Muskulatur

Die Muskeln bilden in ihrer Gesamtheit das komplexe Organsystem der Muskulatur und sind ein wichtiger Bestandteil des Skeletthalteapparats bei allen Lebewesen, die über ein Skelett verfügen. Sie ermöglichen sämtliche Körperfunktionen, da Muskelzellen sich, nach bestimmten Reizen zusammenziehen (kontrahieren) können. Dadurch gelingt es z.B. sich fortzubewegen oder dem Herz zu schlagen.

Während die Haut das flächenmäßig größte Organ ist, wird die Muskulatur als das von der Masse her größte Organ bezeichnet.

Was ist die Muskulatur?

Die Muskeln lassen sich grob in drei Kathegorien unterteilen, nämlich

  • quergestreifte Muskulatur)
  • glatte Muskulatur
  • Herzmuskulatur

Wobei letztere eine Mischform aus glatter und quergestreifter Muskulatur ist.

Während man die quergestreifte (Skeletthaltemuskulatur, somatische Muskulatur) nach seinem freien Willen steuern, also beispielsweise selbst bestimmen kann, wann sich der eigene Arm anbeugt und wie weit, ist die glatte Muskulatur (viszerale Muskulatur) vor allem in den inneren Organen vorzufinden und lässt sich durch Willenskraft nicht verändern. Sie arbeitet mehr oder weniger kontinuierlich.

Die Herzmuskulatur ist zwar auf den ersten Blick eher quergestreift, kann aber dennoch nicht ohne weiteres beeinflusst werden. So gelingt es z.B. nicht den Herzmuskel und dessen momentanes Kontraktionskonzept durch bloßes Wollen zu beeinflussen. Eine ganze Reihe weiterer körperlicher Faktoren ist hierzu notwendig.

Eine jede Muskelkontraktion wird durch elektrische Impulse ausgelöst. Diese sind nur der Beginn einer komplexen Anreihung an Vorgängen, die weiter unten genauer erläutert wird.

Funktionen und Aufgaben der Muskulatur

Die Aufgaben der Skelettmuskulatur sind mit ihrer Fähigkeit sich zusammenziehen (kontrahieren) und erschlaffen zu können verbunden.

Da sie den aktiven Teil des Bewegungsapparats bilden, ermöglichen sie uns jegliche Art der Bewegung an Ort und Stelle und der Fortbewegung.

Aufgrund des Nervensystems, das dauerhaft feinste Impulse an die Muskulatur sendet, steht sie ständig unter einer gewissen Grundspannung (Muskelgrundtonus). Diese ist so fein, dass sie keine gesonderte Bewegung auslöst, es allerdings ermöglicht den Körper aufrecht halten zu können, ohne jedoch bewusst dafür zu sorgen. So sind stehen und sitzen Prozesse, bei denen wir nicht willentlich eine Anspannung bewirken müssen, da dieser Vorgang durch den Muskelgrundtonus automatisiert geschieht.

Eine weitere wichtige Funktion der Muskulatur ist der Umsatz von Energie, der selbst bei Nichtbewegung gut ein Viertel des gesamten Energieumsatzes des menschlichen Körpers ausmacht. Bei vermehrter aktiver Bewegung steigert sich der Energieverbrauch natürlich erheblich.

Sozusagen als Abfallprodukt wird bei der Muskelarbeit auch Körperwärme erzeugt. Diese Wärme ist für die Kontraktion der Muskeln notwendig und wird zum Teil dort wieder verbraucht.

Allerdings bleibt gut die Hälfte der so entstandenen Wärmeenergie ungenutzt und steht dem Körper als natürliche Wärmequelle zur Verfügung.

Dieser Vorgang wird z.B. immer dann bewusst von eigenen Körper genutzt, wenn wir frieren. Das unwillkürliche Zittern beschreibt letztlich die Kontraktion der Muskulatur und dient zur Wärmeerzeugung und Temparaturregulation.

Die glatte Muskulatur, die in den inneren Organen vorzufinden ist, hat die Fähigkeit sich wesentlich stärker zu kontrahieren. Dieser Vorgang nimmt jedoch auch einiges mehr an Zeit in Anspruch. Dennoch besitzt sie die Gabe länger in einem solchen Zustand zu verweilen, ohne zu ermüden.

Sie lässt sich nicht direkt beeinflussen, indirekt allerdings nehmen Sympathikus und Parasympathikus, die beide zum vegetativen Nervensystem gehören, Einfluss auf sie.

Die Blutgefäße, die dem Herzen helfen das Blut stätig durch unseren Körper zu pumpen verfügen allesamt über glatte Muskulatur. Ohne ihre Kontraktion wäre der Vorgang der Pumpung nicht möglich.

Abschließend sind die wichtigsten Aufgaben der Muskulatur also

  • Ermöglichung von Bewegung und Fortbewegung
  • durch Arbeit Wärmeenergie freisetzen
  • nicht steuerbare, organische Prozesse beweltigen
  • blut durch Körper pumpen

Anatomie und Aufbau der Muskulatur

Die Muskeln des Bewegungsapparats bestehen meist aus wenigstens einem Muskelbauch, der den Hauptbestandteil bildet. Außerdem sind mindestens zwei Sehnen beteiligt, die an festen Strukturen befestigt sind. Es gibt einige Muskeln, die aus mehr Bäuchen und entsprechend mehr Sehnen bestehen.

Jeder Muskelbauch ist von einer Hülle aus Bindegewebe umschlossen und besteht selbst aus vielen, kleinen Muskelfasern. Der Kern einer jeden solchen Faser ist ein Eiweisgeflecht, welches sich zusammenziehen kann und hauptsächlich auf drei Eiweisen, dem Myosin, dem Aktin und dem Troponin, basiert.

Das Aktin bildet ein System aus kurzen Fasern, die den Holmen bei einer Leiter ähnlich sind. Jeweils zwischen zwei Aktin-Holmen sind Myosin-Eiweiße, mit Hilfe von federnden Eiweißen aus Troponin, befestigt. Auf das entsprechende Nervensignal hin klettern die Myosin-Eiweiße an den Aktin-Holmen wie an einer richtigen Leiter hoch. So gelingt es dem Muskel sich zu verkürzen.

Durch den Aufbau der Muskulatur bedingt ist ein Muskel nur in der Lage sich zu verkürzen und damit zu kontrahieren oder wieder zu entspannen. Um Bewegungen in alle Richtungen zu ermöglichen, sind die Muskeln deshalb in sogenannte Antagonisten (Gegenspieler) angeordnet.

So beugt der zweiköpfige Armmuskel (Biceps) beispielsweise den Arm im Ellenbogengelenk, während sein Gegenspieler, der dreiköpfige Triceps, sich auf der anderen Seite befindet und den Arm wieder streckt, wenn er sich verkürzt.

Die meisten Muskeln sind allerdings nicht nur für eine Bewegungsrichtung verantwortlich, sondern helfen mehr oder weniger mit anderen Muskeln zusammen (Synegisten).

Bei der glatten Muskulatur gibt es all das nicht. Sie kann sich lediglich kontrahieren und länger in diesem Zustand verweilen.

Aufbau und Funktion der Herzmuskulatur

Der Herzmuskel differenziert sich sowohl von der quergestreiften als auch von der glatten Muskulatur, verfügt jedoch über Fähigkeiten beider Seiten.

Die Strukturen und Teile des Energiespeichers des Herzens gleichen der Muskelarbeit der quergestreiften Muskulatur. Betrachtet man allerdings die einzelnen Muskelfasern genauer, erkennt man, dass jede nur einen Kern hat.

Dies ist eine Eigenschaft der glatten Muskulatur, während die Skeletthaltemuskulatur in jeder Faser teilweise mehr als hundert Kerne besitzt.

Obgleich es auf den ersten Blick also so aussieht, ähnelt der Herzmuskel eher der glatten Muskulatur. Auch weil er nicht ermüdet.

Die hauptsächliche Funktion des Herzmuskels ist es das Blut durch den Körper zu pumpen und somit alle Zellen mit Sauerstoff zu versorgen.

Ohne die Kontraktion der Arterien (Gefäße, die vom Herzen weg führen) wäre dieser Transport durch den gesamten Körper nicht möglich.

Krankheiten, Beschwerden und Störungen der Muskulatur

 

Krankheiten der Skelettmuskulatur

Die wohl am häufigsten beklagten und damit bekanntesten muskulären Probleme der Skelett- oder quergestreiften Muskulatur sind Muskelkater und Muskelkrämpfe.

Während der Muskelkater nach hoher Belastung bestimmter Muskelpartien, meist infolge einer unzureichenden Aufwärmphase vor dem Sport oder im Anschluss an ungewohnt viel Bewegung, auftritt, wird ein Muskelkrampf sehr oft durch Magnesiummangel verursacht.

Neben Muskelerkrankungen, die auf äußere Einwirkungen

  • sportliche Betätigung
  • ungewohnte Bewegungsabläufe
  • Stürze
  • weitere Unfälle
  • uvm.

zurückzuführen sind, gibt es aber auch noch solche, denen neurologische oder genetische Defekte zugrunde liegen. Das beste Beispiel hierfür ist der Muskelschwund.

Krankheiten der glatten Muskulatur

Im Vergleich zu den beiden anderen Arten der Muskulatur kommt es bei der glatten Variante weitaus häufiger zu Beeinträchtigungen ihrer Funktion.

Sie hat den Nachteil sich schlecht regenerieren zu können, weshalb sich häufig Bindegewebsnarben bilden.

Eine vernarbte Gebärmutter führt in vielen Fällen zu Wehenschwäche.

Unter anderem im Verdauungstrakt oder der Gebärmutter ist es vermehrt möglich, dass Leiomysakromen entstehen. Das sind bösartige glatte Muskelzellen. Der Tumor geht hier von der glatten Muskulatur aus. Sein Anteil an den bösartigen Geschwülsten der Gebärmutter liegt bei einem Prozent.

Die Symptome des Leiomysakroms gelten bislang als unspezifisch, gehäuft traten in der Vergangenheit jedoch Blutungen der betroffenen Organe auf.

Grundsätzlich kann das Leiomysakrom an jeder Stelle der glatten Muskulatur vorkommen und muss zumeist operativ entfernt werden.

Krankheiten der Herzmuskulatur

Liegt eine Erkrankung des Herzmuskels oder eine Funktionsstörung vor, besteht unter Umständen Lebensgefahr für den Betroffenen.

Die Störungen lassen sich in der Regel in mechanisch und elektrisch unterteilen, es sind aber auch Mischformen möglich.

Mechanische Störungen sind Beschwerden beim Pumpungsprozess nach veränderter Größe des Herzens. Elektrische Störungen lassen sich auf Fehler in der Reizweiterleitung zurückführen.

Erkrankungen der Herzmuskulatur sorgen häufig dafür, dass das Herz in seiner Masse zunimmt.

Hat er erst einmal zu stark in seiner Dicke zugenommen, ist die Funktion des Muskels eingeschränkt. Es entsteht eine Herzschwäche. Gleichzeitig steigt wegen mangelnder Sauerstoffversorgung bestimmter Muskeln das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Aufgrund weiterer Faktoren kann sich der Herzmuskel entzünden oder ausleiern.

Infekte werden häufig durch Bakterien hervorgerufen, aber auch Medikamente, Alkohol, Grippeviren, Pilze und Parasiten können für die Beschwerden verantwortlich sein.

Vermeidung von Krankheiten der Muskulatur

Um Verletzungen der Skelettmuskulatur zu verhindern helfen in erster Linie zwei Dinge ganz immenz.

  • Vor jeder sportlichen Betätigung der Muskulatur die Chance geben warm zu werden und ein umfassendes Aufwärmprogramm von mindestens zehn Minuten absolvieren
  • Im Alltag, sprich beim Laufen, Treppensteigen etc., immer auf sich und seine Umgebung achten und Schritte so gezielt wie möglich setzen, um nicht umzuknicken

Die Vermeidung von Verletzungen der glatten Muskulatur gestaltet sich als wesentlich schwerer, da Narben meist durch Unfälle oder nach Operationen entstehen und diese kaum bis gar nicht behandelbar sind. Es ist jedoch hilfreich von Zeit zu Zeit die vernarbten Regionen untersuchen zu lassen, was schmerz- und problemlos mittels Ultraschalluntersuchung funktionieren sollte.

Um Erkrankungen des Herzmuskels vorzubeugen hilft eine gesunde Lebensweise mit guter Ernährung und ausreichend Bewegung.

Personen, bei denen eine erhöhte Erkrankungsmöglichkeit besteht, sollten dringend alle vom Arzt vorgeschlagenen Untersuchungen vorsorglich vornehmen lassen.

Mittels Ultraschall und EKG (Elektrokardiogramm) lassen sich mit wenig Aufwand bereits wichtige Grundfunktionen feststellen.

Wer aus Altersgründen, starkem Übergewicht oder ähnlichem besonders gefährdet für Dinge wie Arteriosklerose, Herzschwäche oder Herzinfarkte ist, wird gebeten diese Untersuchungen ungleich öfter durchführen zu lassen.

Diagnostik und Therapie bei Beschwerden der Muskulatur

Die individuelle Therapie richtet sich ganz nach der zugrunde liegenden Erkrankung. So kommt bei endogenen Myopathien (von innen kommenden Muskelkrankheiten) z.B. eine internistisch medikamentöse Behandlung in Frage, bei exogenen (von außen kommenden) Beschwerden der Muskulatur kann Ruhigstellen hilfreich sein, ebenso wie Wärme. Auch Operationen kommen in Frage, je nach Art und Intensität der Verletzung.

Ärzte haben ein breites Behandlungsspektrum und allein zur Diagnose zahlreiche Mittel zur Verfügung, die sie, nach eingehender Anamnese (Patientenbefragung), nach eigenem Ermessen anwenden.

Beispiele hierfür sind

  • Elektromyogramm (EMG)
  • Blutlabor
  • Muskelbiopsie (Gewebeentnahme
  • Kreatinkinase (KC)
  • CT (Computertomographie)

Bei primären Myopathien kann in der Regel nicht causal (ursächlich) behandelt werden, da hierbei ein genetischer Defekt verursachend ist. Je nach Art können spezielle Medikamente hilfreich sein. Auch die Physiotherapie, genauer das Gebiet Krankengymnastik, nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert zur Therapie von Myopathien ein.

Typische und häufige Erkrankungen der Muskulatur

 

  • Muskelkater
  • Muskelkrampf
  • Muskelzerrung
  • Muskelfaserriss
  • Muskelschwund
  • Muskelschwäche
  • Muskelentzündung
  • Muskelprellung
  • Muskelspastik
  • Wehenschwäche
  • Leiomysakrom (Tumor)
  • Bindegewebsnarben und daraus resultierende Probleme
  • Herzschwäche
  • Herzrhythmusstörung
  • Herz-Kreislauf-Zusammenbruch
  • Herzinfarkt
  • Herzmuskelentzündung

Warum haben Männer mehr Muskelmasse als Frauen und wie viel?

Man geht davon aus, dass die reine Muskelmasse einer Frau zirka 20 kg ausmacht. Bei Männern rechnet man mit 25-27 kg.

Das liegt jedoch nicht nur daran, dass Männer für gewöhnlich größer sind und die Muskelbäuche somit länger, sondern vor allem am männlichen Sexualhormon Testosteron. Es wirkt ähnlich wie ein Anabolikum muskelaufbauend und begünstigt somit das Muskelwachstum.

Welche Nahrungsmittel wirken aufbauend?

Je mehr Muskelmasse der Körper zur Verfügung hat desto mehr Kalorien gelingt es ihm in Ruhephasen zu verbrennen.

Neben einer gut auf den Muskelaufbau abgestimmten Ernährung ist Training hilfreich um gezielte Muskelgruppen wirksam zu vermehren und zu stärken.

Fitnesstrainer legen jedoch zu 70 Prozent Wert auf die richtigen Nahrungsmittel und nur die restlichen 30 Prozent haben direkten Fokus auf ein Trainingsprogramm.

Lebensmittel, die das Wachstum eines Muskels fördern sind z.B.

  • Wasser (mind. 2 l)
  • Fisch (1-2x pro Woche)
  • Nüsse (im Müsli z.B.)
  • Eier (am besten roh oder weich gekocht)
  • Bohnen
  • Hafer (gequollen gut mit Früchten oder Nüssen verzehrbar)
  • Spinat
  • Brokkoli (in verschiedenen Varianten bestenfalls mehrmals wöchentlich
  • Beeren (frisch oder getrocknet)
  • Reisproteinpulver oder andere Proteinmischungen

Ist es wahr, dass Muskeln durch den Einsatz von Bandagen erschlaffen?

Generell ist eine Bandage da, um ein Körperteil oder Gelenk vor erneut auftretenden Verletzungen zu schützen, in dem es eine zusätzliche Stabilisation bietet. Dennoch sind Bandagen mehr oder weniger elastisch und stellen die Muskulatur somit keinesfalls komplett ruhig.

Es gibt Sportbandagen, die – wie der Name bereits sagt – nur beim Sport getragen werden, um Verletzungen in gefährdeten Körperteilen vorzubeugen. Diese haben so gut wie keine negative Auswirkung auf die Muskulatur, da sie im Schnitt nicht lange genug getragen werden, um die Muskeln wirklich zu beeinträchtigen.

Es gibt allerdings auch Bandagen, die zur Therapie einer Verletzung mehrere Wochen am Stück getragen werden müssen. Sie, zusammen mit anderen Faktoren hemmen das Bewegungsausmaß und können durchaus dazu beitragen, dass die Muskulatur etwas abbaut.

Jedoch wird von jedem guten Arzt empfohlen nach Verletzungen die Muskulatur an der betroffenen Stelle vermehrt zu trainieren. Dies geschieht entweder allein oder in Form von muskelaufbauender Krankengymnastik.

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