Paartherapie

Paartherapie ALS Beziehungsschule

Behandlung Paartherapie

Wenn Paare bei einer Beziehungskrise nicht mehr weiter wissen, greifen sie immer häufiger zu einer Paartherapie.

Der professionelle Blick eines Therapeuten aus der Distanz kann dabei helfen, ungelöste Konflikte zu verstehen und zu bewältigen.

Vielmehr noch unterstützt er bei der Entwicklung und Einübung eigener Lösungsstrategien. Doch wie genau läuft eine Paartherapie ab?

Was ist eine Paartherapie?

In erster Linie geht es bei der Paartherapie um die tiefgreifende Analyse einer Beziehung und um die Klärung eingefahrener Verhaltensmuster. Zusätzlich möchte ein Paartherapeut dabei unterstützen, die eigene Beziehung wieder wertzuschätzen. Für das Bestehen von Harmonie in einer Beziehung ist eine offene Kommunikation zwischen Mann und Frau unabdingbar. Doch manchmal reicht Reden allein nicht aus.

Bei langwierigen Konflikten und Spannungen entscheiden sich Paare oft für eine Auszeit oder sogar Trennung. Manche Beziehungsprobleme sind so kompliziert, dass deren Lösung viel Zeit und Mühe kostet. Mögliche Ursachen für eine unglückliche Beziehung können nicht erfüllte Bedürfnisse eines oder beider Partner, unverarbeitete Erlebnisse oder psychische Störungen sein. Die Dauer einer Paartherapie richtet sich immer nach der Komplexität der Beziehungskrise. In der Regel brauchen Paare 10 bis 15 Sitzungen.

Damit eine Paartherapie erfolgreich sein kann, müssen beide Partner bereit dazu sein und Arbeit investieren.

Ein Paartherapeut ist kein Wunderheiler. Er kann aber dabei helfen, neue Sichtweisen zu eröffnen, Verhaltensweisen zu deuten und zu verändern. Außerdem ist er dazu in der Lage, Paare bei der Entwicklung und Anwendung eigener Handlungsstrategien anzuleiten.

Im professionellen Sinne ist die Hilfestellung eines Paartherapeuten stets wertneutral. Das Paar sollte sich fallen lassen können. Eine Paartherapie kennt meist keine Gesprächstabus. Die meisten Paare erhoffen sich durch eine Paartherapie die Rettung ihrer Beziehung oder Ehe. Doch eine Trennung oder Scheidung kann auch manchmal heilsam sein. So gibt es Fälle, bei denen sich die Beendung einer Beziehung als beste Lösung für beide Parteien herausstellt. Auch hierbei kann der Paartherapeut unterstützen und einen ,,sauberen Schlussstrich’’ ermöglichen.

Ursprung und Entwicklung:

In der Vergangenheit haben sich verschiedene Therapieansätze herausgebildet. Dazu gehört beispielsweise die Psychoanalyse. Im Zentrum steht die Biografie zweier Partner und narzisstische Störungen als mögliche Ursachen für Beziehungsprobleme. Siegmund Freud gilt als Begründer der Psychoanalyse (um 1890).

Innerhalb der humanistischen Bewegung entwickelte Michael Cöllen die sogenannte Paarsynthese, die sich vor allem auf die Liebes- und Konfliktdynamik eines Paares konzentriert. Die Systemische Therapie entstand erst Ende des 20. Jahrhunderts mit Mara Selvini Palazzoli. Hierbei geht es vor allem um die Wechselwirkung von Handlungen.

Die meisten modernen Paartherapien beinhalten eine Kombination aus mehreren Ansätzen, wie der Systemischen Theorie und verhaltensorientierten Methoden.

Funktion, Wirkung & Ziele – Behandlungen & Therapien

Eine Paartherapie ist hilfreich, wenn ein Paar langwierige und verstrickte Konflikte aus eigener Kraft nicht lösen kann. Aber eine Paartherapie vollbringt keine Wunder. Sie unterstützt dabei, psychischen Stress in einer Beziehung zu lindern und zu bewältigen.

Wenn einer oder beide Partner psychosomatische Symptome wie Schlafstörungen oder Depressionen entwickelt, ist eine Paartherapie auf jeden Fall empfehlenswert. Allgemein gesagt, hilft ein Paartherapeut, das individuelle Wohlbefinden seiner Klienten zu verbessern und die Balance in einer Beziehung wieder herzustellen.

Weitere Ziele liegen in der Auflösung kommunikativer Missverständnisse zwischen zwei Partnern. Außerdem haben Paare mithilfe einer Paartherapie die Möglichkeit, negative Erlebnisse oder Traumata gemeinsam zu verarbeiten. Dazu gehören zum Beispiel Seitensprünge oder der Verlust eines Kindes.

Ebenso können sexuelle Probleme im Fokus einer Paartherapie stehen. Meist befassen Paartherapeuten mit einem großen Komplex an Problemen, die es Schritt für Schritt und mithilfe verschiedener Methoden aufzuschlüsseln gilt. Die Wahl der Therapiemethode orientiert sich immer am Paar und seinen Problemen.

 

Durchführung und Wirkungsweise:

Die Voraussetzung für eine gelingende Paartherapie ist, dass beide Partner dahinter stehen. Manchmal kann es eine Weile dauern, bis ein Paar den für sich richten Therapeuten gefunden hat.

Zu Beginn einer Paartherapie lernen sich Therapeut und Paar zunächst kennen. Hierzu führen sie ein ausführliches Gespräch, in dem die Betroffenen genau beschreiben, welche Probleme in ihrer Beziehung bestehen und welche Erwartungen und Wünsche sie an die Therapie haben. So stellt sich auch automatisch die Frage, ob das Paar an der Beziehung festhalten möchte oder ob eine Trennung zur Debatte steht.

Anhand dessen legt das Paar gemeinsam mit dem Therapeuten ein Therapieziel fest. Danach beginnt die eigentliche Therapiearbeit – vorausgesetzt, das Paar fühlt sich in guten Händen und kann Vertrauen zum Therapeuten aufbauen. Das Paar spricht offen über seine Probleme.

Dabei stellt der Therapeuten gezielte Fragen, die das Paar mitunter als unangenehm empfinden kann. Doch der Therapeut möchte den Konflikten genau auf den Grund Gehen. So interessiert er sich auch für eventuelle psychosomatische Erscheinungen wie Depressionen, Angstzustände oder Essstörungen. Hier bedarf es oft einer zusätzlichen Behandlung.

Im Zuge mehrerer Therapiegespräche beobachtet der Therapeut das Verhalten seiner Klienten genau und entwickelt eine detaillierte Analyse. Diese bildet die Grundlage für die Auswahl geeigneter Therapiemethoden, die er innerhalb einer Sitzung anwenden und mit dem Paar trainieren kann.

Außerdem gibt er hilfreich Tipps und erteilt einzelne und gemeinsame ,,Hausaufgaben’’ für das Paar. Hierdurch kann es lernen, den täglichen Umgang miteinander positiver zu gestalten – immer in Orientierung am gemeinsam arbeiteten Therapieziel und den individuellen Bedürfnissen des Paares.

Hilft gegen:

  • Gestörte Kommunikation in einer Beziehung
  • Unerfüllte Bedürfnisse
  • Streit
  • Eifersucht
  • Kaum oder kein Empfinden von Freude und Lust in der Beziehung
  • Seelische oder körperliche Verletzungen und Kränkungen
  • Psychosomatische Erscheinungen
  • Unverarbeitete Erlebnisse

Es gibt unzählige Gründe dafür, dass sich ein Paar für eine Paartherapie entscheidet. Im besten Falle orientiert sich der Therapeut stets an den individuellen Bedürfnissen und Biografien seiner Klienten.

Fördert und stärkt:

  • Zusammenhalt in einer Beziehung
  • Verständnis und Lösung Konflikten
  • Kommunikation in einer Partnerschaft
  • Einsicht ins eigene Denken und Verhalten
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Seelische Ausgeglichenheit

 

Diagnose und Untersuchungsmethoden

Nach Erarbeitung eines gemeinsamen Therapieziels konzentriert sich der Paartherapeut auf die eigentlichen Beziehungsprobleme und deren Ursachen. Hierbei ist er um einen ganzheitlichen Ansatz bemüht.

Behandlung PaartherapieDas heißt, dass er sowohl auf die aktuelle Lebenssituation als auch auf die Biografie seiner Klienten blickt. Darin mit eingeschlossen ist auch die Kindheit sowie das Beziehungsleben der Eltern. All diese Aspekte können das eigene Verhalten in einer Partnerschaft maßgeblich beeinflussen.

Bei der Verhaltensbeobachtung greifen Therapeuten gern zu sogenannten zirkulären Fragen. Diese dienen dem Aufdecken unerfüllter Erwartungen, die Mann und Frau im Umgang miteinander haben. Kommunikative Missverständnisse lassen sich somit leichter lösen.
Ebenso beliebt unter Therapeuten sind Rollenspiele. Hierbei sollen die Beteiligen die Perspektive des anderen einnehmen. Dabei konfrontiert sie der Therapeut mit dem eigenen Verhalten und gibt Verbesserungshinweise.

Ein professioneller Paartherapeut bleibt stets unparteiisch und bewahrt Distanz. Im besten Falle ist er ein sehr guter Zuhörer und klärt darüber auf, was er beobachtet und welche Handlungsalternativen möglich sind. Die eigentliche Arbeit jedoch leistet das Paar selbst, in dem es sein Beziehungsleben trainiert.

  • Gesprächstherapie
  • Biografiearbeit
  • Rollenspiele
  • Meditation
  • Hypnose

Risiken und Nebenwirkungen:

  • Falsche Auswahl des Therapeuten
  • Kaum bis keine Gesprächsbereitschaft eines Partners
  • Unprofessionelles Verhalten des Therapeuten
  • Falsche Erwartungen an eine Paartherapie
  • Fehldiagnosen
  • Keine Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen

Die Kosten für eine Paartherapie müssen Betroffene meist selbst tragen. Eine Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen kann nur erfolgen, wenn einer der Partner nachweisbar an einer psychischen Störung leidet.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen:

  • Trennung oder Ehescheidung
  • Psychische Belastung
  • Schuldzuweisungen

In einer Paartherapie sehen sich die Beteiligten mit dem eigenen Verhalten und dem des anderen konfrontiert. Sie müssen sich aktiv damit auseinandersetzen. Das kann für den ein oder anderen anstrengend sein und eine starke psychische Belastung darstellen.

Ebenso möglich sind gegenseitige Schuldzuweisungen, die einen bestehenden Konflikt verschärfen können. Nicht immer führt eine Paartherapie zur Fortsetzung einer Beziehung.

Wer behandelt?

  • Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten
  • Sozialarbeiter, Sozialpädagogen mit Zusatzausbildung (Familien- und Paartherapie)

Der Begriff des Paar- und Familientherapeuten ist gesetzlich nicht geschützt.
Mögliche Anlaufstellen für eine Paartherapie bieten öffentlich städtische Beratungsstellen sowie die Caritas, das Diakonische Werk oder Pro Familia.

Unser Fazit:

Wer Hilfe für seine Partnerschaft sucht, wird bei einer Paartherapie sicher fündig. Allerdings sollten Betroffene sich bewusst machen, dass Paartherapeuten keine Wunder vollbringen können. Die eigentliche Arbeit an einer Beziehung hat das Paar selbst zu leisten – vorausgesetzt, beide Beteiligten sind dazu bereit.

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