Cast

Neben dem Gipsverband ist der Castverband in der Medizin die gängigste Variante, um den Arm oder das Bein über einen gewissen Zeitraum zu fixieren und vor äußeren Einflüssen zu schützen. Wie auch ein Gipsverband, so kommt der Cast vor allem bei Knochenbrüchen zum Einsatz.

Im Gegensatz zum Gips gibt es jedoch einige Unterschiede, die man kennen sollte. Es handelt sich um einen Sekundärverband und eine Alternative zum Gipsverband.

Ein Castverband kann erst dann angelegt werden, wenn die erste Schwellung nach dem Bruch vergeht. Was ein Cast genau ist, welche Formen, Arten und Typen es gibt oder was der medizinische Nutzen ist, erfahren Sie hier.

Was ist ein Cast?

Bei einem sogenannten Cast handelt es sich um einen Verband, der aus synthetischem Kunststoff gefertigt ist und ähnlich wie ein Gips dazu dient, um verschiedene Körperteile zu fixieren. Zum Einsatz kommt der Verband vor allem bei einem klassischen Knochenbruch.

Er stellt eine Alternative zum Gips dar und ist ein Sekundärverband bei der Behandlung einer Knochenfraktur. Das bedeutet, dass er erst dann angelegt wird, wenn die erste Schwellung nach dem Bruch vergangen ist. als Erstverband wird in der Regel ein normaler Gips angelegt, denn dieser lässt sich später öffnen, damit die betroffene Körperregion mehr Platz zum Anschwellen hat.

Für gewöhnlich besteht der Cast zu einem großen Teil aus einem Trägergewebe, welches die Basis darstellt und aus Kunststoff- oder Glasfasern gefertigt. Es ist an der Außenseite zusätzlich mit synthetischem Harz beschichtet.

Dieses Harz wird mit Wasser so weich, dass sich das Material des Verbands anschließend ohne großen Aufwand in die gewünschte Form bringen lässt. Somit ist der Cast perfekt an die individuellen Konturen anpassbar und ist daher auch relativ komfortabel für die meisten Patienten.

Formen, Arten & Typen

Bei einem Castverband besteht das Trägergewebe aus einem synthetischen und äußerst robusten Material wie zum Beispiel Nylon, Glasfasern oder auch Polyester. Dieses Gewebe ist wiederum von einer synthetischen Beschichtung durchzogen, die sich durch Wasser aktivieren lässt.

Das bedeutet: Gelangt der Verband in Kontakt mit Wasser, lässt sich dadurch die Modellierzeit des Casts entweder verlängern oder verkürzen – je nach Intensität der Durchfeuchtung.

Sowohl beim Gips als auch beim Cast handelt es sich um einen Verband, der in erster Linie dazu da ist, um Extremitäten bewegungsunfähig zu machen, damit sie besser abheilen können. Durch den Gips oder Cast kann also beispielsweise ein Arm fixiert werden – man spricht hier auch von einem sogenannten immobilisierenden Verband.

Doch nicht nur bei einem Knochenbruch kann der Cast zum Einsatz kommen: Er wird unter anderem auch bei Gelenkbeschwerden eingesetzt, wie zum Beispiel im Zuge einer Läsion oder einer Distorsion. Durch diesen Verband kann das entsprechende Gelenk fast komplett fixiert werden, was die Abheilung des Gewebes unterstützt.

Auch wird durch die Fixierung verhindert, dass der betroffene Bereich eventuell zusätzlich verletzt werden könnte. Castverbände lassen sich entweder als fertige synthetische Longuette anlegen oder auch eigens anfertigen.

Trockenes Anlegen

Eine andere Art der Anwendung ist die trockene Anlegung des Casts. Hier wird der Verband also nicht in das Wasser getaucht und nass gemacht, sondern maximal leicht mit Wasser benetzt und dadurch aktiviert. Zuvor wickelt der behandelnde Arzt das Material um die entsprechende Körperregion, die durch den Cast geschützt werden soll.

Nach rund einer halben bis einer Stunde sollte der Verband dann vollständig ausgehärtet sein. Sobald keine Restfeuchtigkeit mehr im Material vorhanden ist, weist es eine enorme Stabilität und Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen auf. Natürlich sollte man den Bereich trotzdem nicht unnötig belasten.

Regulär wird eine Knochenfraktur zunächst mit einem normalen Gips fixiert, so dass die betroffene Körperstelle ausheilen kann. Dies bringt den Vorteil mit sich, dass der Gips nach dem vollständigen Aushärten längs geteilt werden kann, so dass das Gewebe genug Raum hat, um anschwellen zu können.

Dies ist bei einem Cast nicht möglich: Er kann erst dann wieder an die betroffene Körperstelle angelegt werden, sobald keine Schwellung mehr vorliegt. Häufig wird der Cast aus diesem Grund auch als Sekundärverband bezeichnet, da er nicht die primäre Behandlungsmethode darstellt, sondern erst nachträglich zum Einsatz kommt.

Aufbau, Funktion & Wirkung

Ehe der Cast an die von der Fraktur betroffene Extremität angelegt werden kann, ist es erforderlich, einen schlauchförmigen Verland möglichst glatt aufzulegen. Besonders empfindliche Bereiche lassen sich zunächst mit weiteren Polsterungen vor äußeren Einwirkungen schützen.

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Wie auch der Gips, so dient der Cast zur Stabilisierung

Anschließend erfolgt die Aktivierung des Casts durch den Kontakt mit Wasser. Hier genügen bereits wenige Sekunden, um das Material zu durchtränken. In diesem Zustand wird das Gewebe so weich, dass es sich problemlos in die gewünschte Form bringen und nach Belieben modellieren lässt. Ehe der Verband angelegt wird, muss das Wasser leicht aus dem Material ausgewrungen werden – danach lässt es sich recht einfach um die Extremität wickeln.

Wie lange das Material aushärtet, hängt sowohl von der Temperatur des Wassers als auch vom Feuchtigkeitsgrad des Casts ab. Grundsätzlich benötigt der Castverband bei einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 25 °C zwischen 30 und 45 Minuten, bis er ausgehärtet und damit vollständig belastbar ist. Die zweite Lösung wäre das trockene Anlegen des Verbands, bei dem der Cast erst im zweiten Schritt mit Wasser befeuchtet wird.

Nachdem die betroffene Stelle umwickelt worden ist, lässt sich zur zusätzliche Stabilisierung der fixierten Extremität eine Schiene aus Kunststoff oder auch eine Longette mit zwei oder vier Lagen verwenden. Grundsätzlich wird der Cast unmittelbar und ohne Zwischenlage auf die Extremität aufgelegt, denn nur so kann er die Fraktur ausreichend stützen und fixieren.

Einsatz & Brüche

Zum Einsatz kommen Castverbände insbesondere, wenn es sich um eine einfache, stabile Fraktur handelt. Ehe der Verband angelegt werden kann, ist es erforderlich, die Fraktur in ihre ursprüngliche Position zu bringen, in der sie optimal verheilen kann – dies ist die sogenannte Reposition.

In erster Linie dient der Cast als wirksame Behandlungsmethode zur schnellstmöglichen Abheilung des Gewebes bzw. der gezielten Rehabilitation einer Fraktur. Die natürlichen Bewegungen können – wie bei einem Gips auch – nicht mehr ausgeführt werden, damit der Knochen ungehindert abheilen kann.

Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um eine Fraktur des Unterarms, des Oberarms, des Kahnbeins, des Außen- oder Innenknöchels, der Fußwurzel, des Unterschenkels oder auch der Speiche. Ärzte legen den Cast daher gerne an Kindern an, da sich die Anlegung relativ unkompliziert gestaltet und die Fixierung ebenfalls sehr robust ist.

Nach einer operativ behandelten Knochenfraktur lassen sich Casts nur zur provisorischen Fixierung verwenden, werden später jedoch meist ersetzt.

Medizinischer Nutzen

Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Vergleicht man die Eigenschaften eines Castverbands mit jenen eines Gipsverbands, zeigt sich schnell, dass der Cast einige Vorteile mit sich bringt. Das Eigengewicht ist beim Cast zum Beispiel deutlich geringer, was für den Patienten komfortabler im Alltag ist. Gerade dann, wenn man sich täglich viel bewegt und ständig den Gips bzw. Cast mit sich tragen muss, fühlt man sich häufig durch ein hohes Gewicht gestört. Nicht zuletzt kann dieses sogar die Heilung behindern.

Obgleich Casts aus einem vergleichsweise leichtem Material gefertigt sind, weisen sie eine sehr hohe Robustheit auf und härten noch dazu innerhalb einer Stunde vollständig auf. Bereits nach ein bis zwei Stunden ist die vollständige Belastbarkeit erreicht.

Während der Gips relativ empfindlich auf Wasser reagiert, ist der Kontakt mit Feuchtigkeit bei einem Cast kein Problem, sobald er einmal voll ausgehärtet ist.

Inzwischen gibt es sogar spezielle Produkte, die sich explizit für den Kontakt mit Wasser eignen und so auch zum Duschen oder Baden verwendet werden können, ohne dass sie aufweichen oder dass sich etwas löst.

Ganz klassisch ist der Castverband in weiß oder cremeweiß. Allerdings gibt es inzwischen viele verschiedene Verbände in den unterschiedlichsten Farben. Das ist gerade für Kinder oft sehr hilfreich, da sie sich ohnehin mit einem Verband in der Öffentlichkeit unwohl fühlen.

Komplikationen

So viele positive Aspekte der Cast auch aufweist – es gibt auf der anderen Seite auch einige Punkte, die dennoch berücksichtigt werden müssen, ehe man den Cast anlegt.

Tennisarm Cast

Bei einem zu engen Anlegen kann der Blutfluss gestört werden

Wird der Cast grundsätzlich zu eng umwickelt oder entsteht im Nachhinein noch eine zusätzliche Schwellung der betroffenen Extremität, dann kann es passieren, dass der Blutfluss innerhalb des Gewebes gestört wird.

Dazu sollte es keinesfalls kommen, da dieser Prozess oft von außen kaum erkennbar ist und schwere Schäden zur Folge haben könnte, wie beispielsweise zu Nervenschädigungen oder gar zu einer Volkmann-Kontraktur, also eine Muskelverkürzung im Unterarm, die durch eine längerfristige schlechte Durchblutung entsteht.

Im Extremfall können sogar eine sogenannte Peroneuslähmung, eine Venenthrombose in den Beinen oder gar eine Muskelatrophie entstehen, wenn das Gewebe aufgrund der Fixierung zu lange nicht richtig durchblutet wird. Lebensbedrohlich wird der Zustand durch eine mangelnde Durchblutung dann, wenn eine Thrombose zu einer Lungenembolie führt.

Eine ausreichende Polsterung an den richtigen Stellen ist in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr wichtig, da ansonsten Druckgeschwüre zustande kommen können, die äußerst schmerzhaft sind.

Genau deshalb ist es notwendig, den Cast in keinem Fall selbst anzulegen, sondern dies immer vom behandelnden Arzt durchführen zu lassen. Er weiß in der Regel genau, wie ein Cast angelegt werden muss, damit er richtig sitzt, die Fraktur optimal stützt und trotzdem den Blutfluss nicht behindert.

Vor- & Nachteile

Die Kosten für einen Castverband liegen in den meisten Fällen höher als jene für einen Gipsverband. Das gilt insbesondere für Casts, die in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden müssen. Ist dies schon nach einigen Tagen der Fall, entstehen natürlich zusätzliche Kosten, die den Gips zur günstigeren Lösung machen.

Prinzipiell ist ein Castverband aus einem Material gefertigt, das relativ luftundurchlässig ist und somit das Gewebe nicht wirklich atmen lässt. Nicht einmal Wasserdampf kann durch die dichten Fasern hindurch gelangen, sobald das Material voll ausgehärtet ist. Damit versteht es sich fast von selbst, dass ein Cast sich an warmen Tagen schnell unangenehm anfühlen kann und man darunter schwitzt.

Weil der Cast in der Regel eine eher raue Struktur aufweist, sollte zudem darauf geachtet werden, nicht allzu empfindliche Kleidung zu tragen, welche durch den Cast beschädigt werden könnte.

Das Abnehmen des Castverbands und auch das anschließende Entsorgen müssen mit Sorgfalt erfolgen. Vorsichtig sein muss man hier ganz besonders deshalb, da einige Patienten auf bestimmte Inhaltsstoffe des Verbandmaterials allergisch reagieren können. Grundsätzlich halten sich die Komplikationen jedoch klar in Grenzen und sind nicht unbedingt viel anders als beim normalen Gips.

Fragen & Antworten

Schwimmen & Baden

Kann ich mit einem Castverband auch schwimmen, baden oder duschen?

Mit einem gewöhnlichen Castverband sollte nicht geduscht oder gebadet werden, wenn es sich um keine speziell dafür geeigneten Materialien handelt. Hierfür gibt es allerdings inzwischen spezielle Produkte auf dem Markt, die sich zusätzlich um den Cast wickeln lassen, um ihn vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen.

So kann man selbst mit Cast duschen, baden oder auch richtig schwimmen, sofern man in seiner Bewegungsfreiheit nicht zu sehr durch den Verband eingeschränkt wird. Sinnvoll ist ein wasserabweisendes Produkt, das den Cast schützt, vor allem auch deshalb, da häufig Maßnahmen zur Rehabilitation durchgeführt werden, die Wasserkontakt erfordern. Das können unter anderem Bewegungsbäder oder auch eine ärztlich verordnete Badetherapie sein.

Überempfindlichkeit

Ist es möglich, dass der Körper empfindlich auf den Cast reagiert?

Durch spezielle Produkte zur Unterpolsterung eines Casts lässt sich die Gefahr reduzieren, dass bei längerem Tragen ein unangenehm juckendes Gefühl, Druckstellen oder auch Irritationen der Haut entstehen. Erkundigen Sie sich hierfür am besten direkt beim behandelnden Arzt, sobald Sie bemerken, dass Sie sich mit dem Material nicht wohl fühlen.

Bei Knochenfraktur

Knochenbruch Fraktur Cast

Ein Cast kommt vor allem bei einer Fraktur zum Einsatz pixabay/taokinesis

Wie wird ein Castverband im Zuge einer Knochenfraktur eingesetzt?

Der Cast stellt die Sekundärversorgung nach einem Knochenbruch dar und wird in der Regel erst als zweite Maßnahme nach dem Anlegen eines Gipsverbandes verwendet. Sobald der Gips vollständig ausgehärtet ist, spaltet der Arzt ihn, damit die betroffene Extremität weiter anschwellen kann.

Dies wäre ansonsten nicht möglich, denn der Gips ist absolut inflexibel und kann sich nicht einfach ausweiten, wenn das Gewebe durch das Anschwellen plötzlich mehr Platz benötigt. Anschließend wird ein zirkulärer Castverband auf die Extremität aufgelegt.

Übrigens: Noch immer verwenden viele Menschen umgangssprachlich die Bezeichnung Gips für einen Cast, doch dabei handelt es sich – wie Sie jetzt wissen – in keinem Fall um dasselbe Behandlungsprodukt.


Unser Fazit zum Thema Cast

Ein Castverband ist ein etabliertes medizinisches Produkt, welches noch immer häufig bei Knochenfrakturen oder Beschwerden mit Gelenken zum Einsatz kommt. Es wird immer dann verwendet, wenn eine Extremität ausreichend fixiert werden muss, damit sie möglichst schnell und ungehindert abheilen kann. Ein Castverband kann von Menschen jeden Alters genutzt werden: Sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene ist der Cast somit eine große Unterstützung bei der Genesung nach einer Fraktur.
Allerdings ist es zwingend notwendig, dass das Anlegen und Abnehmen von einem Arzt ausgeführt und die Behandlung über den gesamten Zeitraum von ihm überwacht wird.

Castverbände sind nicht nur direkte beim Hausarzt, sondern auch im Internet sowie in medizinischen Fachgeschäften und Gesundheitshäusern erhältlich. Meist hat man vor Ort die Auswahl zwischen verschiedenen Produkten, weswegen es sinnvoll ist, sich im Vorfeld über die einzelnen Varianten genauer zu informieren.

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