Polnische Pflegekräfte

Polnische Pflegekräfte als Alternative zum Pflegeheim

Was vor 40 bis 50 Jahren noch selbstverständlich war, kann heute kaum noch ein Kind leisten: Die eigenen Elternbis ins hohe Alter zu pflegen ist kaum machbar, wenn man nicht gerade um die Ecke wohnt und vielleicht selbst noch schulpflichtige Kinder hat und einer Vollzeitstelle nachgehen muss. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem Angehörige darüber nachdenken müssen, wer ihre Mutter oder ihren Vater künftig pflegen soll.

Wer es selbst nicht leisten kann oder möchte, kann auf polnische Pflegekräfte zurück greifen. Sie gelten als günstige Alternative zu einer Unterbringung in einem Pflegeheim. Allerdings ist es nicht jeder betroffenen Person möglich, diesen Umstand zu akzeptieren. Fingerspitzengefühl darf bei der Entscheidung nicht fehlen. Worauf kommt es bei der Wahl an und was kosten polnische Pflegekräfte in etwa?

Worum geht es bei polnischen Pflegekräften?

Wie der Name bereits ankündigt stammen polnische Pflegekräfte aus Polen. Sie haben ihren Lebensmittelpunkt in Polen, dort lebt ihre Familie und sie kommen immer nur für wenige Monate am Stück nach Deutschland. Hier arbeiten sie dann als Pflegekraft in einer Familie, d.h. direkt im Haushalt der zu pflegenden Person selbst. So ist eine 24-Stunden-Betreuung zu ermöglichen, denn die Pflegekraft ist rund um die Uhr da: Sie pflegt die Person nicht nur, sondern kann auch den Haushalt versorgen: Kochen, putzen und Erledigungen machen. Wie intensiv sich die Betreuung aber gestaltet ist individuell festzulegen. Der Vorteil für die polnische Pflegekraft ist dabei, dass sie in Deutschland ein weitaus höheres Gehalt zu erwarten hat als bei der Ausübung der selben Tätigkeit in Polen. Und die Angehörigen in Deutschland wiederum profitieren von niedrigen monatlichen Kosten, die weit unter dem Betrag für die Unterbringung in einem Pflegeheim liegen.

Es handelt sich also um eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Aber der Einzug einer zunächst völlig fremden Person in den eigenen Haushalt ist alles andere als einfach; viele Betroffene mögen die Nähe nicht und wollen sich nicht an die Pflegekraft gewöhnen. Weil diese auch immer da ist und plötzlich in die eigene Privatsphäre eindringt, muss sehr genau überdacht werden, ob es sich bei der Pflegekraft im eigenen Haushalt wirklich um die beste Wahl handelt. Manchmal lehnen Betroffene dies strikt ab und möchten nicht, dass jemand anders in ihrer Küche hantiert oder sie wäscht. Das muss man als Angehöriger akzeptieren, auch wenn es schwer fällt. Oft lohnt sich aber auch eine Situation zunächst einmal auszuprobieren und sich auf eine Testphase von einigen Wochen mit den Betroffenen zu einigen, sodass wenigstens die Chance besteht, dass man sich aneinander gewöhnen kann. Häufig ändert sich die Meinung dann und die neue Mitbewohnerin in Form der Pflegekraft wird auch schnell so etwas wie eine gute Freundin. Viele Angehörige fühlen sich außerdem sicher, wenn auch nachts immer jemand da ist. Diese intensive Betreuung wäre sonst nur in einem Pflegeheim möglich.

Weshalb sich viele für eine polnische Pflegekraft entscheiden

Viele Menschen fürchten sich im hohen Alter auch davor, plötzlich nicht mehr in den eigenen vier Wänden leben zu können. Wer auf einmal in ein Pflegeheim umziehen muss, wird sich sein Zimmer mit anderen teilen müssen und sich zunächst fremd fühlen. Viel schöner ist da die Vorstellung, einfach im eigenen Haus oder der Wohnung bleiben zu können und dort betreut zu werden. Wenn die eigene Familie aber dies nicht leisten kann, muss eine Pflegekraft gefunden werden. Das klingt vielleicht einfach, ist es aber gar nicht, denn diese Person soll von heute auf morgen zum neuen Mitbewohner werden. Einigen Menschen werden im Alter etwas schwierig, sind nicht offen für Neues. Wenn es die Situation aber erfordert, wird eine Familie kaum eine andere Wahl haben als sich auf eine Form der Pflege zu einigen. Wenn „alleine sein“ nicht mehr möglich ist, muss eine Lösung gefunden werden. Die polnische Pflegekraft im eigenen Haushalt ist sicherlich eine Form, mit der viele ältere Menschen gut umgehen können, weil sie sich trotz aller Umstände wenigstens noch in ihrem eigenen zu Hause aufhalten können. Das gibt Sicherheit. Für die Kinder wiederum ist es zusätzlich praktisch, denn sie können ihre Mutter oder ihren Vater nach wie vor zu Hause besuchen und müssen nicht in ein weit entferntes Pflegeheim fahren. Zusätzlich können die Angehörigen natürlich dennoch unterstützen, wo sie können und möchten: Einkaufen oder Besorgungen machen ist vielleicht auch neben dem Job und den eigenen Kindern machbar.

So findet man eine polnische Pflegekraft

Wer nach einer polnischen Pflegekraft sucht, sollte zwingend darauf achten, dass diese auch offiziell in Deutschland arbeiten darf. Im Idealfall findet man die Pflegekraft über eine Agentur oder einen Vermittler. Im Internet gibt es zahlreiche Anbieter, die eine Suche in der Umgebung ermöglichen – Allerdings kostet das natürlich auch etwas, meist in Form einer Art Vermittlungsprovision. Alternativ lohnt es sich auch die Krankenkasse zu kontaktieren und dort nachzufragen, ob eventuell ein Pool aus Pflegekräften zur Verfügung steht. Ist die Person gefunden, so folgt nun meist ein etwas aufwändiger Papierkram, der schlicht nötig ist, damit auch alles geregelt ablaufen kann. Schließlich ist der Pflegeberuf nicht einfach so für jeden Menschen auszuführen und Kenntnisse und Wissen muss auch nachgewiesen werden. Die Angehörigen möchten selbst auch die Gewissheit haben, dass jemand am Werk ist, der genau weiß was er tut und im Ernstfall richtig reagieren kann. Ansonsten entscheidet eben auch das Bauchgefühl. Zwischen der Pflegekraft, der zu pflegenden Person und den Angehörigen muss die Chemie einfach stimmen. Jeder der Beteiligten muss sich mit der neuen Situation wohl fühlen, das gilt umgekehrt auch für die Pflegekraft. Sie muss schließlich in ihrer neuen Unterkunft auch lange leben und zwar rund um die Uhr.

So lange kann eine Pflegekraft bleiben

Da fast alle polnischen Pflegekräfte auch wenigstens für einige Wochen pro Jahr wieder zurück nach Hause möchten um dort „Urlaub“ zu machen und die eigene Familie wieder zu sehen, ist durchaus damit zu rechnen, dass die Betreuung auch unterbrochen werden muss. Meistens wird dann eine andere Pflegekraft zur Überbrücken bereit gestellt. Oft findet auch ein stetiger Wechsel statt. Viele Pflegekräfte bleiben maximal 3 Monate am Stück. Aber auch das könnte gegebenfalls nicht so einfach werden, denn es handelt sich eben wieder um eine völlig fremde Person. Die Umstellung für die zu betreuende Person könnte erneut schwierig werden. Vorab ist daher zwingend genau zu klären, wie lange die polnische Pflegekraft wirklich bleiben kann, wann sie nicht da ist und wer in dieser Zeit die Pflege stattdessen übernimmt. Eventuell kann diese Überbrücken auch die Familie selbst leisten, so dass die zu betreuende Person keine allzu große Umstellung erlebt. Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei der Entscheidung für eine bestimmte Pflegekraft nicht um eine dauerhafte Lösung handelt, denn sie wird sicherlich nicht über Jahre hinweg in Deutschland bleiben und die Pflege übernehmen können. Die Angehörigen sollten wissen, dass diese Person auch ausgetauscht werden wird und dann wieder eine Umstellung stattfindet. Nicht mit jeder polnischen Pflegekraft klappt alles gleich gut – Das ist völlig normal.


Das sollte eine polnische Pflegekraft leisten können

Es geht bei der Wahl der richtigen Pflegekraft nicht einfach nur darum, irgendjemanden zu finden, der eine Leistung übernehmen kann, die man gerne fremd vergeben möchte. Es geht viel mehr darum auch die richtige Person zu finden. Daher sind wichtige Überlegungen in die Entscheidung einzubeziehen.

  • Sprachliche Gegebenheiten (wie gut spricht die Pflegekraft Deutsch? Kann die zu pflegende Person sie verstehen und mit ihr kommunizieren?)
  • Wie lange kann die polnische Pflegekraft bleiben?
  • Durch wen wird sich anschließend wie reibungslos ersetzt?
  • Wie ist die Situation zu regeln, wenn eine Pflegekraft eventuell nicht zufriedenstellend arbeitet? (Ersatz? Überbrücken durch Pflege der Angehörigen?

Auch wenn es praktisch wäre: Leider klappt nicht immer alles reibungslos. So ist es durchaus möglich, dass es während der Betreuung Probleme gibt. Es könnte sein, dass die betreute Person Kritik äußert und sich nicht gut behandelt fühlt, es könnte aber auch sein, dass die Pflegekraft sich unwohl fühlt oder plötzlich abreisen muss. Für diese Fälle ist es immer wichtig, dass die Angehörigen einen Plan B haben. Im Notfall müssen sie nämlich wohl oder übel selbst einspringen, denn auch ein Platz in einem Pflegeheim ist nicht einfach so von heute auf morgen zu bekommen. Wichtig ist daher, dass die Agentur bzw. der Vermittler für den Notfall auch vorgesorgt hat und mit diesen Situationen kalkuliert, sodass man nicht plötzlich ohne Pflegekraft da steht.

Unabhängig davon gibt es aber einige Dinge, die eine polnische Pflegekraft in jedem Fall leisten können muss, damit sie als solche überhaupt zuverlässig arbeiten kann. Dazu zählt:

  • Gesundheits- und Krankenpflege (z.B. Blutdruck messen, Verbände wechseln oder Versorgung von Verletzungen)
  • Waschen und Ankleiden
  • Kochen
  • Organisation des Haushalts (Reinigung, Wäsche waschen, evtl. Einkäufe)

Die Pflegekraft muss ihre Kenntnisse außerdem nachweisen können. Ob sie eine medizinische Ausbildung, eine Weiterbildung oder ein Studium im Bereich der Pflege gemacht hat, ist relativ nebensächlich. Wichtig ist, dass sie alles erworben hat, was sie benötigt, um als Pflegekraft verlässlich arbeiten zu können. Ein Mindestmaß an medizinischen Kenntnissen ist daher auch wichtig. Es kann bei älteren Menschen, die körperlich nicht mehr fit sind, immer auch plötzlich Probleme geben und es ist wichtig, dass die betreuende Person genau weiß, wie sie wann zu reagieren hat.

Je nachdem wie der körperliche Zustand der angehörigen Person ist, kann es auch möglich sein, dass sie kurzfristig in ein Krankenhaus verlegt werden müssen. Natürlich kann eine Pflegekraft nicht rund um die Uhr funktionieren, denn auch sie benötigt Erholungspausen und muss in der Nacht schlafen. Sobald der Patient so viel Pflege erfordert, dass eine Person alleine dies nicht mehr leisten kann, ist die Pflege zu Hause kaum noch möglich. Dann muss ohnehin eine Alternative gefunden werden. Solange sich aber alle wohl fühlen, spricht nichts gegen eine dauerhafte Entscheidung für eine polnische Pflegekraft.

Fragen und Antworten zu polnischer Pflegekraft

 

Dürfen Angehörige einfach eine polnische Pflegekraft beauftragen?

Bei der Entscheidung muss der Mensch immer im Vordergrund stehen. Einfach eine neue Mitbewohnerin zu präsentieren, die nun die tägliche Pflege übernimmt, ist kein respektvoller Umgang. Die Entscheidung muss auch die Person mittragen, die es von allen am meisten betrifft. Das ist zwar gesetzlich nirgendwo verankert, ist aber eine moralische Verantwortung, die man als Angehöriger zu respektieren hat. Auch im hohen Alter haben Menschen verdient, dass man ihre Meinung respektieren und ihre Wünsche versucht möglichst umzusetzen. Notsituationen gibt es natürlich dennoch, die eine andere Lösung nicht möglich machen.

Wie kurzfristig ist eine polnische Pflegekraft zu bekommen?

Das geht relativ kurzfristig, wenn eine Agentur oder ein Vermittler beauftragt wird. Aber natürlich dennoch nicht von heute auf morgen. Mit etwa 14 bis 21 Tagen Vorlaufzeit muss man schon rechnen. Je nach Region kann es auch noch länger sein. Wer morgen eine Pflegekraft bekommt und in einer Notsituation ist, sollte sich zunächst einmal an gemeinschaftliche finanzierte Träger wenden, eventuell ist eine Hilfsleistung dort sofort möglich. Eine polnische Pflegekraft ist meist nicht innerhalb weniger Stunden verfügbar. Etwas Wartezeit gibt es fast immer.

Hat man als Angehörige die freie Wahl einer polnischen Pflegekraft?

Es wird jedenfalls nicht so sein, dass direkte Betroffene sich wie bei einem Casting eine geeignete Person einfach aussuchen können. Der Markt ist außerdem nicht so, dass unzählig viele polnische Pflegekräfte auf Arbeit warten. Die meisten Agenturen sind gut ausgelastet. Wenn aber natürlich eine Person aus verschiedenen Gründen nicht zusagt, ist es völlig problemlos möglich hierfür einen Ersatz anzufordern. Wie kurzfristig diese neue Pflegekraft dann aber wieder verfügbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Sollte es Probleme qualitativer Art geben („schlechte“ Pflegeleistung) so sollte dies natürlich niemals einfach so akzeptiert werden. Darunter leidet im schlimmsten Fall die Person, die betreut wird.

Was benötigt eine polnische Pflegekraft vor Ort?

Soll eine neue Person als Untermieter und Pflegekraft zeitgleich in eine Wohnung oder ein Haus einziehen, stehen ihr selbstverständlich genau die selbe Privatsphäre zu, wie man sie auch einem Gast bereit stellen würde. Sie braucht ein eigenes Bett, im Idealfall sogar ein eigenes Zimmer und sie braucht auch etwas Freiraum für sich. Ein Bett kann im Notfall aber auch im Wohnraum bereit gestellt werden. Nicht zumutbar ist beispielsweise, dass sie mit einer zu betreuenden Person gemeinsam in einem Doppelbett schläft oder eine Matratze auf dem Boden akzeptieren muss. Polnische Pflegekräfte sind keine Menschen zweiter Wahl: Man sollte sie auch in Bezug auf ihre Unterbringung so behandeln, wie man auch selbst gerne behandelt werden würde. Sie sollen sich wohl fühlen und müssen keine schlechte Unterkunft in vielerlei Hinsicht akzeptieren.

Unser Fazit zu polnischen Pflegekräften

Sie sind wesentlich günstiger als die Unterbringung eines Angehörigen in einem Pflegeheim. Dabei können gut mehrere tausend Euro pro Monat zusammen kommen. Zudem muss die zu pflegende Person nicht ihre gewohnten vier Wände verlassen. Das kann auch für die Angehörigen eine große Erleichterung sein, denn es fällt vielleicht nicht ganz so schwer, sich auf die neue Situation einzustellen. Es fühlt sich womöglich auch nicht danach an, als würde man eine geliebte Person einfach in die Pflege „abschieben“, denn sie kann ja weiterhin zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld leben. Dort kann sie von ihrer Familie, von Freunden und Bekannten genauso wie zuvor besucht werden. Das macht die neue Situation einfacher. Dennoch muss auch eine polnische Pflegekraft gefunden werden, die für alle Beteiligten passt. Es muss menschlich harmonieren und auch die neue Pflegekraft muss ihre Unterkunft mögen und sich wohl fühlen. Wenn am Ende alles stimmt, dann wird eine Pflegekraft aus Polen oftmals wie ein kleines Geschenk empfunden. Im besten Fall verstehen sich die zu betreuende Person und die Pflegekraft so gut, dass es mehr ist als eine oberflächliche Patient-Pfleger-Beziehung. Das jedenfalls wäre der ideale Fall, den man aber dennoch nicht voraussetzen oder gar erwarten kann. Letztendlich muss sich eine Familie auch darauf einstellen, dass die Pflegekraft aus Polen wechseln wird und nicht zwei, drei oder vier Jahre am Stück in ihrer Familie bleiben wird. Das sollte im Vorhinein klar sein und auch ein Plan B für eventuelle Zwischenfälle muss eine Familie frühzeitig klären. Denn es kann ja auch vorkommen, dass die polnische Pflegekraft krank wird oder plötzlich zu ihrer Familie nach Hause muss. Auch sie ist nur ein Mensch und auf ihr lastet natürlich viel Verantwortung. Sie „darf“ nicht ausfallen, denn ansonsten gerät die gesamte Pflege einer Person ins Wanken. Es kann aber immer etwas passieren, das so nicht vorhersehbar oder planbar ist. Diese Form der Zwischenfälle gibt es in einem Pflegeheim nicht, denn dort ist immer Personal verfügbar und die Angehörigen müssen nicht plötzlich einspringen. Wenn die Angehörigen sich aber gut ansprechen und im Ernstfall die Pflege als Überbrückung übernehmen können, spricht nichts gegen die polnische Pflegekraft. Wer um die Betreuung durch Dritte ohnehin nicht mehr herum kommt, wird sicherlich dankbar dafür sein, dass wenigstens das gewohnte zu Hause nicht plötzlich verlassen werden muss. Das bestärkt viele Familien außerdem in ihrer Entscheidung für eine polnische Pflegekraft.

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