Impfbereitschaft – Verantwortung übernehmen für sich und die Gesellschaft

Bereitschaft ist, allgemein ausgedrückt, das Einverständnis oder auch die Bereitwilligkeit, etwas zu tun oder sich zu etwas zu bekennen. Das lässt sich  so auch auf die Impfbereitschaft übertragen. Die Schutzimpfung, fachlich Vakzination genannt, ist das Verabreichen eines Impfstoffes mit dem Ziel, vor der möglichen Übertragung des Krankheitserregers geschützt zu werden.

spritze impfung impfbereitschaftDie Schutzimpfung ist ein Angebot an den Bürger. Der kann frei entscheiden, ob er dieses Angebot annehmen oder ablehnen möchte. Das Recht dazu bietet ihm das Grundgesetz sowie die allgemeine Rechts- und Gesetzeslage in Deutschland. Hier gibt es seit jeher bis heute keine Impfpflicht.

Jeder Bürger kann für sich sowie für seine minderjährigen Kinder entscheiden, ob und wenn, in welchem Umfang das Angebot zur Schutzimpfung angenommen wird. Diese Sichtweise ist jedoch nur eine Facette innerhalb der Gesellschaft sowie in der familiären Gemeinschaft.

Infektiöse Krankheiten haben eine doppelte Wirkung. Der Betroffene kann mit dem Krankheitserreger angesteckt, sprich  infiziert werden; er kann aber auch als Träger des Krankheitserregers sein Umfeld, also Mitmenschen anstecken. Auch der größte Egoist oder gar Egomane hat eine gesellschaftliche Verantwortung. Zu der kann er, auf die Schutzimpfung bezogen nicht gezwungen werden, weil es eben keine Impfpflicht gibt.

Die Redewendung „Jeder ist sich selbst der Nächste“ wird durch die Mitverantwortung gegenüber Dritten zumindest infrage gestellt. Aus soziokultureller Sicht entwickelt jeder Mensch ein mehr oder weniger starkes Verantwortungsbewusstsein. Das stärkste unter ihnen ist das Mutter-Kind-Verhältnis, dicht gefolgt vom Vater-Kind-Verhältnis. Die Redewendung „Blut ist dicker als Wasser“ trifft in dieser Hinsicht den Nagel auf den Kopf. Die Mutter denkt bei allem was sie tut in erster Linie an das Wohl und Wehe ihres Kindes. Beim Kindesvater ist das Empfinden vergleichbar. In der Reihenfolge kommt dann die Familie mit ihren mehreren Generationen und Geschwistern sowie deren Angehörigen.

Zur Gesellschaft ganz allgemein zählen diejenigen, die nicht zur Familie gehören. In diesem Kreis ist das Verantwortungsbewusstsein ausgeprägt und ausgesprochen hoch. Die Eltern sind, auch in Bezug auf die Schutzimpfung, immer auf das Beste für ihr Kind bedacht. Doch davon müssen sie selbst überzeugt sein beziehungsweise überzeugt werden. An diesem Punkt  liegt die Schnittstelle  von Impfpflicht einerseits und Impfempfehlung andererseits.

 

Gute Information & Aufklärung kann Impfpflicht ersetzen

 

Die Bevölkerung ist eines von drei staatlichen Elementen, neben dem Staatsgebiet und der Staatsgewalt. Die Bevölkerung braucht den Staat sowie seine staatliche Ordnung, und der Staat umgekehrt das Volk. In diesem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis hat der Staat auch aus Eigeninteresse die Aufgabe, seine Bürger in Bezug auf die Notwendigkeit von Schutzimpfungen bestmöglich aufzuklären und zu informieren. Denn letztendlich ist der Staat für das Wohlergehen sowie für die Leistungsfähigkeit seiner Bürger verantwortlich. Das betrifft nicht die einzelne Schutzimpfe, sondern ein durchgängiges Schutzimpfen mit dem Ziel einer möglichst hohen Impfdichte unter der Bevölkerung.

Im föderalistischen Deutschland wird der Staat in dieser Hinsicht verkörpert durch

  • Bund
  • Bundesländer
  • Gemeinden und Kommunen
  • Krankenkassen
  • Öffentlich-rechtliche Medien

Hinzukommen auf allen Ebenen weitere Institutionen und Organisationen, Vereine sowie Verbände. Beispiele dafür sind der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA im Gesundheitswesen, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA, das Robert-Koch-Institut RKI, die Ständige Impfkommission STIKO oder die Paul-Ehrlich-Stiftung PEI. Sie alle befassen sich mit dem Thema Schutzimpfung. Doch wie erfolgreich sind sie insgesamt, und wie hoch ist die Impfbereitschaft der Bürger in Deutschland?

 

Hohe Impfbereitschaft könnte noch höher sein

 

Nichts ist so gut, dass man es nicht verbessern könnte! Diese Redewendung gilt auch für die Schutzimpfung in Deutschland. Aktuelle statistische Zahlen belegen, dass Mitte der 2010er Jahre rund 90 Prozent der Bevölkerung schutzgeimpft sind. Damit ist gemeint, dass sie sowohl grundimmunisiert sind als auch diese Grundimmunisierung regelmäßig auffrischen lassen. Bei etwa 82 Mio. Bürgern und Einwohnern sind das mit 10 Prozent dennoch rund 8 Mio.

Nichtgeimpfte, vom Kleinkind bis hin zum Senior 70plus. Das sind deutlich mehr als die Einwohner der vier Millionenstädte Berlin, Hamburg, München sowie Köln zusammen und  macht auch deutlich, wie hoch die Zahl derjenigen ist, die infiziert werden können, und von denen anschließend die Nichtgeimpften infiziert werden können.

 

Impfschutz beginnt im Kleinkindalter

 

In Bezug auf Schutzimpfungen ganz allgemein sind in erster Linie die Eltern des Neugeborenen gefordert und gefragt; darüber hinaus die Mutter vor oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft. Mit den „Kinder-Richtlinien“ hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte & Krankenkassen ein Untersuchungsheft, das „Gelbe Heft“ entwickelt.

Es enthält die Dokumentation aller vom Gesetzgeber vorgesehenen Kindervorsorgeuntersuchungen in der Abstufung „Muss – Soll – Kann“. Unter U6 im Lebensalter von 10 bis 12 Monaten sieht die Kinderuntersuchung unter anderem die ersten zeitgerechten Impfungen vor. Spätestens jetzt sind die Erzieher gefragt. Sie müssen für ihr Kleinkind entscheiden: Schutzimpfung Ja oder Nein. Und in diesem Kontext wird gleichzeitig auch das  Impfverhalten  von Mutter und Vater zu sich selbst auf den Prüfstand gestellt.

Jetzt kommt es darauf an, welche Aufklärungsarbeit der Staat mit seinen vielfältigen Wegen und Möglichkeiten geleistet hat. Im Idealfall wird die Frage mit einem klaren Ja beantwortet. Sofern die Erzieher selbst einen Nachholbedarf bei der einen oder anderen Grundimmunisierung beziehungsweise Auffrischungsimpfung haben, sind sie anschließend dementsprechend immunisiert.

Entscheidend ist, dass sie durch Aufklärung &  Information von Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Schutzimpfung für ihr Kind überzeugt sind. Wäre das überall der Fall, dann wäre es nur eine Frage der Zeit bis zur hundertprozentigen Impfdichte in Deutschland.

 

Skepsis und Hoffnung, dass nichts geschieht

 

Die Zahlen zeigen jedoch, dass noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten ist. Besonders die Eltern von Kleinkindern sind skeptisch und haben Bedenken gegen Schutzimpfungen als solche, oder auch gegen einzelne unter ihnen. Die Argumente sind bei allen von ihnen durchweg dieselben und faktisch zunächst einmal kaum zu widerlegen. Die einmal durchgemachte, in dem Sinne durchlebte Kinderkrankheit stärkt den Organismus des Kindes.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen wie hohes Fieber über mehrere Tage hinweg schwächen die ohnehin noch schwache Physis des Kindes. Die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung mit einem der infrage kommenden Krankheitserreger ist äußerst gering. Andere Nichtgeimpfte sind – bisher – ebenfalls nicht infiziert worden. Warum sollte das gerade bei meinem Kind geschehen? Die Impfdichte in Deutschland ist so gut und groß, dass sich mein Kind gar nicht infizieren kann.

 

Ablehnung der Schutzimpfung mangels Wissen und Aufklärung.

 

Generelle Ablehnung der Schutzimpfung ohne nähere Begründung. Dem muss entgegengehalten werden, dass Viren und Bakterien, besonders in der heutigen Zeit der Globalisierung, keine Ländergrenzen kennen die sogenannten Kinderkrankheiten kein Kinderspiel und keineswegs harmlos, sondern Krankheiten sind, vor denen das Kind in jungen Jahren immunisiert werden sollte Impfungen vor möglichen schweren Komplikationen bei Infektionskrankheiten schützen die infrage kommenden Impfungen vor Infektionskrankheiten schützen, die während der Schwangerschaft zu schweren Schäden beim ungeborenen Kind führen können angestrebt wird, Infektionskrankheiten weltweit zurückzudrängen; eine Verantwortung der Gesellschaft, sozusagen der Menschheit

 

Ständige Aufklärung tut Not

 

In Deutschland leben buchstäblich Millionen ausländische Bürger aus allen Kontinenten, Ländern und Rassen. Sie haben Blutsverwandte und Großfamilien in ihren Heimatländern. Die Schutzimpfbestimmungen sind weltweit nicht einheitlich, sondern sehr unterschiedlich geregelt. Bei der Einreise nach Deutschland werden bei Weitem nicht für alle infektiösen Krankheitserreger Impfnachweise gefordert.

Und was geregelt ist, dass muss auch verfolgt beziehungsweise kontrolliert werden. Fehler sind nicht vermeidbar, sondern eher vorprogrammiert. Daraus folgert, dass sich der Bürger selbst vor der Ansteckung mit den infektiösen Krankheitserregern schützen sollte oder muss.

Die Möglichkeit dazu bietet ihm das bundesdeutsche Gesundheitssystem mit einem breiten Angebot an Schutzimpfungen. Vor diesem Hintergrund darf „der Staat“ nicht nachlassen, seine Bürger ständig über die Schutzimpfung sowie die Folgen einer Nichtimpfung aufzuklären. Er muss Überzeugungsarbeit leisten.

Impfbereitschaft und Impfdichte sind in Deutschland sicherlich zufriedenstellend. Sehr gut sind sie jedoch erst dann, wenn jeder Bürger geimpft ist, und somit weder angesteckt werden noch anstecken kann.
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