PSEN1

Auch bekannt als:

PS1, PS- 1, AD3, Presenilin 1, S182
Bezeichnung: PS1, psen1-Genmutation
Ähnliche Tests: ApoE Genotypisierung, Tau/Aß42


Auf einen Blick

Warum wird psen1 untersucht?

Zum Nachweis von seltenen Mutationen des psen1-Gens, das mit der früh auftretenden AlzheimerErkrankung (EOFAD = Early Onset Familial Alzheimer´s Disease) in Verbindung steht.

Wann sollte man psen1 untersuchen lassen?

  • Bei Erwachsenen mit Symptomen einer Demenz und einer positiven Familiengeschichte der EOFAD (Alzheimer Erkrankung, die vor dem 60.– 65. Lebensjahr beginnt; Abkürzung engl. early onset Alzheimer disease) oder
  • bei Erwachsenen ohne Symptome mit einer bekannten psen1-Genmutation (und EOFAD) in der Familie.

Aus welchem Probenmaterial wird psen1 durchgeführt?

Die Bestimmung de psen1 Genmutation erfolgt aus einer Blutprobe aus einer Armvene.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Dieser Test sucht nach Mutationen des psen1-Gens, die mit der früh auftretenden familiären Alzheimer-Erkrankung (EOFAD) assoziiert sind. Obwohl die Alzheimer-Erkrankung (AD) meist nach dem 65. Lebensjahr auftritt (late onset) sind 5-10 % der Erkrankten jünger als 65 Jahre. Die meist früh auftretende AD ist familiär bedingt (innerhalb einer Familie durch eine Genmutation weitergegeben). Bis heute wurden Genmutationen in drei unterschiedlichen Genen gefunden (in APP, dem Gen für das Amyloid-Vorläuferprotein und psen1 oder PSEN2, den Genen für Präsenilin 1 und Präsenilin 2), die mit der EOFAD assoziiert sind, wobei Mutationen in allen drei Genen sehr selten vorkommen. Die psen1-Genmutationen treten am häufigsten auf und kommen bei circa der Hälfte der EOFAD-Fälle vor.

Da die psen1-Genmutationen autosomal-dominant vererbt werden, ist bereits eine Kopie der Mutation, von Vater oder Mutter übertragen, ausreichend, um EOFAD auszulösen. Warum das psen1-Gen mit der EOFAD zusammenhängt, ist bis jetzt nicht bekannt. Die Rolle des psen1-Gens und die Funktion von Presenilin 1 (das durch das psen1-Gen kodierte Protein) werden immer noch erforscht und sind noch nicht ganz geklärt. Die psen1-Genmutationen sind selten. Es wurden bis heute circa 40 Mutationen dieses Gens nachgewiesen, die jedoch auf 50 verschiedene Familien weltweit begrenzt sind.

Die psen1-Genmutationsanalyse ist neu und erfreut sich keiner großen Akzeptanz. In der heutigen Form kann der Test nur circa 30-60 % der durch psen1-Genmutationen hervorgerufenen EOFAD nachweisen. Die Analyse gelingt eher bei bereits bekannter psen1-Genmutation in der Familie.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Aus einer Armvene wird eine Blutprobe entnommen.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Die psen1-Genmutationsanalyse wird bei asymptomatischen und symptomatischen Patienten, die eine bekannte Familiengeschichte der EOFAD, vor allem bei einer bereits bekannten psen1-Genmutation eingesetzt. Der Test kann bei der Differentialdiagnose der früh auftretenden AD behilflich sein (zur Abgrenzung von z.B. früher Demenz), aber gewöhnlich nur bei einer bekannten EOFAD in der Familie. Selten wird psen1 auch pränatal eingesetzt, wobei gemeinsam mit einer allgemeinen genetischen Untersuchung das Risiko der Vererbung der psen1-Genmutation bestimmt wird.

Wann wird der Test angefordert?
Der Test wird normalerweise bei asymptomatischen und symptomatischen Erwachsenen mit einer bekannten EOFAD in der Familie eingesetzt, vor allem bei häufigen EOFAD in verschiedenen Generationen (vor allem in drei Generationen) und bei mehreren betroffenen Familienangehörigen. Der Test ist nicht für das generelle Screening der Gesamtpopulation und die spät auftretende AD geeignet.

Was bedeutet das Testergebnis?
Bei Vorliegen einer der psen1-Genmutationen entwickelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine EOFAD, die gewöhnlich im gleichem Alter auftritt, in dem die anderen betroffenen Familienmitglieder erkrankt sind. Die Penetranz des Gens (Symptome, Schweregrad und Voranschreiten der Erkrankung) kann sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Bei einer bekannten psen1-Genmutation wird die Mutation, weil sie dominant vererbt wird, an 50 % der Kinder weitergegeben.

Es sollte daran erinnert werden, dass durch die psen1-Genmutationsanalyse in ihrer heutigen Form nur 30-60 % der durch psen1-Mutation bedingten EOFAD nachgewiesen werden können. Bei einem negativen Testergebnis besteht somit trotzdem die Möglichkeit, dass eine nicht identifizierte Mutation vorliegt.

Gibt es Weiteres, das ich wissen sollte?
Die psen1-Genmutationen sind meist nur familiär bedingt und stehen in keiner Verbindung zu der spät auftretenden Alzheimer-Erkrankung. Nur wenige psen1-Genmutationen treten ohne eine bekannte familiäre Belastung auf und können durch eine Neumutation, eine ungeklärte Vaterschaft oder eine noch unbekannte familiäre Belastung über ein betroffenes Familienmitglied, das vor Aufreten der Symptome einer EOFAD stirbt, bedingt sein.

Der psen1-Test ist eine neue, relativ teure Untersuchung, die selten eingesetzt wird und einen beschränkten Nutzen hat. Er wird nur in wenigen Laboratorien weltweit durchgeführt, sodass bei Notwendigkeit der Untersuchung die Blutprobe in ein Referenzlabor gesendet werden muss und es somit mehr Zeit erfordert, bis das Testergebnis vorliegt.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Für die Untersuchung ist EDTA-Blut geeignet (ca. 2 ml). Die EDTA-Blutproben sind bei -20° C nahezu unbegrenzt haltbar (länger als ein Jahr), bei + 4° C verschlossen sieben Tage, bei Zimmertemperatur zwei Tage.

Referenzbereich
Kein Nachweis einer Sequenzvariation bzw. einer Mutation im psen1-Gen nach Genotypisierung.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Keine spezifischen Störfaktoren bekannt. Siehe allgemeine Störfaktoren molekularbiologischer Verfahren.
Da genetische Untersuchungen einen besonders schützenswerten Bereich des menschlichen Persönlichkeitsrechts berühren, ist bei Anforderungen dieser Untersuchungen eine Aufklärung des Patienten und Einholung einer Einverständniserklärung erforderlich. Entsprechende Formblätter und Anforderungsformulare können bei humangenetischen Laboren angefordert werden.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle

Für die Bestimmung des psen1-Genotyps besteht entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) keine Ringversuchspflicht (Teilnahme an externen Ringversuchen). Regelmäßige interne Kontrollen sowie die Bestimmung der Richtigkeit und Präzision sind unabdingbar.


Häufige Fragen

1. Kann bei Patienten, bei denen eine Frühform der Alzheimer-Erkrankung auftritt, die Genmutation ohne Bluttest nachgewiesen werden?

Nein, da die Symptome der EOFAD, der sporadisch und früh auftretenden Alzheimer-Erkrankung bis auf das Alter, indem sie auftreten, gleich sind. Eine genetische Mutation kann nicht durch Beurteilung der Symptome diagnostiziert werden. Bei einer positiven Familiengeschichte der EOFAD und besonders bei bereits nachgewiesener Genmutation in der Familie wird bei Verdacht auf eine genetische Erkrankung ein Bluttest zum Nachweis durchgeführt.

2. Gibt es andere Mutationen, die EOFAD verursachen, und gibt es Nachweismethoden?
PSEN2 und APP (amyloid precursor protein) sind Genmutationen, die ebenfalls mit der EOFAD in Verbindung gebracht werden. Der PSEN2-Test steht zur Verfügung; dagegen ist der APP-Test noch in der Entwicklung. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass die PSEN2- und APP-Genmutationen sehr selten sind und in sehr kleiner Zahl bei bestimmten Familien gefunden werden.

 

Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Leitlinien Alzheimer: https://www.dgn.org
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (Selbsthilfe Demenz): https://www.deutsche-alzheimer.de

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