Blutzuckermessgerät

Diabetes mellitus - Therapie, Nervenschmerzen Blutzuckermessgerät

Diabetiker müssen regelmäßig ihren Zucker messen

In diesem Artikel geht es darum, wie man den Zuckeranteil im Blut bzw. in der Gewebeflüssigkeit mit einem Blutzuckermessgerät selbst bestimmen kann.

Der Artikel informiert welche Arten von Messgeräten es gibt und klärt über den medizinischen und gesundheitlichen Nutzen von Blutzuckermessgeräten für den Anwender auf.

Damit verbunden ist ein Überblick der gängigen Messverfahren mit denen die Messgeräte den Glukosespiegel bestimmen. Auf Basis von diesem Beitrag soll ein grundlegendes Verständnis für den Einsatz und die Funktionsweise eines Blutzuckermessgerätes entwickelt werden.

Was ist ein Blutzuckermessgerät?

Die Messkette für den Glukosespiegel besteht grundsätzlich aus dem Sensor und dem Messgerät mit Anzeige. Der Sensor bestimmt auf Basis der Eingangsgröße unmittelbar den Zuckerspiegel.

Eingangsgröße ist entweder ein Tropfen Blut aus einer der gut durchbluteten Fingerspitzen oder die Gewebeflüssigkeit in der Unterhaut.

Das Messgerät ist ein elektronisches Gerät, welches die Sensordaten empfängt und den Messwert in geeigneter Weise dem Anwender anzeigt. Es wird mit einem wiederaufladbaren Energiespeicher mit Strom versorgt.

Die Aufladung erfolgt meist über einen USB Anschluss. Vereinzelt gibt es Ladebuchsen in einem herstellerspezifischen Format.

Das Blutzuckermessgerät zeigt primär den aktuellen Blutzuckerspiegel an. Weiterhin kann das Messgerät die Messwerte protokollieren und mit zusätzlichen Informationen versehen. Die zusätzlichen Informationen sind teilweise von einer Eingabe des Anwenders abhängig.

Gängige Zusatzinformationen sind der Messzeitpunkt, Ist es eine Nüchternmessung oder wie viel BE wurden gegessen. Viele Messgeräte sind auch in der Lage auf Basis einer ausreichenden Anzahl von Einzelmessungen den Langzeitzucker HbA1c abzuschätzen.

Verschiedene Einheiten

Blutzuckermessgerät mit verschiedenen Einheiten?

Der aktuelle Zuckerwert kann in Millimol je Liter (mmol/l) oder in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) angegeben werden.

Milligramm pro Deziliter bezieht sich auf das Gewicht der Glukose pro Volumen. Millimol je Liter gibt die Anzahl der Zuckereinheiten pro Volumen an. Somit kann zwischen den Einheiten linear umgerechnet werden. Von mmol/l zu mg/dl wird mit 18 multipliziert. Andersherum wird durch 18 dividiert.

Beide Einheiten entsprechen dem internationalen Standard. In den meisten Ländern wird jedoch Millimol je Liter verwendet. Im Westen von Deutschland wie auch in Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Japan und in den USA ist noch Milligramm pro Deziliter verbreitet. Eine Vereinheitlichung der beiden Maßeinheiten ist nicht abzusehen.

Die Blutzuckermessgeräte dürfen nicht mehr zwischen beiden Einheiten umrechnen.

Es gab in der Vergangenheit Verwechselungen der verwendeten Maßeinheiten. Dies führte zu falschen Dosierungen der Insulinmengen und zu einer potentiellen Gefährdung des Patienten.

Heutzutage werden die Messgeräte von den Herstellern fest kodiert ausgeliefert. Der Benutzer kann sich die Maßeinheit aussuchen. Falls er später die verwendete Maßeinheit wechseln möchte, muss er über seinen Diabetologen das Messgerät tauschen.

Die Sensoren sind davon nicht betroffen und können weiter verwendet werden.

Formen, Arten & Typen

In Deutschland sind aktuell gut 50 Blutzuckermessgeräte weiter verbreitet. Eine erste Unterteilung der Messgeräte kann auf Basis der Eingangsgröße für den Sensor getroffen werden.

Krankheiten Vitamin-D-Mangel Blutzuckermessgerät

Typischerweise wird eine Blutprobe der Fingerkuppe genommen

Die Mehrheit der Geräte arbeitet auf Basis einer Blutprobe. Der benötigte Tropfen Blut wird mittels Stechhilfe an der seitlichen Fingerkuppe produziert. Dieses Prinzip ist seit Jahren etabliert. Aufgrund der guten Durchblutung der Fingerkuppen können auch sich schnell ändernde Glukosespiegel zuverlässig kontrolliert werden.

Seit 2014 gibt es Messgeräte die den Zuckeranteil subkutan, das heißt unter der Haut, in der Gewebeflüssigkeit messen. Hier verbleibt ein kleiner Sensor permanent über mehrere Tage auf der Haut. Das wiederholte Einstechen der Haut kann somit vermieden werden. Bei sich schnell ändernden Blutzuckerspiegel ist ggf. eine Kontrolle mittels
Blutprobe nötig.

Die Messgeräte, welche mit einer Blutprobe arbeiten, werten diese optisch oder elektrochemisch aus. Beide Methoden haben eine ausreichende Messgenauigkeit entsprechend der gültigen Normen.

Messdauer & Blutmenge

Eine weitere Einordnung der Geräte kann grundsätzlich über die Messdauer in Sekunden und der benötigten Blutmenge in Mikroliter erfolgen.

Aktuelle Geräte bestimmen mit einem Blutstropfen von etwa 0,3 bis 0,5 Mikroliter in annähernd 4 Sekunden den Blutzuckerwert. Die Größe des Blutstropfen ist hierbei kleiner als ein Stecknadelkopf.

Eine weitere Unterteilung der Messgeräte hängt stark von den eigenen Anforderungen und Bedürfnissen des Anwenders ab.

Ältere Anwender sind tendenziell weniger technikaffin und legen Wert auf einfache Bedienbarkeit mit großen Tasten und guter Ablesbarkeit der wichtigsten Informationen.

Anwender die mitten im Leben stehen und den Alltag möglichst unabhängig von ihrer Erkrankung gestalten, suchen tendenziell nach unauffälligen Messgeräten mit langer Akkulaufzeit die nach einer kurzen Messdauer alle relevanten Informationen sinnvoll auf dem integrierten Display anzeigen.

Technikaffine Benutzer sind tendenziell an einer erweiterten Konnektivität sowie an komplexeren Auswertungsfunktionen interessiert. Hier eignen sich Geräte die sich mit Notebook oder Smartphone verbinden und die Daten dort weiter verwerten können.

Um am Ende das für sich passende Blutzuckermessgerät zu finden, empfiehlt sich auf Basis dieser Unterteilung eine Recherche auf den einschlägigen Plattformen im Internet.

Aufbau, Funktion & Wirkung

Warum Blut aus der seitlichen Fingerkuppe?

Messgeräte die mit einer Blutprobe arbeiten, werden meistens mit dem Sensor an die seitliche Fingerkuppe angehalten. Dort wurde vorher mit einer Stechhilfe der Blutstropfen generiert.

Die Fingerkuppe ist eine der am besten durchbluteten Stellen am Körper. Hier kann am einfachsten die benötigte Menge Blut generiert werden. Weiterhin kann man hier die aktuellsten Zuckerwerte gewinnen, was im Fall eines sich schnell ändernden Blutzuckerspiegels die bestmögliche Handlungsgrundlage bietet.

Das Blut wird an der seitlichen Fingerkuppe entnommen da es dort eine geringere Anzahl von Nervenenden gibt als an der Fingerspitze. Einerseits schmerzt es somit weniger und andererseits wird langfristig der Tastsinn an der Fingerkuppe selber geschont.

Auswertung der Probe

Elektrochemische Auswertung der Blutprobe

Die elektrochemische Auswertung wird als amperometrische Messung bezeichnet. Der Blutstropfen wird hierbei vom Sensor in ein Testfeld gesaugt, welches chemisch behandelt ist. Das Messgerät legt eine sehr kleine festgelegte Spannung im Millivolt Bereich an dieses Testfeld.

Das Messgerät misst den fließenden Strom in der Einheit Ampere über die Messdauer. Der Strom ist proportional zum Zucker im Blut und wird zum Schluss in einen numerischen Wert umgerechnet. Diesen Wert zeigt das Messgerät an.

Blutzuckermessgerät

Viele Blutzuckermessgeräte haben einen Display

Optische Auswertung

Optische Auswertung der Blutprobe

Bei der optischen Auswertung ist das Testfeld, wie bei der elektrochemischen Auswertung auch, chemisch behandelt.Im Unterschied dazu jedoch mit mehreren verschiedenen Stoffen.

Diese zeigen in Verbindung mit dem Glukosespiegel im Blut definierte Farbänderungen über die Messdauer, welche vom Messgerät erfasst werden. Am Ende wird die festgestellte Farbänderung wieder in einen numerischen Wert umgerechnet und angezeigt.

Messung unter der Haut

Messung des Zuckerspiegels in der Gewebeflüssigkeit unter der Haut (Subkutan)

Basis für die Messung des Glukosepegels in der Gewebeflüssigkeit ist das Setzen eines entsprechenden Sensors. Dies erfolgt über einen Applikator.

Der Applikator ist eine Art Stechhilfe, welche einen speziellen Schlauch, genannt Sensorfilament, mit der Spitze in das Unterhautgewebe setzt. Gleichzeitig wird der Sensor selbst auf die Haut geklebt. Der Sensor misst nun kontinuierlich den Zucker in der Gewebeflüssigkeit.

Nun kann man bis zu 14 Tage lang die Messwerte und den Werteverlauf der letzten Stunden einfach mit dem Messgerät oder dem Smartphone auslesen. Das Auslesen erfolgt berührungslos über elektromagnetische Kommunikation (NFC – Near Field Communication).

Dies ist das selbe Funktionsprinzip wie beim Radio, jedoch mit wesentlich geringerer Leistung. Es funktioniert auch durch die Kleidung hindurch. Das Messverfahren basiert auf Osmose oder enzymatischer Umsetzung.

Medizinischer Nutzen

Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen einer Blutzuckermessgeräts

Das Blutzuckermessgerät ist eines der wichtigsten Elemente in der Diabetestherapie. Es ermöglicht bei Typ 1 Diabetes, bei Typ 2 Diabetes vorrangig mit Insulinbehandlung und bei Schwangerschaftsdiabetes eine kontinuierliche Selbstkontrolle, welche Grundlage jeglicher Handlungsstrategie ist. Es wird empfohlen die gemessenen Zuckerwerte in einem Zuckertagebuch zu dokumentieren.

Ziel der Handlungsstrategie ist es, den Blutzuckerspiegel in einem leicht erweiterten Normalbereich zu halten. Der Normalbereich definiert sich bei gesunden Menschen mit 70 bis 99 mg/dl nüchtern. Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit sind Spitzen bis 160 mg/dl definiert. Die Zielbereiche von Diabetikern sind individuell mit dem zuständigen
Diabetologen zu besprechen.

Hypoglykämie

Ein zu niedriger Glukosespiegel nennt sich Hypoglykämie oder Unterzucker. Hierbei wird der Körper nicht mit genug Zucker versorgt, was sich in Muskelzittern, HeißHunger oder in schweren Fällen mit Bewusstlosigkeit bemerkbar macht. Unterzucker kann nicht nur den Patienten selbst gefährden sondern auch sein Umfeld, bspw. bei der Teilnahme am Straßenverkehr.

Hyperglykämie

Ein zu hoher Blutzuckerspiegel nennt sich Hyperglykämie oder Überzucker. Hierbei hat der Körper nicht genug Insulin um den Zucker zu verstoffwechseln. Die Schädigung des Körpers tritt insbesondere langfristig auf. Häufig sind Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen.

Langzeitzuckerwert HbA1c

Die Erfolgskontrolle der Therapie erfolgt hauptsächlich über die Kontrolle des Langzeitzuckerwertes HbA1c. Dieser Wert kann auf Basis einer ausreichenden Anzahl von Messwerten über einen genügend langen Zeitraum von vielen Messgeräten geschätzt werden. Abschließend wird der HbA1c jedoch vom Diabetologen im Labor bestimmt. Ist dieser Wert im definierten Rahmen war der Hauptteil der Messwerte im definierten Zielbereich und Hyper- sowie Hypoglykämien konnten erfolgreich vermieden werden.

Vorteile des Geräts

Behandlung Diabetologie

Mithilfe von Messgeräten können Diabetiker Folgeschäden verhindern

Der medizinische und gesundheitliche Nutzen von einem Blutzuckermessgerät manifestiert sich dahingehend, dass das Risiko von Folgeschäden durch Diabetes beim Patienten durch kontinuierliche Selbstkontrolle erheblich verringert wird.

Weiterhin kann eine Gefährdung des Umfelds ausgeschlossen werden indem bspw. vor der Teilnahme am Straßenverkehr der Blutzuckerwert überprüft wird. Bei längeren Fahrten empfiehlt es sich die Blutzuckerkontrolle regelmäßig zu wiederholen.

Insgesamt ermöglicht die Blutzuckerkontrolle mit dem Blutzuckermessgerät nicht nur dem Patienten selbst ein annähernd normales Leben sondern reduziert auch die Kosten für das allgemeine Gesundheitssystem erheblich. Zur Einordnung – 2015 sind weltweit etwa 420 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt und verursachen, inkl. Diabetes
bedingter Folgeerkrankungen, Kosten von etwa 1,3 Billionen US Dollar. Die Tendenz ist steigend.

Fragen & Antworten

Wo zu finden?

Wie bekommt man ein Blutzuckermessgerät?

Bei der Feststellung einer Diabetes wird das Blutzuckermessgerät inklusive den passenden Sensoren von dem behandelndem Arzt per Hilfsmittelverordnung zugewiesen. Möchte man ein bestimmtes Gerät haben, empfiehlt es sich darüber mit seinem Diabetologen zu Sprechen. Dieser kennt sich auch mit der Kostenübernahme bei den
Krankenkassen aus.

Wie genau messen?

Wie genau misst ein Blutzuckermessgerät?

Aktuell ist die Richtlinie DIN EN ISO 15197 in der überarbeiteten Version von 2013 gültig. Sie erlaubt eine Abweichung von maximal 15% vom tatsächlichen Blutzuckerwert, welcher im Labor normalerweise aus dem Plasma bestimmt wird.

Zur Überprüfung seines Messgerätes kann eine Kontrolllösung aus der Apotheke verwendet werden.

Diese hat einen genau definierten Glukosespiegel und zeigt somit die Messungenauigkeit des Messgerätes an.

Woanders messen?

Kann man den Blutzucker auch an anderen Stellen außer der Fingerkuppe
messen?

Ja, eine Messung ist auch an anderen Körperstellen möglich. Jedoch ist die Blutmenge und die Aussagekraft der Blutzuckerwerte abhängig davon wie gut durchblutet die gewählte Stelle ist.

Unser Fazit

Blutzuckermessgeräte sind in der Diabetestherapie unverzichtbar. Sie ermöglichen einen
selbstbestimmten Umgang mit der Erkrankung und sorgen für eine Verringerung des Risikos für Folgeerkrankungen.

Das richtige Blutzuckermessgerät zu finden ist eine Herausforderung, welche von den eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen abhängig ist.

Bitte empfehlt diese Seite oder verlinkt uns:

Bitte bewerten Sie den Artikel

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (96 Stimmen, Durchschnitt: 4,95 von 5)
Loading...
Top