Essstörungen

Steckbrief: Essstörungen

  • Name: Essstörung
  • Art der Krankheit: Psychische Erkrankung
  • Verbreitung: am häufigsten betroffen ist die Altersgruppe 15-24 Jahre
  • Erste Erwähnung der Krankheit: 1689
  • Behandelbar: Ja bei frühzeitiger Behandlung
  • Art des Auslösers: biologische individuelle familiäre und gesellschaftliche Faktoren
  • Wieviele Erkrankte: in der Altergruppe 15-24 Jahre bis zu einem Prozent
  • Welchen Facharzt sollte man aufsuchen: Psychiater
  • ICD-10 Code(s): F50.0;F50.2;F50.9

Auswirkungen von Essstörungen

Essstörungen werden in der heutigen Zeit immer häufiger diagnostiziert. Dennoch, gibt es eine hohe Dunkelziffer da Betroffene sich oft scheuen ihre Krankheit anzuerkennen. Auch für Außenstehende ist das Leiden der Angehörigen meist nur schwer oder zu spät zu erkennen.

Eine rechtzeitige und professionelle Behandlung ist bei Essstörungen unabdingbar, da das Weiterführen des bisherigen Umgangs mit der Krankheit schlimmstenfalls zum Tod führen kann.

Definition Essstörungen?

Essstörungen sind psychische Erkrankungen, die mit schweren somatischen Problemen einhergehen. Bei einer solchen Verhaltensstörung ist die Einstellung zum eigenen Körper negativ belastet und hat einen krankhaften Umgang mit Lebensmitteln zur Folge.

Es werden drei Arten von Essstörungen unterschieden: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung. Jede dieser drei Störungen obliegt verschiedenen Kriterien, die sich dementsprechend auf das Krankheitsbild auswirken. Auslöser sind meist kritische Lebensereignisse, die für die Betroffenen unlösbar erscheinen.

Studien zufolge leiden Frauen fünfmal häufiger an Essstörungen ALS Männer, wobei beide Geschlechter eher in jungen Jahren erkranken.

Was ist eine Essstörung?

Essstörungen sind immer häufiger auftretende Psychische Erkrankungen, die schwere Folgen für die Betroffenen aber auch für Familie und Freunde haben. In den meisten Fällen sind junge Frauen von der Krankheit betroffen, aber auch immer mehr junge Männer müssen sich in Behandlung begeben. Um einen chronischen Verlauf der Krankheit zu vermeiden, ist das frühe Erkennen und Behandeln für den Behandlungserfolg wichtig. Die drei bedeutsamsten Essstörungen sind Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Bulimie) und Binge-Eating-Störung (Heißhungeranfall).

Anorexia Nervosa

Die Magersucht ist charakterisiert durch das Vermeiden von kalorienreichen Speisen und das Halten von strikten Diäten. Beides kann zu gefährlichen körperlichen Folgen und zum Tod führen. Die Betroffenen spüren Hunger und auch Appetit, lernen aber beides zu unterdrücken. Um als magersüchtig eingestuft zu werden, muss das Körpergewicht mindestens 15 % unter dem eines Normalgewichtigen liegen. Der Gewichtsverlust muss außerdem selbst herbeigeführt worden sein und darf keine organischen Ursachen haben. Die Betroffenen leiden an einer Körperschemastörung bei der sie sich selber als übergewichtig empfinden, es objektiv aber nicht sind.

Bulimia Nervosa

Bulimie ist eine Essstörung, die sich durch unkontrollierte Essattacken auszeichnet. Betroffene verlieren hierbei die Kontrolle über sich selbst und stopfen ungezügelt hauptsächlich kalorienreiche und süße Lebensmittel in sich hinein. Nach dem Anfall entsteht meist ein Schamgefühl und das Verlangen alles wieder zu erbrechen. Durch das selbst herbeigeführte Übergeben versuchen sie die Kontrolle über den eigenen Körper wieder zu erlangen und so selbst über die Kalorienzufuhr entscheiden zu können. Betroffene greifen häufig zu Abführmitteln und treiben übermäßig viel Sport. Auch zeitweilige Hungerperioden sind nicht unüblich. In der Regel gilt als Bulimie Erkrankter, wer derartige Fressattacken mindestens zweimal pro Woche erlebt. Außerdem typisch ist eine andauernde Beschäftigung mit dem Thema Essen.

Binge-Eating-Störung

Kennzeichen für diese Störung sind unkontrollierte Essattacken, bei denen große Mengen in einer großen Schnelligkeit verspeist werden. Die Essensmengen übertreten dabei deutlich das Pensum, das andere Menschen in derselben Zeit gegessen hätten. Dies geschieht meist ohne jegliches Hungergefühl und endet mit einem unangenehmen und schmerzhaften Völlegefühl. Es entsteht ein Teufelskreis indem aus Verlegenheit über die Menge, die man gegessen hat, gegessen wird. Betroffene leiden hinterher meist an Selbstekel und Scham- oder Schuldgefühlen. Im Gegensatz zur Bulimie werden hier keine Maßnahmen ergriffen, um dem Übergewicht entgegenzuwirken wie zum Beispiel Erbrechen, übermäßiger Sport oder Hungern. Aus diesem Grund ist der Großteil aller Erkrankten schwer übergewichtig. Durchschnittlich treten die Essanfälle einmal pro Woche auf.

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Welche Ursachen gibt es?

Essstörungen haben ihre Ursachen in verschiedenen, meist zusammengehörigen Auslösern. Erst durch die Kombination in verschiedenen Problembereichen des Lebens entsteht diese Art von Persönlichkeitsstörung. So können genetische Faktoren im Zusammenspiel mit einem niedrigen Selbstwertgefühl oder gar traumatischen Erlebnissen die Erkrankung auslösen. Studien zeigten, dass Essstörungen in Familien gehäuft vorkommen und diese über Generationen weitergegeben werden.

Psychologisch betrachtet können Angststörungen und eine krankhaft perfektionistische Einstellung zum Leben sich fördernd auf eine Essstörung auswirken. Konflikte mit der eigenen Sexualität und die falsche Wahl von Vorbildern können bei Heranwachsenden zu einer Störung des Selbstbildes führen und als Auslöser dienen. Bei allen drei Krankheitsbildern, konnte ein Zusammenhang mit Diäten entdeckt werden. Speziell bei Patienten mit Bulimia Nervosa und der Binge-Eating-Störung wurden vermehrt sexueller Missbrauch, Vernachlässigung und kritische Lebensereignisse als Ursache gefunden.

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Symptome & Anzeichen

Patienten mit Essstörungen verstehen sich darin ihre Krankheit so gut es geht zu verstecken. Oft ist es für Angehörige schwer, die Anzeichen zu erkennen. Jede der Störungen weist spezielle Symptome auf, die auf eine Erkrankung hindeuten.

Magersucht

Als „Kernsymptom“ kann der Verlust von Gewicht aufgeführt werden. Betroffene verlieren mehr als 15 % ihres Körpergewichtes und der BMI senkt sich unter 17.5. Als typisches Anzeichen gilt weiterhin das Vermeiden von „fett machenden“ Speisen, um dadurch den Gewichtsverlust zu beschleunigen. Der eigene Körper wird auch nach einem immensen Gewichtsverlust noch immer als zu dick angesehen und es drehen sich alle Gedanken einzig und allein um das Thema Ernährung. Typisch ist auch das exzessive Treiben von Sport. Bei jungen Frauen hat Magersucht oftmals das Ausbleiben der Periode zur Folge, bei heranwachsenden Männern kann es zu Potenzverlust kommen.

Bulimie

Vermehrte Essanfälle mit großen Nahrungsmengen sind ein untrügliches Anzeichen. Dabei spielt die Gier und der andauernde Zwang zu essen eine wesentliche Rolle. Um die Gewichtszunahme zu verhindern, leiten Betroffene verschiedene Maßnahmen ein:

  • Selbst induziertes Erbrechen
  • Vermehrte Nutzung von Abführmitteln
  • Hungerperioden
  • Übermäßiger Gebrauch von Appetitzüglern

Auch bei diesem Krankheitsbild kann von einer gestörten Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers gesprochen werden.

Binge Eating Störung

Als Symptom wird hier die Zufuhr großer Nahrungsmengen mit verbundenem Kontrollverlust genannt. Die Essanfälle treten hierbei gemeinsam mit mindesten drei der folgenden Begleiterscheinungen auf:

  • Schneller essen als normal
  • Essen ohne wirklich hungrig zu sein
  • Maßlosen essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl
  • Essen allein aus Verlegenheit über die Menge
  • Schuldgefühle und Ekel nach Essanfall

Betroffene leiden deutlich unter dem Kontrollverlust die in der Regel mindestens einmal pro Woche auftreten. Bei diesem Krankheitsbild sind wiederum kompensatorische Verhaltensweisen wie das Erbrechen in den meisten Fällen nicht Teil des Krankheitsverlaufes.

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Diagnose & Krankheitsverlauf

Um eine Essstörung zu diagnostizieren, wird in einem ersten Schritt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten geführt. Dieses findet in den meisten Fällen bei einem Facharzt oder Psychotherapeuten statt. Außerdem klärt eine medizinische Untersuchung eventuelle körperliche Ursachen für die Symptome ab.

Folgende Untersuchungen werden bei der medizinischen Abklärung durchgeführt:

  • Bestimmung des BMI durch Gewicht und Körpergröße
  • Messung von Blutdruck und Puls
  • Überprüfung der Herzfunktion
  • Blutwerte
  • Untersuchung von Leber und Niere

Bei der Binge- Eating- Störung werden zusätzlich noch die eventuellen körperlichen Ursachen für das Übergewicht abgeklärt. Darüber hinaus werden die durch die Essstörung bereits entstanden Schäden überprüft.

Wird eine Essstörung diagnostiziert, wird in einem nächsten Schritt das weitere Vorgehen besprochen. Unter anderem wird mit dem Patienten abgestimmt, ob die Therapie ambulant oder stationär ablaufen soll.

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Häufigkeit & Diagnosedaten

Magersucht

Studien zufolge leiden 1,1 % der Frauen und 0,3 % der Männer unter Magersucht

Bulimie

0,3 % der Frauen und 0,1 % der Männer in Deutschland leiden unter Bulimie

Binge-Eating-Störung

An der Binge-Eating-Störung sind im Jahr 2013 0,1 % der Frauen und 0,1 % der Männer erkrankt

Für dieselbe Krankheit wurde in Amerika eine Studie durchgeführt, die ergab, dass eine Binge-Eating-Störung bei 1,4 % der Mädchen und 0,4 % der Jungen aufgetreten ist

Todesfälle durch Essstörungen

Durchschnittlich stirbt jedes Jahr zwischen 33 und 100 Menschen in Deutschland an Essstörungen. 90 % davon sind Frauen

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Komplikationen bei der Krankheit

Aufgrund der Veränderung des Essverhaltens kann es neben psychischen Problemen, auch zu schweren körperlichen Schädigungen kommen. Durch übermäßiges Fasten, Erbrechen oder der Nutzung von abführenden Medikamenten, werden dem Körper wichtige Nährstoffe entzogen. Mangelernährung und unkontrollierte Essanfälle können schwerwiegende Folgen haben:

  • Unterversorgung von Vitaminen, Proteinen und Elektrolyten
  • chronische Niereninsuffizienz
  • epileptische Anfälle
  • Muskelschwäche
  • Herzrhythmusstörungen
  • Durchblutungsstörungen an Händen und Füßen mit extremem Kälteempfinden
  • Unregelmäßigkeiten beim weiblichen Zyklus und Störungen bei der Fruchtbarkeit
  • Entzündungen in der Speiseröhre
  • Sodbrennen
  • Schädigungen von Zähnen
  • Krämpfe und Blähungen nach Missbrauch von Abführmitteln
  • Knochenerweichung und Osteoporose durch Mangel an Vitamin D
  • verstärkte Körperbehaarung
  • Depressionen
  • Konzentrationsfähigkeit nimmt ab
  • Tod durch Folgen des Untergewichts oder durch Suizid

Bei der Binge-Eating-Störung werden die Komplikationen durch den starken und schnellen Anstieg von Gewicht verursacht:

Bei allen drei Krankheitsbildern haben die Betroffenen Schuldgefühle wegen ihrem Essverhalten. Sie sind übermäßig mit ihrem Gewicht beschäftigt und meiden sozialen Umgang. Gesellschaftliche Isolation und Einschränkungen im Alltag sind die Folgen.

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Wann sollte man zum Arzt gehen?

Generell gilt: je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto höher sind die Heilungschancen. Da sich Betroffene meist sehr gut darin verstehen, ihre Krankheit zu verstecken, ist es für Außenstehende oft sehr schwierig die Problematik zu erkennen. Familien und Freunde sollten bei Verdacht das Problem nicht kleinreden oder verdrängen. Um eventuelle medizinische Ursachen ausschließen zu können, sollte zuerst der Hausarzt aufgesucht werden, der den Patienten dann gegebenenfalls an einen Spezialisten überweist.

Anzeichen für eine Essstörung:

  • Gewicht ist nicht altersgerecht
  • Starker Gewichtsverlust und das Tragen weiter Kleidung
  • Vermeiden von gemeinsamen Mahlzeiten
  • Sehr langsames Essen mit kleinen Portionen
  • Extremer Anstieg an sportlichen Aktivitäten
  • Keine Aufnahme von fetten oder kohlenhydratreichen Produkten
  • Häufiges Aufsuchen der Toilette
  • Nutzung von Abführmitteln

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Behandlungsmethoden & Therapie

Neben der regelmäßigen Kontrolle durch einen Facharzt sollte in jedem Fall eine Therapie in Anspruch genommen werden. Die Therapie kann sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden. Für eine stationäre Therapie sollte sich entschieden werden, wenn beim Betroffenen folgende Kriterien zutreffen:

  • Kritisches Untergewicht oder Gewichtsverlust
  • Körperliche Komplikation
  • Suizidgefahr
  • Vorliegen anderer psychiatrischer Erkrankungen
  • Festgefahrene familiäre Situation
  • Soziale Isolation
  • Scheitern ambulanter Behandlungsversuche

Die Therapie einer Essstörung findet meist im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans statt. So wird bei der stationären Aufnahme von verschiedenen Therapieformen Gebrauch gemacht wie zum Beispiel der Ergotherapie, Ernährungsberatung, Musiktherapie etc. Der Ansatz um eine Essstörung zu therapieren, baut auf verschiedenen Stufen auf:

  • Informationsvermittlung und Motivationsaufbau: Der Patient wird über die Folgen seiner Krankheit informiert und wird angeregt, selbst über den Nutzen seiner Genesung nachzudenken.
  • Ernährungsrehabilitation: Dient der Verinnerlichung von strukturiertem Essen und es wird ein Plan zur Gewichtsnormalisierung aufgestellt
  • Therapeutischer Ansatz: z.B. kognitive Therapie. Diese Therapieform hilft bei den mit Essstörungen verbundenen kognitiven Störungen und Wahrnehmungsstörungen wie zum Beispiel bei mangelndem Selbstbewusstsein und Körperschemastörungen
  • Behandlung der komorbiden Störungen: Einsatz bei Depressionen und mangelnder sozialer Kompetenz
  • Einbeziehung der Familie

Wichtig für die Genesung ist die Bearbeitung der verbundenen Problemfelder:

  • Perfektionismus: Herunterspielen der Essstörungssymptomatik, hohe Ansprüche an sich selbst, Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen
  • Partnerschaftsprobleme: Essprobleme nach Konfliktsituation, mangelnde Aufmerksamkeit
  • Abgrenzungsprobleme im familiären Bereich: Essstörung als Betonung der Individualität
  • Mangelnde Selbstständigkeit: Essen als „eigener Bereich“
  • Interventionsstrategien: kognitive Techniken, Verhaltensexperimente, Einbezug der betroffenen Angehörigen

Nach Rücksprache mit dem Arzt haben sich auch Antidepressiva bei Essstörungen als wirksam erwiesen. Speziell bei Bulimie hat sich die Einnahme von SSRI hervorgetan. Hierbei handelt es sich um einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der den Serotoninspiegel zwischen den Nervenzellen im Gehirn wieder aufbaut.

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Vorbeugung & Prävention

Essstörungen werden durch individuelle, familiäre, gesellschaftliche und/oder biologische Faktoren ausgelöst. Sie gehen mit einer gestörten Körperwahrnehmung einher und haben psychologische Ursachen. In den meisten Fällen sind Probleme im Alltag und im familiären Bereich sowie ein mangelndes Selbstbewusstsein der Ausschlag dafür. Eltern können ihren Kindern schon von Beginn an ein gesundes Essverhalten vermitteln. So sollten sich Eltern Zeit für gemeinsames Essen nehmen und dem Kind nicht nur Fast Food, sondern auch gesundes Essen zubereiten.

Auch wenn Eltern selbst ständig Diät halten, kann sich dies negativ auf das Essverhalten ihres Kindes auswirken. Auch sollte Nahrung nicht als Belohnung oder Bestrafung eingesetzt werden. Hier werde falsche Signale gesendet wann Essen als „gerechtfertigt“ angesehen wird. Eltern haben hierbei eine Vorbildfunktion und sollten ihre Kinder im Umgang mit Essen als auch bei der Selbstachtung fördern. So sollten sie ein gesundes Essverhalten vorleben und dem Kind eine positive Sicht auf den eigenen Körper nahe bringen. Präventiv wirkt alles, was das Kind dazu bringt seinen eigenen Körper anzunehmen und als schön zu empfinden. Schon in der Schule können Beratungsstunden oder spezielle Unterrichtseinheiten genutzt werden, um den Heranwachsenden das Bewusstsein für Ernährung und Körpergefühl näher zu bringen.

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Prognose zur Heilung

Essstörungen können geheilt werden, allerdings ist die Chance auf vollständige Heilung oft abhängig vom Alter. Umso jünger die Patienten sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit auf eine vollständige Genesung. Wird die Essstörung bereits im Pubertätsalter bzw. direkt nach dem Ausbruch behandelt, stehen die Heilungschancen besser als in späteren Jahren. Ältere Betroffene leiden oft schon jahrelang an der Krankheit und in den meisten Fällen ist sie dann bereits chronisch.

Sobald die Essstörung als chronisch eingestuft wurde, steigt auch das Risiko an der Krankheit zu sterben. Von einer Heilung ist dann zu sprechen, wenn sich die Symptomatik des Essverhaltens positiv verändert hat und sich auch die damit zusammenhängenden psychischen Probleme behandelt wurden. Ehemalige Erkrankte haben oft ein Leben lang noch mit den Nachwirkungen der Krankheit zu kämpfen. Je nachdem wie fortgeschritten die Esssucht war, können die körperlichen Schäden dauerhaft sein. Aus psychologischer Sicht haben Betroffene, ähnlich wie bei Drogenabhängigen, die lebenslange Aufgabe nicht wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen.

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Essstörung und Drogenabhängigkeit

Wie Drogenabhängigkeit oder Alkoholismus kann man auch Essstörungen als eine Art Sucht deklarieren. Bei gesunden Menschen wird das Belohnungszentrum im Hirn stimuliert, indem sie etwas tun was ihnen gut tut oder was ihnen Spaß macht. Bei Drogenabhängigen wird dieser Stimulanz nachgeholfen, indem sie chemisch ausgelöst wird. Dabei wird durch den Konsum von Drogen das Belohnungszentrum aktiviert, der Betroffene fühlt sich „belohnt“ und blendet negative Aspekte aus. Ein ähnlicher Ablauf lässt sich bei Essstörungen feststellen.

Der Gewichtsverlust wirkt wie eine Belohnung auf das eigene Selbst. Wie auch Patienten mit Essstörungen leiden Drogenabhängige an einem verminderten Selbstwertgefühl. Den Betroffenen muss während der Behandlung wieder beigebracht werden, dass Glücksgefühle auch ohne externe Stimulanz entstehen können. Gemeinsam haben die beiden Krankheiten, dass der Abhängige nicht die negativen Konsequenzen seines Handelns vor Augen hat. Obwohl der Körper bereits erheblichen Schaden genommen hat, fällt es Betroffenen oft schwer, sich die Abhängigkeit einzustehen.

Alternative Behandlungsmethoden

Bisher gibt es noch keine Erkenntnisse darüber, dass alternative Behandlungsmethoden allein eine Essstörung heilen können. Verschiedene Therapieansätze können sich dennoch positiv auf den Genesungsprozess auswirken und die Behandlung unterstützen. Psychotherapie, konventionelle Medizin und alternative Behandlungsmethoden werden hierbei kombiniert.

In manchen Fällen können Patienten bei einem Rückfall auch mit den homöopathischen Ansätzen Schlimmeres verhindern und sich in einem ersten Schritt selbst behandeln. Hier ist es natürlich wichtig, ein Gefühl dafür entwickelt zu haben, wann die Krankheit wieder der eigenen Kontrolle entgleitet und zusätzlich zu den alternativen Behandlungsmethoden wieder professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden muss. Alle hier besprochenen alternativen Therapien, sollen daher nicht als Aufforderung dienen eine Fortgeschrittene Krankheit selbst heilen zu wollen und können, sondern lediglich der Information über parallele Behandlungsansätze. Diese sollten auch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Als unterstützende Therapien gelten:

Welche Hausmittel können helfen?

Natürliche Hausmittel können eine Esssucht zwar nicht im Alleingang heilen, können aber eine unterstützende Wirkung auf den durch die Krankheit angegriffenen Körper haben. Bei Magersucht können verschiedene Lebensmittel helfen den Appetit anzuregen. Außerdem haben sie in manchen Fällen einen positiven psychologischen Effekt auf die Erkrankung.

Knoblauch

Gilt als Appetitanreger und hilft das Verdauungssystem zu fördern. Der Knoblauch wird mit Wasser gekocht und mit einer Prise Salz und Zitronensaft getrunken.

Ingwer

Wirkt Stress lösend und soll den Appetit anregen. Der Ingwer sollte 30 Minuten vor jeder Mahlzeit eingenommen werden. Auch mehrere Tassen Ingwertee pro Tag haben einen anregenden und beruhigenden Effekt.

Karottensaft

Hilft das Verdauungssystem zu regenerieren und Giftstoffe auszuscheiden. Besonders effektiv wenn man den Saft mit lauwarmen Wasser mischt.

Orangensaft

Orangensaft in einem Glas lauwarmen Wasser fördert die Produktion von Magensaft.

Lauwarmes Wasser

Durch das Erbrechen verliert der Körper viel Flüssigkeit. Daher sollte viel lauwarmes Wasser getrunken werden.

Apfel

Klein geriebener Apfel wirkt regenerierend auf die geschädigte Magen- Darmwand.

Mandeln

Steigern die Leistungsfähigkeit des Gehirns und steigern die Konzentration. Damit wirken sie sich positiv auf psychische Leiden aus.

Heilkräuter & Heilpflanzen

Ähnlich wie bei den Hausmitteln können auch Heilkräuter und Heilpflanzen keine Essstörung im Alleingang heilen. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten den Heilungsprozess zu unterstützen.

Petersilie

Wird oft unterstützend für die Funktion der Nieren eingesetzt. Da Magersucht und Bulimie eine Niereninsuffizienz auslösen können, regt die Petersilie die Aktivität der Niere an.

Basilikum

Wirkt antibakteriell und hat einen Effekt auf das Nervensystem. Basilikum als Heilkraut findet oft Einsatz bei Menschen mit Ängsten oder nervöser Unruhe.

Oregano

Als Heilpflanze vor allem im Magen- Darmbereich anerkannt. Der Oregano wird mit heißem Wasser übergossen und als Tee getrunken.

Wermut

Wird bei Antriebslosigkeit, Schwächezuständen, Depressionen, Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Wermut hat einen bitteren Geschmack und sollte daher mit Wasser vermischt werden.

Ätherische Öle

Zusätzlich zum ganzheitlichen Behandlungsansatz, können Ätherische Öle begleitend eingesetzt werden.

Majoranöl

Auch bekannt als ein Anti-Krampf-Öl. Wirkt bei Muskelkrämpfen und innerer Unruhe. Außerdem kommt Majoran als Duftöl bei Depressionen und durch seine Appetit regulierende Wirkung zur Behandlung von Essstörungen zum Einsatz.

Grapefruitöl

Dem Öl wird eine stark aufhellende Wirkung auf die Stimmung nachgesagt. Als psychotherapeutische Begleitung unterstützt es die Heilung bei Depressionen, Süchten und Essstörungen. Des Weiteren soll Grapefruitöl ausgleichend auf das Appetitgefühl wirken.

Fenchelöl

Eignet sich bei Beschwerden des Verdauungstraktes. Hierzu zählen unter anderem leichte Krämpfe des Magen-Darm-Traktes, Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit.

Homöopathie & Globuli

Homöopathie bei Esserkrankungen kann eine sinnvolle Unterstützung neben dem durch Therapeuten und Arzt erstellten Behandlungsplan sein. Die Symptome können in einzelnen Fällen reduziert und der Genesungsprozess unterstützt werden. Allerdings konnte die Wirksamkeit bei Essstörungen nicht statistisch nachgewiesen werden.

  • Bei Abmagerung durch Schwäche und Erschöpfung kann das Globuli Abrotanum eingenommen werden.
  • Das bei Kindern am häufigsten eingesetzte Mittel ist Calcium carbonicum.
  • Bei Heißhungerattacken soll Lycopodium Abhilfe schaffen.
  • Phosphorus hilft bei Ängsten und Depressionen.
  • Lycopodium wird bei Verdauungsproblemen und Appetitlosigkeit eingenommen.

Schüssler-Salze

Um die körperlichen Schäden, die durch die Erkrankung entstanden sind, heilsam zu unterstützen, kann zu Schüssler- Salzen gegriffen werden:

  • Das Schüßler-Salz Nr. 2 Calcium phosphoricum steht für Stabilität, Halt und Stärkung. Es stärkt die Knochen, Muskeln und Zähne.
  • Schüssler-Salz Nr. 3 Ferrum phosphoricum hilft bei Entzündungen der Speiseröhre und der Mundschleimhaut.
  • Betroffene, die zu Erschöpfung oder Depression neigen, können zum Schüssler-Salz Nr. 5 Kalium phosphoricum greifen.Es soll von belastenden Gedanken befreien und die Nerven stärken.
  • Bei Heißhungerattacken hat sich das Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum bewährt. Anstatt Süßes zu essen, soll der Erkrankte die Salze langsam im Mund zergehen lassen.
  • Wer sich regelmäßig erbricht, kann Salz Nr. 8 Natrium chloratum nutzen. Durch die Einnahme soll der Flüssigkeitsentzug ausgeglichen werden.
  • Häufiges Erbrechen wirkt sich durch die Magensäure schlecht auf die Zähne aus. Das Schüssler-Salz Nr. 9 Natrium phosphoricum soll einer Übersäuerung entgegenwirken.

Diät & Ernährung

Während der Therapie findet eine Ernährungsrehabilitation statt. Bei Magersucht wird die Normalisierung des Gewichts durch eine umgestellte Ernährung angestrebt. Durch die Veränderung in der Ernährung wird die Normalisierung des Essverhaltens angestrebt. Bei Bulimie Patienten soll die Ernährungsumstellung eine Normalisierung des Essverhaltens herbeiführen und gleichzeitig die Essanfälle reduzieren. Der Therapeut erarbeitet mit den Patienten Ziele, die sie in einem gewissen Zeitraum erreichen sollen:

Ein kurzfristiges Ziel ist das Führen eines Essprotokolls. Hierbei wird das Essverhalten erfasst und speziell die Nahrungsmenge sowie die Nahrungszusammensetzung. Außerdem werden psychologische Zusammenhänge aufgezeigt, die dem Patienten Auslöser und aufrechterhaltende Bedingungen aufzeigen. Ein längerfristiges Ziel ist das Führen eines Ernährungstagebuchs. Die Patienten werden dazu angehalten, über einen längeren Zeitraum alles über die eigene Ernährung schriftlich festzuhalten. Dies fördert das Erkennen typischer Problemsituationen und gleichzeitig die Veränderung des Essverhaltens.

Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Ernährungsumstellung ist die Mahlzeitenplanung:

Anfangs ist eine Orientierung nach Hunger und Sättigung aufgrund der Mangelernährung und der unstrukturierten Ernährung nicht möglich. Daher wird mit den Therapeuten eine Mindestmenge bei den Hauptmahlzeiten vereinbart. Außerdem findet eine Änderung der Essensrituale, statt wie zum Beispiel das Essen klein zu schneiden oder viel zu trinken.

Im Laufe der Therapie werden den Patienten Wege und Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie sich nach dem Abschluss der Therapie ernähren können. So zum Beispiel Stimuluskontrolltechniken und Strategien im Umgang mit kritischen Situationen.

Stimuluskontrolltechniken:

  • Essen zu festgelegten Zeiten und Orten
  • Keine anderen Tätigkeiten gleichzeitig
  • Nicht hungrig einkaufen gehen
  • Einkaufsliste erstellen
  • Essensreste wegwerfen lernen
  • Essen nicht herumliegen lassen
  • Langsam essen, Besteck öfter weglegen

Strategien im Umgang mit kritischen Situationen (z.B. Essanfall, Erbrechen):

  • Freundin anrufen wenn ein Heißhunger Anfall bevorsteht
  • Sich nach dem Essen verabreden um Erbrechen zu verhindern
  • Freizeitaktivitäten für „kritische“ Tageszeit einplanen
  • Bad nehmen um sich zu entspannen

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FAQ – Fragen & Antworten

Was kann getan werden um Essstörungen vorzubeugen?

Außenstehende sollten auf Warnzeichen wie starke Gewichtsverluste achten. Auch das regelmäßige Aufsuchen der Toilette direkt nach dem Einnehmen der Mahlzeit kann ein Anzeichen für eine Essstörung sein. Eine frühzeitige Erkennung der Anzeichen, kann dabei helfen die Krankheit am Ausbrechen zu hindern oder sie schneller zu heilen. Nach den ersten Anzeichen sollte ein Arzt aufgesucht werden, der genauere Untersuchungen vornehmen wird und das weitere Vorgehen mit dem Patienten bespricht. Angehörige sollten nicht versuchen, die Krankheit selbst zu therapieren. Stattdessen sollte Verständnis und Unterstützung signalisiert werden und die Bereitschaft, den Betroffenen auf seinem schweren Weg zu unterstützen.

Haben die modernen Medien einen negativen Einfluss?

Die modernen Medien und auch die Modebranche zeigen den jungen Menschen ein „Idealbild“ auf mit dem sie sich identifizieren. So wird ein schlanker Körperbau von vielen als notwendig empfunden, um als „schön“ zu gelten. Übergewicht hingegen gilt auch heute noch in der westlichen Gesellschaft als verpönt. Kindern und Jugendlichen sollte daher schon im Elternhaus und in der Schule ein gesundes Selbstwertgefühl und der Umgang mit gesunden Nahrungsmitteln vermittelt werden.

Woran erkennt man, ob jemand magersüchtig ist?

Menschen die an Magersucht leiden, sind extrem untergewichtig. Bei den Mahlzeiten nehmen sie stets nur sehr kleine Mengen zu sich. Um den Effekt der Abnahme noch zu unterstützen, nehmen sie außerdem oft Appetitzügler ein welche helfen den Hunger zu unterdrücken. Viele Magersüchtige treiben zusätzlich exzessiv Sport. Sie empfinden sich selbst als zu dick und übergewichtig. Meinungen von außen werden nicht angenommen oder schlicht es gelogen empfunden. Die Angst zuzunehmen ist stärker als die Bedrohung durch körperliche Folgeschäden. So wird die Selbstkontrolle über den eigenen Körper zu einer Art Zwang den die Betroffenen nicht mehr unter Kontrolle haben. Ein weiterer Hinweis auf eine Magersucht ist der Rückzug von sozialen Kontakten und Isolation. Außerdem, neigen Erkrankte dazu ihren abgemagerten Körper unter weiter Kleidung zu verstecken.

Woran erkennt man einen Bulimie Erkrankten?

Betroffene die an Bulimie leiden sind meist normalgewichtig und verhalten sich weitestgehend unauffällig. Mindestens einmal in der Woche erleiden sie unkontrollierte Essattacken bei denen sie alles Essbare in regelrecht in sich hinein stopfen. Meist handelt es sich dabei um sehr fettige und zuckerreiche Produkte. Nach den Essattacken entsteht die Panik zuzunehmen und sie erbrechen sich. Im Vordergrund steht hierbei der Gedanke, wieder die Kontrolle über die Kalorien und die Essenszufuhr zurüCK zu erlangen. Auch die Einnahme von Abführmitteln oder das übermäßige Treiben von Sport ist ein Zeichen für eine Bulimie Erkrankung. Viele erbrechen sich nach den Essattacken. Ihr Verhalten empfinden Betroffene als beschämend und ziehen sich daraufhin nicht selten aus dem sozialen Leben zurück. Die Anfälle passieren in der Regel heimlich, sodass es für Angehörige oft schwer ist, diese Art von Erkrankung zu erkennen.

Können Essstörungen zum Tod führen?

Bei Magersucht kann die Unterversorgung an wichtigen Nährstoffen die Funktionen der Organe beeinträchtigen und zum Tod führen. Etwa jede zehnte Patientin bzw. Patient stirbt in den ersten zehn Jahren der Krankheit. Ein Teil der Betroffenen begeht Selbstmord. Je früher eine professionelle Beratung und Behandlung beginnt, desto größer sind die Heilungschancen. Von den an Bulimie Erkrankten in Deutschland, sterben ca. 0,5 bis 1 Prozent. Entwickelt sich die Bulimie zu einer chronischen Erkrankung, können die Schäden lebensbedrohlich sein. Auch hier ist es wichtig, rechtzeitig mit einer Behandlung zu beginnen.

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