ApoE Genotypisierung

Auch bekannt als:

Bemessung des Risikos einer Herzerkrankung, Cholesterin, ldl, hdl, Lipid Profil, Triglyzeride, Tau/A?42
Bezeichnung: Apolipoprotein E Genotypisierung
Ähnliche Tests: hdl, ldl, Lipidprofil, Triglyzeride, Tau/Aß42, Kardiale Risikobestimmung


Auf einen Blick

Warum wird der ApoE Genotyp untersucht?

  • Zum Auffinden einer möglichen genetischen Komponente bei Atherosklerose
  • Zur Unterstützung bei der Entscheidung über eine Behandlung eines Patienten mit einer kardiovaskulären Erkrankung
  • Als Hilfsmittel zur Diagnose einer möglichen spät ausbrechenden Alzheimer Erkrankung bei einem Symptome aufweisenden Erwachsenen
  • Um bei der Bestätigung der Diagnose einer Typ III Hyperlipoproteinämie zu helfen (auch bekannt als familiäre Dysbetalipoproteinämie)

Bei welchen Erkrankungen sollte der ApoE Genotyp untersucht werden?

  • Wenn der Arzt eine erbliche Hyperlipoproteinämie vermutet (hohe Konzentrationen von Cholesterin und Triglyzeriden) oder bei Auftreten von Xanthomen (gelben Läsionen) auf der Haut
  • Im Rahmen der Differentialdiagnostik der Demenz im Alter und zur Bestimmung der Wahrscheinlichkeit einer zugrunde liegenden Alzheimer Erkrankung

Aus welchem Probenmaterial wird der ApoE Genotypisierungs Test durchgeführt?

Venöse Blutprobe aus dem Arm


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Der Test untersucht die dna des Patienten, um zu bestimmen welche Kombination von apoE Genallelen („Kopien“) er oder sie besitzt. Das apoE Gen tritt in drei verschiedenen Formen auf – e2, E3 und E4 – wobei E3 als die „Normalform“ (Wildtyp) angesehen wird. Jeder Mensch hat ein Paar von apoE Genen, das eine Kombination dieser drei Formen ist.
Das apoE Gen steuert die Produktion von Apolipoprotein (Apo) E, welches eine der fünf Hauptarten von Lipoproteinen im Blut (A-E) ist. Es wird hauptsächlich in der Leber und im Gehirn hergestellt und hat zwei wichtige Aufgaben im Stoffwechsel:

  1. Transport von Lipiden von ihrem Ort der Synthese oder Aufnahme zu den Geweben, in denen Lipide gespeichert oder ausgeschieden werden und
  2. Transport von Lipiden, insbesondere Cholesterin, von den peripheren Organen zur Leber zwecks Ausscheidung.
    ApoE verändert auch die Aktivität von Enzymen, die am Lipid- und Lipoprotein-Stoffwechsel beteiligt sind.

ApoE E3/E3 ist der häufigste Genotyp (62% der Bevölkerung) und hat keine signifikante Assoziation mit kardiovaskulären Erkrankungen. ApoE E4 (E4/E4 und E4/E3, 25% der Bevölkerung) ist assoziiert mit einem erhöhten Risiko für Atherosklerose. Diese Patienten haben eine Prädisposition für einen übermäßigen Anstieg von ldl-C bei einer Ernährung die reich an gesättigten Fettsäuren ist. Patienten mit der ApoE e2 Isoform neigen zu niedrigen ldl-C Werten. ApoE e2 und ApoE E4 sind beide verbunden mit erhöhten Triglyzeride Werten. Bei einer e2/e2 Kombination kann es zu einer verlangsamten Ausscheidung von aufgenommenen Fetten kommen und damit zu einem höheren Risiko für eine frühe vaskuläre Erkrankung. Bei E4/E4 könnte ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Atherosklerose vorliegen. Allerdings ist die Diagnose kompliziert, da auch andere Faktoren wie Fettleibigkeit, Diabetes und Schilddrüsenunterfunktion eine Rolle dabei spielen können, ob der Patient tatsächlich eine Krankheit entwickelt oder nicht.
ApoE E4 wurde auch in Verbindung gesetzt mit einem größeren Risiko für einen Typ der Alzheimer Erkrankung, der erst im Alter von über 65 Jahren auftritt. Dieser Effekt ist insofern kumulativ, das Risiko Alzheimer zu entwickeln ist bei zwei Kopien (E4/E4) höher als bei einer Kopie. Man muss jedoch berücksichtigen, dass dieses Risiko nur relativ ist: Die meisten Personen mit ApoE4 werden niemals Alzheimer bekommen und es gibt viele Alzheimer Patienten, die E4 negativ sind.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Mittels einer Kanüle wird eine venöse Blutprobe aus dem Arm entnommen.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?Bei kardiovaskulären Erkrankungen

Die ApoE Genotypisierung wird manchmal als Teil von Folgeuntersuchungen eingesetzt, wenn hohe Cholesterin oder Triglyzeride Werte festgestellt wurden, um zu untersuchen ob die abnormen Lipid Werte eine genetische Ursache haben. Der Test wird nicht häufig verwendet, kann aber bei einer Untersuchung z.B. in Kombination mit anderen Tests wie der Lipoprotein Elektrophorese angefordert werden.
Im Falle hoher Cholesterin und Triglyzeride Werte sind für gewöhnlich Statine die Behandlung der Wahl bei kardiovaskulären Erkrankungen. Statine sind jedoch bei einigen Individuen keine ausreichende Therapie, da es eine große Variabilität beim Ansprechen auf Lipid-senkende Medikamente gibt – teilweise begründet durch den Einfluss des ApoE Genotyps. Aufgrund der genetischen Variation, die die Konzentration des Lipoproteins im Plasma beeinflusst, lässt sich eine Therapieantwort vorhersagen, mit deren Hilfe man auf eine individuelle Ernährungsempfehlung hinzielen kann. Trotz einer adäquaten Reaktion auf eine fettarme Diät Sprechen Personen mit ApoE E4 weniger wahrscheinlich auf Statine  mit einem angemessenen ldl-C senkenden Effekt an. Im Gegensatz dazu sprechen ApoE e2 Individuen auf eine Therapie mit Statinen besser an. So betrachtet kann die ApoE Genotypisierung zu einem personalisierten Medikamentenantwort-basierten Therapie-Entscheidungsbaum für kardiovaskuläre Erkrankungen führen.

Bei Alzheimerscher Krankheit
Die ApoE Genotypisierung wird gelegentlich als Zusatztest bei der Differential-diagnose eines Typs der Alzheimerschen Krankheit mit spätem Beginn eingesetzt. Dieser Test wird als Prädispositons- oder Risikofaktor-Test bezeichnet, da er ein erhöhtes Risiko für Alzheimer angibt, es ist aber kein spezifischer Nachweis für Alzheimer. Bei einem Patienten mit Demenz erhöht sich bei Vorhandensein von ApoE4 daher die Wahrscheinlichkeit, dass die Demenz durch Alzheimer verursacht wird. Es existieren zur Zeit keine eindeutigen Tests zur Diagnose von Alzheimerscher Krankheit zu Lebzeiten. Mediziner können jedoch trotzdem eine einigermaßen akkurate klinische Diagnose von Alzheimer stellen, indem sie andere mögliche Ursachen der Demenz ausschließen und auf eine genetische Prädisposition für Alzheimer testen (mit der ApoE Genotypisierung, eventuell in Verbindung mit Tau/A?42 Untersuchungen).

Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Die ApoE Genotypisierung wird gelegentlich angefordert, wenn

  • ein Patient deutlich erhöhte Cholesterin und Triglyzeride Werte aufweist, die sich nicht durch Veränderungen der Lebensgewohnheiten (Ernährung und Bewegung) senken lassen;
  • Familienmitglieder ApoE e2/e2 sind und der Arzt feststellen möchte, ob für den Patienten ein höheres Risiko einer frühen Herzerkrankung bestehen könnte oder
  • ein Patient mit Xanthomen (gelblichen Läsionen) auf der Haut vorstellig wird und der Arzt eine Typ III Hyperlipoproteinämie vermutet.

Manchmal wird die ApoE Genotypisierung auch durchgeführt als zusätzlicher Test bei Patienten mit Symptomen fortschreitender Demenz, wie abnehmende intellektuelle Fähigkeiten und Sprachfertigkeiten, Gedächtnisverlust und Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens, die beginnen das tägliche Leben zu beeinflussen. Nach dem Ausschließen von anderen Ursachen wie Übermedikation, vaskulärer Demenz (verursacht durch Schlaganfall) und Schilddrüsenerkrankung kann die ApoE Genotypisierung helfen die Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, dass die Demenz durch Alzheimersche Krankheit hervorgerufen wird.

Was bedeutet das Testergebnis?
Der Wildtyp bzw die Normalvariante des ApoE ist E3/E3.
Patienten mit ApoE e2/e2 Allelen haben ein höheres Risiko für frühzeitige Gefäßerkrankungen, aber sie könnten auch nie erkranken. Ebenso kann jemand die Krankheit haben der keine e2/e2 Allele trägt, da dieses nur einer der beteiligten Faktoren ist.
ApoE e2/e2 ist aasoziiert mit Hyperlipoproteinämie Typ III (familiäre Dysbetalipo¬proteinämie), obwohl die Diagnose in Verbindung mit anderen Testergebnissen und der klinischen Vorgeschichte des Patienten gestellt werden muss.
ApoE E4/E4 ist assoziert mit Atherosklerose und einem spät einsetzenden Typ der Alzheimerscher Krankheit. Viele Personen mit E4 Allelen werden niemals an Alzheimer erkranken. Von den symptomatischen Patienten mit dem spät einsetzenden Typ der Alzheimerschen Krankheit lhaben nur etwa 60% ApoE E4 Allele.
ApoE E3 besitzt einen „normalen“ Lipid-Stoffwechsel, der Genotyp hat keine Auswirkungen.

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Obwohl die ApoE Genotypisierung in der Klinik von Alzheimer Experten verwendet wird, kann sie zurzeit lediglich Zusatzinformationen über einen Patienten mit Demenz liefern. Eine definitive Diagnose einer Alzheimerschen Krankheit kann nur durch die Untersuchung von Gehirngewebe nach dem Tod getroffen werden.
Nicht jedes Laboratorium führt ApoE Genotypisierung durch. Empfiehlt der Arzt diesen Test wird die Probe möglicherweise in ein Speziallabor eingesendet und die Ergebnisse brauchen dementsprechend länger bis sie eintreffen.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Die EDTA-Blutproben sind bei – 20 °C nahezu unbegrenzt haltbar (länger als 1 Jahr), bei + 4 °C  verschlossen 7 Tage, bei Zimmertemperatur 2 Tage

Referenzbereich
Der Wildtyp ist ApoE E3/E3.

Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Keine spezifischen Störfaktoren bekannt. Siehe allgemeine Störfaktoren molekularbiologischer Verfahren.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Für die Bestimmung des ApoE Genotyps besteht entsprechend der Richtlinien der Bundesärztekammer (RILIBÄK) keine Ringversuchspflicht (Teilnahme an externen Ringversuchen). Interne Kontrollen sowie die Bestimmung der Richtigkeit und Präzision müssen selbstverständlich regelmäßig durchgeführt werden.


Häufige Fragen

1. Bei meinem Vater wurde eine mögliche spät einsetzende Alzheimersche Krankheit diagnostiziert und sein ApoE Test ist negativ für E4 Allele. Sollten weitere genetische Tests durchgeführt werden?

Nein, derzeit nicht. 40% der an spät einsetzendem Alzheimer Erkrankten sind negativ für ApoE E4 Allele. Einige genetische Mutationen der Preseniline psen1, PSEN2 und des Amyloidprecursorproteins APP stehen bei einer sehr kleinen Zahl von spezifischen Familienlinien in Verbindung mit Alzheimer, allerdings mit früh einsetzendem Alzheimer, nicht spät auftretendem. Sollte Ihr Vater bis zu einem Alter von über 65 Jahren keine Anzeichen von Alzheimer gezeigt haben, so sind diese weiteren genetischen Tests nicht angebracht. (Bei einer weitreichenden Familiengeschichte mit Alzheimerscher Krankheit von mehreren betroffenen Familienmitgliedern über mehrere Generationen wäre ein Gespräch mit dem Arzt über familiäre Risikofaktoren sinnvoll.)

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (101 Stimmen, Durchschnitt: 4,91 von 5)
Loading...
Top