Was sind Homöopathische Urtinkturen?

Aus Sicht der Homöopathie gelten Mittel dann ALS besonders wirkungsvoll, wenn sie besonders stark verdünnt werden. Hierbei geht es nicht um normale Verdünnungen, wie allgemein angenommen, sondern der Prozess für die Verdünnungen wird bei der Homöopathie ganz besonders aufwändig betrieben.

Es gibt besondere Stufen dafür. Die jeweilige Verdünnungsstufe heißt in der Homöopathie Potenz.

Arzneien, die keine Nebenwirkungen haben und trotzdem in ihrer Wirkung sehr hoch sind, sind eine gute Alternative zu oftmals verschriebenen chemischen Arzneimitteln. Wichtig ist, immer davon auszugehen, dass nicht nur die Symptome, sondern die Krankheit selbst geheilt wird. Deshalb benötigt die Homöopathie Zeit.

Tinkturen sind in der Homöopathie flüssige Auszüge mit Weingeist, die entweder aus frischen oder getrockneten Heilpflanzen produziert werden können.

Im Jahr 384 v. Chr. war es Aristoteles, der Tinkturen mithilfe von Alkohol und Extraktion von Heilpflanzen hergestellt hat. Der berühmteste Naturarzt des Mittelalters, Paracelsus, bediente sich im 15. Jahrhundert ausschließlich dieser Tinkturen.

Die Herstellung

Bei der Herstellung werden die Pflanzenteile, die ganz besonders fein zerkleinert sind ausgepresst. Der gepresste Saft wird mit 86 prozentigem Alkohol vermischt. Nun muss diese Mixtur fünf Tage lang unter 20° gelagert werden. Danach kommt es zu einer Filterung. Durch dieses Verfahren wird ausgeschlossen, dass die frischen Heilkräuter direkt mit dem Alkohol in Verbindung kommen. Deshalb kommen auch die eventuell abgelagerten Umweltgifte auf den Heilkräutern nicht in die Tinktur. Es sind rein die Wirkstoffe der Pflanze selbst, die in der Tinktur zurückbleiben. Jetzt wird der herausgepresste Saft der Pflanze mit derselben Menge Alkohol, bzw. Weingeist vermischt. Das Ergebnis ist eine Tinktur aus frisch gepressten Pflanzen, die garantiert rein sind. Ausschlaggebend ist vor allem, dass bei der Bestellung auf die Bezeichnung HAB geachtet wird. So kann der Proband davon ausgehen, dass es sich um eine reine Form der Tinktur aus der Homöopathie handelt.

Damit die Homöopathie auch wirken kann, ist es nötig, dass sich die Symptome der Arznei, sowie die Symptome des kranken ähnlich genug sind. In der lateinischen Sprache bedeutet potenzieren Kraft. Das Mischungsverhältnis ist immer ganz genau definiert. Durch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Herstellung von homöopathischen Mitteln können folgende Formen entstehen:

  • Tropfen
  • Tabletten
  • Streukügelchen, bzw. Globuli

Dosierungsformen und Einnahme

Bei der Homöopathie muss folgendes beachtet werden, damit es auch tatsächlich zu einer Heilung kommt:

  • eine Diagnose
  • der Grund für die Beschwerden
  • die Symptome der Beschwerden

Eine ganz besonders häufig angewendete Tinktur ist zum Beispiel die Belladonna D6. Diese stammt aus der Tollkirsche. Sämtliche homöopathischen Mittel werden beim Menschen über die Schleimhäute im Mund aufgenommen. Deshalb sollte die Zunge möglichst sauber sein, wenn es zu einer Einnahme kommt. Zudem sollte der Proband vorher und nachher eine Weile lang nichts essen. Weil eine Zahnpasta ätherische Öle enthalten kann, sollte die Einnahme damit nicht in Verbindung gebracht werden. Es ist wichtig, die Tabletten oder die Globulis nicht zu schlucken, sondern zu lutschen. Homöopathische Tropfen werden eine Zeit lang im Mund behalten.

Bei Globulis bedeutet eine Einheit der Einnahme 3-5 Streukügelchen, diese bestehen außen aus Rohrzucker, alternativ werden 3-5 Tropfen oder eine Tablette eingenommen. Die heilenden Informationen sind in jedem einzelnen Streukügelchen gespeichert, deshalb ist die Menge der Einnahme nicht maßgeblich.

Eine Verbesserung nach der Einnahme der homöopathischen Mittel wird zum Beispiel durch allgemeine Ruhe vernommen. Die Schmerzen lassen nach, der Patient fühlt sich wohl und kommt wieder in einen erholsamen Schlaf. Es kann sein, dass der Patient Erbrechen muss, damit er sich nachher besser fühlen kann, auch eine subjektive Besserung ist wahrzunehmen. Solange sich der Patient besser fühlt, sollte die Einnahme des homöopathischen mittels nicht wiederholt werden. Ansonsten kann sich die positive Wirkung einstellen. Die Einnahme wird reduziert, bzw. abgesetzt, sobald eine Besserung nach der ersten Einnahme stattfindet. Werden die Beschwerden hingegen schlimmer, sollte das Mittel nicht weiterhin eingenommen werden. Stagniert der Heilungsprozess oder kommt dieser zum Stillstand, kann das Mittel wiederholt eingenommen werden.

Die Urtinktur

Die Frischpflanze ist der Ursprung für den pflanzlichen Ausgangsstoff der Urtinktur. Dieser Ausgangsstoff wird mehrere Wochen lang in Weingeist gelagert und eingelegt. Wichtig ist, dass diese Urtinktur der Frischpflanze regelmäßig geschüttelt wird. Genauso werden zum Beispiel auch normale Tinkturen aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde hergestellt. Der Unterschied dazu ist allerdings, dass normale pflanzliche Tinkturen aus getrockneten Teilen der Pflanze hergestellt werden.

In den Weingeist werden zudem auch mineralische Ausgangssubstanzen eingelegt, nachdem sie zu besonders feinem Pulver verarbeitet wurden. Ist eine Ausgangssubstanz giftig, sind auch die Urtinkturen giftig. Erst dann, wenn die Verdünnung ganz besonders stark ist, gelten diese nicht mehr als giftig.

Die Potenzierung

Es wird beispielsweise ein Tropfen, bzw. eine sehr kleine Menge von der ursprünglichen Tinktur beim Vorgang der Potenzierung verwendet, dazu ist natürlich auch die Stufe der Potenzierung passend auszuwählen. Es werden beispielsweise 99 Tropfen mit Weingeist gemischt und dann geschüttelt. Der nächste Schritt ist dann quasi die nächste Potenzierung.

Gebräuchliche Potenzen

Eine besonders typische Potenz, ist beispielsweise eine aus der so genannten D Reihe. Schritt für Schritt wird immer wieder auf das zehnfache verdünnt. Die Basis ist immer die 10, das D kommt von der Bezeichnung dezimal. Die Zahl, welche sich hinter der Bezeichnung D befindet zeigt die Stufe der Potenzierung an. Ein Teelöffel wäre beispielsweise die Potenzierung die D2 : 1 zu 100.

Außer dieser Variante gibt es auch noch andere Schritte für die Verdünnung, quasi größere. Auch hundertfache Verdünnungsschritte sind sehr häufig, wenn es sich zum Beispiel um so genannte C-Potenzen handelt. Eine M-Potenz bezieht sich wiederum auf das 1000 fache, während sich eine Q-Potenz auf das 50.000 fache beschränkt.

Bekannte und häufige Varianten der Potenzverdünnung lauten wie folgt:

  • C: 100
  • M: 1000
  • XM: 10.000
  • Q: 50.000
  • CM: 100.000

Je nachdem, um welche Potenz es sich handelt, erfüllt diese auch einen anderen Zweck. Die Urtinkturen bis D4 bei giftigen Stoffen, bzw. bis D2 bei anderen Stoffen sollten nicht als Homöopathie betrachtet werden, obwohl manche Firmen dies anders propagieren.

Handelt es sich nämlich um ganz besonders niedrige Potenzen trifft dies eher auf den Bereich der Allopathie zu. Typische Beispiele hierfür sind mineralische Stoffe und die Pflanzenheilkunde. In diesem Bereich sind vor allem die grobstofflichen nachweisbaren Substanzen für ihre Wirkung verantwortlich.

D6 bis D12

Niedrigpotenzen beziehen sich auf D6 bis D12. die Stoffe, die von der ursprünglich in Substanz vorhanden sind, lassen sich in diesem Bereich noch messen. Vor allem dann, wenn es sich um akute körperliche Beschwerden handelt, werden diese eingesetzt. Ein Beispiel hierfür ist eine Erkältung. Diese Potenzen können auch Laien verwenden.

D13 bis D30

Was die mittleren Potenzen im Bereich D13 bis D 30 betrifft, so wirken diese sowohl körperlich, als auch energetisch. Menschen, die an einer psychosomatischen Erkrankung leiden, können sich an diesen Bereich der Homöopathie wenden. Diese Art der Homöopathie bezieht sich auf die geistigen Ursachen der Beschwerden, gleichzeitig kommt es zu einer Wirkung gegen die körperlichen Beschwerden.

Hochpotenzen über D30

Je nach Konstitutionstyp kommen die so genannten hoch Potenzen bei geistigen Zuständen zum Einsatz. In der klassischen Homöopathie wird häufig mit Hochpotenzen gearbeitet, diese werden einzeln verabreicht.

Urtinkturen selbst herstellen

Es ist möglich, eine Urtinktur selbst herzustellen. Dafür wird ein Mörser benötigt. Werden die Pflanzen mit dem Mörser bearbeitet, wird Alkohol hinzugefügt. Dadurch finden kaum noch Oxidationsprozesse statt. Dieser Vorgang sorgt dafür, dass sämtliche Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Der Nachteil bei dieser Herstellungsart ist allerdings, dass auch mögliche Umwelttoxine durch den Alkohol aus den Teilen der Pflanze gelöst werden. Deshalb empfiehlt es sich, für das Sammeln der Pflanze einen möglichst naturbelassenen Standort auszuwählen.

Die frischen Pflanzenteile werden zerkleinert, eine Hand voll reicht. Bevor die Pflanze zerkleinert wird, ist es übrigens wichtig, sämtliche Insekten und andere Wirkstoffe zu entfernen, dazu zählen auch kranke oder welke Teile. Es ist darauf zu achten, dass die Pflanze nicht mit Metall in Kontakt kommt, es dürfen auch keinerlei elektronische Geräte verwendet werden. Ansonsten werden die Zellstrukturen durch das Metall zerstört, wenn dieses in der Verarbeitung zum Einsatz kommt. Die Herstellung von homöopathischen Tinkturen kann durchaus einen körperlichen Aufwand bedeuten. Jetzt wird 40 prozentiger Alkohol, wie zum Beispiel Wodka hinzugegeben, es sollen 100 ml sein. Nun wird alles mit dem Mörser zerkleinert. Ein gut verschließbares Glas ist Voraussetzung für die Lagerung. Dadurch verarbeitet die alkoholische Lösung die Pflanzenteile und deren Auszüge. Nun wird das Glas mit seinem Inhalt vier Wochen lang gelagert. Erst danach wird die Urtinktur extrahiert. Diese kann nach einem Jahr verwendet werden.

Es war übrigens der Begründer Samuel Hahnemann, der im Jahr 1796 die Homöopathie publizierte. Damit die Ursubstanzen die notwendige Heilkraft geben können, erfand er die Potenzierung. Ausschlaggebend ist es, die heilende Energie aus den Ursubstanzen zu lösen. So wird die Flüssigkeit quasi informiert und die Wirkungssubstanz hinterlässt den Fußabdruck durch die Schüttebewegungen. Obwohl die materielle Substanz bei der Potenzierung abnimmt, nimmt die heilende Wirkung des mittels potenziell zu. Der Beweis ist die offensichtliche Heilung von besonders rein verdünnten Arzneistoffen bei erkrankten Menschen, die plötzlich gesunden.
Das deutsche homöopathische Arzneibuch
Auch heute noch werden homöopathische Arzneimittel traditionell und sehr personalintensiv, bzw. auch zeitaufwändig hergestellt. Es kommt ausschließlich zur Verwendung von geprüften Ausgangsstoffen, die besonders umfassend untersucht werden und sehr hochwertig sind. Eine manuelle stufenweise Verdünnung wird durchgeführt. Dies ist im deutschen homöopathischen Arzneibuch geregelt, es ist vom so genannten HAB die Rede.

Aufbewahrung

Im Prinzip sind homöopathische Mittel ganz besonders lange haltbar, trotzdem gibt es auch bei den Homöopathika laut Arzneimittelgesetz ein Verfallsdatum. Werden die homöopathischen Mittel zu feucht aufbewahrt, Gehen sie aus physikalischer Sicht kaputt. Eine Lagerung bei großer Hitze, wie zum Beispiel über 25° oder starker Sonneneinstrahlung führt zu einem Verlust der Wirkung. Die Trägersubstanz kommt mit den Molekülen durch die Strahlung oder durch die Hitze in Schwingung, folglich müssen sich die Moleküle neu orientieren. Die Informationen der Arzneiheilstoffe gehen verloren, obwohl diese ursprünglich geprägt wurden. Je höher der Grad der Verdünnung ist, umso höher und stärker ist der Effekt.

Homöopathika werden am besten in kleinen Glasröhrchen aufbewahrt. Dies ist auch die gängigste Form der Verpackung von homöopathischen Mitteln. Handelt es sich um kleine Papiertüten mit homöopathischen Arzneien, sollten diese weder in der Nähe von ätherischen Ölen gelagert werden, noch zu feucht oder dem Licht ausgesetzt lagern. Dasselbe gilt für elektrische Geräte, welche sich nicht in der Nähe von den homöopathischen Arzneien finden sollen. Beispiele hierfür sind:

  • Handy
  • Mikrowelle
  • TV Gerät

Fragen und Antworten

Müssen die Ausgangsstoffe für homöopathische Urtinkturen frisch sein?

nein, die Ausgangsstoffe können auch getrocknet sein.

Wie heilt die homöopathische Urtinktur Chimaphila umbellata?
Die Urtinktur namens chimaphila umbellata stammt vom doldenblütigen Wintergrün und hilft bei Blasenproblemen.
Wie nennt man das Verfahren für die Herstellung von homöopathischen Urtinkturen?
Dieses Verfahren wird als Verschüttelung bezeichnet

Wie setzt sich Katimun zusammen?
Katimun setzt sich aus den Urtinkturen Aconitum napellus, Bryonia, Rumex crispus, Eupatorium perfoliatum, Gelsemium sempervirens zusammen.

Sind homöopathische Urtinkturen als Heilmittel anerkannt?
Ja, seit dem Jahr 1976 gelten homöopathische Urtinkturen offiziell als Heilmittel.

Fazit

Bis heute ist der wirksame Mechanismus der Homöopathie im menschlichen Körper nicht aufgeklärt, deshalb kommt es nach wie vor zu umfangreichen Debatten, wenn es um den Nutzen der homöopathischen Mittel geht. Obwohl es wissenschaftlich nur schwer zu belegen ist, können homöopathische Mittel tatsächlich heilen. In manchen Fällen sind keine Wirkstoffe nachweisbar, trotzdem kommt es zu einer positiven Wirkung im Hinblick auf die Beschwerden des Patienten. Mittlerweile sind Ärzte aus dem homöopathischen Bereich besonders geschätzt. In vielen Fällen bietet sich die Homöopathie als gute Alternative zur Schulmedizin an.

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