Kuss

Das Küssen ist in all seinen Ausprägungen etwas, das Menschen und viele Tiere praktizieren. Dabei gibt beim Menschen es kulturelle Unterschiede – vom völligen Verneinen des Kusses als Zeichen der Zuneigung bis hin zum gesellschaftlichen Zeichen der Verbundenheit.

Die unterschiedlichen Arten des Küssens und ihre Herkunft sind dabei zum Teil unklar. Dennoch hat sich diese Form der körperlichen Verbindung, gerade beim Menschen, etabliert und wird von den meisten Menschen ausgelebt. Dies hat auch medizinische Aspekte, da beim Küssen viele Körperfunktionen zum Einsatz kommen.

Was ist ein Kuss?

Ein Kuss ist, technisch und definitorisch betrachtet, das Berühren eines Lebewesens oder eines Objektes mit den Lippen. Es findet also ein – nicht zwingend beidseitiger – oraler Kontakt statt. Dabei fungieren die Lippen, die bei den meisten Tieren sensibel sind, als Sinnesorgane und vermitteln Eindrücke. Gleichzeitig sorgt die Nähe zur Nase für olfaktorische Sensationen.
Küsse haben, je nach dem, welches Tier sie ausübt und in welchem Kulturkreis man sich befindet, viele unterschiedliche Funktionen und Bedeutungen. Dabei ist die einzige stetige Gemeinsamkeit zwischen allen echten – das heißt mit einer Lippenberührung einhergehenden – Küssen diese, dass etwas mit der Mundregion berührt wird.
Ein Kuss kann dabei zur Nahrungsweitergabe, zum Zeichen der Zuneigung, zur Lustgewinnung, und zu vielem mehr genutzt sein. Gerade beim Menschen haben sich in den verschiedenen Kulturen und Bräuchen viele verschiedene Küsse entwickelt, die ganz unterschiedlich funktionieren, Unterschiedliches bezwecken und auch unterschiedlich wahrgenommen werden.
Dabei ist, gerade beim Menschen, der Kuss nicht immer ausschließlich positiv konnotiert. Vielmehr entscheiden sozialer Kontext, Gefühlslage, kulturelle Prägung und Toleranz über die Bewertung eines Kusses.
Bei Tieren, die Küsse durchführen, stehen hingegen so gut wie immer das Erforschen von Geruchsstoffen, oder die Weitergabe von Futter beim Küssen im Vordergrund. Küsse zur Zuneigung konnten allerdings auch schon bei Tieren aus fast allen Tierstämmen beobachtet werden.

Der Kuss beim Menschen und Formen des Küssens

Die Geschichte des Kusses beim Menschen ist umstritten. Es gibt Theorien, die sich damit befassen, dass eventuelle Formen der Futterweitergabe die Basis unserer Kussbedürfnisse bilden. Auch scheint dieser Brauch, der auf Abbildungen und in Schriften seit Jahrtausenden bekannt ist, sich erst in reicheren Schichten des Mittelalters als zwangloser Ausdruck etabliert zu haben.
Der Kuss spielte dabei in vielen Kulturen auch nur symbolische Rollen, weil Beispielsweise Hochzeiten rechtlich bindend wurden, oder Untergebenheit ausgedrückt wurde. Ganz genau lässt sich die Entwicklung des menschlichen Kusses also nicht nachvollziehen. Dennoch gibt es die Erkenntnis, dass ein Kuss an sich, oder verschiedene Ausprägungen desselben, ganz unterschiedliche Funktionen haben und zum Teil gemieden, nicht praktiziert oder tabuisiert werden.
In Film, Abbild und Literatur sind Küsse häufig gesehene Elemente. Sie bilden oft den Höhepunkt von Liebesgeschichten und haben sich vom nur Angedeuteten bis zu langen und intensiven Darstellungen hin entwickelt. Die Darstellung des Kusses ist dabei eine Frage der empfundenen Ästhetik, des Kontextes und der Intention des Kreativen hinter genau dieser Darstellung.

Formen des echten Küssens sind zum Beispiel:

  • Lippenkuss: Kuss durch Aufeinanderdrücken der Lippen
  • Zungenkuss: Kuss mit offenem Mund unter Einsatz von Zunge. Dient in der Regel sexuellen Zwecken
  • Busserl: Schneller Kuss auf Wange o.ä. Häufig unter Verwandten
  • Schmerzkuss: Kuss in Verbindung mit beißen o.ä. Dient ebenfalls der Lustgewinnung

Dabei sind Küsse nicht auf Küsse von Mund auf Mund beschränkt. Alle Varianten können kombiniert werden und unterscheiden sich je nach Situation.
Zusätzlich dazu gibt es noch eine Reihe von Küssen, die keine Berührung von Lippe und Person (oder Objekt) beinhalten. Hier sind zum Beispiel der Handkuss, der Luftkuss und der sogenanntes Nasenkuss – ein Aneinanderreiben der Nasen – zu erwähnen.

Küssen in der Öffentlichkeit
Das Küssen wird von Land zu Land höchst unterschiedlich bewertet. In Europa gibt es dabei den größten Spielraum für sich Küssende. Hier wird der Kuss als Akt der Zuneigung in der Regel anerkannt und führt selten zu Anfeindungen. Gleichgeschlechtliche Küsse sind hiervon dennoch oft ausgenommen.
In anderen Ländern, vor allem in Asiatischen, gelten Küsse hingen als sexuelle Handlung und als Teil eines Vorspiels. Dadurch, dass ein Kuss als sexueller Akt gelten kann, ist er öffentlich nicht so akzeptiert und wird in der Regel nicht durchgeführt.
Auch gelten oftmals gesellschaftliche Restriktionen, was das Küssen vor Kindern, in Restaurants usw. angeht. Dabei sind flüchtige Wangenküsse, Handküsse und Busserl kaum problematisch. Zungenküsse fallen sehr viel häufiger sozialer Missgunst zum Opfer.
Luftküsse zum Beispiel werden je nach Kontext allenthalben als albern, überzogen oder aufmerksam wahrgenommen. Aber auch zur Provokation können sie verwendet werden.
Dabei gibt es auch Kulturen, in denen das Küssen generell als abstoßend empfunden wird. Es lässt ein Zusammenhang zwischen moderner, westlicher Kultur und dem Wertschätzen von Küssen feststellen. Gerade in von uns als archaisch wahrgenommen Kulturen wird keine Form des Kusses praktiziert – weder in der Öffentlichkeit, noch im Privaten.

Funktionen des Küssens

So vielfältig die Formen des Kusses sind, so sind auch die Funktionen unterschiedlich. Dabei lassen sie sich in vielen Fällen gut erkennen und nachvollziehen, während dies, gerade beim Menschen, schwierig ist.

Bei Tieren

Neben den erwähnten Fütterungen durch Küsse – sehr häufig bei Vögeln zu beobachten – ist es vor allem der olfaktorische Aspekt, der eine Rolle spielt. Hunde beschnüffeln und lecken sich gegenseitig die Schnauze und erfahren so viel über ihr Gegenüber. Gerade Säugetiere verlassen sich dabei beim Berühren der Kopfregion mit der Schnauze darauf, dass sie verlässliche Informationen erhalten können. Dabei geben Geruch und Geschmack der Mundregion vor allem Information über das Immunsystem und die Ernährungssituation eines Tieres. Auch hormonelle Reize werden so aufgenommen und führen zu gewissen Verhaltensweisen.
Aber auch ein paar andere, dem Menschen sehr ähnliche Beispiel sind bekannt:

  • Mäusemännchen lecken die Schnauze der Weibchen, um sie sexuell zu erregen
  • Elefanten umspielen sich gegenseitig mit ihren Rüsseln und stecken sie sich auch gegenseitig in den Mund. Auch dies ist sexuell konnotiert
  • Der sogenannte Küssende Gurami (eine Barschart) führt spitzlippige Küsse während der Paarung aus
  • Einige Vögel schnäbeln miteinander und reiben ihre Kopfpartien aneinander. Dies steigert das Zusammengehörigkeitsgefühl

Beim Menschen

Das Küssen dient nicht nur kulturellen Aspekten beim Menschen. Zwar stehen häufig der Ausdruck von Zuneigung, sexuelle Aspekte oder Symbolik im Vordergrund. Nicht zu unterschätzen ist aber auch der medizinische Aspekt des Küssen.
An einem Zungenkuss sind über dreißig verschiedene Muskeln beteiligt. Vor allem die Gesichtsmuskulatur und damit die Mimik profitieren also davon. Gleichzeitig wird bei sexuellen Küssen der Kreislauf in Schwung gebracht und der Körper unter Umständen in einen Erregungszustand versetzt. Die sexuelle Aufladung, die mit hormonellen Schüben und veränderter Herzrate einhergeht, kann eine Vielzahl von Glücksgefühlen auslösen und so das Wohlgefühl steigern. Dabei spielen auch psychische Aspekte und die kulturelle Prägung eine Rolle.
Nicht zuletzt tauscht man bei Küssen mit offenem Mund eine Vielzahl an Keimen und Bakterien der Mundflora aus. Durch die „Neuankömmlinge“ kann – sofern es sich nicht um eine völlig krankheitsbedingte Mundflore handelt – das eigene Immunsystem gestärkt werden, da es eine Vielzahl neuer Keime kennen lernt, die in Schach zu halten es lernt. Schließlich ist die Mundflora die Vielfältigste des menschlichen Körpers. In Sachen Bakterienvielfalt und -Menge hat der Mundraum mehr zu bieten als der After. Dies liegt vor allem an Feuchtigkeit, Temperatur und der Zuführung von Nahrung. Dennoch sind die Bakterien im Mundraum in der Regel nicht gesundheitsschädlich, da auch diese Bakterienflora eine gewisse Balance inne hat, die notwendig ist.

Krankheiten & Beschwerden im Zusammenhang mit dem Küssen beim Menschen

Sofern man dem Küssen nicht einfach völlig abgeneigt ist – was aufgrund des Kulturkreises oder persönlicher Empfindung durchaus so sein kann – gibt es eigentlich keine unmittelbare Beschwerde beim Küssen selbst. Da man auf dieser Ebene in der Regel erlernt, was man da kann, mag und zulässt, muss man Beschwerden beim Küssen in der Regel auf andere Ursachen zurückführen.
Es kann durchaus sein, dass das Küssen aufgrund von medizinischen Umständen unangenehm, unmöglich oder nicht mehr durchführbar wird. Auch kann eine Kusshemmung gegenüber einem Partner o.ä. einen medizinischen, behandlungswürdigen Grund haben. Aber auch psychische Ursachen sind denkbar.

Beschwerden im Zusammenhang mit dem Kuss:

Schlechter Geruch kann dabei durch eine bessere Mundpflege meist zu kontrollieren sein. Lässt er sich nicht eindämmen, ist ein Gang zum Arzt ratsam. Eine Speiseröhrenentzündung, Pilzinfektion und anderes könnten die Ursache sein.
Herpes kommt in vielen Formen. Lippenherpes hat dabei je nach Person unterschiedliche Ausprägungen. Die meisten Menschen werden im Laufe ihres Lebens infiziert und bleiben symptomfrei. Dennoch kann es Beschwerden verursachen und lediglich therapiert werden. Bei Verdacht auf Herpes – und bei Ausbruch – sollte ein Arzt konsultiert werden.
Aber auch Depressionen und Abgeschlagenheit können die das Küssen unattraktiv werden lassen. Sollte ansonsten ein Kuss immer als positiv wahrgenommen und gern ausgelebt worden sein, ist ein plötzliches Ablehnen desselben wohl ein Zeichen für eine Form der psychischen Unzufriedenheit. Hier sollte, sofern es nicht nur eine Laune ist, die Ursache gefunden werden.
Bei Ekel verhält es sich genauso. Aber auch Asexualität – die bei circa einem Prozent aller Menschen festgestellt werden kann – kann ein Grund sein. Das Ablehnen von sexuellen Handlungen stellt nichts Behandlungswürdiges dar, sondern existiert nebst anderen Sexualitäten wie Hetero-, Homo- und Bisexualität.

Dass Speichel eben auch als Vektor für Infektionskrankheiten dient, liegt in der Natur der Sache. Neben den angesprochenen Infektionen werden vor allem Erkältungen so verbreitet. Bei Krankheitsanzeichen ist das Küssen, vor allem das mit der Zunge, zu meiden. hiv kann auf diese Art, außer bei offenen Wunden und Blutkontakt im Mundraum, nicht verbreitet werden.

Fragen & Antworten zum Küssen

Kann man sich beim Küssen vor Infektionen schützen?

Das kommt auf den Kuss an. Küsse mit Speichelaustausch bergen immer ein Infektionsrisiko.
Will man dieses partout nicht in Kauf nehmen, helfen nur Verzicht oder Plastikfolie – letzteres wird bei den meisten Menschen eher auf Ablehnung stoßen.

Was bezweckt das Küssen von Gegenständen?
Dies kann vor allem zwei Gründe haben. Zum einen kann so symbolisch eine große Wertschätzung eines Objektes dargestellt werden. Dabei ist der Kuss das Symbol der Zuneigung, der Wertschätzung usw. und das Objekt wird vermenschlicht. Dies ist meist nur übertragend oder ironisch gemeint. Auch das Küssen eines Objektes zum Herbeiführen von Glück ist verbreitet.
Dann gibt es auch noch die Objektophilie – die Liebe zu einem Objekt. Bei dieser Paraphilie kann es durchaus vorkommen, dass emotionale Küsse am Objekt erfolgen.

Kann regelmäßiges Küssen die Gesundheit fördern?
Ob es dies tut, ist umstritten. Fest steht, dass das regelmäßige Küssen mit gesunden Menschen die Mundflora anregt, den Kreislauf fördert und – nicht zuletzt – Spaß macht. Küsse sind in ihren Formen und Ausprägungen nicht schädlich und in vielen Fällen sehr zu genießen. Allein dieses Wohlgefühl kann nicht schlecht sein.

Unser Fazit zum Kuss

Der Kuss in all seinen Ausprägungen ist eine faszinierende tierische Eigenschaften. Dass sie gerade beim Menschen viele Bedeutungen hat, ist das Ergebnis unserer Fähigkeit zur Kultur. Die Bedeutung der Küsse und das Genießen der richtigen Küsse zur richtigen Zeit kann das Leben – auch rein medizinische – bereichern.

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