Schlafen

Schlafen ist ein lebenswichtiger Zustand der Ruhe für Mensch und Tier. Im Durchschnitt verschläft der Mensch ungefähr 1/3 seines Lebens.
Dabei unterscheidet sich das Schlafverhalten von Neugeborenen zu Erwachsenen und von Mensch zu Mensch.
Wer wünscht sich nicht einen erholsamen Schlaf, um am nächsten Morgen ausgeruht und dynamisch in den Tag zu starten. Doch für viele Menschen ist ein gesunder Schlaf ein Wunschtraum, da sie an Schlafstörungen leiden.
Diese können vorübergehend vorkommen und harmlos sein. Es können jedoch ernsthafte Ursachen, wie zum Beispiel Erkrankungen dahinterstecken​.

Was ist der Schlaf?

Der Schlaf ist ein reversibler Zustand äußerer Ruhe, der mit einem vermindertem Bewusstsein einhergeht und in dem ein Zusammenspiel vieler lebenswichtiger Körperfunktionen stattfindet. Es werden kaum Bewegungen ausgeführt, der Verstand ruht und die schlafende Person ist nicht ansprechbar. Typische Merkmale des Schlafes sind bestimmte Aktivitäten des Gehirns und verminderte physiologische Funktionen.
Der Schlaf-Wach-Rhythmus wird durch das Hormon Melatonin gesteuert, das bei Dunkelheit vermehrt ausgeschüttet wird. Die innere Uhr zeigt bei jedem Menschen individuelle Leistungsphasen und Tiefs an. Die Mittagsmüdigkeit stellt einen dieser Leistungsabfälle dar. Wann sich die Müdigkeit am Abend meldet, hängt vom Typ ab. Es gibt sogenannte „Eulen“ (Nachtmenschen) und „Lerchen“ (Tagmenschen).
Obwohl der Schlaf schon in früheren Zeiten im Interesse der Wissenschaft stand, konnte dem Phänomen bis heute nicht gänzlich auf den Grund gegangen werden.

Die Schlafphasen
Während des Schlafens durchläuft der Mensch folgende drei Schlafphasen:

  • die Leichtschlafphase
  • die Tiefschlafphase
  • die REM-Phase

Die Schlafphasen können im Schlaflabor mittels einer Gehirnstrommessung (EEG) ermittelt werden.
Zu Beginn des Schlafes nimmt die Gehirnaktivität mehr und mehr ab, die Augen beginnen zu rollen und die Muskeln entspannen sich zunehmend. In mehreren Stadien gleitet das Bewusstsein bis in die Tiefschlafphase ab, die nach ein bis zwei Stunden endet. Danach folgt der REM-Schlaf (Rapid-Eye-Movement).

Den Namen erhielt dieses Stadium wegen des Auftretens der schnellen Augenbewegungen. Die Muskelspannung nimmt vollständig ab und in dieser Phase Laufen die meisten Träume ab, weswegen auch von der sogenannten Traumphase gesprochen wird.
REM-Phasen und Non-REM-Phasen wechseln sich ab und es kommt pro Nacht zu 3 bis 4 solcher Zyklen. Gegen Ende der Nacht wird der Schlaf immer leichter und die REM-Phasen werden länger.
Der Traumschlaf gibt den Forschern heute noch einige Rätsel auf und konnte bis dato nicht entschlüsselt werden. Dieser Phase wird eine große Bedeutung zugesprochen. In ihr werden vermutlich Erlebnisse verarbeitet und Informationen im Langzeitgedächtnis gespeichert. Der Traum steht in heutiger Zeit immer wieder im Fokus der Wissenschaft und wird stark beforscht.

Funktion und Aufgabe

Ein gesunder und ausreichender Schlaf ist notwendig um leistungsfähig und fit zu sein. Wieviel Schlaf benötigt wird, hängt vom Alter und vom Typ ab. 7 bis 8 Stunden sollten es schon sein. Manche Menschen, vor allem Ältere, kommen mit nur fünf Stunden Schlaf aus. Andere brauchen zum Nachtschlaf noch ein Nickerchen um die Mittagszeit.
Neugeborene zeigen anfangs ein Schlafverhalten, das nicht vom Tag-Nacht-Rhythmus geprägt ist, sondern es wechseln sich Schlafenszeiten und Wachzeiten über 24 Stunden ab, und erst nach Wochen bildet sich ein Rhythmus mit längeren Schlafperioden in der Nacht.

Wenn sich der Tag neigt und die Dämmerung einsetzt, schüttet die Zirbeldrüse das schlafanstoßende Hormon Melatonin aus und Müdigkeit stellt sich ein.
Der Schlaf dient der Erholung. Es werden Ängste und Stress abgebaut. Im Tiefschlaf fällt das Stresshormon Cortisol auf seinen niedrigsten Wert ab. Temperatur, Blutdruck und Puls sinken. Die Atmung ist gleichmäßig und ruhig und die steuerbaren Muskeln sind entspannt.
Während der Körper äußerlich Ruhe zeigt, laufen im Inneren wichtige Vorgänge ab.
Das Immunsystem wird durch Bildung neuer Abwehrzellen gestärkt, freie Radikale werden abgefangen, es werden Zellschäden repariert und es können sogar Tumorzellen gehemmt werden. Nicht umsonst spricht man auch vom „Schönheitsschlaf“, denn in der Nacht werden alte Hautzellen erneuert.

Es werden Stoffwechselvorgänge gesteuert und der Fetthaushalt stabilisiert, indem Leptin gebildet wird, das ein Gefühl der Sättigung hervorruft.
Besonders wichtig ist der Schlaf für die Gehirnentwicklung und das Wachstum der Knochen von Kindern, da während des Schlafes vermehrt das Wachstumshormon gebildet wird.
Während des Träumens, so wird vermutet, verarbeitet das Gehirn die Geschehnisse des Tages und hilft Lösungen zu finden. Bedeutsame Informationen werden im Langzeitgedächtnis gespeichert. Daher ist an dem Spruch: „Man lernt im Schlaf“, etwas Wahres dran.

Krankheiten und Beschwerden

Chronischer Schlafmangel kann zu vielerlei Beschwerden führen, wie zum Beispiel zu

  • Dauermüdigkeit und Erschöpfung
  • erhöhter Stressanfälligkeit
  • Depressionen
  • Konzentrationsproblemen
  • Herz-, Kreislauferkrankungen und
  • Übergewicht

Statistiken zeigen, dass 30% der Unfälle durch Übermüdung oder Sekundenschlaf am Steuer passieren, da die Aufmerksamkeit bei Schlafmangel stark herabgesetzt ist.

Schlafstörungen und deren Ursachen
Der Mangel an Schlaf kann eine Folge von Schlafstörungen sein, die bei einigen Erkrankungen, wie zum Beispiel bei Depressionen ALS Symptom auftreten. Auch können bestimmte Beschwerden, wie zum Beispiel Schmerzen und Fieber, zu unruhigen Nächten führen. Schichtarbeiter haben wegen des ständigen Wechsels von Schlafens- und Wachzeiten häufiger mit schlechtem Schlaf zu kämpfen.
Die Beschwerden sind vielfältig und reichen von Einschlafstörungen, nächtlichen langen Wachphasen, Durchschlafstörungen mit häufigem Wachwerden, bis hin zum Früherwachen.
Ab und zu auftretende Probleme beim Schlafen, nach vermehrtem Alkoholkonsum, nach einem üppigen Abendessen oder bei vorübergehenden Belastungen, stellen noch keine chronische Insomnie (Schlaflosigkeit) dar.

Die Probleme müssen über einen längeren Zeitraum, an mindestens drei Tagen pro Woche auftreten und die Nacht muss mindestens durch drei Stunden Wachsein unterbrochen sein, um über eine dauerhafte Schlafstörung zu Sprechen.
Schlafwandeln, Alpträume und Schnarchen können den Nachtschlaf ebenso beeinträchtigen, wie Hitzewallungen bei Wechseljahresbeschwerden, fieberhafte Erkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten.

Eine Sonderform der Schlafstörung ist die Schlafapnoe. Während beim Schnarchen, das durch erschlaffte Rachenmuskulatur oder vergrößerte Rachenmandeln zustande kommt, nicht nur die Nachtruhe des Bettnachbarn, sondern auch der eigene Schlaf unterbrochen wird, handelt es sich bei der Schlafapnoe um bedrohliche Atemaussetzer. Die Folge ist eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff und sollte im Schlaflabor fachärztlich untersucht werden.
Die europäische Schlafkrankheit, auch als Narkolepsie bezeichnet, gehört zu den neurologischen Erkrankungen, die sich durch vermehrte Tagesschläfrigkeit auszeichnet und bei der der Tag-Nacht-Rhythmus durcheinandergeraten ist.

Zusammenfassend können folgende Erkrankungen und Beschwerden einen guten gesunden Schlaf beeinträchtigen

Psyche und Schlaf

Die seelische Verfassung und die Qualität des Schlafes stehen in engem Zusammenhang. Sorgen, belastende Geschehnisse und Prüfungsangst lassen einige Menschen in der Nacht nicht zur Ruhe kommen. Circa 30% der Erwachsenen leiden unter Beschwerden wegen Schlaflosigkeit. Ängste, Angespanntheit und der Druck jeden Abend wieder nicht einzuschlafen,lässt eine Spirale entstehen, die, je länger die Beschwerden anhalten, immer enger wird.

Die Schlafstörung tritt bei einigen psychischen oder neurologischen Erkrankungen, hauptsächlich bei Depressionen als Symptom auf. An Alzheimer-Demenz und Parkinson Erkrankte leiden zu 50% an Insomnie, da die Aktivität der Neuronen (Nervenzellen) im Gehirn beeinträchtigt ist. In diesen Fällen ist die Tiefschlafphase gestört und es werden heftige REM-Phasen mit Unruhe und Alpträumen erlebt.
Im Umkehrschluss führen Schlafstörungen auf Dauer zu Gereiztheit, Depressionen, bis hin zu Halluzinationen.

Fragen und Antworten rund um das Thema Schlaf

Was hilft für einen gesunden Schlaf?

Um Nachts gut schlafen zu können, ist zum einen das Verhalten am Tag ausschlaggebend, zum anderen kommt es auf die richtige Schlafumgebung an.
Ein geregelter Tagesablauf mit festen Aufsteh- und Zubettgehzeiten, viel Bewegung an der frischen Luft und ein leichtes Abendessen, zwei Stunden vor dem Schlafen, wirken sich günstig auf den Nachtschlaf aus. Auf koffeinhaltige Getränke, Alkohol und Nikotin sollte zu später Stunde verzichtet werden. Ebenso haben Fernseher und Handy im Schlafzimmer keinen Platz.
Ein warmes Bad vor dem Zubettgehen sorgt für eine wohlige Müdigkeit.
Im Schlafzimmer sollte es dunkel sein und die Temperatur sollte zwischen 16 und 20 Grad liegen. Eine gute Matratze ist für einen erholsamen Schlaf unabdingbar.

Sind Schlaftabletten eine Lösung bei schlechtem Schlaf?
Es gibt viele Menschen, die bei Schlafproblemen frühzeitig zu freiverkäuflichen Schlafmitteln greifen, damit sie in der Nacht zur Ruhe kommen. Doch Schlaftabletten sind nur kurzfristig und nach Absprache mit dem Arzt sinnvoll. Mit der Zeit lässt die Wirkung dieser Arzneien nach und die Dosis muss erhöht werden, was zu einem Teufelskreis führt, da die Schlafstörungen verstärkt werden. Die Schlafmittel haben zudem Nebenwirkungen und man fühlt sich am Morgen wie gerädert.
Besser sind Präparate mit Baldrian, Schlaf-Tees oder beruhigende Duftöle mit Lavendel.
Auch Entspannungsübungen helfen, um vom Stress im Alltag abzuschalten. Verschwinden die Schlafstörungen nicht nach einiger Zeit oder halten sie über einen längeren Zeitraum an, sollte ein Arzt die Ursachen ergründen und eventuell zugrundeliegende ernsthafte Erkrankungen ausschließen.

Das Baby schläft nicht durch – Was tun?
Dass Babys nachts nicht durchschlafen, ist völlig normal, denn ihr Schlaf unterscheidet sich von dem eines Erwachsenen in einigen Punkten. Neugeborene kennen in den ersten Wochen keinen Tag-Nacht-Rhythmus. Dieser entwickelt sich im ersten halben Jahr heraus und die Schlafphasen in der Nacht werden länger.
Außerdem sind die REM-Phasen bei Babys und Kleinkindern länger und unruhiger als bei den Erwachsenen, was für die Gehirnentwicklung bedeutend ist. Dafür sind die Tiefschlafphasen kürzer. Für das Überleben ist es notwendig, dass Säuglinge öfter wach werden, denn ihr Körper signalisiert ihnen, dass Bedürfnisse wie Hunger gestillt werden müssen. Sie finden auch schlecht alleine wieder in den Schlaf und brauchen die Nähe und Hilfe eines Elternteils.
Beim Zahnen, bei Infekten oder wenn der Tag recht aufregend verlief, ist die Nacht von Babys und Kindern von vermehrter Unruhe geprägt.
Wenn sich Eltern trotzdem um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen, ist der Gang zum Kinderarzt zu empfehlen, der ernste Ursachen ausschließen kann.

Unser Fazit

Der Schlaf ist für manche ein Segen, für andere eine Qual, weil er mit allerlei Problemen, zum Beispiel mit Durchschlafstörungen oder Einschlafstörungen einhergehen kann. Dennoch ist er für die Gesundheit der Menschen von großer Bedeutung.
Die Ursachen für schlechten Schlaf reichen von harmlosen Gründen, wie zu schweres Essen am Abend, bis hin zur Schlafapnoe, einer bedrohlichen Störung.
Es können aber auch unterschiedliche Erkrankungen für unruhige und unerholsame Nächte verantwortlich sein.

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