Adoleszenz

Die eigenen Eltern sind anstrengend, Schule und Hausaufgaben Nerven und Akne bildet sich im Gesicht – so in etwa sieht das Leben eines jungen Erwachsenen aus, die Pubertät, als Zeit in der Adoleszenz. Das Leben gleicht sich hierbei einer Baustelle: der Körper der Mädchen als auch Jungen verändert sich stetig, so wird man unter anderem größer und es kommt zur Herausbildung von Geschlechtsmerkmalen. Diese Zeit ist prägend für die jungen Erwachsenen für die körperliche als auch geistliche Entwicklung im eigenen Leben.

 

Was ist die Adoleszenz?

Der Begriff der Pubertät kommt aus dem lateinischen Sprachgebrauch und bedeutet in etwa so viel wie „Mannbarkeit“. Somit ist die Zeit gemeint, in welcher Kinder oder Jugendliche in die Geschlechtsreife kommen.

Durch Einsetzen der Pubertät beginnt die Adoleszenz, welche den Lebensabschnitt von der (späten) Kindheit bis zum Erwachsenenalter bezeichnet. Sie endet in der Phase, in welcher der Mensch psychisch, physisch und auch sozial ausgereift ist.

Fälschlicherweise wird die Adoleszenz gern und häufig als Synonym für die Pubertät genutzt, jedoch umfasst sie aber auch die Teile davor und danach. Ende des 19. Jahrhunderts begann sich die Geschlechtsreife erst im Alter von fast 17 Jahren zu entwickeln, durch den ersten Samenerguss der Jungen und die erste Regelblutung der Mädchen. Heute findet der erste Samenerguss bzw. die erste Periode viel zeitiger statt, Grund dafür ist die heutige verbesserte Ernährungslage in der Bevölkerung.

Die Weltgesundheitsorganisation („World Health Organisation“ = WHO) bezeichnet dabei die Lebensphase vom 10. bis zum 20. Lebensjahr, in den Vereinigten Staaten von Amerika das 13. bis 19. Lebensjahr (=Pubertät, das Wort „Teenager“ leidet sich hierbei von den englischen Zahlenwörtern „thirteen“ zu „nineteen“ ab) und im Jugendstrafrecht von Deutschland den Zeitraum zwischen dem 13. und 21. Lebensjahr.

Dennoch sind alle Zeiträume mehr oder weniger stimmig, denn die Adoleszenz hängt in erster Linie von der genetisch bedingten und individuellen Entwicklung des Menschen ab. So kann es bei manchen Menschen zu einem verfrühten Eintritt in die Pubertät kommen, bei anderen aber zu einem Späteren (umgangssprachlich „Spätzünder“). Die Adoleszenz besitzt biologisch-medizinische, gesellschaftliche aber auch psychologische Relevanz.

Menschen in dieser Phase der Adoleszenz entwickeln sich bis hin zur Geschlechtsreife und reifen dann weiter bis zum ausgewachsenen Menschen ihren Geschlechtes mit sämtlichen körperlichen Merkmalen. In der Adoleszenz werden erste Erfahrungen als erwachsener Mensch gesammelt, so die Eigenständigkeit (zum Beispiel durch die Ablösung der Eltern), Liebe und Verantwortung. Freundschaften als auch die soziale Anerkennung im eigenen Umkreis als auch in der Gesellschaft gewinnen an Bedeutung.

Die Adoleszenz endet zumeist dann, sobald der junge Erwachsene körperlich seinem Alter entsprechend ausgewachsen und gesund ist und auch die Verantwortung für sein eigenes Handeln und damit eigenes Leben übernimmt.

Entwicklung und Krisen der eigenen Identität

Eine fundamentale Herausforderung bildet die Entwicklung der eigenen Identität für Jugendliche in der Phase der Adoleszenz. Identität meint hierbei eine einmalige und unverwechselbare Person durch das Individuum selber. Die Daten des Individuums sind hierbei einzigartig, wie das eigene Aussehen, der Name und die eigene Selbstwahrnehmung.

Voraussetzung hierbei bildet die kindliche Selbstevidenz als Selbstwahrnehmung und auch die personellen Sachkenntnisse der Eigenbestimmung, der Abgegrenztheit von anderen Menschen (wie den Eltern) und das stetige Gefühl der Einheitlichkeit des eigenen Subjekts während dieses Zeitverlaufs.

Identität umfasst als Kerngedanke die Geschlechtsidentität, also die Geschlechtsidentität im Sinne der Ausbildung des eigenen Körperschemas. Weiterhin erhält der junge Erwachsene auch Identität, indem er seine (Geschlechts-)Rolle weitestgehend akzeptiert.

Eine erweiterte, soziale Identität entsteht durch die Übernahme anderer sozialer Rollen als auch durch den Erhalt der Selbstevidenz. Der Teenager versucht innerhalb von sozialen Rollen zu bestehen.

Wichtig ist weiterhin die Rollenübernahme, die durch die Identifikation mit Idolen entsteht, so in den meisten Fällen durch bedeutende Autoritäten wie zum Beispiel durch Lieblingsstars. Dies ist die Folge der Nachstellung von Idealen und Handlungsanleitungen aufgrund einer gewissen Faszination, durch die eine emotionale Bindung zu der Person entsteht. Dadurch werden bei den wichtigen Lebensentscheidungen weniger geplant und abgewägt, die emotionalen Prozesse spielen hierbei eine größere Rolle.

Störungen in dieser Rollenübernahme während der Adoleszenz können dadurch zu Krisen in der Identität führen. Ein Beispiel dafür ist die Depersonalisation oder auch Derealisation, wodurch die subjektive Wahrnehmung gestört ist und ein gewisser Fremdeindruck entsteht, wobei Depersonalisation die verstörte Eigenwahrnehmung bezeichnet und Derealisation die gestörte Wahrnehmung des eigenen Umfelds.

Symptome der Derealisation und Depersonalisation sind zum einen für die Überwältigung von seelischen Verletzungen, können aber jedoch auch erste Anzeichen für eine Schizophrenie oder andere psychische Krankheiten sein. Ein häufiges Auftreten dieser Ereignisse kann zu einer Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung führen, da die Welt und man selber immer wieder verändert erlebt, wodurch Irritationen entstehen und so gibt es auch weitere Identitätskrisen die in der Zeit der Adoleszenz auftreten können, zumeist aufgrund der negativen Behandlung des Selbst von Mitmenschen und allen voran der eigenen Eltern oder anderen Autoritäten.

Funktion & Aufgaben

Die Entwicklung in der Kindheit hatte den Zweck, grundsätzliche Funktionen des Körpers auszubilden und bedeutende psychische Prozesse (wie den Reifeprozess) in Bewegung zu setzen. Der junge Mensch hat damit schon relativ viel hinter sich, so unter anderem der Durchbruch des Gebisses oder eben die Erlernung des grundlegenden Bindungsverhaltens an Eltern, Bekannte, Freunde und Autoritäten.

Relativ zeitgleich mit der Pubertät beginnt dann die Adoleszenz und damit auch alle größeren körperlichen Veränderungen, die der Körper in seiner Entwicklungsphase durchläuft. Der Jugendliche erreicht hierbei die Geschlechtsreife, dadurch wird der Körper nun dauerhaft durch weibliche bzw. männliche Hormone beeinflusst und dementsprechend werden Geschlechtsmerkmale ausgebildet oder eben verstärkt.

Während der Zeitdauer der Adoleszent haben viele Teenager Probleme damit, ihre Veränderungen und auch ihr Erscheinungsbild anzunehmen und sie schämen sich mitunter häufig für ihren Körper, unter anderem auch wegen Akne, Gewicht oder Körpergröße. Im jungen Erwachsenenalter können die allermeisten Menschen jedoch dieses Schamgefühl überwinden und akzeptieren ihr Äußeres. Zudem haben sich bis dahin die meisten Probleme der Pubertät wie Hautunreinheiten oder Regelschmerzen auch normalisiert.

Weiterhin von Bedeutung ist die grundlegende Reorganisation als auch Neuausrichtung des Gehirns, denn dadurch wird über die Jahre die (emotionale) Unabhängigkeit von den Erziehungsberechtigten erreicht. Zudem sucht der Mensch in der Adoleszenz auch seinen Platz im gesellschaftlichen Gefüge und findet diverse Wege, diesen zu bestreiten und zu schaffen. Durch den Schulbesuch wird weiterhin die Entwicklung des Intellektes entwicklungsgerecht gefördert.

Das Ziel der Adoleszenz ist es für den Menschen, nach und nach das Führen eines eigenständigen und unabhängigen Lebens zu erleichtern, um dann aus biologischer Sicht Nachkommen zu zeugen und diese wiederum großzuziehen. Obwohl Eigenständigkeit somit das eigentliche Ziel ist braucht der adoleszente Mensch dennoch zahlreiche und hilfreiche Unterstützung diesen Weg zu bestreiten, unter anderem durch Familie aber auch durch Gleichaltrige, damit die Entwicklung zum Erwachsenen normgerecht geschieht.

Krankheiten & Beschwerden

Die Adoleszenz ist ähnlich wie die Kindheit sowohl für die körperliche als auch die seelische Entwicklung eine prägende Phase, wodurch Anomalien in dieser Entwicklung zu permanente Folgeschäden führen können. Dabei ist vor allem die körperliche Entwicklung bis zum Erwachsenen von besonderer Bedeutung.

So gibt es Fälle, bei denen die Geschlechtsreife zu früh eintritt, was ein Hinweis (in Form eines Symptoms) auf eine zugrunde liegende Krankheit sein kann, aber nicht muss. So führt unter anderem Übergewicht in den frühen Kindheitsphasen bis zum Eintritt in die Pubertät zu einer verfrühten Geschlechtsreife. Entgegengesetzt kann eine verspätete, verlangsamte oder sogar nicht vorhandene Pubertät ein Anzeichen für Tumore an Hypophyse und Schilddrüse bedeuten, gleichsam können sie aber aufgrund der Genetik für den jungen Erwachsenen normal sein (genetisch bedingte, sogenannte „Spätzünder„). Durch ein Nichteintritt der Pubertät entfällt die Bildung von männlichen und weiblichen Hormonen, welche den Körper zur erwachsenen Norm heranwachsen lassen. Somit entstehende Folgen können eine geringere Fruchtbarkeit, ein sogenannter „Mikropenis“ oder nicht normal entwickelte Brüste bei den Frauen sein.

Wesentlich häufiger als ernsthafte Krankheiten sind kleinere, aber dennoch belastende, Beschwerden. Jungen neigen aufgrund ihres erhöhten Testosteronspiegels zu gesteigerte Aggressivität, die sich gerade durch rüpelhaftes Verhalten mit anderen Heranwachsenden zeigen lässt. Dadurch suchen sie auch eher die Extreme und geben sich zum Teil in ernsthafte Schwierigkeiten.

Mädchen jedoch leiden sehr häufig unter ihren Regelblutungen, die gerade in den jungen Jahren der Adoleszenz zum Teil sehr schmerzhaft sein können. Dies ist zum Glück nur für eine Dauer von wenigen Jahren so, danach bessert sich die Situation im Erwachsenenalter und auch zum Teil schon in der späteren Phase der Adoleszenz. Weiterhin haben viele Frauen (aber auch Männer) mit Hautunreinheiten wie Pickel und Akne zu kämpfen und akzeptieren die eigene Veränderung des Körpers (wie Figur oder Körpergröße) nur schwierig.

Durch die diversen körperlichen Entwicklungen in der Phase der Adoleszenz wird jedoch ein Reifungsprozess der eigenen Psyche ausgelöst, denn der Teenager muss lernen, sich selbst mit allen seinen Schwächen und Mängeln zu akzeptieren. Dennoch sind seelische Beschwerden in der Adoleszenz normal, selbst wenn der junge Erwachsene für eine Phase zum Teil sehr darunter zu leiden scheint. Hilfreich sind hierbei ständige Gespräche mit Vertrauenspersonen wie der Austausch mit Eltern, Lehrern, Ärzten und Freunden, damit Probleme gesehen und ausgemerzt werden können.

Fragen & Antworten zur Adoleszenz

„Entstehen automatisch mehr Konflikte durch die Pubertät meines Kindes?“

Antwort: Nicht unbedingt! Häufig wird in der Familie sowieso mehr und stärker gestritten als unter Freunden oder eben in der Schule, da Familienbeziehungen als unkaputtbar und damit sehr belastbar gesehen werden. Dennoch hat die Streiterei auch eine gute Funktion, denn sie fördert nebenbei die eigene Autonomie des jungen Erwachsenen.

„Ist es normal, dass ich noch ziemlich klein bin/ dass ich zunehme/ dass ich noch keine Periode hatte/… ?“

Antwort: Ja! Manche Kinder kommen zeitiger in die Pubertät, andere wiederum erreichen erst mit 15 Jahren ihre erste Regelblutung und so teilweise 3-4 Jahre später als andere Mädchen. „Spätzünder“ zu sein ist nichts ungewöhnliches und hier hilft nur warten, denn jeder Körper kommt früher oder später in die Pubertät.

„Wie viel Freiraum soll ich meinen Sohn/ meiner Tochter lassen?“

Antwort: Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Junge Erwachsene in der Adoleszenz wollen mehr Freiraum für sich, unter anderem um sich selbst entfalten zu können und den eigenen Lebensweg zu finden. Dennoch sind zum Beispiel gemeinsame Essenszeiten insofern von Bedeutung, dass sie dem Leben eine Struktur als auch Gesprächsmöglichkeit mit den Kind bieten und sollte damit aufrechterhalten werden. Ausgehsperren sollten zwar vorhanden sein, aber an der eigenen Verantwortung und Reife des Kindes bemessen werden. In allen Fällen gilt es dem Kind Freiraum zu gewähren, aber dennoch auch strikt zu sein.

Unser Fazit zur Adoleszenz

Die Adoleszenz und damit auch die Pubertät bedeuten nicht nur wichtige und einschlägige Entwicklungen für den Körper eines jungen Erwachsenen, aber auch seelische Entwicklungen, wie das Gefühl der ersten großen Liebe und das allmähliche Loslösen von den eigenen Eltern.

Dabei hilft es gerade für den Teenager als auch für seine Eltern und nahe Verwandte und Bekannte stetig das Gespräch mit ihn zu suchen, damit sich der junge Erwachsene die Probleme und Sorgen des eigenen Körpers und des Alltags vom Herzen reden kann, was zum einen das seelische Wohlbefinden für den jungen Erwachsenen bedeutet, als auch die Möglichkeit zur Problemlösung für die angesprochene Person, welche nun auf die Probleme des jungen Erwachsenen reagieren kann und diese gezielt vermindert bzw. löst.

In den meisten Fälle, vor allem bei Teenagern mit einer verfrühten oder verspäteten Entwicklung, bietet es sich an, diesen regelmäßig zu ärztlichen Untersuchungen erscheinen zu lassen. Somit kann der Arzt die Entwicklung des jungen Erwachsenen protokolliert untersuchen und eventuelle mögliche Krankheiten oder Ungewöhnlichkeiten entdecken bzw. ausschließen.

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