Asexuell

In dem Artikel möchten wir Ihnen einen umfassenden Überblick rund um das Thema Asexualität geben. Wir werden den Begriff definieren, einige weitere sexuelle Orientierungen kurz anschneiden, Asexualität in allen Facetten darstellen und häufig gestellte Fragen beantworten. Mit einem abschließenden Fazit runden wir das Gesamtbild ab und skizzieren so ein möglichst komplettes Bild der gesamten Thematik.

Was ist Asexualität

als Asexuell bezeichnet man Individuen, die keine bzw. nur sehr geringe sexuelle Neigungen zum männlichen oder weiblichen Geschlecht verspüren. Es handelt sich bei dem Phänomen nicht um eine behandlungsbedürftige Krankheit bzw. Störung, sondern um eine eigene sexuelle Orientierung wie auch die Heterosexualität oder Homosexualität.
Die Betroffenen haben trotz der fehlenden Libido eine eigene Geschlechtsidentität, die in der Psychologie, der Wissenschaft vom Erleben und Verhalten, als individuell empfundene Zugehörigkeit zu einem Geschlecht definiert wird.

In den meisten Fällen stimmt diese wahrgenommene Identität mit den Geschlechtsmerkmalen überein, wobei es hier aber Abweichungen geben kann. Es kommt immer wieder vor, dass ein Mensch zwar feminine Geschlechtsmerkmale hat, sich aber trotzdem als Mann fühlt und umgekehrt. Man spricht in diesen Fällen auch von Transsexualität. Forscher Gehen mittlerweile davon aus, dass solche Phänomene mit einem hormonellen Ungleichgewicht des Kindes während der Schwangerschaft zu tun haben. Transsexuelle haben dank enormer Fortschritte der Medizin in der heutigen Zeit die Möglichkeit, ihr Geschlecht durch Hormontherapie und ergänzende Operationen ihren Bedürfnissen anzupassen und zu ändern.

Neben der Asexualität gibt es als Steigerung den Zustand der sogenannten Sexualangst, die auch als Genophobie bezeichnet wird. Sie kann individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und bis zur totalen Abneigung körperlicher Nähe reichen. Im Zusammenhang mit körperlicher Nähe kommt es dabei oft zu Angstreaktionen wie Herzrasen, Panickattacken, Kurzatmigkeit oder Zittern. Im Gegensatz zur Asexualität handelt es sich hier eindeutig um eine psychische Störung, die aufgearbeitet und behandelt werden muss. Geschlechtsverkehr ist in diesen Fällen nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Welche weiteren sexuellen Orientierungen sind in der Gesellschaft verbreitet?

Die psychologische Bandbreite ist in diesem Bereich, wie Sie sich sicher denken können, nahezu uferlos. Die unten dargestellten Phänomene sind daher nicht als abschließende Aufzählung zu verstehen. Es gibt zwei Arten, die in der Gesellschaft besonders oft anzutreffen sind.

Die häufigste Form der Sexualität ist die Heterosexualität, bei der sich Angehörige des weiblichen Geschlechts zu Männern hingezogen fühlen und umgekehrt.

Experten gehen davon aus, dass 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung eine homosexuelle Veranlagung haben, also gleichgeschlechtlich orientiert sind. Diese Form der Sexualität ist in Deutschland im Gegensatz zu einigen anderen Ländern gesellschaftlich mittlerweile akzeptiert, es gibt eine Reihe von Gesetzten und Vorschriften, die eine Diskriminierung von Homosexuellen verbietet. Das war allerdings nicht immer so. Vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus waren sie wie viele andere Minderheiten Benachteiligung und Verfolgung ausgesetzt. Bis zum Ende der 60er Jahre war Homosexualität auch in der Bundesrepublik Deutschland unter Strafe gestellt.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe sexueller Orientierungen, die als Krank eingestuft sind und behandelt werden müssen. Hierzu gehört z.B. die Pädophilie, bei der sich Erwachsene zu Kindern hingezogen fühlen. Diese Form der Sexualität ist in Deutschland unter Strafe gestellt und gesellschaftlich geächtet. Es existieren eine Reihe von Hilfsangeboten und Therapiemöglichkeiten für Betroffene. Besonders präsent in den Medien war in diesem Zusammenhang die Website www.kein-täter-werden.de, auf der diverse Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt sind. Auch eine Vermittlung zu kompetenten Psychologen und Psychotherapeuten wird angeboten.

Funktion und Aufgabe

Es gibt keine genauen statistischen Daten darüber, wie häufig Asexualität in der Gesellschaft auftritt. Bisher wurden nur wenige seriöse Studien von Experten durchgeführt.
Sie ist aber kein Phänomen der Neuzeit: Im Jahre 1986 verfasste der Psychiater Krafft-Ebing die Psychopathia Sexualis. In diesem Werk beschreibt er eine ganze Reihe von ungewöhnlichem sexuellem Verhalten, unter anderem die Asexualität. Alle beschriebenen Phänomene wurden zusätzlich mit Fallstudien belegt, was mit dazu beitrug, dass die Psychopathia Sexualis zu einem der wichtigsten Werke der Psychologie gezählt werden kann.

In der heutigen Zeit erfährt das Thema aber eine völlig neue Relevanz. Sexualität ist in so ziemlich allen Medien, die uns umgeben, permanent präsent. In einigen Kreisen spricht man sogar von einer Übersexualisierung der Gesellschaft. Betroffene können sich dadurch extrem unter Druck gesetzt fühlen, unbedingt sexuell aktiv sein zu müssen. Freunde, Familie und Angehörige üben oft zusätzlichen Druck aus.

Es wäre an dieser Stelle falsch zu sagen, dass Liebe und Partnerschaft für asexuell veranlagte Menschen keine Rolle spielen würden. Betroffene sind durchaus fähig, Geschlechtsverkehr zu haben. Sie haben einfach kein Verlangen danach. Damit Sie sich besser in eine solche Veranlagung hineinversetzen können, möchten wir Ihnen hier mit einem kleinen Beispiel helfen.

Befragungen zeigen, dass asexuelle Menschen genau wie Hetero- oder Homosexuelle masturbieren. Sie entwickeln während dieser Selbstbefriedigung aber keine Anziehung zu Anderen. Es handelt sich also nicht um ein körperliches, sondern um ein geistiges Phänomen.
Erregung wird von den Betroffenen als etwas gewöhnliches empfunden und steht nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit der Suche nach einem passenden Partner.

Krankheit und Beschwerden

Die internationale statistische Klassifikation von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) wird von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) herausgegeben und enthält eine umfassende Auflistung aller Krankheiten und Störungen.
Asexualität wird per se nicht als behandlungsbedürftiger pathologischer Zustand angesehen, die Betroffenen sind also nicht „krank“.

Asexualität ist für sich alleine auch keine Situation, die irgendeine Form von Leiden bewirkt. Das Phänomen an sich wird in der Regel nicht als belastend empfunden, die Betroffenen haben nicht das Gefühl, dass ihnen „etwas fehlt“.

Die ICD-10 sieht Asexualität bzw. sexuelle Unlust oder verminderte Libido erst dann als behandlungsbedürftige Krankheit an, wenn sie mit einem Leidensdruck der Betroffenen einhergeht. Das kann dann der Fall sein, wenn durch Familie, Angehörige oder den Partner Druck ausgeübt wird.

Besonders die Pubertät ist für Asexuelle eine schwierige Zeit. In dieser Lebensphase wird die Sexualität maßgeblich geprägt, und es kommt zu einer Reihe von Schlüsselerelbnisse. Die erste Liebe, der erste Kuss, das erste Mal. Vor allem während dieser Entwicklung sind Asexuelle auf Rückhalt und Unterstützung angewiesen.

Partnerschaft und Liebe

Auch wenn einige Asexuelle allein bleiben, lehnt nicht jeder Betroffene Partnerschaften und Beziehungen ab.

Sie haben durchaus Interesse an Partnerschaften und können starke emotionale Bindungen zu anderen Menschen entwickeln. Sexuelles Verlangen spielt dabei aber keine oder eine nur sehr geringe Rolle. Die Betroffenen haben eher Interesse an einer romantischen Beziehung, für die Geschlechtsverkehr nicht erforderlich ist. Es liegt auf der Hand, dass hierdurch Beziehungsprobleme entstehen können, insbesondere wenn der Partner eine sexuelle Veranlagung ohne Einschränkungen hat. In diesen Fällen sind Betroffene in der Lage, Kompromisse einzugehen und sexuell aktiv zu sein. Es handelt sich, wie bereits angedeutet, ja nicht um ein körperliches, sondern ein psychisches Phänomen.

Auch das Empfinden für Ästhetik ist in der Regel nicht anders, als bei anderen Menschen auch. Der Partner wird durchaus als attraktiv und schön wahrgenommen. Sie betrachten einen nach ihrem empfinden schönen Menschen aber eher wie eine schöne Blume oder eine idyllische Landschaft.

Grundsätzlich kann man sagen, dass für Asexuelle kein Zusammenhang zwischen Liebe und Sexualität besteht. Sie haben völlig andere Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft und gehen mit anderen Erwartungen und Sehnsüchten eine Beziehung ein. So kann durch intensive Gespräche oder gemeinsame Aktivitäten durchaus auch Intimität entstehen, die von Betroffenen als ausreichend empfunden wird.

Häufige Fragen zum Thema Asexualität

Wann ist eine Behandlung erforderlich?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Eigentlich gibt es auch nur eine Person, die darauf eine Antwort finden kann, nämlich der Asexuelle selbst. Solange er nicht das Gefühl hat, dass ihm etwas fehlt oder aus anderen Gründen unter der Situation leidet, ist keine Behandlung erforderlich.
Kriselt es jedoch in der momentanen Beziehung oder ist man von der fehlenden Sexualität frustriert, sollte ein Psychologe zumindest in Betracht gezogen werden.

Mein Partner/meine Partnerin ist asexuell. Ist das ein Problem?

Die Frage kann ebenfalls nicht allgemein beantwortet werden. Wenn in der Beziehung sonst alles stimmt und beide Partner nichts vermissen, ist alles in Ordnung. Selbst ein Kinderwunsch lässt sich in der heutigen Zeit ja auch ohne Geschlechtsverkehr realisieren.
Kriselt es aber in der Beziehung, besteht Handlungsbedarf. Können die Partner die Probleme nicht unter sich lösen sollte die Hinzuziehung eines Paartherapeuten erwogen werden.

Mein Sohn/meine Tochter ist asexuell. Was kann icht tun, um ihm/ihr zu helfen?

Am wichtigsten ist, dass Sie Verständnis haben und mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter offen über das Thema reden. Setzen Sie ihn oder sie nicht unter Druck, sondern geben sie ihrem Kind Freiraum, damit es sich Ihnen öffnet und anvertraut.
Klären Sie genau, ob die sexuelle Situation als belastend empfunden wird oder nicht. Sollte Ihr Kind unter seiner Sexualität leiden, sollten Sie unbedingt einen Kinder- und Jugendtherapeuten hinzuziehen.
Gerade die Pubertät ist ein Alter voller neuer Entdeckungen und Erlebnisse, was Sexualität betrifft. In dieser Phase ist es umso wichtiger, dass Sie ihr Kind unterstützen und ihm alle Hilfe zukommen lassen, die es braucht.

Unser Fazit zu Asexualität

Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, bei der sich der Betroffene zu keinem der beiden Geschlechter hingezogen fühlt. Es handelt sich nicht um eine behandlungsbedürftige Krankheit, solange kein Leidensdruck verspürt wird. Liebe und Partnerschaft sind für Asexuelle genauso wichtig wie für andere Menschen auch.
Betroffene sind nicht impotent. Sie können Geschlechtsverkehr haben, verspüren aber kein Verlangen danach. Es handelt sich also nicht um ein körperliches, sondern ein psychisches Phänomen.

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