Morphium

Morphium oder Morphin ist ein opioides Schmerzmittel, welches bei sämtlichen Schmerzen eingesetzt wird, welche sich in starker oder sehr starker Form zeigen.

Der Wirkstoff wird daher auch als Betäubungsmittel eingestuft und nur unter strenger ärztlicher Aufsicht angewendet. So zählen zu den Risiken und Nebenwirkungen von Morphium auch eine Abhängigkeit sowie MagenDarm-Beschwerden.

Doch, wann kommt Morphium eigentlich zum Einsatz, wie wirkt das Betäubungsmittel und was sollte bei der Einnahme beachtet werden? Nachfolgend werden alle wichtigen Fakten zum Wirkstoff in Erfahrung gebracht.

MorphiumWas ist Morphium?

Bei Morphium handelt es sich um einen Wirkstoff, welcher zu den Opiaten zählt, da dieser ein Hauptalkaloid des Opiums darstellt.

Der Wirkstoff stellt außerdem ein Rauschgift dar und wird daher nur unter betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften angewendet.

Der Zweck der Anwendung von Morphium dient in erster Linie der Linderung von starken – beziehungsweise den stärksten Schmerzen. Daher erfolgt eine Anwendung in verschiedensten Fällen – meist unter klinischer Beobachtung.

Angewendet wird der Wirkstoff in verschiedenen Formen: Neben Kapseln und Tabletten gibt es auch Tropfen, Zäpfchen und Injektionslösungen. In welcher Form Morphium angewendet wird, hängt oftmals von dem individuellen Patienten ab.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Linderung von starken bis sehr starken Schmerzen (wenn nicht-opioide Schmerzmittel nicht mehr wirken beziehungsweise nicht mehr stark genug sind)

Allgemeines

Allgemeines
NameMorphium
Andere Namen
  • (5R,6S,9R,13S,14R)-4,5-Epoxy-N-methylmorphinan-7-en-3,6-diol (IUPAC)
  • (−)-Morphin
SummenformelC17H19NO3
WirkstoffklasseOpioid-Analgetikum

Wirkungsweise

So wirkt Morphium

Je nach Darreichungsform gelangt Morphium in den Blutkreislauf, wo das Arzneimittel seine Wirkung entfalten kann. Der Wirkstoff gelangt über den Blutkreislauf in das Gehirn – hier bindet er an die Opioid-Rezeptoren.

Außerdem wirkt Morphium auch im Nervensystem des Körpers. Zum einen betäubt der Wirkstoff die vorhandenen Schmerzen, sodass diese kaum noch wahrnehmbar sind.

Dies geschieht sowohl über das Gehirn als auch über das Nervensystem. Dabei wird das Bewusstsein allerdings nicht ausgeschaltet. Zum anderen hebt Morphium gleichzeitig die Stimmungslage an, sodass ein euphorisierendes Gefühl entsteht.

Der Wirkstoff verringert darüber hinaus die Atmungstätigkeit, wodurch der Puls und der Blutdruck gesenkt werden. Es kommt daher zu einer Beruhigung des Patienten.

Hier ist auch von einer „Sedierung“ die Rede. Dies trägt ebenfalls zu der Schmerzlinderung bei. Ein Hustenreiz wird durch die Einnahme von Morphium ebenfalls unterdrückt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung von Morphium

Je nach Darreichungsform wirkt Morphium unmittelbar oder leicht verzögert. Wird der Wirkstoff injiziert, so liegt die maximale Wirkstoffkonzentration schon nach wenigen Minuten vor.

Die Wirkungsdauer liegt hier in der Regel bei 3 bis 4 Stunden. Oral eingenommen benötigt Morphium etwas länger, um zu wirken. Hier ist von einer Wirkungsdauer von 4 bis 6 Stunden auszugehen.

Noch länger fällt die Wirkungsdauer bei Retardtabletten oder Retardkapseln aus: Hier kann diese bis zu 12 Stunden betragen. Allerdings wirkt Morphium hier nicht so schnell und stark wie in den anderen Darreichungsformen.

Abgebaut wird der Wirkstoff über die Leber. Die entstehenden Abbauprodukte werden wiederum über die Nieren ausgeschieden.


Anwendungsgebiete

Die Anwendung von Morphium erfolgt hauptsächlich bei starken bis sehr starken Schmerzen. Meist erfolgt hier eine kurzfristige Anwendung des Wirkstoffes, da es zu teils starken Nebenwirkungen kommen kann.

Wann wird Morphium eingesetzt?

Eingesetzt wird Morphium bei starken und sehr starken Schmerzen, welche schnell gelindert werden müssen, weil diese für den Patienten kaum auszuhalten sind.

Daher kann eine Anwendung in vielen unterschiedlichen Situationen erfolgen: Häufig wird der Wirkstoff unmittelbar nach einer Operation angewendet, da hier oft starke Schmerzen vorliegen.

Gleiches gilt für Patienten, welche einen Unfall hatten und nun unter starken Schmerzen leiden. Krebspatienten werden ebenfalls häufig mit Morphium behandelt, da die Schmerzen gerade im Endstadium der Krankheit immens werden können.

Darüber hinaus wird der Wirkstoff häufig im Falle eines Herzinfarktes eingesetzt. Bei chronischen Schmerzen erfolgt nur der Einsatz von Morphium, wenn andere Schmerzmittel versagen beziehungsweise nicht mehr weiterhelfen können.


Richtige Anwendung

Morphium darf grundsätzlich nur unter ärztlicher Beratung – und häufig nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.

Dabei werden die Dosis sowie der Behandlungszeitraum stets vom behandelnden Arzt festgelegt. Eine Selbstmedikation darf unter keinen Umständen erfolgen, da schwere Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind.

So wird Morphium angewendet

Je nach Patient und Grund der Anwendung kann die Dosis vollkommen unterschiedlich ausfallen, liegt aber in der Regel bei 60 bis 120 mg pro Tag. Wird Morphium injiziert, so liegt die tägliche Dosis meist bei 10 bis 60 mg pro Tag.

Die Häufigkeit der Einnahme hängt ebenfalls von jedem individuellen Behandlungsfall ab: Teilweise wird der Wirkstoff nur einmal pro Tag eingenommen – beispielsweise über ein retardierendes Präparat, welches den Wirkstoff nur langsam freilässt und somit lange wirkt.

In anderen Fällen werden kleinere Dosen von Morphium aber auch mehrmals täglich eingenommen.


Medikamente

Da Morphium ein Wirkstoff ist, welcher häufig eingesetzt wird, ist dieser in den verschiedenen Medikamenten enthalten.

Medikamente mit Morphium, welche häuslich eingesetzt werden, sind in der Regel Kapseln, Tropfen, Zäpfchen oder Tabletten. Injektionslösungen werden meist ausschließlich klinisch angewendet.

Welche Medikamente beinhalten den Wirkstoff Morphium?

  • Capros akut Kapseln (5, 10, 20 und 30 mg)
  • M-beta Retardtabletten (10, 30, 60 und 100 mg)
  • M-long Retardkapseln (10 und 100 mg)

Handelsnamen

Monopräparate

Monopräparate, welche den Wirkstoff Morphin enthalten, sind unter anderem unter folgenden Handelsnamen bekannt:

  • Capros
  • Compensan
  • Kapanol
  • M-beta
  • M-long
  • Morixon
  • Morphanton
  • MSI
  • MSI Mundipharma Morphin Merck
  • MSR
  • MSR Mundipharma
  • MST
  • Mundidol
  • M-retard
  • M-Stada
  • MST-Continus
  • MST-Mundipharma
  • MST-Retardgranulat
  • Painbreak
  • Sevredol
  • Sevre-Long
  • Substitol
  • Vendal

Es gibt einige weitere Monopräparate mit Morphium, welche unter anderen Handelsnamen bekannt sind.


Indikationen

Zu den Hauptindikationen für eine Behandlung mit Morphium zählen starke bis sehr starke Schmerzen, welche nicht mehr mit nicht-opioiden Schmerzmitteln behandelt werden können.


Gegenanzeigen

Wann darf Morphium nicht verwendet werden?

Morphium darf in einigen Fällen nicht verwendet werden. Dies ist zum einen bei einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff der Fall.

Zum anderen darf der Wirkstoff nicht eingenommen werden, wenn unbehandelte Störungen der Atemfunktion, lebensbedrohliche Erkrankungen des Bauchraums, schwere Leberfunktionsstörungen sowie nicht behandelbare Krampfanfälle vorliegen.

Wer opioide Schmerzmittel einnimmt, welche die opioide Wirkung aufheben, darf ebenfalls kein Morphium nicht einnehmen.

Außerdem darf speziell die Anwendung des Wirkstoffs in Form einer Injektion nicht erfolgen, wenn während der Anwendung ein Darmverschluss zustande kommt und Gerinnungsstörungen oder Infektionen im Injektionsbereich vorliegen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Morphium sollte während der gesamten Schwangerschaft nicht angewendet werden, da der Wirkstoff das ungeborene Kind schon im Mutterleib abhängig machen kann.

So kann es nach der Geburt schon zu Entzugserscheinungen bei dem Säugling kommen.

Während der Stillzeit stellt der Wirkstoff ebenfalls ein Risiko dar, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht. Der Wirkstoff darf daher während der Stillzeit nicht eingesetzt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

In geringen Dosen eignet sich der Wirkstoff in Form von Injektionen oder Tropfen auch schon für Kinder. Gleiches gilt für Morphium in Form von Tabletten oder Retardtabletten ab einem Alter von 12 Jahren.


Risiken & Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen hat Morphium?

Risiken und Nebenwirkungen können während der Einnahme von Morphium aufgrund der starken Wirkung auftreten.

Dabei treten einige Nebenwirkungen häufiger auf als andere. Abhängig ist das Auftreten von Nebenwirkungen unter anderem von der Dosis und der Behandlungsdauer.

Häufige Nebenwirkungen

Die Einnahme des Wirkstoffs kann häufig zu Nebenwirkungen wie Stimmungsveränderungen führen, welche sich teilweise auch in Form von Depressionen äußern können.

Folgende Nebenwirkungen stellen ebenfalls häufig das Resultat der Einnahme von Morphium dar:

  • Verstopfung
  • Pupillenverengung
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Veränderung des Entscheidungsverhaltens
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Wahnvorstellungen
  • Alpträume
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Mundtrockenheit
  • Pupillenverengung
  • Verdauungsstörungen
  • Geschmacksveränderungen
  • Störungen bei der Blasenentleerung
  • Schwitzen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen

Gelegentliche Nebenwirkungen

Gelegentlich löst die Einnahme von Morphium Nebenwirkungen wie einen Blutdruckabfall beziehungsweise einen Blutdruckanstieg aus. Zu einer Verlangsamung oder Beschleunigung des Herzschlages kann ebenfalls kommen.

Seltene Nebenwirkungen

Nur selten treten durch die Einnahme des Wirkstoffs nachfolgende Nebenwirkungen auf:

Letztere machen sich bei einer längeren Einnahme von Morphium häufiger bemerkbar.

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen

Äußerst selten führt die Einnahme des Wirkstoffs zu:


Wechselwirkungen

Wechselwirkungen sind bei der gleichzeitigen Einnahme von Morphium und bestimmten anderen Medikamenten nicht auszuschließen.

Diese können teils schwer ausfallen und sollten daher bei der Einnahme des Wirkstoffs stets beachtet werden. Die nachfolgenden Medikamente sollten daher nicht gleichzeitig mit Morphium eingenommen werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Morphium?

Zum einen gibt es Medikamente, dessen Wirkung bei der gleichzeitigen Einnahme von Morphium verstärkt wird, sodass auch die Nebenwirkungen des Wirkstoffs verstärkt werden.

Es handelt sich dabei um Medikamente, welche eine dämpfende Wirkung auf das Gehirn ausüben. Dazu zählen unter anderem Barbiturate und Benzodiazepine sowie andere opioide Schmerzmittel.

Werden gleichzeitig Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Narkosemittel und Muskelrelaxanzien eingenommen, so wird die beruhigende Wirkung von Morphium verstärkt.

Zum anderen kann Morphium die Wirkung von bestimmten Muskelrelaxanzien wie Pancuronium oder Vecuronium verstärken.

Außerdem können Wechselwirkungen auftreten, welche die schmerzlindernde Funktion von Morphium abschwächen. Dies ist unter anderem bei Schmerzmitteln wie Pentazocin und Buprenorphin – sowie bei dem Tuberkulosemittel Rifampicin der Fall.

Gleichzeitig kann es zu einer Verstärkung der Entzugssymptome bei Opiat-Abhängigen kommen.

Einige Medikamente verstärken darüber hinaus die Wirkung von Morphium, indem sie den Abbau des Wirkstoffes verhindern. Dies ist in erster Linie bei Medikamenten der Fall, welche den Leberstoffwechsel beeinflussen.

Unter anderem zählen dazu das Antibiotikum Erythromycin, die Pilzmittel Ketoconazol und Itraconazol oder das aids-Mittel Ritonavir. Weiterhin zählen dazu Mittel gegen eine erhöhte Magensäure-Produktion sowie Blutdrucksenker.


Wichtige Hinweise

Was ist bei der Einnahme von Morphium zu beachten?

Wird bei der Einnahme von Morphium nicht die verschriebene Tagesdosis eingehalten, so kann es zu schweren Nebenwirkungen kommen. Der Behandlungszeitraum sollte ebenfalls genau eingehalten werden und nicht überschritten werden.

Treten während der Behandlung mit Morphium starke Nebenwirkungen auf, so sollte außerdem in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Des Weiteren sollte die Einnahme der zuvor erwähnten Medikamente zusammen mit Morphium vermieden werden. Ist dies möglich, so sollte ein Arzt konsultiert werden.

Bei älteren Patienten ist die Dosis des Wirkstoffes außerdem zu senken, da hier ein höheres Gesundheitsrisiko durch die Einnahme von Morphium vorliegt.

Darüber hinaus darf während der Behandlung mit Morphium auf keinen Fall Alkohol konsumiert werden, da es hier zu starken Nebenwirkungen kommen kann, welche unter Umständen lebensbedrohlich sein können.

Zuletzt ist auch zu beachten, dass die Einnahme von Morphium zu positiven Ergebnissen in Dopingkontrollen führen kann.


Abgabevorschriften

So erhalten Sie Medikamente mit Morphium

In Deutschland unterliegt Morphium dem Betäubungsmittelgesetz. Der Wirkstoff ist daher nur unter Vorlage eines ärztlich ausgestellten Rezeptes erhältlich.


Geschichte

Seit wann ist Morphium bekannt?

Morphium wurde schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckt, indem der Wirkstoff in Form des getrockneten Milchsaftes von dem Schlafmohn gewonnen wurde – es handelt sich daher um einen pflanzlich erzeugten Wirkstoff, dessen medizinischer Nutzen schnell erkannt wurde.

Über die Jahre wurden somit Medikamente entwickelt, welche den Wirkstoff enthalten. So lässt sich Morphium heute in vielen Formen einsetzen.


Warnhinweise

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Beachtet werden sollten stets die Gefahren, welche von Morphium ausgehen.

Es handelt sich um einen Wirkstoff, von welchem bei langer Anwendung ein großes Potenzial für eine Sucht ausgeht. Daher sollte dieser ausschließlich unter ärztlicher Beratung angewendet werden.

Zu beachten ist außerdem, dass die Dosis des Wirkstoffes zum Ende der Behandlung schrittweise gesenkt werden muss, um Entzugserscheinungen zu vermeiden.

Zuletzt sollte auch beachtet werden, dass die Einnahme von Morphium zu einer starken Einschränkung des Reaktionsvermögens führt. Die Teilnahme am Straßenverkehr oder das Bedienen von Maschinen ist daher nicht mehr möglich beziehungsweise stellt eine Gefahr dar.


Quellen

  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Joos, L: Pharmakologie aktiv, Govi-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 10. Auflage, 2013
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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