entsprechender Reiz diese Person stimulieren und automatisch die Anteilnahme steigern. Dabei kann der Reiz auch in andere Reize eingebettet sein. Über Assoziationen und selektive Wahrnehmung wird ein Betrachter dennoch die für ihn interessanten Aspekte stärker wahrnehmen.
Dies führt zum Beispiel zu dem Effekt, dass Ornithologen Vogelgezwitscher nebenbei den verschiedenen Arten zuordnen können, während andere Personen diese nicht einmal bewusst wahrnehmen.
Da bei Interesse das Frontalhirn eine Rolle spielt, werden auch sämtliche andere Hirnregionen – das Frontalhirn ist weit vernetzt – angesprochen. So stehen zum Beispiel Charakterbildung und Empathievermögen in Wechselwirkung mit dem individuellen Interessen. Ein Involvieren des Hippocampus bewirkt einen immensen Einfluss darauf, was und wie wir uns Dinge merken – also wie wir unser Gedächtnis strukturieren.
Weiterhin spricht man in der psychologischen Untersuchung von Interesse von zwei verschiedenen Perspektiven:

  • Prozessorientiert – Das Entstehen eines neuen Interesse bzw. das Wecken eines bereits vorhandenen Interesses durch einen Reiz von außen
  • Strukturorientiert – Das Untersuchen langfristiger Interessen von Personen

Entstehung von Interesse

Interesse kann vor allem im Kindesalter entstehen. Schließlich ist die größte Bremse für das Entstehen von Interesse ja die Verknüpfung eines Reizes mit negativen Emotionen. Da Kinder noch nicht so sehr von ihrer Umwelt geprägt sind, können sie also unbelasteter an Reize herangehen.
Dies führt unter anderem dazu, dass Kinder lernbegabter sind als Erwachsene. Natürlich ist dabei zu beachten, dass das Wissensnetzwerk bei Kindern weniger ausgeprägt ist. Dennoch können sie sich durch ihr schneller gewecktes Interesse an ihrer Umwelt besser in Lernprozessen zurecht finden. Verknüpft man die Dinge, für die sich das Kind ohnehin interessiert also mit einem Reiz, der mit einem Appell – beispielsweise das Lernen von Methoden, Regeln oder Techniken – verbunden ist, ist es gleichsam einfacher, das Kind dazu zu bewegen, Interesse am Inhalt dieses Appells zu entwickeln.
In der Erziehung und Bildung kann dies helfen, dem Kind anhand seiner Interessen Dinge zu vermitteln, deren Kenntnis man als für das Kind relevant erachtet.
Gleichzeitig sorgt eine weite Palette von Reizen in der Kindheit dafür, dass schon frühzeitig viele Interessen ausgebildet werden. Entsprechend vorteilhaft ist dies in späteren Jahren, da Interessen ja zu positiven emotionalen Erlebnissen führen. Desto mehr Dinge man positiv bewertet, desto besser ist dies für das eigene Wohlbefinden.
Interessen, die schon als Kind angelegt und intensiviert werden, sind nicht selten auch im Alltag eine zuverlässige und gern ausgelebte Stütze.
Ansonsten steht auch in einem beliebigen Alter ein Entstehen von Interesse nichts im Wege, sofern man nicht krankhaft desinteressiert an seiner Umwelt ist. Allerdings führen Vorurteile, persönliche Erfahrungen und Verknüpfungen von Reizen mit bereits Erlebten häufiger dazu, dass Reize im Vorfeld negativer bewertet werden.
Gleichzeitig können einem Wissen und Erfahrung dabei unterstützen, Interessen auszubauen und mit anderen Aspekten zu verknüpfen. Das Kennenlernen von neuen Reizen über den Kontext bereits bestehender Interessengebiete ist schnell und einfach möglich.

Funktionen & Aufgaben von Interesse

Interesse erfüllt als Filter und als Teilsteuerungsprozess unseres Verhaltens ein paar wichtige Funktionen. Ohne Interessen wäre unsere Zurechtfindung in der Umwelt erheblich kompliziertet. Ähnlich wie Assoziation erfüllt Interesse eine wichtige Rolle im Wahrnehmungsprozess, indem Schlüsselreize unsere Aufmerksamkeit lenken. Dies führt zur selektiven Wahrnehmung, ohne die wir ständig mit vielen Umweltreizen gleichzeitig bewusst umgehen müssten.

Selektive Wahrnehmung

Die selektive Wahrnehmung ist wichtig für den Menschen. Dadurch, dass wir nur Reize bewusst verarbeiten und vieles in unserer Umgebung ausblenden oder durch Automatismen bewältigen, bleibt uns Hirnkapazität zum bewussten Denken. Dies beinhaltet unsere Fähigkeit zur Reaktion nach Abwägung von Argumenten und auch dazu, Dinge zu bewerten.
Da uns unsere Interessen dazu bringen, bestimmten Reizen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wird unsere Sicht auf die Welt noch ein wenig mehr gefiltert. Dies kann – je nach Umstand – positiv oder negativ sein. Auf jeden Fall befreit uns die selektive Wahrnehmung davon, rein auf Basis von Reflexen und Instinkten zu handeln.

Interesse und Erinnerung

Da das Wahrnehmen von Reizen und auch die Bildung von Interesse über den Hippocampus laufen, welcher wiederum maßgeblich daran beteiligt ist, ob und wie Dinge in das Langzeit- bzw. Kurzzeitgedächtnis gelangen, beeinflussen unsere Interessen unser Gedächtnis sehr stark.
Die überproportionale Wahrnehmung von interessanten Reizen sorgt entsprechend dafür, dass sie stärker in uns gepeichert werden. Unsere Erinnerungen werden dementsprechend aufgebaut und es fällt uns leichter, uns Dinge zu merken, die sich mit unseren Interessen decken. Dabei bewirkt Desinteresse einen genau gegenteiligen Effekt.

Interesse im Alltag

Langfristige und koordinierte Interessen bestimmen maßgeblich, wie Menschen zusammenarbeiten und kommunizieren. Dadurch, dass ein Interesse an etwas auch etwas Abstraktes wie eine Zielsetzung sein kann, kann die Interessenslage der Beteiligten dazu genutzt werden, gemeinsam dieses Ziel zu erreichen.
Dabei ist es wichtig, dass das Interesse an dieser Sache aufrecht erhalten wird. Dabei werden normalerweise ebenfalls abstrakte Reize, wie zum Beispiel Versprechungen, die sich aus den Auswirkungen des Zieles ableiten lassen, verwendet.
Persönliche Interessen gehen also auch weit über Hobbys und die Arbeit hinaus. Sie sind auch auf einer emotionalen Ebene relevant. Beispielsweise liegt es im Interesse der meisten Menschen, Glücksgefühle zu erfahren. Um dies zu können, müssen sie gewisse Dinge tun. Sie verfolgen also ein Interesse.
Da es bei Interesse meist um Mechanismen geht, die durch positive konnotierte Gefühle und hohe Anteilnahme an etwas stehen, kann man auch davon sprechen, dass Egoismus eine Form von Interessenverfolgung darstellt.
Da wir auf bestimmte Reite reagieren und dies meist damit einhergeht, dass dieses Interesse weiter von uns ausgelebt wird, können so Rückkopplungseffekte entstehen.
Umgekehrt kann das Interesse an Dingen auch versiegen, weil sich andere Faktoren wie Laune, Wissensstand, etc. ändern. Dies ist völlig normal.

Krankheiten & Beschwerden, die einen Einfluss auf das Interesse haben

Das totale Desinteresse an der Umwelt und allen Reizen, die sie aussendet, nennt man Apathie. Dabei kann Interesse nicht mehr geweckt werden. Entsprechend ist apathische Mensch antriebslos, reaktionsträge und vermindert ansprechbar, weil er keinerlei Anteilnahme an seiner Umwelt mehr verspürt.
Apathie kann unter anderem auftreten bei:

Zudem liegt Apathie häufig in Verbindung mit anderen Symptomen wie Appetitlosigkeit und Emotionslosigkeit vor.
Apathie kann, je nach Ursache, wieder verschwinden. Bei Demenzerkrankungen sowie Autismus sind dies aber meist dauerhafte Zustände, die nur gelegentlich vom Betroffenen durchbrochen zu werden scheinen. Ein Reizen dieser Personen durch Objekte oder Menschen kann unterschiedlich erfolgreich sein. Es bleiben aber dennoch zumeist ein paar Schlüsselreize, die Betroffene zu interessierten Reaktionen bewegen.

Das Interesse einschränken können diverse Arten der Depression, Infektionskrankheiten und vorübergehend getrübte Launen. Verliert ein Mensch das Interesse an Dingen, denen er sonst gern nachgegangen ist, schlagartig, und kehrt dieses Interesse nicht zurück, ist dies dennoch ein Grund zur Sorge und sollte beobachtet werden.
Auch unfokussiertes Interesse, sowie ständig wechselnde Interessen können Symptome sein. So können Aufmerksamkeitsdefizite damit einhergehen, dass bestimmte Reize überproportional beachtet werden und mitunter schnell abzulenken vermögen. Daraus erwächst aber meist nur ein kurzfristiges (situatives) Interesse, das es nicht vermag, eine dauerhafte Resonanz auf die entsprechenden Reize zu erzeugen.
Dabei ist dies von Fall zu Fall unterschiedlich. Ist es dauerhaft nicht möglich, Interessen über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten und werden eigentlich bestehende Interessen immer wieder schnell von nahezu beliebigen anderen Reizen unterbrochen, dann liegt höchstwahrscheinlich ein Problem mit der Aufmerksamkeitsspanne vor.

Fragen & Antworten zum Interesse

Ist Interesse nur dem Menschen eigen?
Nein. Wir wissen von vielen Tieren, die aufgrund ihrer Fähigkeit zu Bewusstsein und auch zum Denken, Dinge untersuchen. Sie reagieren dann auch darauf, wenn diese Dinge wieder in ihrer Umwelt auftauchen. Dabei sind – wie bei Menschen – Dinge unterschiedlich interessant für verschiedene Tiere und auch einzelne Individuen.

Lernt man durch Interesse oder interessiert man dich durch das Lernen?
Beides. Es ist einfacher, anhand von Interesse zu lernen. Aber das Lernen ist ja keine gradlinige Angelegenheit. Die Verzweigungen führen einen ganz automatisch in neue Felder ein – die dann aufgrund der Verknüpfung mit bereits positiv konnotierten Interessen gleich viel attraktiver scheinen.

Wie kann man apathische Menschen für etwas interessieren?
Bei apathischen Menschen kann es helfen, Reize zu verwenden, die Dingen entsprechen, die vor dem Eintreten der Apathie besonders interessant waren. Auch hilft eine Kenntnis der besonders ausgeprägten Erinnerungen der apathischen Person. Hier kann angeknüpft werden.

Unser Fazit zum Interesse

Interesse steuert uns und unser Verhalten maßgeblich. Dabei steigt unsere Fähigkeit, zu handeln und zu denken mit der Anzahl der Dinge, die wir bewusst wahrnehmen können – also mit der Anzahl der Dinge, für die wir uns interessieren.
Offen an neue Reize heranzugehen und neue Interessen zu entwickeln, kann deshalb dabei helfen, auch den kleinen Dingen im Alltag immer mal wieder etwas Positives abzugewinnen.

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