Heilpädagogik

Sinnvoll für alle Altersgruppen

Behandlung HeilpädagogikEin interessanter Beruf, für den sich immer mehr junge Menschen entscheiden, ist die Heilpädagogik. Die Begründung, warum das so ist, liegt in den abwechslungsreichen Tätigkeitsfeldern, die dieser Profession bietet.

Darüber hinaus werden in der Heilpädagogik sehr hohe Ansprüche an die Fachleute gestellt, die sich aus speziellen Problemstellungen und Lösungsansätzen ergeben. In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Heilpädagogik.

Definition Heilpädagogik

 

Bei der Heilpädagogik geht es um einen Teilbereich der Pädagogik, der hauptsächlich die Tätigkeitsbereiche soziale Arbeit und Erziehung umfasst. Die Heilpädagogik beinhaltet jedoch einen großen Fundus an medizinischem Wissen. Allerdings nimmt sich die Heilpädagogik die medizinischen Erkenntnisse nur als Hilfe, um ihre Zielsetzungen zu erreichen.

Menschen, die sich mit Heilpädagogik beschäftigen, legen ihr Augenmerk auf Aspekte wie theoretische und praktische Erkenntnisse, die der Förderung und der Erziehung von Personen, die unter erschwerten sozialen und gesundheitlichen Bedingungen leben.

In diesem Zusammenhang spielen Begriffe wie:

  • Körperliche, psychische, soziale und geistige Beeinträchtigungen
  • Leichte und schwere sowie vorübergehende und bleibende Ausprägung
  • Erschwerte Entwicklung der Persönlichkeit

Die Heilpädagogen bemühen sich auf dieser Basis vorrangig für Kinder verschiedener Altersklassen und Jugendliche, die unbedingte pädagogisch-therapeutische Angebote benötigen, um sich angemessen entwickeln zu können.

Daher ist die Heilpädagogik eine ausgewogene Mischung aus Medizin, Pädagogik, Soziologie, Sozialmedizin, Psychologie und Anthropologie. In der Heilpädagogik werden hauptsächlich Menschen betreut und gefördert, die seelenbedürftig sind.

Ursprung und Entwicklung der Heilpädagogik

Die Geschichte der Heilpädagogik geht bis in das Altertum zurück. Das Schicksal behinderter Menschen ist Inhalt verschiedener mesopotamischer und ägyptischer Überlieferungen. Auch im Alten und im Neuen Testament hatten die Behinderten immer eine gesonderte Stellung inne.

Dasselbe trifft auf das Mittelalter zu, in dem das Christentum gebot, sich gerade um diese Schwachen und Leidenden zu kümmern. Schon 1780 wurden die ersten pädagogischen und medizinischen Ansätze dank der zunehmenden Aufklärung formuliert

Weitere Erkenntnisse über den Ursprung gehen bis 19. Jahrhundert zurück. Namen wie Georgens und Deinhardt erlangten bei der ursprünglichen Prägung der Heilpädagogik eine entscheidende Bedeutung. Sie lebten diese Wissenschaft in einer nahe bei Wien errichteten Heilpflege- und Erziehungsanstalt, in der Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen lebten.

Beide Herren legten die Grundlagen für die wissenschaftliche und die systematische Theorie. In den nachfolgenden Jahren bekräftigen die Pädagogen Moor und Hanselmann in ihrer Schweizer Schule dieses Basiswissen. Darüber hinaus differenzierten oder unterschieden sie in außerschulische Heilpädagogik und schulische Sonderpädagogik.

Seit den Erfahrungen, die im Dritten Reich gemacht wurden, und in den nachfolgenden Jahrzehnten wurde etwa in den 60er Jahren davon ausgegangen, dass Behinderte nicht nur verwahrt, sondern gefördert werden müssen. Ein relevanter Schritt stellte das sogenannte Normalisierungsprinzip dar, das eine Integration unterstützt.

Ein Sonderzweig der Heilpädagogik ist die anthroposophisch orientierte Heilpädagogik.

 

Durchführung und Wirkungsweise der Heilpädagogik

 

Die Heilpädagogik stützt sich auf mehrere Säulen.

 

Das sind in der Praxis:

 

  • Humor und Enthusiasmus
  • Erziehung und Selbsterziehung
  • Willensdefekte und Denkdefekte

In Abhängigkeit von der Art und vom Grad einer Behinderung nutzt die Heilpädagogik unterschiedliche Prinzipien. Diese wirken entweder einzeln oder sie greifen ineinander. Außerdem sind die Vorgaben klare Richtlinien für die Durchführung der praktischen Tätigkeiten.

 

Zu diesem Komplex gehören:

 

  • Prinzip der Grobsinnigkeit (Weglassen von verwirrenden Details und Vergrößerung des Anschauungsmaterials)
  • Prinzip der Mehrsinnigkeit (viele Sinne ansprechen oder schwerpunktmäßig einzelne Sinne auswählen)
  • Motorisches Prinzip (kein Lernen mit dem Kopf, sondern mit Bewegung oder Tätigkeiten)
  • Prinzip der Angepasstheit (Lehrer gehen vom Verstehen und Erleben des Schülers aus, Lernniveau wird nur in kleinen Schritten erweitert)
  • Prinzip der Anschauung (Vorgehensweise vom Konkreten zum Abstrakten, Arbeit beginnt mit Gegenständen aus der Wirklichkeit, danach werden Bilder und Modelle genutzt)
  • Prinzip der Emotionalität (Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Lob, Anerkennung, eigenen Ideenreichtum erfüllen, dann lernen)
  • Prinzip der Entwicklungsgemäßheit (Verstehensebene des Schülers beachten und dessen Lebenserfahrung einbinden)
  • Prinzip der Festigung (nächsten Lernschritt erst dann vermitteln, wenn der erste ausreichend geübt und gefestigt wurde)
  • Prinzip der Haltgebung (Lehrer soll vertrauenswürdig sein, um die Selbstverwirklichung der Schüler zu fördern)
  • Prinzip der Individualisierung (jedes Kind hat einen anderen Bedarf an Förderung, dabei wird die Größe der Gruppe beachtet)
  • Prinzip der Isolierung von Schwierigkeiten (nicht mehrere Schwierigkeiten gleichzeitig überwinden lassen)

Das sind einige Prinzipien von vielen, die in der Heilpädagogik angewandt werden.
Behandlung HeilpädagogikUm eine möglichst optimale Förderung der Schüler zu erreichen, ist eine wird der zu lernende Unterrichtsstoff in zahlreiche kleine, leicht überschaubare und nachvollziehbare Phasen unterteilt.

Die Lehrer setzen zudem die Schwerpunkte beim Lernen nur auf einen Teilaspekt, um die Kinder nicht zu überfordern.
Insbesondere solche Themen, die im Leben der Kinder und Jugendlichen im Zentrum stehen, sollen mit einer möglichst hohen Motivation und unter Umständen spielerisch verarbeitet werden.

Auch eigene Ideen und Vorschläge sowie ein selbstständiges Arbeiten wird unterstützt.

 

Heilpädagogik hilft gegen

 

  • Auffälligkeiten im Bereich Wahrnehmung
  • Probleme in der Schule
  • Auffälligkeiten im Verhalten

In erster Linie kommt es den Heilpädagogen und deren Mitstreitern darauf an, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, deren Entwicklung im Vergleich zu gesunden Personen nur langsam voran schreitet, eine ganzheitliche Förderung angedeihen zu lassen.

Gemeint sind damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in kognitiven, motorischen, sozialen und emotionalen Bereichen nicht so sind, wie gesunde Menschen. Ganzheitlich bedeutet, dass Körper, Geist und Seele therapiert werden.

Die Heilpädagogik ist infolge dessen eine sogenannte alternative Erziehungswissenschaft, die dann greift, wenn die durchschnittliche Erziehung nicht in ausreichendem Umfang zum erwünschten Erfolg beitragen kann.

 

Kognition = Erkennen, Wahrnehmung, Denken

 

Emotion = Gefühl

 

Motorik = Bewegung

 

Sozial = Zusammenleben in der Gesellschaft oder in der Gemeinschaft

 

Heilpädagogik fördert und stärkt

 

  • Motorische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen (Verbesserung der Feinmotorik und der Koordination sowie Geschick und Ausgeglichenheit)
  • Sprachliche Entwicklung der Patientinnen und Patienten (Erweiterung des Wortschatzes, deutliche Artikulation, Optimierung des Redeflusses und der Grammatik)
  • Kognitive Entwicklung oder Entwicklung des Denkens (Zusammenhänge einfacher herstellen, neues Wissen schneller abspeichern, neue Handlungsstrategien entdecken)
  • Emotionale und Soziale Entwicklung (Unterlassen von Einkoten und Einnässen, Schlaf, liebevolles Verhalten, Geduld)
  • durch frühkindlichen Autismus oder das Asperger Syndrom eingeschränkte Fähigkeiten
  • Kinder, die Erfahrungen mit traumatischen Ereignissen gemacht haben

Das Asperger Syndrom ist eine leichtere Ausprägung des Autismus. Betroffene weisen eine geschwächte oder gestörte soziale Handlungs- und Mitteilungsfähigkeit auf. Autismus ist eine psychische Krankheit mit eingeschränktem Verhalten.

In der Heilpädagogik stehen aber nicht nur die mit einer Behinderung lebenden Kinder und Jugendlichen im Zentrum. Dieses Wissensgebiet unterstützt die komplette Familie.

Das wird daran deutlich, dass Eltern und nahe Angehörige nicht außen vor sind, sondern sich ebenfalls kompetente Hilfe und Unterstützung in dieser ganz speziellen Lebenssituation holen können.

 

In der Heilpädagogik gibt es Möglichkeiten wie:

 

  • Coaching für Eltern
  • Beratungen für Eltern
  • Unterstützung und Beratung bei Überforderung und in problematischen Lebenslagen

Unter dieser Voraussetzung sind Familien mit behinderten Kindern und Jugendlichen nicht allein gelassen.

 

Heilpädagogik und Diagnostik

 

Die Diagnostik spielt in der Heilpädagogik eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sie ist aber nur ein Part innerhalb einer multiprofessionellen Befundung. Im Wesentlichen geht es in der Heilpädagogik darum, was für ein Mensch das ist, der einer Förderung bedarf.

Darüber hinaus ist die umfassende heilpädagogische Diagnostik die Voraussetzung für eine möglichst ganzheitliche individuelle Betreuung und Unterstützung. Die heilpädagogische Diagnostik oder Befunderhebung steht jedoch nicht allein. Sie stellt immer eine Verbindung zur medizinischen Diagnostik her.

Nach der Beendigung der Diagnostik werden alle Ergebnisse zusammengefasst. Daraus resultiert wiederum die Planung der Förderung und der Therapie.

 

In der Praxis stellen sich die diagnostischen Strukturen der Heilpädagogik folgendermaßen dar:

 

  • Informationen über den medizinischen Ausgangszustand bei Fachärzten
  • Gespräche mit den Bezugspersonen für die Anamnese oder Krankengeschichte
  • Rücksprache mit bereits in die Behandlung einbezogenen therapeutischen Einrichtungen
  • Beobachtung des Spielens und des Verhaltens des Kindes oder Jugendlichen
  • Beobachtung der Interaktionen
  • Anwendung bewährter Tests für die Ausführung der Entwicklungsdiagnostik

Eine Interaktion ist das Handeln einer Person innerhalb einer sozialen Gruppe.

 

Risiken und Nebenwirkungen der Heilpädagogik

 

Die Heilpädagogik, die in der Pädagogik, der Psychologie und in der Sonderpädagogik als Übergangsstelle fungiert, bezeichnet sich selbst als Pädagogik unter erschwerten Gegebenheiten. –

Behandlung HeilpädagogikSowohl verhaltensauffällige Kinder als auch Jugendliche und Erwachsene werden in dieser ressourcenorientierten Wissenschaft aufgefangen.

Risiken bestehen lediglich darin, dass eine fehlerhafte, unsachgemäße Diagnostik zu einer falschen Therapie führen kann, die zu weiteren Schäden der Betroffenen beiträgt.

Da in der Heilpädagogik auch die Psychotherapie einen hohen Stellenwert einnimmt, kann sich der Zustand am Anfang zunächst verschlechtern.

Gerade zu Beginn einer Behandlung, wenn alles neu ist und die Eingewöhnungsphase nicht sanft abläuft, können die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen durchaus Ängste entwickeln, die eine weitere Therapie erschweren. Deshalb muss einfühlsam und rechtzeitig gegengesteuert werden.

 

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen der Heilpädagogik

Grundsätzlich gibt es in der Heilpädagogik keine heraus stechenden Gegenanzeigen. Das ist aber nur dann so, wenn die Behandlungen an das Intelligenzniveau der Patientinnen und Patienten angepasst wird.

Fachleute für Heilpädagogik

  • speziell geschulte Erzieher
  • Behindertenbetreuer
  • Sport- oder Kunsttherapeuten
  • Sonderpädagogen
  • Psychologen
  • Fachärzte
  • Heilerziehungspfleger
  • Lehrer an Behindertenschulen
  • Sozialbetreuer
  • Sozialpädagogen
  • Heilpädagogen mit Ausbildung

Diese Konstellation aus mehreren Berufszweigen ist sinnvoll, zumal die Heilpädagogik von den unterschiedlichsten Fachbereichen profitiert. Durch diese multiprofessionelle Zusammensetzung kann zudem eine optimale Förderung der behinderten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen realisiert werden. Ohne Teamarbeit kommt die Heilpädagogik nicht auf.

Unser Fazit

Die Heilpädagogik hilft Menschen aller Altersklassen mit Defiziten der Entwicklung. Sie ist ebenfalls für die Eltern und alle anderen Bezugspersonen da, um diese intensiv zu begleiten. Alle Beteiligten machen somit vorrangig positive Erfahrungen, die sich in einer Lebensstärkung der Patientinnen und Patienten zeigt.

Dazu gehört die Entfaltung der Persönlichkeit und der Gemeinschaftsfähigkeit sowie die Förderung der Selbstständigkeit, des Bildungsstandes und der individuellen Fähigkeiten. Der Besuch eines Instituts mit einer heilpädagogischen Betreuung ist daher vorteilhaft für alle Beteiligten.

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