Kanüle

Kanülen sind in der Medizin ein wichtiges Werkzeug des Arztes um in das menschliche Gewebe einzudringen

Kanülen werden bei medizinischen Prozessen täglich eingesetzt, doch was ist überhaupt eine Kanüle? Man hat sie ALS Patient meistens schon sehr oft gesehen, aber wie eine Kanüle aufgebaut ist, weiß man oft gar nicht. Man kann sich Fragen, welche Arten von Kanülen es gibt und welche Funktion sie bei medizinischen Handlungen haben. Patienten fragen sich, welchen medizinischen Nutzen der Einsatz einer Kanüle für ihre Genesung hat. Des Weiteren muss man sich auch beim privaten Gebrauch Gedanken über die Entsorgung der Kanüle machen, denn sie kann eine gesundheitliche Gefahr für andere Menschen bedeuten, wenn sie sich daran verletzten.


 

Was ist eine Kanüle?

Kanülen sind Nadeln, die einen Hohlkörper aufweisen und sie haben die Aufgabe, in die menschliche Haut einzudringen. Sie werden bei medizinischen Handlungen fast immer in den unterschiedlichsten Ausformunegn eingesetzt. Die Kanülenspitze ist scharf und sehr schräg, so dass sie eine Art Schnitt in die menschliche Haut macht, damit sie gut in die Haut eindringen kann. Eine Kanüle wird auch mit dem Synonym Injektionsnadel oder Hohlnadel bezeichnet.
Ihre Aufgaben bestehen insbesondere darin:

  • Entnahme von Körperflüssigkeiten
  • Zufuhr/Injektio von medizinischen Flüssigkeiten
  • Wundspülung und Absaugung von flüssigen Stoffen
  • Hygienische Entnahme von Medikamenten aus Aufbewahrungsbehältern

Sie sind aus der der Medizin nicht mehr wegzudenken und man hat bis heute keine bessere Alternative gefunden, um in das menschliches Gewebe einzudringen. Schließlich ist es keine schmerzfreie Methode für die Patienten. Kanülen können aber in den unterschiedlichsten Bereichen für Menschen überlebensnotwendig sein. Ohne Kanülen wären genaue Diagnosen für die Genesung kaum mögliche und auch in Notfällen werden sie am Patienten in mehrfacher Funktion eingesetzt.

Erfindung und historischer Hintergrund der Kanüle

Bereits im 17. Jahrundert haben Robert Boyle und Christopher Wren Spritzen am menschlichen Körper ausprobiert. Im Bereich der Injektionen erfand Charles-Gabriel Pravaz eine Injektionsmöglichkeit, die einen Durchmesser von 5 mm aufwies und einen Inhalt von 1cm3 aufnehmen konnte. Bei diesen ersten Injektionskanülen musste man nich durch Drücken sondern durch Schrauben die zu injiziernde Flüssigkeit aus der Spritze herausleiten. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden dann Spritzen erfunden, bei denen die Kanülen aus Silber waren und der Flüssigkeitsbehälter aus Glas. Dies beruhte auf dem Hintergrund, dass man die Flüssigkeiten viel besser beobachten konnte. Ein irischer Mediziner namens Francis Rhynd entdeckte ebenfalls eine Hohlnadel im Jahre 1844, die von ihm auch an einer Frau ausprobiert wurde.
Kanülen fanden vor allem auch ihr Einsatzgebiet im Krieg, denn so konnte man den schwer verwundeten Soldaten die Schmerzen lindern, indem man ihnen Morphium spritzte.


 

Welche Formen und Arten von Kanülen gibt es?

Es gibt mehrere Arten von Kanülen. Welche vom Arzt ausgewählt wird, ist vor allem von ihrem medizinischem Einsatzgebiet abhängig.
Man kann daher zwischen Biopsiekanülen, Trachealkanülen, Injektionskanülen, Punktionskanülen oder auch Spülkanülen unterscheiden. In den meisten Fällen werden die Kanülen nur zur einmaligen Nutzung verwendet. Aber auch die Möglichkeit einer Mehrfachnutzung besteht. Dies wird aber aus hygienischen Gründen eigentlich vermieden.
Die Unterscheidungsmerkmale liegen insbesondere im Durchmesser und im Schliff der Spitze.

  • Biopsiekanülen

Bei einer Biopsie wird dem menschlichen Organismus Gewebe zur Probe entnommen, um sich ein besseres Bild über den Krankheitszustand des Patienten zu machen. Für diesen Vorgang wird zumeist eine feine Biopsiekanüle verwendet. Diese ist mit einem besonders ausgeprägten Facettenschliff versehen, sodass man die Nadel auch beim Ultraschall ausgesprochen gut erkennen kann. Auch die Spitze der Kanüle ist besonders geschärft, so dass sie nur geringe Verletzungen beim Einstich verursacht. Die Kanüle ist besonders stabil und oftmals mit einer Markierung versehen, damit man genau erkennen kann, wie tief sich der Arzt im Gewebe befindet.

  • Trachealkanüle

Die Trachealkanülen können sowohl flexibel als auch starr sein und sind zumeist ein kurzer oder auch gekrümmter Schlauch. Sie wird dazu genutzt um bei bestimmten Erkrankungen und auch Heilverfahren dem Patienten das Atmen zu erleichtern oder auch zu ermöglichen. Sie wird in mit Hilfe eines Tracheostomas in die Luftröhre eingesetzt, sodass diese dadurch offen gehalten wird.

  • Injektionskanülen

Diese Kanülenart gibt es in unterschiedlichen Durchmesserstärken. Sie dienen dazu, dass man dem Menschen eine bestimmte Flüssigkeit unter das Gewebe, in den Muskel oder in die Blutbahn geben kann. Man spricht dann von einer subkutanen, intramuskulären, intravenösen und intraarteriellen Injektion. Diese Kanülen bietet eine gute Durchflussmöglichkeit für die zuzuführenden Medikamente.

  • Punktionskanülen

Die Punktionskanülen werden eingesetzt, um aus einem körperlichen Hohlraum oder anderen Bereichen des Körpers eine Ansammlung von bestimmter Körperflüssigkeit komplett zu entfernen oder auch nur Proben zu entnehmen. Punktionsnadeln können je nach Durchmesser auch genutzt werden, um kleinere Gewebeproben zu entnehmen, ähnlich einer Biopsienadel.

  • Spülkanülen

Sie haben meist einen abgerundeten Kanülenkopf und werden genutzt, um Wunden zu säubern oder auch entsprechende Flüssigkeiten abzusaugen. Sie werden auch als Knopfkanülen bezeichnet und es gibt sie in gerade und auch gebogener Form.

Je nach medizinischem Eingriff wird vom Medizinier die entsprechende Kanüle ausgewählt.


 

Welchen Aufbau, welche Funktion und Wirkungsweise hat eine Kanüle?

Eine Kanüle hat an der Spitze eine abgeschrägte Kante und einen scharfen Schnitt, damit sie beim Ansetzen an die menschliche Hautoberfläche leicht und möglich schmerzlos in diese eindringen kann. Das häufigste Einsatzgebiet einer Kanüle ist bei der Blutentnahme oder der Injektion. Je schärfer die Schnittkante und je feiner die Kanüle, desto geringer ist die Verletzung an der menschlichen Hautoberfläche.

Funktion und Wirkungsweise bei der Blutentnahme und der Injektion

Bei der Blutentnahme wird dieses durch die Kanüle in das Innere der Spritze gesaugt. Hier befindet sich als Aufsatz ein entsprechender Auffangbehälter. Dieser besteht meistens aus Kunststoff. Wenn der Arzt seinem Patienten eine Injektion verabreicht, dann wird eine entsprechende Flüssigkeit aus dem Vorratsbehälter in die Vene oder die Arterie gedrückt. Je nach Bestimmungsort des Medikaments.

Funktion der Kanüle bei der Punktion Biopsie ode Spülung

Bei der Punktion und auch der Biopsie wird entweder Flüssigkeit abgesaugt oder auch nur zur Probe entnommen. Entsprechend ist auch der Durchmesser der Kanüle. Diese Flüssigkeit oder auch Gewebeprobe wird dann in einem vorhergesehenen Auffangbehälter aufgenommen. Auch bei diesen Kanülen ist meistens eine scharfe abgerundete Kante vorhanden, sodass man gut in die entsprechenden Punktionsstellen vordringen kann.

Kanülen werden als Mandrins genutzt

Mandrin wird aus dem Französischen abgeleitet und könnte im Deutschen mit dem Begriff Dorn übersetzt werden. Dieser wird zur Einführung von Kathetern oder auch Tuben genutzt und dient zur Erweiterung einer entsprechenden Öffnung. Es handelt sich dabei um Stäbe, die mit Kunststoff beschichtet sind und vom Arzt so gebogen werden können, dass er am besten zur Einführung des Katheters oder auch des Tubus dient. Dieser liegt zumeist in der Kanüle und wird dann beim richtigen Sitz des einzuführenden medizinischen Gegenstandes wieder entfernt, während der Katheter oder auch der Tubus verbleibt. Aber auch bei Rückemarks- und Gewebepunktionen kommt ein Mandrin zum Einsatz.

Kanülen besitzen insgesamt ein breites Anwendungsspektrum und sie werden vor allem zum Austausch von Gewebe und Flüssigkeiten in das Innere des Menschen verwendet. Insbesondere bei schweren Krankheiten wird eine ärztliche Behandlung ohne den Einsatz einer Kanüle nicht auskommen.


 

Der medizinische und gesundheitliche Nutzen von Kanülen

In der Medizin und auch für die gesundheitliche Genesung ist der Einsatz von Kanülen im Rahmen der Heilung, aber auch bei der Erforschung von Krankheiten nicht wegzudenken. Sie stellen die einzige Möglichkeit für den Arzt dar, ohne operativen Eingriff in den menschlichen Körper vorzudringen. Egal, ob eine Diagnose gestellt werden soll oder ob lindernde Medikamente direkt in die Blutbahnen des Organismus gelangen sollen. Aber auch Bluttransfusionen, die oftmals eine lebensrettende Maßnahme bedeuten könnten ohne den Einsatz von Kanülen nicht durchgeführt werden.
Auch im Bereich der Zahnmedizin spielt die Kanüle eine wichtige Rolle. Zum einen werden den Patienten schmerzlindernde Betäubungsmittel injiziert und zum anderen können dort auch gut eröffnete Mundraumwunden heilungsfördernd gereinigt und versorgt werden.
Aber auch bei chirurgischen Eingriffen hat die Kanüle bei der Wundversorgung und auch Reinigung eine hohe Bedeutsamkeit.
Bei der Erstversorung im Krankenhaus und auch an Unfallstellen werden den Patienten mit Kanülen entsprechende Zugänge in der Vene gelegt, sodass der Arzt einen direkten Zugriff hat. Dies ermöglicht in Notfällen ein sehr schnelles und lebensrettendes Handeln.
Nach Operationen dürfen Patienten oftmals oral keine Nahrung aufnehmen, so dass sie über die Kanüle durch eine intravenös verabreichten Nährstofflösung versorgt werden müssen, damit sie nicht verhungern. Das Gleiche gilt auch bei der Versorgung mit Flüssigkeit.

Fragen und Antworten

Welche Gesundheitsgefährdungen können durch Kanülen entstehen?

Im Prinzip entsteht erstmal durch die Nutzung von Kanülen keine direkte Gesundheitsgefährdung. Vielmehr kann das Problem einer Gesundheitsgefährdung dann entstehen, wenn die Kanülen nicht steril sind. Dies kann der Fall bei einer mehrmaligen Nutzung sein. Allerdings handelt es sich bei fast allen Kanülen, die in der heutigen Zeit eingesetzt werden um Einmalkanülen, die der Arzt aus einer sterilen Verpackung nimmt. Vor der Nutzung zieht er sich auch Einmalhandschuhe an, damit die Kanüle nicht mit vermeidlichen Bakterien an seinen Händen in Berührung kommt.
Insgesamt muss beim Einsatz von Kanülen auf eine sachgerechte Verwendung geaachtet werden. Bei Infusionen darf die eingesetzte Kanüle keine Luft ziehen, denn dann kann es zu einer lebensbedrohlichen Embolie kommen.

Was passiert mit Kanülen nach der Benutzung?

Es ist besonders wichtig, dass Kanülen fachgerecht entsorgt werden, wenn sie benutzt worden sind. Schließlich können sich die medizinischen Fachangestellten an den spitzen der Kanülennadeln verletzten. An diesen haften noch Blutreste von der vorherigen Nutzung und dies kann zu sehr gefährlichen Infektionskrankheiten führen.
Nadelstichverletzungen zählen zu den häufigsten Arbeitsunfällen von medizinischem Personal und stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Um die Sicherheit besser zu gewährleisten wurden im Jahre 2009 Rahmenrichtlinien in das EU-Gesetz übernommen, um einen besseren Schutz zu gewährleisten. Es wurden unterschiedliche Sicherheitssysteme entwickelt:

  • Es gibt Injektionskanülen, die sich in eine Schutzhülle zurückziehen
  • Kanülen mit arretierbarem Stichschutz
  • Es gibt Schutzkappen für eine sichere Entfernung der Kanüle, ohne sie dabei zu berühren

Des Weiteren ist die Entsorgung in gesicherten Behältern wichtig, diese müssen stichfest sein. Außerdem darf die Kanüle nicht zurüCK in die Schutzkappe gegeben werden. Die Entsorung muss auch über eine spezielle Entsorgungsfirma oder für Patienten über den Restmüll erfolgen. Patienten können entsprechende Behälter in der Apotheke erhalten.

Wie werden Kanülen hergestellt?

Damit man eine Kanüle erhält, die in der Mitte einen Hohlraum besitzt wird ein Blech aus Stahl um einen Dorn gewickelt. Im nächsten Schritt wird mit einem sehr feinen Schweißwerkzeug das Stahlblech zusammengelötet. Das Stahlblech wird dann in die Länge gezogen, so dass es den gewünschten Durchmesser erhält und das Stahlblech auch immer dünner wird. Es werden dann mehrere Kanülen aus dem länglichen und sehr feinen Stahlröhrchen geschnitten. Dieses wird dann geschliffen und von störenden Anhaftungen und Überständen befreit.
Dann erfolgt ein sehr wichtiger Schritt: die entstande Kanüle wird steril gemacht und dann mit einer entsprechenden sterilen Verpackung versehen, die erst wieder bei der Endnutzung geöffnet werden darf, denn sonst wäre die Kanüle nicht steril. Dies sollte auch von den Patienten im Blick behalten werden.

Unser Fazit zu den Kanülen

Kanülen sind aus der Medizin nicht wegzudenken und es wurden noch keine andere Möglichkeit erfunden, um dem Menschen Flüssigkeiten zu entziehen oder auch Flüssigkeiten hinzuzufügen. Sie werden in Krankenhäusern bei den meisten Untersuchungen genutzt, aber auch im privaten Bereich werden Kanülen häufig genutzt um Medikamente subkutan unter die Haut zu spritzen. Dies ist teilweise lebensnotwendig und das nicht nur für Diabetiker. Es ist wichtig darauf zu achten, dass die Kanülen bis zur Nutzung steril sind, denn sonst können gesundheitliche Risiken entstehen, die man eigentlich leicht vermeiden könnte.

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