Kastanienblätter spenden Extrakt, der tödliche Staphylokokken unschädlich macht

Blätter der Europäischen Kastanie, Castanea Sativa, enthalten Substanzen, die in der Lage sind, gefährliche Staphylokokken, Bakterien, zu blockieren, ohne Resistenzen hervorzurufen.

Eine Studie ergab, dass ein Extrakt aus Kastanienblättern verschiedene Derivate enthält, die die Ausbreitungsfähigkeit und krankheitserregenden Eigenschaften des Staphylococcus aureus ohne erkennbare Resistenz-Reaktionen zu blockieren vermögen.

Die Grundlage für die Studie war altes Heilwissen. Ethnobotanikerin Cassandra Quave von der Emory Universität in Atlanta, Georgia, USA, leitete das Projekt.

“Wir identifizierten eine ganze Familie von Stoffen aus dieser Pflanze, die jeder für sich über beachtliche medizinische Wirkungen verfügen”, so Quave. „Anstatt die Staphylokokken abzutöten, entwaffnet sie der Pflanzenextrakt, indem er die Fähigkeit der Bakterie zur Bildung gewebeschädigender Toxine blockiert. Die Substanz zieht den Bakterien gewissermaßen die Zähne.”

Die Entdeckung birgt Potential für neue Wege, um methizillin-resistente Infektionen mit S. aureus, auch MRSA genannt, zu behandeln und zu verhindern. Auch das stetig wachsende Problem resistenter Pathogene kann damit umgangen werden.

Antibiotika-resistente Bakterieninfektionen verursachen weltweit Millionen von Erkrankungen und Infektionen und Zehntausende von Toten weltweit. MRSA insbesondere führt von leichten Hauterkrankungen bis hin zu tödlichen Krankheiten. In Krankenhäusern fürchtet man die sich ständig weiterentwickelnden Bakterienstämme dieses „Super-Erregers“, die nicht nur Patienten mit schwachem Immunsystem bedrohen, sondern auch junge, gesunde und sportliche Menschen, die mit diesen in Kontakt kommen.

Im Labor konnte bewiesen werden, dass der Kastanienblätter-Extrakt die hyper-ansteckenden MRSA-Stämme “entwaffnen” kann, die sogar bei gesunden Athleten schwere Infektionen auslösen. Obendrein stört der Extrakt nicht die normale und gesunde Bakterienflora – vielmehr wird das körpereigene Gleichgewicht wieder hergestellt.

Forscherin Quave, die die Interaktionen zwischen Menschen und Pflanzen erforscht – eine Spezialität, die auch als Ethnobotanik bezeichnet wird – arbeitet an der Fakultät für Menschliche Gesundheit, Abteilung Dermatologie, an der Emory Universität. Schon früh in ihrer Studienlaufbahn begann sie sich für Ethnobotanik zu interessieren.

Über Jahre untersuchten sie und ihre Kollegen die traditionellen Heilmittel der Landbevölkerung in Süditalien und in anderen mediterranen Regionen. „Ich hatte stets das Gefühl, dass Menschen, die traditionelle pflanzliche Heilmittel missachteten, weil diese die Krankheitserreger nicht abtöteten, einfach nur die falschen Fragen stellten“, berichtet Quave. „Was, wenn diese Pflanzen ganz andere Aufgaben erfüllen, um einer Krankheit entgegenzuwirken?“

Hunderte von Befragungen Einheimischer führten sie zur Edelkastanie, Castanea Sativa. „Traditionelle Heilkundige erzählten uns wiederholt, wie sie aus den Blättern Tee bereiteten und ihre Haut damit badeten, um Infektionen und Entzündungen zu bekämpfen“, erzählt die Forscherin.

Für die aktuelle Untersuchung tat sich Quave mit Alexander Horswill zusammen, einem Mikrobiologen von der Universität Iowa.

Beide Wissenschaftler tauchten Kastanienblätter in Lösungsmittel, um ihre chemischen Bestandteile herauslösen und jedes einzelne davon auf seine Aktivität untersuchen zu können. Das ist ein methodischer und sehr zeitaufwändiger Prozess.

Gefunden wurden in diesem Falle 94 verschiedene Substanzen, einige davon auf Öl-Basis, die sich als besonders aktiv erwiesen. Tests zeigten, dass diese Extrakte die „Kommunikation“ der Staphylokokken untereinander unterbanden, ein Prozess, der als Quorum-Sensing bezeichnet wird, eine Art gegenseitigen Abtastens und Animierens zum Bilden von Toxinen und zur Zellteilung.

Die einzelnen Schritte konnten im Labor beobachtet und verfolgt werden und zeigten, wie der Pflanzenextrakt diese Prozesse blockierte. Viele pharmazeutische Unternehmen arbeiten an der Entwicklung von Monoklonalen Antikörpern, die jeweils nur ein Toxin und dessen Zerstörung zum Ziel haben. Die aktuellen Resultate sind noch viel aufregender, denn es konnte gezeigt werden, dass der Pflanzenextrakt die Entstehungsprozesse einer Vielzahl von Toxinen aufzuhalten imstande ist.

Eine Dosis des Extraktes von etwa 50 Mikrogramm war in der Lage, durch Staphylokokken verursachte Hautinfektionen bei Mäusen zu heilen, das Fortschreiten der Gewebeschäden und die Zerstörung roter Blutkörperchen aufzuhalten. Der Extrakt verliert auch während einer Anwendungszeit von über zwei Wochen weder seine Aktivität noch entstehen Resistenzen –Menschliche Hautzellen im Labor zeigten, dass weder die normale Bakterienflora der Haut noch gesunde Hautzellen dabei in Mitleidenschaft gezogen werden.

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