Freude

Freude ist wohl das schönste der Gefühle, ungeachtet ihrer Ursache. Im Alltag zeigt sie sich auf vielerlei Arten, zum Beispiel durch ein Lächeln oder einen Freudenschrei. Auch in alltäglichen Gesprächen begegnet man ihr, dank zahlreicher Redensarten, immer wieder.

Im folgenden Artikel soll das Thema Freude genauer beleuchtet werden. Geklärt werden soll unter anderem was Freude überhaupt ist, welche biologischen Funktionen sie erfüllt und welche Komplikationen gegebenenfalls im Zusammenhang mit ihr auftreten können.


Was ist Freude?

Freude ist nach Paul Ekman eine der Primäremotionen, das bedeutet, dass sie angeboren, kultur- und speziesunabhängig ist. Die Emotion wird also nicht erlernt, sondern jeder Mensch ist im Normalfall von Geburt an fähig sie zu empfinden und zu zeigen. Echte Freude ist nur für wenige Millisekunden existent, kann aber beispielsweise ALS positive Stimmung nachklingen. Erzeugt wird sie durch eine Vielzahl verschiedener Botenstoffe, wie Dopamin, Oxytocin und Endorphin. Diese Hormone und Neurotransmitter werden aufgrund ihrer euphorisierenden Wirkung oft auch als körpereigene Drogen bezeichnet.

Im Volksmund beschreibt Freude oft auch eine länger anhaltende Stimmung, welche von Tatendrang, Heiterkeit und muskulärer Entspannung begleitet wird. Der Außenwelt wird diese oftmals durch ein Lächeln gezeigt, wobei echte Freude in der Regel durch ein Zusammenspiel mehrerer Gesichtsmuskeln vermittelt wird, die andere Menschen oft nur unbewusst wahrnehmen. Dabei entspannt sich das Gesicht weitestgehend, während die Muskeln zum Heben der Mundwinkel und die Augenringmuskeln aktiviert werden. Da zuletzt genannte nur schwer willentlich zu kontrollieren sind, fehlt diese Aktivierung oft beim Zeigen eines gespielten Lächelns.


Arten von Freude

Es gibt zahlreiche Arten von Freude, die sich in ihren Ursachen, ihren Ausdrucksformen und ihrer gesellschaftlichen Wertung, zum Teil stark voneinander unterscheiden.

Die Mitfreude wird von den meisten Menschen als positiv gewertet. Es handelt sich um die freudige Teilnahme am GlüCK anderer Personen und gehört in vielen Kulturen und Philosophien zum guten Benehmen, auch wenn sie nicht unbedingt als solche betitelt wird. Unter anderem wird sie als eine der notwendigen Eigenschaften für ein friedliches Gesellschaftsleben angesehen.

Bei der Schadensfreude handelt es sich um Freude, die beim Miterleben eines Missgeschicks oder Unglücks einer anderen Person, empfunden wird. Obwohl sie in vielen Wertesystemen und Religionen verpönt wird, findet sie trotzdem nicht wenig Zuspruch in menschlichen Gesellschaften. Teilweise ist sie ein festes Element verschiedener moderner Kulturen. Als Beispiel sei hier der erste April genannt, an dem es in jedem Jahr legitim ist, anderen Menschen einen Streich zu spielen und sich an deren Leid zu erfreuen.

Eine weitere, im Volksmund als die schönste bezeichnete Art der Freude, ist die Vorfreude. Dabei handelt es sich um die positive Emotion, die in Erwartung eines zukünftigen Ereignisses gezeigt wird. Sie endet, wenn das entsprechende Ereignis eintritt und wird dann zumeist von Freude abgelöst. Das tückische ist, dass ihr, beim Ausbleiben des erwarteten Ereignisses, eine emotionale Gegenreaktion folgt, die als Enttäuschung bekannt ist.


Funktion & Aufgabe

Freude hat für den Menschen zunächst die Aufgabe zu signalisieren, dass ein oder mehrere Bedürfnisse erfüllt wurden. Dies wiederum hat eine wichtige Funktion bei Lernprozessen. Ohne die positive Empfindung, die spezifischen Handlungen folgt, kann der Mensch nicht lernen, dass diese Handlungen sinnvoll und gut für ihn sind. Das Gefühl wirkt also als natürliche Belohnung.

Kommunikative Funktionen der Freude

Wie alle Primäremotionen hat auch Freude, neben nach innen gerichteten Funktionen, auch nach außen orientierte. Sie werden auch als kommunikative Aufgaben bezeichnet. Grob zusammengefasst zeigt sie den Mitmenschen, dass wir glücklich sind. Genauer betrachtet hat dies sehr unterschiedliche Auswirkungen und zeigt wie vielschichtig diese Emotion eigentlich ist.

Der Ausdruck von echter Freude kann regelrecht ansteckend sein. Menschen die ein echtes Lächeln sehen, können oft nicht anders, als dieses zu erwidern. Das sorgt auch dafür, dass diese Menschen ebenfalls Freude empfinden. Wissenschaftler berichten von der Existenz sogenannter Spiegelneuronen, die primär die Aufgabe haben, die Emotionen seiner Gegenüber zu deuten und zu verstehen.

Doch damit dies ermöglicht wird, werden dieselben neuronalen Prozesse angeregt, die auch aktiv sind, wenn man selbst das entsprechende Gefühl empfindet. Was nun zuerst kommt, dass erwiderte Lächeln oder die empfundene Reaktion, kommt ganz auf die betrachtete Theorie an. Die derzeit am weitesten verbreitete Meinung ist jedoch, dass es sich um Wechselwirkungen handelt: zum einen erzeugt die Emotion den Gesichtsausdruck und zum anderen erzeugt der Gesichtsausdruck das Gefühl. Es ist also durchaus legitim zu sagen, dass es einem selbst Freude bereitet, wenn man anderen eine Freude macht.

Freude in der westlichen Philosophie

Diese Ansicht spiegelt sich bereits in der Philosophie des Christentums wieder, die seit über eintausend Jahren die Nächstenliebe als einen Akt der Freude beschreibt. Jemand anderem zu helfen, erzeugt auch in einem selbst positive Emotionen. Es erzeugt Genugtuung, Zufriedenheit und Gelassenheit, alles Aspekte des grundlegenden Gefühls der Freude.

In anderen Philosophien und Denkweisen finden sich weitere Aspekte der Freude. Zahlreiche griechische Philosophen haben sich mit dem Konzept des Glücks auseinander gesetzt und erschufen sogenannte Philosophien des Glücks. Der vermutlich erste, der ein komplettes derartiges Konzept entworfen hat, war Aristippos von Kyrene, der als Begründer des Hedonismus gilt. Er beschrieb zwei Zustände der Seele: die Lust und den Schmerz. Nach seiner Vorstellung war der Sinn des Lebens bewusst zu genießen und damit den Anteil der Lust zu maximieren und den des Schmerzes zu minimieren.

Einige weitere bekannte westliche Denker, die sich mit Glücksphilosophien auseinandersetzten waren Platon, Aristoteles und Epikur. Von Kritikern wurden ihre Ansichten oft missverstanden. Beispielsweise wurden die Ideen Epikurs fälschlicherweise oft mit denen gleichgesetzt, die dem Hedonismus zu Grunde liegen. Auch heute noch fühlen sich viele moderne Philosophen von der Idee einer auf das Glück und die Freude ausgerichteten Lebensweise angezogen.

Freude in der fernöstlichen Philosophie

Wie weitgreifend die Freude als ein Element der menschlichen Existenz wahrgenommen wird, zeigt sich auch darin, dass nicht nur die Philosophen der westlichen Welt viel über sie nachdachten. Ebenso findet sich Glück als Lebensziel in vielen fernöstlichen Denkweisen, wie dem Buddhismus.

Auch hier gilt die Mitfreude als eine der grundlegenden Prinzipien. Sich an dem Glück anderer zu erfreuen gilt als erstrebenswert. Im Gegensatz dazu erklärt der Buddhismus das Vortäuschen von Mitfreude als Übel. Ebenso unerwünscht ist der Neid, also wenn man unfähig ist, anderen Menschen Freude und Glück zu gönnen.


Krankheiten & Beschwerden

Wie aus dem bisherigen Artikel hervorgeht hat Freude eine wichtige Funktion für den Menschen, daher ist es kaum verwunderlich, dass eine Störung dieser Empfindung zu enormem Leidensdruck führen kann. Es existieren Menschen, die oft für längere Phasen unfähig sind, Glücksgefühle zu empfinden, was sich in Niedergeschlagenheit und Verzweiflung manifestieren kann.

Depression

Die vermutlich bekannteste Krankheit im Zusammenhang mit dem Ausbleiben von Freude ist die Depression. Im Alltag werden bereits normale Verstimmungen als depressiv angesehen. Jedoch ist dieses Verständnis aus klinischer Sicht falsch. Mal einen schlechten Tag haben ist nicht unnormal, auch jeder gesunde Mensch hat mal schlechte Laune. Die psychische Krankheit der Depression hingegen zeichnet sich durch länger anhaltende und häufiger auftretende Episoden der typischen Symptome aus:

  • gedrückte Stimmung
  • Verlust von Freude und allgemeinem Interesse
  • höhere Ermüdbarkeit
  • Früherwachen
  • Morgentief
  • beeinträchtigtes Selbstwertgefühl
  • eingeschränktes Selbstvertrauen
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Unruhe
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Libidoverlust

Im klinischen Rahmen wird die Depression, abhängig von ihrem Auftreten und der Dauer, unterschiedlich klassifiziert. Eine einzelne, lang anhaltende Phase wird zunächst als depressive Episode bezeichnet, die abhängig von der Zahl und Intensität der Symptome unterschiedlich als leicht, mittelgradig oder schwer diagnostiziert wird.

Treten solche Phasen häufig und immer wieder auf, wird von einer rezidivierenden oder auch wiederkehrenden depressiven Störung gesprochen. Zwischen diesen depressiven Episoden finden sich keine in denen die Patienten übermäßig fröhlich und aktiv sind. Ein Abwechseln solcher Phasen würde eher für eine Bipolare Störung Sprechen.

Bipolare Störung

Die bipolare Störung wird in der Umgangssprache oft mit Depressionen gleichgesetzt, weißt jedoch ein anderes Symptombild auf. Auffällig sind die namensgebenden zwei Pole, zwischen denen sich Betroffene bewegen. Es handelt sich um extreme Schwankungen im Bereich des Antriebs, der Aktivität und der Stimmung.

Betroffene zeigen oft die typischen Symptome einer Depression, in der die eben genannten Bereiche entsprechend schwach ausgeprägt sind. Allerdings schwanken sie nach solch einer depressiven Phase in das gegenteilige Extrem um und zeigen übertriebene Freude, viel Energie und einen hohen Tatendrang. In beide Richtungen zeigen Betroffene Ausprägungen, die weit über das normale Niveau herausreichen. Aufgrund dieser extremen Schwankungen wurde die bipolare Störung in der Vergangenheit auch als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet.


Fragen & Antworten

 

Warum kann man vor Freude weinen?

Tränen gelten als typisches Zeichen der Trauer und dennoch ist vielen bekannt, dass es auch sogenannte Freudentränen gibt. Der Grund dafür ist der Hypothalamus, im Gehirn. Als zentrale Steuereinheit des autonomen Nervensystems reagiert er auf Anspannung und Erregung jeglicher Art. Genau da liegt die Ursache für die Tränen, denn der Hypothalamus reagiert nicht auf die Wertigkeit einer Emotion, sondern lediglich auf ihre Intensität. Wenn jemand aufgrund eines freudigen Ereignisses extrem aufgeregt ist, dann steuert der Hypothalamus gegen und die Person muss weinen.

Ist Liebe das Gleiche wie Freude?

Nein, zwar kann aus Liebe auch Freude und Glück entstehen, identisch sind die beiden Begriffe jedoch nicht. Im Gegensatz zu Freude beschreibt Liebe das Gefühl einer starken Verbundenheit zu einem Menschen, welches sich in der Regel durch Hinwendung und Zuwendung diesem Gegenüber ausdrückt. Tatsächlich ist Liebe durch eine Vielzahl unterschiedlicher Empfindungen und Einstellungen geprägt, kann also nicht komplett mit Freude gleichgesetzt werden.

Wie hat sich Freude Evolutionär durchgesetzt?

Die evolutionäre Emotionsforschung erklärt die Entwicklung von Emotionen damit, dass sie dem Individuum signalisiert ob eine Situation vorteilhaft ist oder nicht. Die Primäremotion Freude nimmt eine stark verhaltenssteuernde Funktion ein, denn ohne diese wüssten Lebewesen gar nicht, ob das was sie tun gut für sie ist. Sie bestärkt Menschen intern, in einer Situation zu verweilen oder sie erneut anzustreben. Evolutionär betrachtet wäre es vorstellbar, dass bereits in der frühen Geschichte einer Spezies Glückshormone ausgeschüttet wurden, wenn Nahrung gefunden wurde.


Unser Fazit zu Freude

Freude als eine der primären Emotionen übernimmt wichtige Funktionen im menschlichen Organismus, ihre Relevanz wird spätestens dann deutlich wenn Betroffene betrachtet werden, deren Empfindung dahingehend gestört ist. Ohne sie wären Lernprozesse nahezu undenkbar und für das Angehen verschiedener Aktivitäten würde der Antrieb fehlen.

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