Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen ist in den letzten Jahrhunderten persistent gestiegen. Zahlreiche Wissenschaftsgebiete beschäftigen sich mit den Alterungsprozessen. Das primäre Ziel dessen Erforschung ist die Erhöhung der Lebensqualität in einem höheren Alter. Denn je länger ein Leben ist, desto besser funktioniert ein Körper nach einer relativ langen Lebenszeit. Warum leben manche Menschen länger ALS andere und wie lässt sich die Lebenserwartung, und damit die Lebensqualität erhöhen?

Was ist die Lebenserwartung?

Die Lebenserwartung ist die am häufigsten verwendete empirische Maßeinheit, um die Gesundheit einer Personengruppe, die Qualität ihres Lebens und damit das durchschnittliche Höchstalter anzugeben. Abhängig ist die Lebenserwartung vom Geschlecht, dem Jahr der Geburt, zahlreichen statistischen, sowie demographischen Faktoren. Die Mortalitätsrate wird auf Grundlage der genannten Kriterien mit Hilfe einer mathematischen Formel (häufig wird die Gompertz-Funktion angewendet) berechnet. Das Ergebnis stellt das durchschnittliche Höchstalter einer Personengruppe dar, welches sich von einer Mortalitätstabelle ableiten lässt.
Die Lebenserwartung einzelner Personen lässt sich nur selten exakt aus den Faktoren folgern. Da die statistische Signifikanz keinen Aufschluss zu der Länge des Lebens einer ausgewählten Person bietet, müssen andere Faktoren berücksichtigt werden. Die Lebensumstände, genetisch bedingte Erkrankungen und eventuelle Besonderheiten spielen bei der Bestimmung der Lebenserwartung einzelner Personen eine substanzielle Rolle.
Für die meisten Statistiken wird die LEB (Life Expectancy at Birth) angegeben. Diese wird jedes Jahr für die Neugeborenen abhängig von den demographischen Statistiken berechnet.

Wie lässt sich die Lebenserwartung beeinflussen?

Einige grundlegende Faktoren sind bei der Erhöhung der Lebenserwartung zu berücksichtigen. Wenn diese entscheidenden Elemente durch die eher weniger beachteten ergänzt werden, kann es im Idealfall zu einer Verlängerung des Lebens und der damit einhergehenden Verbesserung der Lebensqualität führen.
Die entscheidenden Elemente für die erhöhte Lebenserwartung sind:

-Eine gesunde, beziehungsweise angepasste Ernährung

-Physischer und psychischer Stress

-Entsprechende Vorkehrungen bezüglich der bekannten genetisch bedingten Krankheiten treffen

Eine gesunde, beziehungsweise angepasste Ernährung

Jedem Menschen ist bewusst, dass sich die Ernährung positiv auf den Körper auswirkt. Man fühlt sich gut, ist leistungsfähiger und man sieht besser aus. Doch was ist unter einer gesunden Ernährung zu verstehen?
Der menschliche Organismus ist ein außerordentlich komplexes System, welches gepflegt und kontrolliert werden muss, um optimal funktionieren zu können. Die optimale Funktion des Körpers kann durch eine entsprechende Ernährungsform sichergestellt werden. Es gilt also die richtigen Makro- und Mikronährstoffe in einer angemessenen Menge und in einem angemessenen Verhältnis zu sich zu nehmen. Dabei müssen fundamentale Aspekte beachtet werden. Das am meisten auffallende Merkmal ist der Körperfettanteil. Die Lebenserwartung sinkt erheblich, wenn die Menge des eingespeicherten Depotfettes unter oder über der für die jeweilige Person festgelegten Menge liegt. Der normale Körperfettanteil liegt bei Männern bei circa 10% bis 20%. Bei Frauen liegt der Normalwert bei circa 20% bis 30%. Dabei ist zu beachten, dass der Anteil des Depotfettes mit dem höheren Alter steigt, was es umso wichtiger macht, sich schon im jungen Alter daran zu gewöhnen sich gesund zu ernähren.

Sich angemessen zu ernähren ist nicht so trivial, wie man es sich vorstellt. Um die Ernährung entsprechend des jeweiligen Körpers anzupassen, muss man sich umfassend mit den Optionen und dem Körper an sich auseinandersetzen. Der erste Schritt sollte die Feststellung des Körperfettanteils sein. Dies ermöglicht die präzise Koordination der Nährstoffe und die damit zusammenhängenden Auswirkungen auf den Körper. Ist der Körperfettanteil zu hoch, muss man ihn über einen längeren Zeitraum auf das „normale“ Niveau herabzusetzen. Ist es zu niedrig, gilt es entsprechend, den Anteil des Depotfettes zu erhöhen, um eine optimale Funktion der Körperprozesse zu gewährleisten. Die Messung des Körperfettanteils kann zuhause mit Hilfe eines Calipers erfolgen. Diese Messmethode ist nicht so exakt wie zum Beispiel ein DEXA-Scan oder das hydrostatische Wiegen, stellt aber dennoch einen adäquaten Ausgangswert dar und lässt sich beliebig oft wiederholen, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.

Sobald man herausgefunden hat, wie hoch der Körperfettanteil ist, kann man die Anzahl der aufgenommenen Kalorien und das Verhältnis der Nährstoffe abhängig vom Ziel anpassen. Dabei gilt es den Körper so schonend wie möglich an das normale Gewicht heranzubringen. Dies setzt eine längere Diät voraus. Beim Abnehmen hat sich ein Kaloriendefizit von 15% als sehr schonend erwiesen. Beim Abnehmen sollte der Kaloriensurplus die 20%-Marke nicht überschreiten.

Wenn das ideale Gewicht erreicht ist, kann man anfangen sich wirklich gesund zu ernähren. Die wichtigen Mikronährstoffe haben nun die Möglichkeit die Körperprozesse zu regulieren, ohne auf Barrieren zu stoßen. So wird sowohl die Muskulatur, als auch das kardiovaskuläre System und die Leistungsfähigkeit des Gehirns sichergestellt. Im Alter auftretende Krankheiten können effektiv bekämpft werden.
Es gibt zahlreiche Ernährungsformen wie den Vegetarismus, die ketogene Ernährung und Trennkost. Jede dieser Ernährungsweisen bietet unterschiedliche Vor- und Nachteile. Jede Person sollte sich über die Optionen informieren und die passende Ernährung wählen.

Physischer und psychischer Stress

Stress beeinträchtigt bekanntlich das Leben und beschleunigt die Alterungsprozesse. Dabei sollte jedoch nicht jede Art von Stress gleichgestellt werden. Einige Stressfaktoren führen in angemessenen Mengen zum gegenteiligen Ergebnis.

Hyperthermie

Eine Langzeitstudie hat gezeigt, dass regelmäßige Saunabesuche das Leben verlängern können. Die untersuchten Parameter können problemlos eingehalten werden und die positiven Effekte sind schon nach einer kurzen Zeit zu spüren.
Männer, die 4 bis 7 Mal pro Woche mindestens 20 Minuten in einer finnischen Sauna (79°C mit hoher Feuchtigkeit) verbracht haben, wiesen eine deutlich niedrigere (bis zu 50%) Wahrscheinlichkeit der kardiovaskulären Erkrankungen auf. Der Blutdruck der Probanden wurde nach einer kurzen Zeit normalisiert, die endothelialen und ventrikulären Funktionen wurden verbessert. Der durch den (Hitze-)Stress vermehrt aktivierte Transkriptionsfaktor FOXO3 hat den Effekt der Expression von Genen, die für die Reparatur der beschädigten Zellen, Vermeidung der Schäden an der DNS und den Schutz der Telomere verantwortlich sind. Durch die Expression dieser Gene sinkt das Risiko an Krebs zu erkranken und durch die Autophagie werden die bereits stark beschädigten Zellen erneuert, womit die Ausbreitung der Schädigung verhindert wird.

Hypothermie

Die Reaktionen des Körpers auf niedrige Temperaturen haben ebenso wichtige Effekte wie der Stress durch die Hitze.
Ein Eisbad (4°C für 20-30 Sekunden) fördert die Bildung des Neurotransmitters Norepinephrin. Dieser regt das kardiovaskuläre System an, hat positive Auswirkungen auf die Gehirnfunktionen und die Stimmung. Das Norepinephrin ist dafür bekannt Depressionen entgegenzuwirken. Außerdem wird die Bildung der Mitochondrien in adipösen Zellen beschleunigt. Das führt zu einer Beschleunigung des Stoffwechseln, der verbesserten Fettverbrennung und der damit verbesserten Energiebildung. Die Erhöhung der Konzentration der Mitochindrien im Muskelgewebe führt zu einer effektiveren Sauerstoffversorgung und der Leistungssteigerung bei aeroben Belastungen.

Psychologischer Stress

Der psychologische Stress, ob durch die Arbeit oder andere persönliche Umstände verursacht, verkürzt das Leben. So ist die Lebenserwartung der Menschen mit einem stressvollen Beruf deutlich niedriger, als die eines entspannten Menschen.
Der Stress führt nach längerfristigen Phasen zu folgenschweren Krankheiten. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und Depressionen sind bei Patienten nicht selten. Alle dieser Erkrankungen verkürzen auf ihre eigene Art und Weise das Leben.
Um Stress zu vermeiden, kann man auf die Liste der entspannenden Nahrungsergänzungsmittel, Therapien und Meditationsmethoden zurückgegriffen werden.

Körperliche Belastungen

Studien zufolge zeigen reguläre körperliche Belastungen wie das Krafttraining und Ausdauertraining einen Anstieg der Lebenserwartung. Je länger man Sport treibt, desto besser reagiert der Körper auf den Stress. Der Muskeltonus verbessert sich, dementsprechend verbessert sich auch die Sauerstoffversorgung, der Blutdruck wird präziser reguliert, das kardiovaskuläre System wird leistungsfähiger und passt sich im höheren Alter besser an die gegebenen Bedingungen an.

Entsprechende Vorkehrungen bezüglich der bekannten genetisch bedingten Krankheiten treffen

Alterskrankheiten treten meist auf, wenn sie nicht mehr geheilt, sondern eher vermildert werden können. Durch einige wichtige Faktoren lässt sich jedoch die Wahrscheinlichkeit zu erkranken senken.

IGF-1

Das IGF-1 (Insulin-like growth factor 1) ist ein Hormon, das zum einen für den Wachstum verantwortlich ist und zum anderen anabole & antikatabole Eigenschaften besitzt. Es beschleunigt den Muskelwachstum und gleichzeitig die Fettverbrennung, ist teilweise für die Neuroneogenese verantwortlich und verhindert das Absterben der Gehirnzellen.
Die Bildung des IGF-1 lässt sich durch längere Saunabesuche (durch die bereits erwähnte hyperthermische Reaktion des Körpers) und durch körperliche Belastungen (Kraft– und Ausdauertraining) anregen. Da die Bildung des Hormons in Alter stark sinkt, muss man den Körper an dessen Synthese gewöhnen. Mit der zunehmend kleineren Ausschüttung des IGF-1 Gehen Faktoren wie die Muskelatrophie (auch Herzmuskel), die Verdünnung der Haut und der Verlust der kognitiven Fähigkeiten.
Die Verstärkung der IGF-1 Wirkung kann durch die Aufnahme von Polyphenolen erfolgen. Grüner Tee, Blaubeeren, Rotwein und dunkle Schokolade weisen einen hohen Polyphenolwert auf. Die antioxidativen Stoffe verhindern teilweise die Zellalterung.

Vitamin D

Das Vitamin D ist ein fettlösliches Prohormon, dessen Effekte auf den Körper existenziell sind. Die Aufnahme und die Wirkung wird von einigen Faktoren beeinflusst.
Ein hoher Anteil des adipösen Gewebes im Körper verhindert die Freisetzung des Vitamin D durch dessen Speicherung. Dem lässt sich durch eine Senkung des Körperfettanteils entgegenwirken.
Mit dem steigenden Alter wird der Körper weniger effizient in der Bildung des Prohormons. Dies führt in älteren Menschen zu einer Insuffizienz und damit zu folgenschweren Erkrankungen wie den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Osteoporose und eventuell Krebs.
Die Hypovitaminose lässt sich durch Sonnenbestrahlung (UVB-Strahlen) und eine angepasste Ernährung vermeiden. Durch eine erhöhte Aufnahme von Fisch kann das Level des Vitamin D auf ein angemessenes Niveau gebracht werden.
Die perfekte Menge Vitamin D ist auf 30 bis 80 Nanogramm pro Milliliter Blutserums festgelegt. Die Levels sollten regelmäßig überprüft werden, damit die Aufnahme entsprechend den Ergebnissen angepasst werden kann.

Fragen und Antworten

Lassen sich die Alterungsprozesse aufhalten?

Nein. Das sogenannte Hayflick Limit zeigt, dass eine Zelle nur eine bestimmte Menge an Zellteilungen durchführen kann, bis diese stirbt. Die Länge der Telomere verkürzt sich mit jeder Teilung der Zellen und kommt letztendlich an eine kritische Länge, bei welcher eine weitere Teilung unmöglich ist. Alle Alterungsprozesse lassen sich verlangsamen, das Aufhalten oder gar Umkehren dieser Prozesse ist jedoch nicht möglich.

Spielen die Ernährung und das Training tatsächlich eine so wichtige Rolle?

Definitiv. Abgesehen von den Risiken durch die Fettleibigkeit und Magersucht, da diese Krankheiten mit sich führen. Die angemessene Versorgung mit Nährstoffen und Instandhaltung des Körpers durch körperliche Belastungen (Sport, Sauna) sorgen für die hormonalen Responsionen, die im höheren Alter eingeschränkt werden.
Manche Lebensmittel, die reich an bestimmten Nährstoffen sind (zum Beispiel Brokkoli mit dem hohen Gehalt an Sulforaphan) zeigen Studien zufolge deutliche Verbesserungen der Reaktionen des menschlichen Körpers auf Umwelteinflüsse. So ist das Immunsystem in der Lage Infektionen effektiv zu bekämpfen. Die Beeinflussung der IGF-1-Ausschüttung durch Nahrungsmittel und körperliche Belastungen wirkt der Muskelatrophie entgegen und verbessert das kardiovaskuläre System. Das Herz kann also länger funktions- und leistungsfähig bleiben.

Ich habe eine bestehende genetisch bedingte Krankheit. Lässt sich meine Lebenserwartung dennoch erhöhen?

Ja. Obwohl die Krankheit die Lebenserwartung senkt, kann man den Alterungsprozessen entgegenwirken. Die oben aufgeführten Faktoren (körperliche Belastungen, Hypothermie, Hyperthermie, psychologischer Stress) wirken sich unabhängig von einer bestehenden Krankheit auf die Lebenserwartung aus. An diesem Punkt ist es umso wichtiger sich auf die Aspekte zu konzentrieren, auf die man auch einen Einfluss hat. Wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt, wird man nach einer Zeit in der Lage sein, die Lebenserwartung zu erhöhen und trotz der Krankheit ein qualitativ hochwertiges Leben zu führen.

Unser Fazit zum Thema Lebenserwartung

Die Lebenserwartung macht jedem Menschen zu schaffen. Dies sollte jedoch kein Grund sein sich in stressvolle Situationen bringen zu lassen. Durch die Beeinflussung der Alterungsprozesse durch die richtige Ernährung, den Sport, den physischen Stress und die Aufnahme der benötigten Vitamine und Mineralstoffe. Auch wenn es ein sehr wichtiges Thema ist. Die Lebensqualität steht immer noch an erster Stelle. Das längere Leben ist in diesem Falle nur ein Bonus, für den man hart arbeiten muss. Die Anstrengungen sind es unserer Meinung nach jedoch wert. Schließlich will man ja so viel vom Leben sehen, wie es nur möglich ist.

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