Gehen

Das Gehen ist die primäre Fortbewegungsart des Menschen. Es hat uns im Verlauf unserer Evolution, zusammen mit anderen Entwicklungen wie der Sprache und unserer Intelligenz, zu dem gemacht, was wir heute sind.
Das Gehen auf zwei Beinen ist dabei in dieser Form beim Menschen einzigartig. Entsprechende Anpassungen unseres Körpers bedeuten dabei Vor- und Nachteile. Das Gehen ALS Bewegung ist dabei zentraler Aspekt zur Erhaltung unserer Gesundheit.

Was ist das Gehen?

Das Gehen ist der Prozess, bei welchem unter Einbezug verschiedener Knochen, Muskeln, Nerven und Sehnen eine Bewegung der Beine durchgeführt wird, die eine Fortbewegung zum Ziel hat.
Dabei erfolgt das Gehen als Automatismus – der Gehende muss sich also in der Regel nicht aktiv darauf konzentrieren, seine Muskeln richtig zu koordinieren, damit die entsprechende Bewegung stattfindet. Dies ist zu vergleichen mit den kontraktilen Schwimmbewegungen der Qualle oder den Flügelbewegungen von Insekten. Auch hier findet keine aktive Kontrolle der Bewegungen statt.
Vielmehr sorgt ein Ziel – ein geistig erfasstes oder ein instinktives – dafür, dass der Prozess der Bewegung eingeleitet wird.
Beim Menschen erfolgt das Gehen dadurch, dass zuerst einmal ein Bein vorgesetzt und dann auf dem Boden aufgesetzt wird. Nun wird dieses als Standbein verwendet und das andere Bein wird gleichsam verwendet. Beim Gehen stehen wir also regelmäßig auf einem Bein. Entsprechend ist es auch gut, dass wir uns nicht aktiv auf die Balance konzentrieren müssen.
Dabei legt der durchschnittliche Geher 1,4 Meter in der Sekunde zurüCK – dies entspricht ungefähr fünf Kilometern pro Stunde. Diese Bewegung ist weit langsamer als die vieler anderer Tiere mit vergleichbarer Größe.
Dennoch hat sich der aufrechte Gang, der sich beim Mensch wohl vor fünf bis sechs Millionen Jahren entwickelte, zu einem evolutionären Vorteil gemausert. Durch den besseren Überblick in den Steppenlandschaften, die der Mensch in seiner Entwicklung damals bewohnte, waren Jagd und Flucht begünstigt. Zudem ist die Fortbewegungen auf zwei Beinen – so belastend sie auch für den Rücken, die Fußsohlen und ein paar andere Teile des Körpers sein mag – energieeffizienter.
Unsere Wirbelsäule hat zum besseren Tragen unserer Statur und zur Aufrechterhaltung des Körpers die Doppel-S-Form angenommen, die Orthopäden und Chiropraktikern den Großteil ihrer Existenzsicherung beschert. Schließlich ist unsere Wirbelsäule in einer Form entwickelt, die besonders anfällig für Belastungs- und Verschleißerscheinungen ist. Dennoch ist diese Form notwendig, um uns aufrecht und balanciert gehen zu lassen.

Arten des Gehens

Neben der Grundbewegung des Gehens – in der Regel vorwärts – gibt es noch einige weitere Varianten des Gehens, die alle auf diese Grundbewegungen zurückzuführen sind. Dabei sind einige von ihnen mit einer gewissen Konzentration verbunden. Denn nicht alle Arten des Gehens sind Automatismen und natürlich für den Menschen. Doch je nach Situation kann Flexibilität beim Gehen wichtig und entscheiden sein.
Einige Formen des Gehens sind zum Beispiel:

  • Schleichen auf Zehenspitzen (erfordert Konzentration auf Balance und Geräuschunterdrückung)
  • Schlurfen (das Gehen ohne Anheben der Beine)
  • Langsames Gehen (häufig alters- oder krankheitsbedingt, aber auch aktiv herbeiführbar)
  • Schnelles Gehen (erfordert unter Umständen Anpassung von Atmung, Herzfrequenz, etc.)
  • Laufen (Anpassung von Atmung, Herzfrequenz, Fußhaltung, etc.)
  • Sprinten (zusätzlich noch Anpassung der gesamten Körperhaltung)
  • Rückwärts gehen (erfordert Koordination aller Bewegungsabläufe)
  • Seitwärts gehen (erfordert ebenfalls Koordination aller Bewegungsabläufe)

Dabei sind vor allem die schnelleren Varianten des Gehens wichtig für den Menschen. Die Fähigkeit, schnell zu laufen, war schon immer elementar für das Überleben. Auch auch das Schleichen und das Rückwärtsgehen sind praktisch.
Im Alltag verwenden wir die meisten dieser Möglichkeiten regelmäßig. Bei vielen Arten müssen wir uns auch nicht stark konzentrieren, weil wir diese Dinge schon früh gelernt haben. So können die meisten Menschen beispielsweise ohne Probleme sprinten. Bei Arten wie dem Rückwärtsgehen und dem Schleichen auf Zehenspitzen sieht dies schon anders aus. Diese Dinge kann man erlernen.

Funktionen, Nutzen & Aufgaben des Gehens

Heutzutage dient uns das Gehen vor allem als Fortbewegungsart. Dabei werden beim Gehen viele verschiedene Muskeln beansprucht, die Atmung intensiviert und die Durchblutung angeregt. Da das Gehen so einfach im Alltag integriert werden kann, stellt es ein ideales Training mit großem gesundheitlichen Nutzen dar.
Durch das Gehen können Kalorien abgebaut werden. Es hält die Gelenke aktiv und sorgt mit seiner Durchblutungsförderung für eine Stärkung und den Erhalt des Herzkreislaufsystems. Der zusätzlich aufgenommen Sauerstoff kann uns beim Denken unterstützen.
Tatsächlich kann das Gehen einiger zusätzlicher Schritte am Tag das Risiko für viele Krankheiten – gerade für solche, die auf unsere mangelnde Bewegung zurückzuführen sind – enorm senken. Schließlich leben die meisten modernen Menschen im Sitzen und Schlafen, was unserem Körper nicht gut tut. Ein gutes Gehen ist schließlich maßgeblich für die Körperhaltung und damit den aufrechten Stand. In unserem gesellschaftlichen Leben hat die Körperhaltung eines Individuums großen Einfluss darauf, wie es wahrgenommen wird.
Die Weisheit, man solle am Tag 10.000 Schritte tun, mag sich zwar nach einer schwierig lösbaren Aufgabe für viele Menschen anhören. Aber schon mit ein paar Tausend Schritten am Tag, und damit einigen Minuten des Gehens, zu beginnen, kann helfen, die Gesundheit zu fördern und das Wohlbefinden zu steigern.
Dabei ist das Gehen, weil es in der Regel automatisch funktioniert, ein idealer Sport für jedermann. Unabhängig vom Alter kann das individuelle Gehtempo gefunden werden. Dabei kann man das Gehen mit einer Unterhaltung kombinieren, die Gegend erkunden, ein Ziel festsetzen oder einfach spazieren, ohne sich groß Gedanken über Dauer und Ziel zu machen. Das Gehen kann wahnsinnig entspannend sein und Gedanken ordnen.
Dadurch, dass es keine spezielle Ausrüstung benötigt, ist es die einfachste Möglichkeit, seinen Körper ganzheitlich bei der Erhaltung der Gesundheit zu unterstützen.
Dabei hat das Gehen noch ein paar andere Vorteile im Leben:

  • Es fördert die Mobilität und damit die Anteilnahme am öffentlichen Leben
  • Ein langes Aufrechterhalten der Fähigkeit zum Gehen bewahrt diese auch im Alter
  • Das Gehen ist ein Ausdauersport, der einen auch fit für andere Sportarten machen kann

Daher sollte das Gehen immer Bestandteil des Alltags sein und eventuell in langen Spaziergängen untergebracht werden. Mindestens drei Stunden wöchentlich sollten gegangen werden, um seinem Körper die Vorteile zu bieten.
Auch Menschen mit Schwierigkeiten beim Gehen sollten, sofern es ihnen möglich ist, mit Hilfe einer Gehilfe (Gehstock, Rollator, Arm einer anderen Person, etc.) diese Form von Bewegung ausleben, um in anderen Bereichen – allem voran im Herzkreislaufsystem – fit zu bleiben. Zudem kann das Gehen den Gleichgewichtssinn fördern. Gerade gebrechlichen Personen kommt dies zugute.

Das Gehen bei der Menschwerdung

Neben dem evolutionären Umbau der Wirbelsäule haben sich noch eine Reihe andere Merkmale geändert. Die Fußform hat sich beispielsweise dahingehend geändert, dass alle Zehen beim Menschen nach vorne zeigen. Bei den meisten Tieren zeigt hingegen mindestens einer nach hinten.
Gleichzeitig hat sich unsere Muskulatur entsprechend der Aufrechterhaltung des Körpers und des Gehens auf zwei Beinen angepasst. Dabei stellt das ständige Balancieren auf einem Bein eigentlich eine enorm instabile Art der Fortbewegung dar. Dennoch haben sich unser Gleichgewichtssinn und unsere Koordinationsfähigkeit dahingehend entwickelt, die Vorteile des aufrechten Ganges zu nutzen.
So konnte der Mensch sich nicht nur besser in seiner Umwelt orientieren, indem er sie besser überblicken konnte. Auch wurden durch den aufrechten Gang die Hände von der Aufgabe befreit, uns beim Gehen zu stützen. Somit konnten sie sich weiter in Richtung Werkzeug zur Manipulation der Umwelt entwickeln. Auch dies hat uns im Menschwerden entscheidend voran gebracht.

Krankheiten & Beschwerden im Zusammenhang mit dem Gehen

Nicht nur, dass die meisten Menschen zu wenig Bewegung haben und deshalb das Erkranken an Krankheiten (vor allem an den sogenannten Zivilisationskrankheiten) riskieren. Auch können uns neben Gelenkversteifungen, Herzkrankheiten, Übergewicht, Bluthochdruck und vielem mehr ein paar Verschleißerscheinungen heimsuchen, die zum Teil auch in unserer Anatomie begründet liegen. Beispielsweise wird der Mensch durch die Mehrbelastung seiner Wirbelsäule und Füße von Folgendem betroffen:

Dabei steigt die Gefahr, an diesen und ähnlichen Dingen zu erkranken, mit zunehmendem Alter und mangelnder Bewegung. Diese Erscheinungen sind zwar teils auch auf das Gehen zurückzuführen. Aber auch die Körperhaltung (beim Sitzen und Gehen) sowie Unregelmäßigkeiten in der körperlichen Ertüchtigung sind ursächlich. Ein regelmäßiges Nutzen und Intakthalten des Bewegungsapparates beugt also solchen Beschwerden vor.
Da das Gehen durch seine den Körper anregende Wirkung alle Organe betrifft, ist ein Auslassen dieser Form der Bewegung indirekt auch ein Faktor für viele andere Erkrankungen, die sich pauschal auf unzureichende Nährstoffversorgung, Verfettung eines Bereichs, zu hohe Belastung, etc. zurückführen lassen.
Der Verlust der Fähigkeit zu gehen und eine Einschränkung durch andere Probleme, stellen deshalb ein ernstzunehmendes Problem dar. Es sollte sich nach Möglichkeit darum bemüht werden, die Fähigkeit wieder herzustellen. Dabei ist neben den medizinischen Vorteilen eines regelmäßigen Gehens auch der individuelle Aspekt der Autonomie zu betonen.
Ist ein Gehen nicht mehr möglich, ist es dennoch im Interesse, Teile des Bewegungsapparates, die noch funktionieren, zu fördern. Hierfür kommen andere Möglichkeiten, wie das Schwimmen (eventuell mit Hilfsmitteln) in Betracht.

Das Gehen bietet also eine Reihe von positiven Einflüssen auf uns und unseren Körper:

  • Versorgung mit Sauerstoff
  • Energieverbrennung
  • Stressabbau
  • Intakthalten von Gelenken, Muskeln, Herzkreislaufsystem
  • Förderung des Gleichgewichtsinnes
  • Bewahrung der individuellen Mobilität

Fragen & Antworten zum Gehen

Macht es einen Unterschied, auf welchem Untergrund man geht oder läuft?

Ja. Dauerhaft ebener Betonboden belastet unsere Wirbelsäule stärker als unebener Boden. Auf Waldböden beispielsweise müssen unsere Nerven in den Füßen nämlich aktiver sein und uns immer wieder zur richtigen Balance verhelfen. Dies stimuliert den Körper eher und lässt mehr Muskeln arbeiten – was wiederum besser für die Wirbelsäule ist. Es gibt hierfür aber auch spezielle Schuhe.
Und auch ein Treppensteigen ist ein gutes Gehen. Es fördert aber andere Muskelpartien stärker.

Zählt das Gehen im Alltag zum medizinische wertvollen Gehen?
Natürlich! Aber es sollte auf die Körperhaltung beim Gehen geachtet werden. Ein gebeugtes Schieben von Objekten und ein unmotiviertes Schlurfen durch Flure ist natürlich nicht optimal. Dennoch macht bekanntlich jeder Gang schlank (und hält fit).

Wie kann man das Gehen im Alltag einfach integrieren?
Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten. Man kann beispielsweise einfach mal eine oder zwei Stationen vorher aus Bahn oder Bus aussteigen (entsprechend Zeit einplanen) oder kurze Strecken, die man sonst anderweitig zurückgelegt hat, zu Fuß bewältigen. Eventuell lohnt es sich auch mal, die Umgebung ohne Auto, Bus, Fahrrad, etc. zu erkunden. Eventuell findet man dabei ja etwas Schönes.
Das Gehen kann, wie alle Sportarten, durch das Ausschütten von Glückshormonen auch ein wenig süchtig machen. Hat man also einmal Gefallen am Gehen gefunden, wird man es auch weiter ausbauen und genießen.

Unser Fazit zum Gehen

Da das Gehen von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung unserer Gesundheit und Lebensqualität ist, sollte es von jedem, der dazu in der Lage ist, forciert werden, sich ausreichend auf diese Art zu bewegen. Da das Gehen so herrlich flexibel in der Gestaltung ist, ist dies besonders leicht zu bewerkstelligen. Dabei sind die vielen positiven Aspekte ein gutes Argument dafür, einfach mal draußen frische Luft zu schnappen

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