Kraft

Jeder Mensch weist sie auf, doch bei jedem ist sie unterschiedlich ausgeprägt: die Kraft. Etliche Sportarten sind kraftbedingt, aber auch normale Alltagssituationen können einem eine Menge Kraft abverlangen. In unserem Ratgeber gehen wir speziell auf die Thematik Kraft ein und zeigen zudem auf, welche Beschwerden und Krankheiten mit diesem Körperprozess in Verbindung stehen. Weiterhin gehen wir auf die Einsatzgebiete der Kraft ein sowie auf die Funktionsweise dieser.

Was ist Kraft?

Energie, Power, Stärke – all diese Begrifflichkeiten setzt man mit der Kraft gleich. Viele verstehen darunter Menschen, die regelmäßig das Fitnessstudio aufsuchen und immer kräftiger werden, andere wiederum denken an innere Stärke. Im Großen und Ganzen handelt es sich um einen Körperprozess eines jeden Menschen, der bei einem mehr und bei dem anderen weniger ausgeprägt sein kann. Grundsätzlich benötigt dennoch jeder Kraft, um den Alltag meistern zu können.

Betrachtet man die Sportwissenschaft, so kann man die Leistungsfähigkeit eines Menschen in fünf motorische Grundeigenschaften einteilen. Kraft ist eine davon neben der Koordination, der Schnelligkeit, der Beweglichkeit und der Ausdauer.

Die Kraft in ihren unterschiedlichen Beanspruchungsformen

An sich kann die Kraft in verschiedene Beanspruchungsformen unterteilt werden. Eine davon ist die Maximalkraft. Diese beschreibt den maximalen Kraftaufwand einer Person gegenüber einem unüberwindbaren Widerstand. Man kann sagen, dass die Größe der Kraft vom Muskelquerschnitt abhängig ist.

Eine weitere Form ist die Schnellkraft. Diese definiert die Fähigkeit, einen größtmöglichen Bewegungsimpuls in einer möglichst kurzen Zeit zu generieren. Hierfür ist die Faserzusammensetzung der Muskulatur entscheidend.

Die dritte Form ist die Reaktivkraft. Hierbei handelt es sich um die motorische Fähigkeit des Systems, potentielle Energie für die Ausführung von Bewegungen zu nutzen. Sie entsteht bei dem sogenannten Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus (DVZ).

  • Maximalkraft
  • Schnellkraft
  • Reaktivkraft

Wissenswert: Alle dieser Eigenschaften können nur einwandfrei ablaufen, wenn die Stoffwechselsysteme sowie das Nerv-Muskel-Zusammenspiel intakt sind und gleichzeitig ausreichend Energie bereitgestellt wird.

Die Entstehung von Kraft

Die Kraft entsteht im Muskel mit Hilfe einer Kontraktion. Diese führt entweder zu einer Spannungserhöhung im Muskel oder hat eine Bewegung zur Folge. Demzufolge kann die Kraft in eine statische und in eine dynamische Form eingeteilt werden.

Handelt es sich um eine dynamisch konzentrische Kontraktionsform, so verkürzt sich der Muskel während des Vorganges. Bei einer dynamisch exzentrischen Kontraktionsform entfernen sich Ansatz und Ursprung während der muskulären Arbeit. Die Länge verändert sich bei einer isometrischen Form nicht.

Funktion & Aufgabe

Die Summation aller Kontraktionen in den Zellen der Muskeln, durch die die Kraft entsteht, wird für lokale Bewegungen, Stabilisationen und für die Fortbewegung des gesamten Körpers verwendet (beispielsweise das Laufen und das Gehen).
Handelt es sich um Widerstände, beispielsweise das Wegdrücken von Gewichten sowie das Heben von Lasten, so erhöht sich der Kraftaufwand.

Im Alltag tritt häufig auf, dass der Körperkern stabilisiert wird, während sich die Extremitäten bewegen. Durch die funktionelle und sinnvolle Aufgabenverteilung wird die Dynamik des Körpers ermöglicht.

Die Aufgabenbereiche von Kraft

Kraft benötigten man in sportlichen, handwerklichen sowie alltäglichen Aktivitäten. In klassischen Berufsfeldern mit schwerer körperlicher Arbeit (Maurer, Schmied, Dachdecker, Gerüstbauer und Mechaniker) werden stets hohe Kraftanforderungen abverlangt. Mit der Zeit werden die spezifischen Krafteigenschaften eines Menschens deutlich verbessert.

Betrachtet man den sportlichen Bereich, so werden oftmals gute Kraftfähigkeiten benötigt. Hier können sie ein Baustein neben anderen motorischen Grundeigenschaften oder gar der Hauptaspekt sein. Kraftsportler, wie beispielsweise Gewichtheber, brauchen hohe Maximalkraftwerte und Stabilisationsfähigkeiten. In dynamischen Sportdisziplinen werden eher andere Eigenschaften abverlangt. Hier spielt vor allem die Schnellkraft eine wesentliche Rolle.

Handelt es sich um Sportarten, bei denen man stark ausholen muss, so tritt die Reaktivkraft in das Spiel. Wird die kinetische Energie, welche durch die Vordehnung in den elastischen Elementen des Bewegungssystems gespeichert wurde, für den Bewegungsstart genutzt, so kann dieser deutlich effizienter gestaltet werden. Dies zählt für alle Sportarten mit Ausholbewegungen, beispielsweise Volleyball, Tennis, Squash, Handball, Wurfdisziplinen wie das Diskuswerfen und Hammer- sowie Speerwurf.

Das Krafttraining

Aufgrund der Entwicklung im Fitnessbereich in puncto Kraft, ist das Krafttraining inzwischen zu einer eigenen Disziplin geworden. Viele Menschen betreiben es im Verein, zu Hause oder auch im Sportstudio. Dieses dynamische Training kann in mehrere Formen untergliedert werden. Diese richten sich je nach der persönlichen Zielsetzung und den Bedürfnissen des Nutzers. Die Einteilung kann man nach der geforderten Intensität der Kraftanforderung durchführen. Diese wird anhand des Maximalkraftwertes bemessen. Das Training findet an sich in Serien statt. Zwischen den einzelnen Sätzen, welche unterschiedliche Wiederholungszahlen aufweisen, werden Pausen gemacht. Umso höher sich die geforderter Intensität gestaltet, desto länger werden die Pausen und niedriger die Wiederholungszahlen.

Mit einem Kraftausdauertraining verbessert man die Fähigkeit, über einen längeren Zeitraum Bewegungen mit mittleren Widerständen oder auch Gewichten durchzuführen. Handelt es sich um ein Maximalkrafttraining, so geht es eher um den Kraftaufbau.

Interessant: Das Training der neuromuskulären Koordination ist jene Beanspruchungsform mit der höchsten Intensität.

Krankheiten & Beschwerden

In puncto Kraft können etliche Erkrankungen eintreten. Hierbei werden Beschwerden gemeint, die mit dem Verlust oder auch mit der Reduzierung der Kraftfähigkeiten einhergehen. Diese beeinträchtigen jene Aktivitäten, welche für die Kraft benötigt werden.

Die Muskelatrophie

Bei der Muskelatrophie handelt es sich um eine Aubbauerscheinung der Muskulatur. Diese tritt nach längeren Inaktivitätsphasen ein. Beispielsweise kann dieser Prozess auftreten, wenn ein Körperteil über einen längeren Zeitraum stillgelegt wurde (beispielsweise mit einem Gips). Als Folge schwerer Verletzungen oder auch Erkrankungen kann auch die gesamte Skelettmuskulatur betroffen sein.

Merke: Durch die Intensität des Abbaus wird die Dauer des Wiederaufbaues der Muskulatur bestimmt. Im Großen und Ganzen geht der Abbau sehr schnell, während der Aufbau deutlich mehr Zeit benötigt.

Weitere Ursachen eines Verlustes oder einer Reduzierung der Kraft

Führen neurologische Probleme zu einer kompletten oder inkompletten Schlaffung von Muskeln, so verursachen diese gleichzeitig einen totalen Verlust der Kraftfähigkeiten des betroffenen Muskels oder zumindest eine Reduzierung dieser. Periphere Läsionen, darunter Verletzungen, Nervenerkrankungen und Druckschädigungen, gehören zu diesen Erkrankungen. Weiterhin können Schnittverletzungen, Unfälle sowie Stichverletzungen zu direkten lokalen Nervenschäden führen. Indirekte Schädigungen treten durch zu enge Gipsverbände oder auch Bandscheibenvorfälle auf.

Die Nerven in den Extremitäten sind am häufigsten betroffen. Dies liegt daran, da sie relativ oberflächlich verlaufen.

Beispiel 1: Läsionen am Nervus radialis stellt eine Schädigung am Arm dar, welche die Fallhand zur Folge hat. Eine weitere Schädigung kann der Nervus medianus erleiden. Bei einer solchen Läsion folgt die sogenannte Schwurhand.

Beispiel 2: Eine Lähmung der Fußheber im Beinbereich tritt am häufigsten auf. Diese tritt ein, wenn eine Verletzung des Nervus peronäus eintritt.

Die Durchtrennung des Rückenmarks ist eine schwerwiegende und traumatische Verletzung, welche als Folge die Querschnittslähmung mit sich bringt. Diese kann komplett aber auch inkomplett eintreten. Muskeln, die unterhalb des Querschnitts liegen, können nur noch wenig oder gar keine Kraft mehr aufbringen. Hierbei handelt es sich um jene Muskeln, die von den befindlichen Nerven versorgt werden. Auch der Schweregrad der Erkrankung spielt eine wesentliche Rolle für das Ausmaß der Lähmungen. Es kann durchaus möglich sein, dass alltägliche Dinge wie Laufen oder Greifen gar unmöglich werden.

Eher seltenere Erkrankungen in puncto Verlust der Muskelfunktionen sowie der Kraftfähigkeiten sind die amyotrophe Lateralsklerose sowie die Muskeldystrophien. Hierbei handelt es sich um Krankheitsbilder, welche einen mehr oder wenigen schnellen Abbau der gesamten Skelettmuskulatur im Bezug auf die Kraft zur Folge haben. Handelt es sich um schnelle Verläufe, so wird die gesellschaftliche Teilhabe sowie die allgemeine Lebensqualität stark beeinflusst. Auch die Lebenserwartung wird durch diese Krankheiten in vielen Fällen deutlich reduziert.

  • Neurologische Probleme
  • Verletzungen
  • Nervenerkrankungen
  • Druckschädigungen
  • Schnittverletzungen
  • Stichverletzungen
  • Unfälle
  • Bandscheibenvorfälle
  • Zu enge Gipsverbände
  • Durchtrennung des Rückenmarks
  • Amyotrophe Lateralsklerose
  • Muskeldystrophien

Fragen & Antworten zur Thematik Kraft

 

Können Lähmungen durch Nervenschäden wieder beseitigt werden?

In einigen Fällen hört man, dass Menschen nach Unfällen wieder laufen können oder wieder dazu im Stande sind, irgendwelche anderen Körperpartien zu bewegen. Es ist also möglich, die erworbenen Lähmungen wieder loszuwerden und erneut die Körperfunktionen mit Hilfe der Kraftfähigkeiten aufzunehmen. In vielen Fällen ist dies jedoch nicht möglich. Hier ist kein Training der Muskeln machbar. Auch die beschädigten Nerven erholen sich nicht. Somit kann in vielen Fällen gesagt werden, dass die Lähmung erhalten bleibt. Hier kommt es immer auf die Art und auf den Schweregrad der Schädigung an.

Sind einige Menschen von Geburt an „kräftiger“ als andere?

In der Tat sind aufgrund der Gene einige Menschen von Geburt an besser ausgestattet als andere. So kann ein Junge oder auch ein Mädchen bereits im Kleinkinderalter eine deutlich größere Schnellkraft oder auch Maximalkraft aufweisen, als ein gleichaltriges anderes Kind. Ebenso können einige Menschen aufgrund ihrer Gene bestimmte Fähigkeiten leichter und schneller ausbauen. Der größte Teil muss jedoch durch Training und Co. geschehen, sodass so ziemlich jeder die Möglichkeit hat, die Differenz zu begleichen, vor allem in sportlicher Hinsicht.

Stehen Schnellkraft, Maximalkraft sowie Reaktivkraft immer in Relation zueinander?

In einigen Feldern werden beispielsweise die Reaktivkraft und eine andere Form gemeinsam trainiert und ausgeweitet. Alle drei Formen bilden ein Gesamtkonstrukt, jedoch gibt es keine genaue Relation zueinander. Einige Menschen können sehr schnell sein, jedoch mit Gewichten starke Probleme haben. Andere wiederum können beides gut oder eher weniger gut. Je nachdem, wie stark die einzelnen Felder beansprucht werden, prägen sich diese aus. Somit ist keine Parallele auffindbar.

Unser Fazit zu Kraft

Für den menschlichen Mechanismus spielt täglich die Kraft eine wesentliche Rolle. Die einzelnen Kraftfähigkeiten sorgen allein schon dafür, dass ein Mensch aufrecht stehen und auch laufen kann. Übt ein Mensch eine körperlich schwere Arbeit aus, so verbessert er seine Kraftfähigkeiten enorm über einen längeren Zeitraum. Das Training im Fitnessstudio erzielt denselben Effekt. Treten jedoch Verletzungen auf, die eine Muskelschädigung mit sich führen, so kann es zum teilweise oder kompletten Abbau der Kraftfähigkeiten führen. Lähmungen sind keine Seltenheit als Folge von Nervenschäden, die mit der Muskeltätigkeit in Verbindung stehen. Im Großen und Ganzen kann also gesagt werden, dass die Kraft unsere Dynamik und viele weitere Dinge umfasst, die uns in Bewegung hält und uns ermöglicht, den Alltag und all ihren Hürden trotzen zu können.

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