Organisation

Die Organisation der Wahrnehmung
Handelt es sich bei der Organisation um einen Körperprozess, so ist ein Teilschritt der Wahrnehmung gemeint. Sie ist dafür verantwortlich, erste Sinneseindrücke zu serialisieren und einen ersten Sinn zu generieren. Bevor die Organisation eintritt, findet die Empfindung als primärer Sinneseindruck statt. Nach diesen beiden Schritten findet letztlich die Einordnung der Wahrnehmung statt. In unserem Ratgebertext befassen wir uns tiefgehend mit der Organisation der Wahrnehmung und Gehen zudem auf Krankheitsbilder und Beschwerden ein, die bei einer Störung dieses Prozesses auftreten können.

Was ist die Organisation?

Der Prozess der Wahrnehmung kann insgesamt in drei einzelne Stufen unterteilt werden, die Empfindung, die Organisation sowie die Einordnung. Hierbei entspricht die Empfindung den physiologischen Verläufen der Reizaufnahme durch die einzelnen Sinnesorgane. Als Organisation bezeichnet man den Übergriff des ersten geistigen Verarbeitungsprozesses der vorher aufgenommenen Reize. Diese primären Verarbeitungsprozesse auf kognitiver (geistiger) Ebene fügen einzelne Bestandteile zu einem zusammenhängenden und schlüssigen Gesamtsinneseindruck zusammen.

  • Empfindung
  • Organisation
  • Einordnung
  • Persönliche Einschätzung sowie Interpreation

Findet kein logischer Zusammenschluss statt, so kann die dritte Instanz nicht eingeleitet werden. Dank der Organisation ist es möglich, den Sinneneindrücken in dem Prozess der Einordnung eine kategorische sowie übergeordnete Bedeutung zu geben. Nach den Schritten der Organisation sowie der Kategorisierung tritt der Schritt der persönlichen Bedeutung. Dieser Schritt ermöglicht eine Einschätzung sowie Interpretation der Reize.

Funktion & Aufgabe

Erfolgt die Organisation, so gibt sie den primären Sinneseindrücken der Sinnesorgane erst einen Sinn. Die vom Mechanismus aufgenommenen Reize werden vom Gehirn erst zu einer sinnvollen Gestalt hin organisiert. An sich wird in einem Berg Chaos Ordnung geschaffen. Dies ist die genaue Aufgabe der Organisation. Die Reize, die wir über die Umwelt aufnehmen, sind ungeordnet. Der Mensch muss jedoch in dieser ungeordneten Umwelt überleben. Aus diesem Grund muss das Gehirn dafür sorgen, dass Licht in das Dunkel gebracht wird. Somit wird dem Menschen ein verstehbares sowie logisches Ganzes gegeben, wodurch Reaktionen erfolgen können. An sich lässt sich sagen, dass das Geordnete deutlich weniger Gefahren birgt als das Chaos. Somit ist das ordnen der einzelnen Sinneseindrücke lediglich ein Prozess, der das Überleben des Menschen sichern soll, indem Gefahrenquellen deutlich minimiert werden.

Was geschieht innerhalb des Organisationsprozesses?

Während des Organisationsprozesses Laufen unterschiedliche Vorgänge ab, um die Reize sinnvoll zu strukturieren. All diese Abläufe haben zur Aufgabe, einen übersichtlicheren sowie zusammenhängenden Gesamtsinneseindruck zu kreieren.

Die Organisation der Wahrnehmung folgt an sich verschiedenen Gesetzen, welche sich als bewährt herausgestellt haben und einen logischen Zusammenhang für den Menschen zwischen den einzelnen Reizen darstellen.

  • Gesetz der Ähnlichkeit
  • Gesetz der Nähe
  • Gesetz der Geschlossenheit
  • Gesetz der Fortsetzung
  • Gesetz der Prägnanz
  • Gesetz der Texturabgrenzung

In erster Instanz gibt es das Gesetz der Ähnlichkeit. Somit werden ähnliche Reize oder auch Dinge in gemeinsame Gruppierungen strukturiert. Handelt es sich um unterschiedliche Dinge oder Reize, so werden sie demnach in unterschiedliche Gruppen untergliedert.

Neben dem Gesetz der Ähnlichkeit tritt das Gesetz der Nähe auf. Liegen Reize oder auch Dinge in räumlicher Hinsicht nahe beieinander, so werden sie als zusammengehörig markiert. Dies führt wieder dazu, dass weit entfernte Reize und Dinge demnach als unabhängig wahrgenommen und betrachtet werden.

Das dritte Gesetz ist das Prinzip der Geschlossenheit in Zusammenarbeit mit dem Gesetz der Fortsetzung. Auch diese beiden Formen ermöglichen die Herstellung von Zusammenhängen zwischen einzelnen Dingen sowie Reizen in der Umwelt.

Das Gehirn organisiert die Sinnesempfindungen nach dem Prinzip der Prägnanz. Hierbei handelt es sich um das oberste und wichtigste Prinzip der Organisation der Wahrnehmung. Es betrifft überwiegend die visuelle Wahrnehmung. Es werden visuelle wahrgenommene Felder in vorteilhafte Gestalten mit einfachen Symmetrien oder Regelmäßigkeiten unterteilt.

In letzter Instanz erfolgt das Prinzip der Texturabgrenzung. Hierbei entsteht die Figur- sowie Formbildung auf der Basis von Texturänderungen, Intensitätsunterschieden sowie unterschiedlichen Wellenlängen. Beispielsweise besitzen Flecken eine bestimmte Farbe, Länge, Orientierungen sowie Breite. Gleichzeitig können sie mit Linien-Kreuzungen oder auch Linien-Enden versehen sein.

Während der Wahrnehmung werden all diese Gesetze und Zusammenhänge automatisch beachtet, um im Anschluss eine sinnvolle Gesamtwahrnehmung erzeugen zu können. Die einzelnen Gesetze sind im Gesamtpaket auch als Gestaltgesetze bekannt. Durch die einzelnen Prinzipe wird die Organisation zum ersten Sinngebungsprozess der Wahrnehmung.

Krankheiten & Beschwerden

Oftmals sind Jugendliche und Kinder betroffen, wenn es um eine Wahrnehmungsstörung im Bezug auf die Organisation geht. In vielen Fällen ist die visuelle Wahrnehmung betroffen. Eine Krankheitsform in puncto einer generalisierten Störung der wahrnehmenden Organisation ist der sogenannte Neglect. Hierbei handelt es sich um eine Aufmerksamkeitsstörung. Im Normalfall tritt diese Störung nach einer halbseitigen Läsion des Gehirnes auf. Die Reize auf der geschädigten Seite werden nach der Läsion vernachlässigt. Somit ist die Organisation beeinträchtigt, ein sinnvolles Gesamtbild kreieren zu können. In einigen Fällen ist dies auch überhaupt nicht mehr möglich.

Wenn ein Neglect durch eine halbseitige Gehirnläsion beschwört wurde, so sind meist mehrere Sinnessysteme von diesem Phänomen betroffen. In diesem Fall werden oftmals nicht nur visuelle Reize vernachlässigt, sondern oftmals auch körperbezogene Reize. Ein Neglect kann durch eine Läsion in unterschiedlichen Bereichen des Gehirnes auftreten. Typisch ist, dass die Patienten meist nur in einer Hirnhälfte geschädigt werden. Zudem sind die Läsionen zum Großteil zwischen dem Temporal-, Parietal- sowie Occipitallappen angesiedelt.

  • Schädigung tritt typischerweise in einer Hälfte des Gehirnes auf.
  • Meist befinden sich die Läsionen zwichen dem Parietal-, Occipital- sowie Temporallappen.

In seltenen Einzelfällen kann ein Neglect auch auftreten, wenn das Frontalhirn beschädigt wurde. Weitere Ursachen können subkortikale Läsionen in den Bereichen des Putamens oder auch des Necleus caudatus in den Basalganglien. Ebenfalls führen Läsionen des Pulvinars im Thalamus gegebenenfalls zu einem Neglect. Dementsprechend wird auch hier in seltenen Fällen die Organisation der Wahrnehmung gestört.

  • Läsion des Frontalhirns
  • Subkortikale Läsionen im Putamen oder auch Necleus caudatus in den Basalganglien
  • Läsionen des Pulvinars im Thalamus

Die Ursachen der Schädigungen der Organisation liegen als meist in jenen Bereichen des Gehirnes, die als sekundäre rezeptive Rindenfelder oder auch als Assoziationsgebiete bekannt sind.

Wissenswert: Wurde der rechte Parietallappen beschädigt, so gehen Neglect und Anosognien oftmals Hand in Hand. Hierbei handelt es sich um das Nichterkennen einer offentsichtlichen Behinderung durch den Betroffenen selber. Die Wahrnehmung ist als ernsthaft gestört.

Fragen & Antworten zur Thematik der Organisation der Wahrnehmung

Wie entstehen optische Täuschungen?

Indem ähnliche Bilder gemeinsam verpackt und verschiedene getrennt werden, wird eine klare Linie erzeugt. Einige Dinge können vom Gehirn jedoch nicht gut verarbeitet werden, was oftmals verdrängt wird. In diesem Fall können optische Täuschungen zustande kommen, da keine klare Eingliederung möglich ist. Es herrscht also weder der eine noch der andere Aspekt, sondern eine Mischung beider Formen. Da diese Aspekte zudem verdrängt und gekonnt ignoriert werden, wird die optische Täuschung immer wieder sichtbar sein. Somit lernt das Gehirn auch nicht zu, was die Organisation betrifft.

Kann ein Neglect geheilt werden?

An sich sind Schädigungen des Gehirnes stets ein schwieriger Aspekt. In einigen Fällen ist es möglich, sich an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen und einen eigenen Ausgleich zu schaffen. Dennoch besteht eine verzerrte Wahrnehmung, die es dem Betroffenen trotzdem ermöglicht, gut durch das Leben zu kommen. In den meisten Fällen handelt es sich um Schädigungen der Gehirnrinde. Diese Aspekte sind nicht heilbar und können in einigen Fällen die Organisation komplett zerstören. Ab diesem Moment ist der Betroffene nicht mehr im Stande, eigenständig leben zu können. Tritt zudem eine Anosognie auf, so ist er zusätzlich nicht in der Lage, eine eigene Behinderung zu erkennen. Eine Heilung ist in den meisten Fällen nicht möglich und endet in einer leichten bis kompletten Wahrnehmungsstörung.

Entwickelt sich die Organisation der Wahrnehmung mit den Jahren?

Viele Funktionen des menschlichen Organismus entwickeln sich mit den Lebensjahren, vor allem wenn es sich um Funktionen des Gehirnes handelt. Bei der Organisation der Wahrnehmung ist das nicht so. Hier handelt es sich um eine angeborene Eigenschaft. Natürlich wird die Welt als Kleinkind anders empfunden, die Organisation ist jedoch nicht dafür verantwortlich, sondern die persönliche Einordnung, die als letzte Instanz der Wahrnehmung folgt. Diese entwickelt sich im Laufe des Lebens, die Organisation jedoch ist von Geburt an vorhanden.

Unser Fazit zur Organisation der Wahrnehmung

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass die Organisation der Wahrnehmung dafür verantwortlich ist, das Chaos der gesamten Reizlage zu ordnen. Somit wird der Mensch „lebensfähig“ gemacht und kann in seiner Umwelt überleben. Das liegt daran, das klare Reize zu klaren Handlungen führen können. Hierzu zählen beispielsweise Reflexe, wenn eine Gefahrenquelle schnell auf uns zukommt oder auch, wenn etwas heiß wird oder schmerzt. Natürlich treten noch weitere Faktoren hinzu, jedoch können diese nicht alle aufgezählt werden.

Wird die Organisation geschädigt, so ist die Verzerrung der Wahrnehmung eine Folge dessen. Gefahrenquellen können deutlich weniger erkannt werden. In einigen Fällen ist es nicht mehr möglich, überhaupt solche Dinge erkennen zu können. Handelt es sich um einen Neglect, so ist meist eine Gehirnhälfte beschädigt, was zu einer eingeschränkten Organisation führt und somit ein verzerrtes Bild mit sich bringt. Betroffen sind in den meisten Fällen Bereiche der Gehirnrinden. Tritt solch einer Erkrankung auf, so ist der Betroffene oftmals nicht mehr in der Lage, klare Wahrnehmungen zu kreieren und braucht zudem in vielen Fällen Unterstützung durch andere.

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