Thalamus

Ein bedeutender Teil des Gehirns

Das Gehirn des Menschen ist eine äußerst komplizierte und daher bislang noch nicht vollständig erforschte Organstruktur. In Hinsicht auf die grobe und die feine Anatomie sind die Bestandteile des Gehirns jedoch weitgehend bekannt. Dieser Aspekt bringt enorme Vorteile für die Erkennung der Zusammenhänge im gesunden und im kranken Zustand sowie für die Behandlung und Vorsorgemaßnahmen. Eine große Rolle spielt hierbei der Thalamus.

Was ist der Thalamus?

Das Gehirn ist in verschiedene morphologische (Morphologie ist die Gestalt) und physiologische (Physiologie steht für Funktion) Abteilungen untergliedert. Der eher unscheinbare Thalamus ist eines dieser Fragmente.

Seine Bezeichnung hat der Thalamus aus dem griechischen Sprachgebrauch, der die Basis für viele medizinische Begriffe ist. In die deutsche Sprache übersetzt heißt die Formulierung thalamos so viel wie Lager, Raum, Bett, Kammer, Höhle oder Gemach. Diese Bezeichnung ergibt sich aus der eigenwilligen Form und der Lage des Thalamus im Gehirn.

Der Thalamus übernimmt eine Vielzahl an Aufgaben, die sowohl körperlich als auch seelisch und geistig bedeutsam sind. Aus diesem Grund weisen die Mediziner dem Thalamus ebenso eine Schlüsselbedeutung im Zusammenhang mit Denk- und Entscheidungsvorgängen im Hirn zu.Ein richtungsweisendes Stichwort soll an dieser Stelle der Schlaf sein. Auch dieser Prozess ist untrennbar mit dem Thalamus verbunden.

Funktionen und Aufgaben des Thalamus

Dem Thalamus obliegen Funktionen wie die Weiterleitung von Informationen innerhalb des Gehirns. Dieses relativ kleine Organ fungiert als Schaltstelle für die Mehrheit der sogenannten Sinnesbahnen und als Sammler für sensorische  und Anstöße…. über den Thalamus gewährleistet das Gehirn die Filterung und die Kombination der Empfindlichkeiten. Danach erfolgt die Weitergabe an die Großhirnrinde. Dieser Schritt ist unumgänglich, damit dem Menschen seine Empfindungen nachvollziehbar oder klar werden. Diese Abläufe tragen dazu bei, dass Menschen über ein Bewusstsein verfügen.
In seiner Gesamtheit kann der Thalamus als eine unentbehrliche Schaltzentrale angesehen werden, die unbewusst und unbeeinflusst vom eigenen Willen arbeitet. In diesem Zusammenhang ist der Thalamus verantwortlich für die Steuerung und Regelung der allgemeinen Empfindsamkeit (Sensibilität).

Dazu gehören:

  • die Tastsensibilität oder der Tastsinn
  • die Temperatursensibilität oder die Wahrnehmung von Wärme und Kälte
  • die Schmerzsensibilität oder das Fühlen von Schmerzen
  • die Tiefensensibilität (propriozeptive Wahrnehmung)

Die Umsetzung der Tastsensibilität beginnt mit Rezeptoren in der Haut, die eine Berührung erkennen und weiterleiten können. Rezeptoren sind Bestandteile einer Zelle, die besonders empfindsam für spezielle Reize sind.

Die Temperatursensibilität oder -empfindlichkeit wird über die als Thermorezeptoren bezeichneten, mehr oder weniger dicht über den Körper verteilten Hautzellen oder Sinnespunkte realisiert

Die Schmerzsensibilität oder -empfindlichkeit ist eine Sinneswahrnehmung, die eine komplizierte Funktion als Leit- und/oder Warnsignal inne hat. Über die Schmerzempfindlichkeit meldet der Körper Störungen oder Schädigungen, die im Organismus an irgendeiner Stelle auftreten.
Bei der Tiefensensibilität handelt es sich im Gegensatz zur Oberflächensensibilität um die Aufnahme von Reizen aus dem Inneren des Körpers. Das ist die Voraussetzung dafür, dass das Gehirn permanent eine Meldung über das Befinden und die Position verschiedener Organteile des Bewegungssystems erhält. Diese Sinneswahrnehmung bezieht sich auf die Muskulatur sowie auf die Sehnen und die Gelenke.

Gäbe es keine Tiefensensibilität, könnte der Mensch keine Eigenwahrnehmung für seine Motorik (Bewegung), seine Lage im Raum und seine Haltung entwickeln. Das würde bedeuten, dass die Menschen räumlich sowohl bewegungsunfähig als auch räumlich desorientiert wären.

Die Wirkungsweise des Thalamus kann mit einer Filter verglichen werden. Der Thalamus befindet sich vor der Großhirnrinde (Cortex). An dieser Stelle wird unaufhörlich die Entscheidung darüber getroffen, welche Informationen die Großhirnrinde erreichen dürfen und welche zuvor „aussortiert“ werden. Diese Tätigkeit kann auch als Vorverarbeitung beschrieben werden.

Nicht alle Signale, die vom Körper ausgehen, sind unbedingt so relevant, dass sie alle in der Großhirnrinde verarbeitet werden müssen. Treten im Körper derartige Anzeichen auf, nehmen die zuführenden beziehungsweise afferenten Nervenzellen diese Impulse vor Ort zunächst auf. Diese gelangen bis zu den Kernen des Thalamus. Diese Schaltzellen leiten entsprechende Informationen weiter oder blockieren diese.

Der Thalamus ist außerdem der sogenannte Schrittmacher des Gehirns und Regulationsstelle für den Schlaf- und den Wachzustand des Menschen. Um diese Funktion zu erfüllen, werden verschiedenartige biochemische Substanzen benötigt.

Das aufsteigende retikuläre Aktivierungssystem schließt die Formatio reticularis und die unspezifischen Thalamusnuclei ein. Das im übertragenen Sinn auch als Wecker darstellbare Prinzip unterliegt einer Regulation durch Noradrenalin, Serotonin und die aus der Umgebung einwirkenden Sinnesreize (Dunkelheit, Dämmerung, Ruhe, Riechen, Schmecken, möglicherweise Schlafrituale, liegende Position und weitere mehr).

Noradrenalin und Serotonin sind Neurotransmitter, die als Botenstoffe die Reizleitung ausüben. Beide Stoffe stehen im Gegensatz zueinander. Vereinfacht lässt sich dieser Vorgang so erklären: Wird Serotonin aus dem Hirnstamm ausgeschüttet, tritt eine Müdigkeit ein. Kommt es zu einer Produktion von Noradrenalin im Hirnstamm, wird entweder der Wachzustand oder eine Erregung unterstützt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Thalamus die Abstimmung über den gesamten Informationsfluss in Hinsicht auf jeglichen Zustand des Körpers übernimmt.

Der Thalamus ist im übertragenen Sinn als:

  • Tür zum Bewusstsein
  • Fundament für das Hören, Fühlen und Sehen
  • Basis für das Denken beziehungsweise für kognitive Abläufe
  • die Reaktion auf äußere oder innere emotionale (gefühlsmäßige) Reize
  • Regulator für den Schlaf- und Wachzustand

zu sehen.

Eine ausschlaggebende Tragweite besitzen die Kernbereiche und die Thalamuskerne. Sie schalten und differenzieren die sensomotorischen Interaktionen. Sensomotorisch heißt, dass die Reize durch die Nase, die Ohren, über die Haut und über andere Sinne aufgenommen („senso“) und parallel dazu praktisch als Antwort eine Bewegung der Arme, der Beine, des Kopfes oder des Rumpfes erfolgt („motorisch“).
Kerngruppen des Thalamus und deren Zuständigkeiten
Bei einer genauen Untersuchung des Thalamus lassen sich mehrere Kerngebiete erkennen. Diese liegen zwar eng aneinander, sind jedoch durch dünnhäutige Lamellen voneinander separiert. Interessant ist hauptächlich das ventrale Kerngebiet mit mehreren (insgesamt vier) Einzelzonen. Jedem dieser Segmente ist ein genau festgelegtes Areal in der Großhirnrinde zugeordnet. Eine komplexes Geflecht aus zuführenden und abführenden (efferenten) Nervenfasern ist die Brücke zwischen den einzelnen Kortexbereichen.
Neben der ventralen (zur Vorderseite des Körpers hin liegend) Thalamuskerngruppe gibt es zum Beispiel die mediale (zur Körpermitte hin ausgerichtet) oder die anterios orientierte (weiter vorn befindliche) Thalamuskernzone. Des Weiteren sollen der Vollständigkeit halber die posteriore (weiter hinten befindlich) und die dorsale (zum Rücken hin zeigend) Kerngruppe aufgeführt werden. Das dorsale Thalamuskernfeld übernimmt die Schaltung detaillierter Vorgänge, die mit der Somatosensibilität zusammenhängen. Hypersensibilität ist ein bewusstes Bemerken von körperlichen Reizen beziehungsweise Empfindungen.

Außerdem gibt es den Corpus geniculatum laterale und den Corpus genicum mediale. Beide Kerngruppen stellen den Metathalamus dar. Das Corpus geniculatum mediale ist der Hörbahn, das Corpus geniculatum laterale der Sehbahn zwischengeschaltet.

Alle thalamischen Kerngebiete erhalten ihre sensorischen (von den Sinnesorganen) Informationen aus den Randzonen des Körpers und unmittelbar von den Basalganglien und vom Kleinhirn (motorische) zur Ausführung von Bewegungen. In engem Kontakt zum limbischen System steht das vordere Kerngebiet des Thalamus. An dieser Stelle kommt es zu diversen Schaltungen. Im Unterschied dazu ist die mediale Kerngruppe untrennbar mit dem präfrontalen (an der vorderen Seite) gewachsenen Großhirnrindenbereich verbunden.

Funktionen wie die Verarbeitung der Sprache, die Gedächtnisleistungen sowie die Weitergabe akustischer und optischer Reizen gehören zum Metathalamus (entspricht der dorsalen Kerngruppe mit den Corpora geniculata und dem Pulvinar).

Thalamuskerne und deren Aufgaben

Die Thalamuskerne werden als spezifische und als unspezifische Arten definiert:

  • spezifische (spezifisch motorische und spezifisch sensorische, Assoziationskerne) Thalamuskerne stehen in unmittelbarer Verbindung mit dem Cortex
  • unspezifische Thalamuskerne stehen in direktem Kontakt mit dem Hirnstamm

Den spezifischen Thalamuskernen werden die ventrale, die vordere, die laterale und die mediale sowie die dorsale Kernzone zugeteilt. Die unspezifischen Kerngruppen werden in der medizinischen Terminologie als intralaminares Thalamuskerngebiet oder als Mittellinienkerne kategorisiert. In diesen Strukturen verlaufen afferente und efferente Nerven für die wechselseitige Weiterleitung von Afferenzen und Efferenzen.

  • Efferenzen sind Informationen, die über Neuronen zu den Erfolgsorganen (beispielsweise den Händen, den Augen oder Ohren) getragen werden
  • Afferenzen sind Informationen, die über Neuronen zum Gehirn (innere und äußere Thalamuskerne, Hirnstamm, Großhirnrinde) getragen werden

Die unspezifischen Kerngruppen übernehmen weiterhin die Funktionen der olfaktorischen Erkennung. Das heißt, dass über die Nuclei mediani sowohl der Geruchs- als auch der Geschmackssinn gewährleistet wird. Die Nuclei interlaminaris sind die bauliche Grundlage für das menschliche Bewusstsein.Weitere tiefere Bausteine des Thalamus sind die Ganglien, genau gesagt, die Basalganglien. Basalganglien sind eine Gruppierung, die immer paarweise in beiden Hälften des Gehirns eingebunden sind. Die Basalganglien sind Nervenkerne.

Basalganglien sind mikroskopisch kleine Funktionseinheiten, die:

  • die Steuerung verschiedener Prozesse des peripheren Nervensystems übernehmen
  • die willkürliche Motorik und die durch Reflexe ausgelösten Bewegungen beeinflussen
  • an der Bildung von Emotionen wie der Motivation, der Willenskraft, der Kreativität und der Spontanität beteiligt sind
  • bei Affekthandlungen in Aktion treten

Anatomie und Aufbau des Thalamus

Das Zwischenhirn setzt sich aus dem Thalamus, dem Subthalamus dem Hypothalamus einschließlich der Hypophyse und dem Epithalamus mit der Epiphyse zusammen.

Bei Freilegung des Gehirns kann der Thalamus vor der Großhirnrinde betrachtet werden. Er liegt zentral im Zwischenhirn eingebettet. Eine natürliche Grenze bildet der dritte Hirnventrikel. Ventrikel sind Hohlräume, in denen die Produktion des Hirnwassers abläuft.

Alle Ventrikel stehen miteinander in Kontakt. Das ist notwendig, damit ein gegenseitiger Informationsaustausch ohne lange Leitungsbahnen stattfinden kann. Alle vier Ventrikel Laufen in den ,im Rückenmark integrierten Liqourraum (Liqour ist die medizinische Bezeichnung für Hirnwasser) aus. Hirnwasser hat eine entscheidende Bedeutung für die Diagnostik (Erkennung, Feststellung) und die Therapie (Behandlung) von Erkrankungen.

Der dritte Hirnventrikel ist dies bezüglich auffällig. Recht häufig kann eine zunehmende Ausdehnung (zystische Raumforderung) den Abfluss des Hirnwasser eindämmen. Daraus resultiert eine Zunahme der Druckverhältnisse im Gehirn.

Der einer Bohne ähnliche Thalamus hat sich im Laufe der Evolution und mit der fortschreitenden Entwicklung in dieser Gestalt ausgeprägt, die nach einer Päparation des Gehirn zu sehen ist. Zwei Hauptsegmente sind typisch für den Thalamus. Dabei übernimmt jedoch eines davon die vorrangige Stellung. Beide Fragmente sind durch die Adhaesio interthalmica vereinigt. Der Thalamus kann darüber hinaus in vier einzelne Kernzonen untergliedert werden.

Alle Areale sind eng mit der Großhirnrinde verknüpft:

Der Hypothalamus stellt gemeinsam mit der Hypophyse einen engen Verbund dar und bewirkt durch Hormone beeinflusst, eine Regulierung der inneren Gewebeabteile.

Der Hypothalamus erfüllt teilweise lebenswichtige Aufgaben. Er ist beteiligt an der Aufrechterhaltung der Kreislauffunktion und der Atmung sowie der Regulierung der Körpertemperatur. Nicht zu Vergessen ist die Aufnahme von Flüssigkeit (Durstgefühl) und Nahrung (Hunger, Sättigungsgefühl, Appetitverlust). Nachvollziehbar sind auf der Basis dieser Informationen die kennzeichnenden Beschwerden ür einzelne psychische (seelische) und physische (körperliche) Krankheiten und das damit einhergehende Verhalten der Patienten.

Der Epithalamus befindet sich dorsal im Zwischenhirn. Die Zirbeldrüse (Corpus pineale) ist ein zapfenartiges Organ. In der Zirbeldrüse wird das Melatonin, ein Abkömmling des Serotonins hergestellt. Melatonin ist bedeutsam für den Rhythmus von Schlafen und Wachsein.

Im Epithalamus ist außerdem die Area pretectalis eingelagert. Dieses Element reguliert den Reflex der Pupille, die sich je nach Lichteinfall verengt oder erweitert. Die Netzhaut oder retina und der Sehnerv senden über die Area pretectalis und Nervenfasern diese Information  zum Nucleus Edinger-Westphal.

Dahinter verbirgt sich ein Zellkern, der die Verengung der Pupille per Muskelkontraktion (Musculus sphincter pupillae) aktiviert. Erstaunlicherweise wird gleichzeitig die Pupille der anderen Gesichtshälfte verkleinert, auf die der Lichteinfall nicht unmittelbar stattgefunden hat. Der Epithalamus ist somit das ausführende Organ für die konsensuelle Lichtreaktion beziehungsweise die Pupillenverengung an beiden Augen.

Der Subthalamus mit den Basalganglien ist dem Mittelhirn und dem Thalamus zwischengeschaltet.

Typisch für den etwa Taubenei großen Thalamus sind die mehr als einhundert zählenden Kerngruppen oder Kerngebiete mit den unspezifischen und den spezifischen Thalamuskernen oder Nuclei.

Zur ersten Gruppe gehören:

  • Nuclei mediani (Einheit mit limbischem und olfaktorischem Konstrukt)
  • Nuclei interlaminaris (Bewusstsein)

Einige nach ihrer Signifikanz ausgewählte spezifische Kerngruppen sind:

  • Nucleus ventralis posterior (Tiefensensibilität, Tastsinn)
  • Nucleus ventralis anterolalis (Bewegungssignale)
  • Nucleus mediales thalambi (Denken)
  • Nucleus anteriores thalami (Kontakt zum limbischen System)
  • Corpus geniculatum mediale (Hören)
  • Corpus geniculatum laterale (Sehen und Kommunikation)

Weitere wichtige morphologische Bestandteile der dorsal befindlichen Kerngruppe sind die als Corpora geniculata oder sinngemäß; als Kniehöcker und das Pulvinar oder Polster benannten Elemente. Der Informationsfluss zu den unspezifischen Kerngebieten des Thalamus wird durch die Formatia reticularis, das Kleinhirn (Cerebellum) und die Basalganglien bewerkstelligt. Die Formatia reticularis führt zum Mittelhirn.

Der Thalamus unter dem Mikroskop – kleiner Ausflug in die Histologie

Anhand der vielen anatomischen Bestandteile des Thalamus lässt sich erahnen, welch eine Fülle an Gewebearten in diesem Teil des Zwischenhirns zu entdecken ist. Die überwiegende Struktur des Thalamus ist einer grauen Substanz zuzuordnen.

Die Substantia grisea ist im gesamten Zentralnervensystem anzutreffen. Fertigt man dazu ein histologisches (Histologie ist die Lehre von den Geweben) oder zytologisches (Zytologie ist die Lehre von den Zellen) Präparat auf einem Objekttrger an, dann treten die charakteristischen Zellkörper deutlich hervor.

Die Histologen, Anatomen, Pathologen und Mediziner Sprechen von der Perikarya. Diese Zellkörper sind Neuronen. Neuronen (oft in Verbindung mit dem Begriff neuronal verwendet), sind Zellen, deren Spezialgebiet die Aufnahme und die Weiterführung von Reizen oder Nervenimpulsen ist. Dieses Prozedere wird als Erregungsleitung zusammengefasst.

Beziehung des Thalamus zu anderen Organen des Gehirns

Der um den dritten Ventrikel herum angeordnete Thalamus hat Kontakt zu zahlreichen umliegenden Hirnorganen.

Das sind:

  • Kerngruppen im Kleinhirn, im Rückenmark und im Hirnstamm
  • Hypothalamus
  • Mittelhirn
  • Basalganglien
  • Großhirnrinde

Unter dieser Voraussetzung wird garantiert, dass alle Funktionen des Thalamus orgaübergreifend und somit reibungslos stattfinden können.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen in Verbindung mit dem Thalamus

Nicht immer kann eine unbeeinträchtigte Wirkung des Thalamus beobachtet werden. Schon minimale Schädigungen oder Veränderungen auf der biochemischen und molekularen Ebene beim Thalamus sind Ursachen für teilweise ernste und schwerwiegende Krankheiten. Liegen derartige Beeinflussungen vor, dann sind in der Regel mehrere Körper- und Geistesbereiche betroffen. Kennzeichnend für Störungen des Thalamus sind die kontralateral oder entgegengesetzt auftretenden Anomalien.

Kontralaterale Symptome sind immer auf der Körperseite, die der eigentlich geschädigten Hirnhälfte entgegen liegt. Kommt es beispielsweise zu einer Deformierung der rechten Thalamushälfte, werden Bewegungseinschränkungen auf der linken Körperhälfte sichtbar und umgekehrt. Das hat mit der natürlichen Funktionsabläufen des Thalamus zu tun. Wird ein Mensch auf der linken Hand berührt, wird diese Reizung auf der linken Thalamushälfte abgebildet oder projiziert.

Löst die linke Hälfte der Großhirnrinde eine Bewegung aus, kommt dieser „Befehl“ am rechten Körperende zum Ausdruck. Schädigungen des Thalamus können zahlreiche Verursacher haben.

Im Allgemeinen konzentrieren sich die Mediziner bei der körperlichen Untersuchung von Patienten mit Verdacht auf eine krankhafte Veränderung des Thalamus auf klassische Hinweiszeichen wie:

  • halbseitige Lähmung (Hemiparese)
  • Reduzierung der Empfindlichkeit /Sensibilitätsstörung)
  • Sehverlust auf einem Auge mit Veränderungen der Netzhaut, des Sehnervs und der Pupillenfunktion
  • Unruhe und starker Bewegungsdrang
  • somatisch bedingte Schmerzen (ohne nachvollziehbaren Schmerzreiz)
  • Beeinträchtigungen des Bewusstseins
  • Verringerung der Muskelkraft
  • abartige Bewegungsmuster (Ataxie) durch eine gestörte Koordination der Bewegungen
  • psychische Aufälligkeiten
  • Persönlichkeitsveränderungen

Die Krankheitsanzeichen sind häufig ineinander verflochten. Sie können sowohl schleichend und immer wiederkehrend (chronisch) als auch plötzlich, abrupt und unvorhergesehen (akut) auftauchen. Darüber hinaus sind Kombinationen von mehreren Beschwerden und unabhängig voneinander vorkommende Einzelsymptome ohne zusätzliche Begleiterscheinungen üblich.

Basalganglien und Morbus Parkinson

Die Basalganglien sind vergleichbar mit einem äußerst verzweigten Netzwerk, innerhalb dessen sie untereinander und stetiger Wechselwirkung stehen. Diese umfasst Prozesse wie das Hemmen und das Aktivieren. Durch die komplizierten, fein aufeinander abgestimmten Steuerkreise kann eine motorische Feinabstimmung der Gliedmaßen erzielt werden. Sie geht unter bestimmten Voraussetzungen verloren.

Erkranken die Basalganglien, dann lassen sich die Folgeerscheinungen anhand der Parkinsonschen Erkrankung oder Morbus Parkinson gut verdeutlichen.

Im fortschreitenden Verlauf werden die Patientinnen und Patienten immer unbeweglicher und können mit den Fingern keine feinmotorischen Abläufe mehr erledigen. Im Laufe der Zeit resultieren daraus Beschwerden wie eine zunehmende Versteifung der Muskulatur (Rigor), ein Rückgang der Beweglichkeit (Akinese). Alle diese Erscheinungen gipfeln in einem Ruhetremor, bei dem die Gliedmaßen mehr oder weniger stark zittern.

In der Substantia nigra, die ein Teil der im Thalamus verwurzelten Basalganglien ist, wird der Botenstoff oder der Neurotransmitter Dopamin gebildet. Geschieht das nicht in ausreichendem Umfang, entsteht Morbus Parkinson. Im Gegenteil wird ist die Krankheit Chorea Huntington durch einen Abbau an Nervenzellen in den Basalganglien bedingt.

Das Thalamussyndrom

Die Krankheitsbezeichnung Thalamussyndrom wird für einen Komplex aus mehreren Krankheitsmerkmalen gewählt, dessen Ursache eine Thalamusschädigung ist. Die Betroffenen leiden meist unter einem starken Schmerz, der diesbezüglich als Thalamusschmerz definiert wird. Der Thalamusschmerz überfällt die Betroffenen in der Regel langwierig und dann extrem deutlich.

Zusätzlich dazu weisen mehr oder weniger umfangreiche Ausfälle neurologischer Art (betrifft die Nerven) auf eine derartige Erkrankung hin.

Bei der Diagnostik stehen vor allen Dingen Auffälligkeiten wie:

  • leicht ausgeprägte Halbseitenlähmung einer Körperhälfte
  • allgemeine Reduzierung der Empfindsamkeit bei Druck und Berührung (persistierende Hemihypästesie)
  • Übersensibilität gegen Berührung (Hyperästhesie, hyper bedeutet über,ästhesie ist Empfindlichkeit)
  • eingeschränkte Bewegungsfähigkeit einer Körperseite oder der Extremitäten (Gliedmaßen) beziehungsweise Hemiataxie
  • Astereognosie (Gegenstände können nicht durch Tasten erkannt werden)
  • Störungen der Tiefensensibilität und der Bewegungsmuster an den Fingern
  • Steigerung einzelner Reflexe

im Mittelpunkt.

Eine diagnostische Besonderheit dieses Krankheitsbildes ist die Thalamushand nach Poeck. Die Beweglichkeit der Grundgelenke ist in der Art anormal, dass ein Grundgelenk gebeugt, während das andere ausgestreckt ist. Kausal ist ein Infarkt (Minder- oder Mangeldurchblutung des Gehirns) mit einer Unterversorgung verschiedener Thalamusbereiche zuständig für die Beschwerden.

Der Thalamusinfarkt

Die therapeutischen Ansätze bei einem Thalamusinfarkt ähneln denen eines Schlaganfalls. Beide Erkrankungen sind in Hinsicht auf die Symptome fast gleichwertig, da die Ausfälle oftmals ein adäquates Ausmaß annehmen.
Die Behandlung umfasst:

Bei einem Thalamusinfakrkt sind eine notfallmedizinische sowie eine stationäre, eine Anschlussbehandlung und eine Rehabilitation sinnvoll.

Typische und häufige Erkrankungen des Thalamus

 

Fragen und Antworten zum Thema Thalamus

 

Was ist der Thalamusschmerz?

Der Thalamusschmerz steht häufig hinter verschiedenen Erkrankungen, bei denen ganz andere Ursachen vermutet werden. Die Patienten mit einem Thalamusschmerz beschreiben diesen als explosiv auftretend, heftig brennend und stechend meist in den Extremitäten (Arme und Beine). Lokalisiert wird der Schmerz nach einem Schlaganfall immer in der Körperhälfte, die dem geschädigten Thalamusbereich gegenüberliegt (Hemialgesie).

Individuell werden die Thalamusschmerzen so dargestellt, dass nicht selten richtige Schmerzattacken auftreten. Schon eine geringe Berührung kann diese Beschwerde herbeiführen. Die Schmerzen halten länger als der eigentliche Auslöser an (Hyperpathie). Begleiterscheinungen eines Thalamusschmerzes können eine Halbseitenlähmung, eine Thalamushand nach Poeck und eine Unruhe festgestellt werden.

Der Thalamusschmerz ist noch weitgehend unerforscht. Dennoch stehen den Fachärzten sowie den Patientinnen und Patienten mehrere Behandlungsverfahren zur Verfügung. Diese beinhalten eine konsequente Schmerztherapie, physiotherapeutische oder physikalische Anwendungen und sogenannte stereodaktische (mit Einsatz von Robotertechnik) operative Eingriffe.

Was ist ein Thalamustumor?

Prognostisch gesehen sind Geschwülste oder Tumore am Thalamus mit schlechten Aussichten behaftet. Der Thalamus kann aufgrund seiner komplizierten Position am Hirnstamm nur schwierig operativ behandelt werden. Entdeckt werden die recht häufigen und überwiegend bösartigen Tumore mit einer Computertomografie. Angezeigte oder indizierte Behandlungen sind eine Bestrahlung und/oder eine Chemotherapie.

Patienten, die an einem Thalamustumor erkranken, prägen einen verminderten Tastsinn aus. Sie leiden unter massiven Kopfschmerzen und unter Schwierigkeiten, sich zu Artikulieren. Die Kopfschmerzen werden durch den steigenden Hirndruck ausgelöst. Der Tumor reduziert den Querschnitt des dritten Ventrikels und beengt somit die Abflussmöglichkeiten des Hirnwassers. Charakteristisch sind außerdem Schwellungen der Sehnerven sowie ein Nystagmus. Ein Nystagmus ist durch unwillkürlich stattfindende Bewegungen der Augen gekennzeichnet.

Die Geschwülste am Thalamus können unweigerlich die Bewegung der Muskulatur beeinträchtigen. Daraus resultieren Probleme beim Sprechen, beim Gehen bei allen anderen motorischen Aktivitäten sein.

Wie zeigt sich eine Bewusstseinsstörung?

Die klinischen Anzeichen einer Bewusstseinsstörung sind unter anderem Halluzinationen und Ängste ohne erkennbare Auslöser sowie eine zeitliche, persönliche und örtliche Desorientiertheit. Darüber hinaus kann es zu einem Realitätsverlust kommen.

Bewusstseinsstörungen gehen mit einer Beeinträchtigung der Fähigkeit einher, sich selbst wahrzunehmen und die Umwelt zu reflektieren. Menschen mit Bewusstseinsstörungen können die eigene Person und die Umwelt nicht mehr oder nur in eingeschränktem Maße miteinander verbinden. Diese Auffälligkeit ist häufig bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz wie Morbus Alzheimer oder nach einer Verletzung des Schädels und des Gehirns zu beobachten.

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