Insulin

Auch bekannt ALS:
Bezeichnung:

Insulin
Ähnliche Tests: C-Peptid, Glucose


Auf einen Blick

Warum wird Insulin untersucht?

Um sich ein Bild der Insulin-Produktion eines Patienten machen zu können. Dies ist bei der Diagnose eines Insulinoms (Insulin produzierender Tumor der Inselzellen im Pankreas) und zur Klärung der Ursache einer Hypoglykämie von besonderem Nutzen..

Bei welchen Erkrankungen sollte Insulin untersucht werden?

  • Bei bekannter aber nicht näher untersuchter Hypoglykämie;
  • bei Symptomen, die auf eine fehlerhafte Produktion oder Verwertung von Insulin im Körper hinweisen;
  • gelegentlich zur Überwachung der Insulin-Spiegel bei Diabetes-Patienten.

Aus welchem Probenmaterial wird Insulin bestimmt?

Mit Blut einer Armvene.


Das Probenmaterial

Was wird untersucht?

Das Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) von den sogenannten B-Zellen produziert und gespeichert. Insulin ist auf Zellebene für den Transport und die Speicherung von Glukose lebenswichtig; es hilft bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels und beeinflußt den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel.

Nach Aufnahme von kohlenhydrathaltiger Nahrung (z. B. Brot, Nudeln, Süßigkeiten) steigt der Glukose-Gehalt im Blut an. Freigesetztes Insulin ermöglicht den Zellen, diese Glukose aufzunehmen, hauptsächlich in Muskel- und Fettzellen, wo Glukose der Energieproduktion und -speicherung dient. Die Leber wird durch Insulin angeregt, entweder die im Blut vorhandene Glukose in Form von Glykogen (kurzfristige Energiebereitstellung) zu speichern und/oder die Glukose in freie Fettsäuren umzuwandeln. Diese werden letztlich von Fettzellen zur Synthese von Triglyceriden verwendet, um so langfristige, energetisch dichtere Reserven in Form von Fett anzulegen.

Menschen und viele Tiere brauchen Insulin als tägliche Grundlage zum Überleben. Ohne Insulin kann Glukose die meisten Gewebe im Körper nicht erreichen. Insulinmangel führt einerseits dazu, daß den Zellen Glukose fehlt und sie somit verhungern; andererseits steigen die Glukose-Werte im Blut bedrohlich an. Letzteres kann zu einem lebensbedrohlichen Zustand, dem sogenannten diabetischen Koma, führen.

Menschen mit Diabetes Typ 1 produzieren kein Insulin mehr und müssen deshalb mehrmals täglich Insulin spritzen. Dagegen haben Menschen mit Typ-2-Diabetes eine zunächst noch ausreichende Insulinproduktion; sie müssen aber Medikamente einnehmen, die zum Beispiel die Insulin-Sensitivität des Körpers erhöhen (da vor allem bei Übergewicht die Körperzellen resistent gegen Insulin werden können) oder die B-Zellen zu vermehrter Insulin-Produktion anregen. Im Laufe der Erkrankung müssen einige Typ-2-Diabetiker letztlich auf Insulin-Injektionen ausweichen, um normale Blutzucker-Werte zu erhalten.

Insulinmenge und Blutzucker müssen zueinander in Balance sein. Hyperinsulinämie bezeichnet den Zustand massiv erhöhter Insulin-Werte im Blut, die bei einem Insulinom (Insulin produzierender Tumor) oder bei Insulin-Überdosierungen gefunden werden und lebensbedrohlich sein können. Denn ein Übermaß an Insulin führt zum Bild einer Hypoglykämie (zu wenig Glukose im Blut), die sich in vermehrtem Schwitzen, Herzstolpern, Hungergefühl, Verwirrtheit, Sehstörungen und Krampfanfällen äußern kann. Da das Gehirn für seine Energiegewinnung völlig auf Glukose angewiesen ist, führt ein Glukosemangel in Folge einer Hyperinsulinämie ziemlich schnell zum insulinbedingten Schock oder sogar zum Tod.

Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
In der Regel wird Blut aus einer Armvene abgenommen.


Der Test

Wie wird der Test eingesetzt?

Zusammen mit anderen Tests, (z. B. Glukose- oder C-Peptid-Messung im Blut), kann die Insulinbestimmung zur Diagnose eines Insulinoms sowie zur genaueren Abklärung einer dokumentierten akuten oder chronischen (nüchtern-)Hypoglykämie herangezogen werden. Insulin und C-Peptid können zur Überwachung der endogenen (körpereigenen) Insulinspiegel eingesetzt werden, außerdem zur Abklärung einer Insulinresistenz sowie zur Bestimmung des Zeitpunktes, von dem an ein Typ-2-Diabetiker auf eine Therapie mit Insulin-Injektionen umsteigen muß.

Die Bestimmung der Insulin-Werte erfolgt manchmal auch in Verbindung mit einem Glukose-Toleranztest (GTT).. Dabei wird nach Glukose-Gabe durch Messung der Blutzuckerspiegel (und manchmal auch der Insulin-Mengen) festgestellt, ob ein Patient an Insulinresistenz leidet, die insbesondere bei Übergewichtigen charakteristisch für beginnenden Typ-2-Diabetes sein kann.

Wann kann der Test sinnvoll sein?
Die Bestimmung von Insulin im Blut kann angezeigt sein, wenn im Rahmen einer Blutzuckerbestimmung abnorme Werte gemessen wurden und/oder ein Patient akut oder chronisch an Symptomen einer Hypoglykämie leidet, zum Beispiel vermehrtes Schwitzen, Herzstolpern, Hungergefühl, Verwirrtheit, Sehstörungen und Krampfanfälle (wobei auch andere Erkrankungen zu diesen Symptomen führen können).

Insulin und C-Peptid werden vom Körper in gleicher Menge produziert, da beide Moleküle durch Aktivierung und Spaltung einer gemeinsamen Vorstufe, dem sogenannten Proinsulin, entstehen. Die Bestimmung beider Spiegel im Blut kann abklären, wie viel Insulin durch endogene (körpereigene) Produktion entstanden ist und wie viel durch exogene (außerhalb des Körpers) Quellen hinzu kam. Dabei spiegelt die gemessene Insulinmenge das Gesamtinsulin im Körper wider, während das C-Peptid Schlüsse auf die vom Körper produzierte Insulinmenge zuläßt.

Beide Tests können auch angefordert werden, wenn die restlose Entfernung eines Insulinoms bestätigt werden soll. Bei den wenigen Menschen nach Transplantation von Pankreas-Inselzellen zur Wiedererlangung der eigenen Insulin-Produktion kann die Insulin-Bestimmung im Blut den Erfolg dieser Maßnahme bestätigen.

Was bedeutet das Testergebnis?
Die gemessenen Insulinwerte müssen immer im Zusammenhang mit der Blutglukose betrachtet werden. Sind beide Werte im Nüchternzustand normal, liegt aller Wahrscheinlichkeit nach eine normal funktionierende Glukose-Regulierung vor. Falls der Insulin-Wert erhöht ist und der Blutzuckerspiegel bei normalen oder leicht erhöhten Werten liegt, kann dies ein Hinweis auf eine Insulinresistenz auf zellulärer Ebene sein. Ist der Insulin-Wert zu niedrig und die Blutzuckermenge zu hoch, liegt eine mangelnde Insulinproduktion vor. Ist schließlich die Insulinmenge normal oder erhöht und sind die zugehörigen Blutzuckerwerte zu niedrig, leidet der Patient an einer Hypoglykämie aufgrund einer Insulin-Überproduktion.

Erhöhte Insulin-Spiegel werden bei folgenden Erkrankungen oder krankhaften Zuständen beobachtet:
1. Akromegalie
2. Cushing-Syndrom
3. Als Nebenwirkung von Kortikosteroiden, Levodopa oder Kontrazeptiva
4. Fruktose- oder Galaktose-Intoleranz
5. Insulinom
6. Fettleibigkeit
7. Insulin-Resistenz, wie sie im Frühstadium des Diabetes Typ 2 vorkommt

Verminderte Insulinspiegel kommen vor bei
1. Diabetes
2. Hypophysenunterfunktion

Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Früher kam Insulin für Injektionszwecke ausschließlich von tierischen Quellen (Pankreas-Zellen von Rind oder Schwein). Heute wird Insulin biochemisch synthetisiert, um ein dem menschlichen Insulin identisches Hormon zu erhalten.

Es gibt mehrere verschiedene Insulin-Präparate mit unterschiedlichen Eigenschaften. Manche wirken sehr rasch und nur kurz, andere verzögert und über einen langen Zeitraum. Diabetiker verwenden manchmal Mischpräparate und/oder unterschiedliche Einzelpräparate über den Tag verteilt.

Die Meßmethoden zur Bestimmung von Insulin sind nicht alle gleich. Sie unterscheiden sich darin, wie gut die verschiedenen Insulin-Arten bestimmt werden können. Ergeben sich unerwartete Testergebnisse, kann eine Rücksprache mit dem beauftragten Labor nötig werden, um es über die verordnete Insulin-Art zu informieren. Stehen mehrere aufeinander folgende Insulin-Bestimmungen an, sollte sie immer vom selben Labor durchgeführt werden. Deshalb kann eine Anti-Insulin-Antikörper-Bestimmung vor jeder Insulin-Messung angefordert werden oder wenn eine Änderung des Insulin-Regimes in Erwägung gezogen wird.


Hinweise & Störungen

Stabilität und Probentransport

Stabilität: Bei Raumtemperatur bis zu 24h, bei 4-8°C bis zu 1 Woche, bei –20°C mindestens 3 Monate.

Referenzbereich
(Die Referenzbereiche sind methoden- und verfahrensabhängig!)
Bitte beachten Sie, dass die Messwerte grundsätzlich nur dann vergleichbar sind, wenn sie mit der gleichen analytischen Bestimmungsmethode erhalten wurden.

Für einen Chemilumineszenz-Immunoassay der Firma Roche:
Referenzbereich nach zwölf-stündigem Fasten: Insulin 2,6–24,9 mU/l (17,8–173 pmol/l).
Bei längerem Fasten (> 12 Stunden): Insulin Störfaktoren und Hinweise auf Besonderheiten
Hämolyse führt, bedingt durch die Freisetzung einer sauren Protease zum Abbau des Insulins. Weitere Störfaktoren können sein: Insulin-Antikörper, humane Anti-Maus-Antikörper im Patientenserum.

Richtlinien zur Qualitätskontrolle
Unabdingbar ist eine regelmäßige laboreigene (interne) und externe Qualitätskontrolle des verwendeten Assay-Systems.


Häufige Fragen

Kann Insulin auch zu Hause bestimmt werden?

Nein. Zwar kann der Blutzuckerspiegel zu Hause bestimmt werden, die Insulin-Bestimmung erfordert jedoch spezielle Geräte und Laborerfahrung.

Warum muß Insulin injiziert werden?
Insulin muß injiziert oder mir Hilfe einer Insulin-Pumpe verabreicht werden. Es kann nicht auf oralem Weg gegeben werden, da es im Magen verdaut wird.

Wie wird ein Insulinom behandelt?
Insulinome sind Insulin produzierende, jedoch meistens nicht bösartige Tumore. Sie werden üblicherweise entfernt.  Danach treten sie in der Regel nicht mehr auf.

Was bedeutet Insulin-Resistenz?
Insulin-Resistenz bedeutet, daß der Körper nicht in ausreichendem maße in der Lage ist, mittels Insulin Glukose in die Zellen zu transportieren, die diese als Energielieferant brauchen. Die Bauchspeicheldrüse versucht diese Resistenz auszugleichen, indem sie mehr Insulin ausschüttet. Meßbar ist dieser Zustand durch erhöhte Mengen von Insulin und C-Peptid im Blut sowie normale oder erhöhte Blutzuckerspiegel. Deshalb können die Testergebnisse von Blutzucker, Insulin und C-Peptid helfen, eine Insulin-Resistenz festzustellen.

Insulin-Resistenz ist ein Warnsignal, daß der Körper Probleme bei der Glukose-Verarbeitung hat und charakteristisch für einen beginnenden Diabetes (Prä-Diabetes). Patienten mit früher oder mäßiger Insulin-Resistenz haben oftmals keine charakteristischen Symptome. Wird dieser Zustand jedoch ignoriert, sind diese Patienten einem höheren Risiko ausgesetzt, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Hyperlipidämie und/oder Herzerkrankungen über die nächsten Jahre zu entwickeln. Diese vier Symptome definieren das Krankheitsbild Insulin-Resistenz-Syndrom (Metabolisches Syndrom, Syndrom X). Diabetes Typ 2 ist eigentlich keines der vier Kardinalsymptome, sondern die nächste Stufe des metabolischen Syndroms. Die eigentlichen vier Symptome sind Adipositas, Hypertonus, Dyslipoproteinämie und Glukoseintoleranz.

Risikofaktoren für die Entstehung eines Insulin-Resistenz-Syndromes sind:

  • Fettleibigkeit, insbesondere eine männliche Fettverteilung
  • Diabetes in der Familie
  • Gestationsdiabetes (Entwickeln eines Diabetes während der Schwangerschaft)
  • Polyzystisches Ovar

Die Therapie einer Insulin-Resistenz beinhaltet im Wesentlichen eine Änderung der Ernährungs- und Lebensweise. Angemessene Gewichtsreduzierung, regelmäßig moderate sportliche Betätigung und ballaststoffreiche Ernährung tragen nachweislich dazu bei, die Insulin-Menge im Blut zu senken und gleichzeitig das Ansprechen des Körpers auf Insulin zu erhöhen.


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