Spritze

Eine Spritze ist für viele ein Graus und oftmals versuchen auch die Mediziner darauf zu verzichten. Aber mit der Entwicklung der Spritze ist etwas möglich geworden, wovon man lang geträumt hat. Dem Körper kann endlich auch direkt geholfen werden und das auch dann, wenn andere Probleme eine Hilfe stark behindern. Das Medizinprodukt Spritze ist ein sehr vielseitiges Produkt und hat schon mehr Einzug in den Alltag gehalten, ALS es einem im ersten Moment bewusst sein wird.

Was ist die Spritze?

Die Spritze ist Bestandteil der Klasse der Medizinprodukte und gilt somit als Hilfsmittel. Mit Hilfe einer Spritze können Flüssigkeiten in den Körper eingebracht werden ohne dabei den MagenDarm-Trakt zu tangieren oder aber auch organische Material ohne einen großen Eingriff aus dem Körper entnommen und aufbewahrt werden. Die Spritze ist aufgebaut in einen Körper und eine Spritzkanüle mit der die Hautbarriere durchstochen werden kann.
Im Rahmen der Medizinprodukte reiht sich die Spritze in die Risikoklasse IIa ein. Hierzu zählen alle Medizinprodukte durch die zwar Flüssigkeiten geleitet oder damit aufgenommen werden, aber nicht zur invasiven Gruppe zählen, wie z.B, Katheter, Herzkatheter etc.

Medizinprodukte Kategorie IIa

Die Spritze beschreibt lediglich das Medizinprodukt, also die leere Spritze. Oftmals wird im Volksmund oder auch in der praktischen Anwendung das Wort Spritze für eine Injektion verwendet, was allerdings einem Vorgang entspricht und nicht für das Produkt an sich steht.

Geschichtliche Entwicklung der Spritze

Bereits im frühen 9.Jahrhundert wurden Spritzen genutzt. Dies fand im arabischen Raum statt, basierte aber noch nicht auf den heutigen medizinischen Erkenntnissen, die später gefasst wurden. Die Spritze war oftmals sehr einfach aufgebaut aus einem Federkiel und einer Tierblase. Sie wurde aber nur in Körperöffnungen eingeführt, die bereits bestanden. Ein Einstich in die Haut hat nicht stattgefunden.

Anfang des 17. Jahrhunderts fand die Entwicklung der Spritze wieder einen neuen Anfang. 1628 konnte dank vieler medizinischer Experimente die Erkenntnis gewonnen werden, dass der Körper über einen Blutkreislauf versorgt wird. Von diesem Moment an, wurde begonnen daran zu forschen, wie Medikamente in den Körper gebracht werden können oder aber auch, wie Körperflüssigkeiten und Blut entnommen werden kann ohne, dass der menschliche Körper operativ eröffnet wird. Die kommenden 40 Jahre wurde der Zweck der Spritze zunächst missbraucht, da Jäger ihren Hunden Alkohol spritzten und diese dann in ihrem Rausch beobachteten. Erst 1663 wurde die Eingabe von Medikamenten mit Spritzen an kranken Soldaten auch zum medizinischen Zweck durchgeführt.

Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Entdeckung von Morphin und dessen Wirkung wurde die Spritze zum beliebtesten Hilfsmittel zur Verabreichung. Mit der Menge an wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde erkannt, dass durch die Verwendung der Spritze das Medikament nicht mehr den Verdauungstrakt durchlaufen musste. Es kam zu weniger Nebenwirkungen und das Medikament konnte schneller wirken. Seitdem ist die Spritze ein Medizinprodukt, dass in keiner Branche mehr wegzudenken ist. Im Laufe der Jahre wurde die Glasspritze ersetzt durch die Einwegplastikspritze, die auch steril verpackt ist und auch die Kanülen haben sich verändert. Aus einer stumpfen Kanüle wurde eine spitze Kanüle, die in der heutigen Zeit mit diversen Schutzmechanismen ausgerüstet ist, dass eine Injektion nicht zur Verletzungen des Injizierenden führt.

Formen, Arten & Typen

Formen der Spritze

  • Einwegspritze
  • Mehrwegspritze

Einwegspritze

Die Einwegspritze ist die gängige Form der Spritze für alle Arten von Injektionen und Behandlungen. Sie werden steril verpackt und können dann über eine gewisse Zeit gelagert werden. Nach dem Gebrauch wird die Spritze verworfen. Einwegspritzen können für unterschiedliche Zwecke verwendet werden.

  • Injektionen aller Art (Insulin, Medikamente, Inpfungen etc.)
  • WundspüLungen
  • Sondenernährung
  • Blutentnahmen (veraltet, da nun meist Vakuumröhrchen verwendet werden, die nur noch mit der Kanüle verbunden werden und sich dadurch selbst ohne Kolbenzug befüllen)

Diese Arten der Spritzen haben die unterschiedlichsten Einsatzorte. Dabei gibt es diese Spritzen in unterschiedlichen Volumengrößen. Neben kleinen Spritzen, die nur wenige Milliliter fassen und daher für eine Injektion oder auch eine Wundspülung dienen können, sind großvolumige Spritzen oftmals für die Gabe bestimmter Nährflüssigkeiten vorgesehen, die über eine Magensonde verabreicht werden müssen, da der Schluckreflex nicht mehr oder noch nicht ausgeprägt ist.
Sicherheitsspritzen sind meist nur klein volumige Spritzen. Sie haben bestimmte Vorrichtungen, die verhindern, dass die Spritze bei einer Selbstanwendung im häuslichen Bereich eine Verletzung außer der Injektionsstelle verursachen kann. Dafür kann ein Clip über die Kanüle gelegt werden oder aber die Spritze hat einen Zurückschnellmechanismus, der die Kanüle zurückzieht und sperrt, sobald die Spritze komplett entleert wurden ist.

Mehrwegspritzen

Die Mehrwegspritze kommt nicht mehr oft im medizinischen Bereich zum Einsatz, aber dafür sehr oft im Alltag. Dies erklärt sich in den verschiedenen Formen der Spritzen.

  • Insulinpens
  • Nasale Spritze
  • Mundspritze

Diabetiker sind auf ihre Spritze angewiesen. Inzwischen wird das Insulin nicht mehr aus Ampullen aufgezogen, sondern es gibt spezielle Pens mit einer Einstelleinheit mit der man die Einheiten regulieren kann. Da in dieser Spritze mehr als 100 Einheiten aufbewahrt werden, muss die Spritze richtig gelagert werden und kann so bis zum Ende aufgebraucht werden. Über eine Schraubvorrichtung am unteren Ende kann nach jedem Gebrauch die Kanüle gewechselt werden.

Die nasale Spritze ist notwendig für die Nasenspülung bei Kleinkinder, da sie den Mechanismus des Naseputzens noch nicht beherrschen.
Die Mundspritze ist lediglich ein Hilfsmittel, wenn Medikamente nicht eingenommen werden wollen. Diese Form findet sich auch in der Tiermedizin wieder, da hier auch das Verabreichen von Medikamenten auf dem oralen Weg erleichtert werden kann.

Mehrwegspritzen müssen nach jedem Gebrauch gereinigt und sterilisiert werden, sofern die Spritze an sich wieder befüllt werden soll. Damit kann einer Keimbildung vorgebeugt werden.

Aufbau, Funktion & Wirkungsweise

Einwegspritze

Die klassische Einwegspritze ist in der Regel in einer sterilen Plastik verpackt. Entsprechend ihrer Größe ist der Füllzylinder kurz, lang und großlumig oder kleinlumig. Jeder Zylinder ist mit einer Skala ausgestattet, die anzeigt, wie viel Flüssigkeit eingefüllt wird oder wurde. In diesem Zylinder befindet sich der Spritzstempel mit dem die Spritze aufgezogen werden kann, aber auch eine Flüssigkeit verabreicht wird. Beim Aufziehen der Flüssigkeit wird der Stempel zurückgezogen. Der dadurch entstehende Unterdruck saugt die Flüssigkeit an. Bei Austreiben der Flüssigkeit entsteht durch den Druck auf den Kolben der Spritze ein Überdruck. Da der Stempel am unteren Ende eine flache Deckplatte besitzt, ist die Spritze nicht nur nach oben hin komplett verschlossen, sondern kann beim Spritzen auch vollständig entleert werden. Es bleibt lediglich ein minimaler Rest im unteren Ende der Spritze. Dieser ist nasenförmig ausgeprägt und dient als Ansatz zur Aufnahme vom Flüssigkeiten und als Grund für das Aufsetzen von Kanülen oder auch Infusionssystemen.

Aufsätze für Einwegspritzen

  • Kanülen aller Art
  • Infusionssysteme / Schlauchanlagen bei Perfusoren (elektronisch gesteuerte Infusion)
  • Verteiler, die eine Verabreichung von mehreren Medikamenten gleichzeitig ermöglichen

Bei der Verwendung von Einwegspritzen, die meist zur Injektion verwendet werden, ist es wichtig, dass die befüllten Spritzen immer luftleer gemacht werden. Eine Injektion einer Luftblase kann eine Embolie (Gefäßverschluss) verursachen und zum tödlichen Risiko werden.

Mehrwegspritzen

Insulinpens werden meistens schon industriell befüllt und abgeschlossen. Sie haben an unteren Ende einen Satz auf den eine spezielle Kanüle aufgeschraubt werden kann. Diese Kanülen sind besonders dünn, dass durch die dauerhafte Injektion möglichst wenig Schäden genommen werden.
Mundspritzen funktionieren nach demselben Prinzip einer normalen Spritze, allerdings fehlt hier die Abdeckplatte am Stempel. Stattdessen steht der Stempel frei und kann auch aus dem Zylinder heraustreten. Am unteren Ende des Spritzzylinders ist eine klammerähnliche Vorrichtung in die eine Tablette eingespannt werden kann, nachdem Flüssigkeit in den Zylinder aufgesogen wurde. Diese wird dann in den Mund gehalten und so wird die Tablett direkt mit der Flüssigkeit in den Rachen gespritzt und das Medikament wird geschluckt.
Nasale Spritzen werden zuvor mit Flüssigkeit ohne Sog befüllt und dann durch einen Druck auf die Blase entleert. Die nasale Spritze weicht von der Form der klassischen Spritze ab und ist ein ballonähnliches Gefäß mit einem abführenden Schlauch, der dann in die Nase eingeführt wird.

Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Mit der Entwicklung der Spritze haben sich sehr viele Vorteile für die Medizin ergeben.

  • Medikamente durchlaufen nicht mehr den Magen-Darm-Trakt
  • Medikamente können direkt am Wirkort eingebracht werden
  • Medikamente wirken schneller
  • Wundversorgung kann leichter durchgeführt werden
  • Spülungen sind auch an kleinen Stellen oder Wunden möglich

Besonders dann, wenn gesundheitlich eine Gabe von Medikamenten oral aufgrund von Erbrechen und Durchfall oder auch starken Erkrankungen des Magens nicht mehr erfolgen kann, ist die Injektion mit der Spritze die rettende Lösung. Immer wieder findet sie auch die Anwendung, wenn lebensrettende Medikamente verabreicht werden müssen.
In der Wundversorgung kann die Spülung mit einer Spritze direkt am Ort der Verletzung oder Entzündung wirken, was eine Wundauflage nicht in diesem Umfang bewerkstelligen könnte. Auch kleine unzugängliche Stellen sind so in voller Tiefe erreichbar.

Fragen & Antworten zu Spritzen und deren Anwendung

Warum sollten Insulinspritzen im Kühlschrank aufbewahrt werden?

Je nach der Ausprägung des Diabetes müssen täglich unterschiedlich viele Einheiten Insulin gespritzt werden. In einer handelsüblichen Insulinspritze können somit mehr als 100 Einheiten enthalten sein, die aber auch bis zu 14 Tage ausreichen können. Da angerissene Medikamente, auch in der Spritze einem Verfall unterliegen, wie es auch angerissenen Lebensmitteln der Fall ist. Durch die Kühlung können eventuelle Stoffwechselprozesse unterbunden oder verlangsamt werden und das Insulin besitzt die volle Qualität bis zur vollständigen Entleerung der Spritze.

Sind Spritzen freiverkäuflich?

Ja, aber in den meisten Fällen nur das Medizinprodukt an sich. Diese sind in der Apotheke erhältlich. Die passenden Kanülen werden dann nur auf Privatrezept ausgehändigt, wenn eine Indikation besteht, die es notwendig macht, dass man sich zu Hause selbst spritzen muss. Kurioserweise können Spritzen auch als Hilfsmittel im Haushalt verwendet werden und werden darum dann zweckentfremdet.

Wann sollten Mehrwegspritzen nicht mehr verwendet werden?

Wenn eine Mehrwegspritze nicht mehr richtig Flüssigkeit aufnimmt oder sie auch bis zur Verabreichung nicht mehr halten kann, bietet sich der Ersatz der Spritze an. Ebenso, wenn der Mechanismus nicht mehr korrekt funktioniert. Mehrwegspritzen, wie nasale Spritzen, sollten auch nach einer langen Liegezeit ohne Nutzung oder Desinfektion nicht mehr genutzt werden, da sich unter Umständen Keimablagerungen gebildet haben können.

Unser Fazit zu Spritzen

Spritzen sind universell einsetzbar und haben die medizinische Behandlung und deren Möglichkeiten auf ein neues Level befördert. Das Medizinprodukt ist meist ein Einwegprodukt und erfüllt damit viele Zwecke. Bei korrekter Anwendung ist die Verwendung der Spritze sehr risikoarm. Besonders im häuslichen Bereich können Mehrwegspritzen eine wahre Erleichterung darstellen und ersparen Arztbesuche oder auch langwierige Behandlungen und Überredungskünste.

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