Ätiologie

Beschäftigt sich mit den Ursachen zur Entstehung einer Krankheit

Behandlung Ätiologie

Die Ätiologie beschäftigt sich im Großen und Ganzen mit den Fragen zu „Wie und Warum“ Krankheiten überhaupt erst entstehen.

Dabei fragt sich im Prinzip nach den Ursachen und den auslösenden Faktoren.

Die Herkunft des Wortes geht aus dem Griechischen hervor.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Ätiologie. 

Was ist Ätiologie?

Oft wird der Fachausdruck im medizinischen Sprachgebrauch verwendet, um die Gesamtheit von Faktoren zu beschreiben, die eben zu einer Krankheit geführt haben. Zusammengeführt werden dabei Pathogenese und Ätiologie.

Ätiologie ist dabei eine medizinische Fachrichtung. Diese beschäftigt sich dabei nicht ausschließlich mit der Heilung und der Therapie von Krankheiten, sondern ist auch gleichzeitig präventiv tätig. Denn der Ätiologie liegt die Lehre der Ursachen zugrunde.

Dabei besitzt die Ätiologie drei Fragestellungen, die ALS Säulen fungieren:

Ist die Ursache der Krankheit ein Hauptbestandteil von bereits ausgebrochenen Krankheiten (begünstigende Faktoren, Contribution)?

Führt diese festgestellte Ursache auch wirklich zum Ausbruch der Krankheit (Causa)?

Kommt eine Krankheit gemeinsam mit der Ursache auch wiederholt vor, ohne dass ein nachweislicher Zusammenhang dabei besteht (Wechselwirkungen, Correlatio)?

Ursprung und Entwicklung

Die Ätiologie wird insbesondere als die Erforschung oder auch die Lehre von Krankheitsursachen bezeichnet. Eine Krankheit ätiologisch behandeln heißt in diesem Sinne also auch, ihre Ursache angreifen.

Der Gegenbegriff dazu ist die Symptomatologie. Aber auch psychische Störungen im allgemeinen und einzelnen Störungssyndroms können als Ursache genannt werden, die es im Bezug mit der Ätiologie zu erforschen gilt.

Prozesse und Ziele von Ätiologie

Causa: Beschreibung, welche Ursache zum Ausbruch einer Krankheit führt
Contributio: Beschreibung aller Lebens- und Verhaltensweisen, die für eine Erkrankung ursächlich sein können
Correlatio: Untersuchung, welche Wechselwirkungen verantwortlich für den Ausbruch einer Krankheit sein können

Die Grundsatzlehre für Ätiologie lässt sich am Besten im Bezug auf die Grippe als Erkrankung von Lunge und Atemwege erklären, die über eine gewöhnliche Erkältung nun mal hinausgeht. Die Ursache für die Erkrankung der Grippe sind Viren. Nur durch sie können Menschen auch an der Grippe erkranken.

Die Viren an sich sind die Causa. Diese führen zwingend zum Ausbruch der Grippe, also der Krankheit. Die Leute, die sich täglich viel an der frischen Luft bewegen, erkranken seltener an der Grippe, was nachgewiesen wurde.

Bei ihnen besteht ein besseres Immunsystem. Andere, die sich hingegen weniger an der frischen Luft bewegen und dadurch eben auch weniger fit sind, verfügen über ein schwächeres Immunsystem und erkranken daher auch häufiger an der Grippe.

Es ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass erstere Menschen ebenfalls an der Grippe erkranken. Dabei ist auch hier die Ursache, also die Grippeviren, am Ausbruch dem den Verlauf der Krankheit beteiligt, ebenfalls die Causa.

Es wurde nachgewiesen, dass die Menschen, die in Grönland Zuhause sind, seltener an der Grippe erkranken. Daher erforscht die Ätiologie auf dieser Wissensgrundlage, weshalb Grippeviren sich in Grönland nur sehr selten verbreiten. Das nennt man die Correlatio. Das bedeutet allerdings natürlich auch nicht direkt, dass Grönländer nun überhaupt nicht an der Grippe erkranken.

Die Ätiologie beschäftigt sich mit den Fragen wie und warum eine Krankheit überhaupt erst entsteht. Heutzutage Sprechen Mediziner auch von sinnbildlichen drei Kreisen. Die medizinische Fachrichtung zieht einen dieser Kreise um jede Krankheit.

Der innere Kreis bezeichnet die Causa. Er beschreibt, welche Ursache der Grund für den Ausbruch einer Krankheit ist.

Die Contributio ist der mittlere Kreis. Dieser beschreibt alle Lebens- und auch Verhaltensweisen, die für eine Erkrankung ursächlich sein können.

Die Correlatio ist der äußere Kreis. Er untersucht dabei, welche Wechselwirkungen verantwortlich für den Ausbruch einer Krankheit sind.

Eine wichtige Frage bei der Ätiologie ist dabei aber auch, wo eine bestimmte Krankheit öfter auftreten kann als woanders. Zum Beispiel ist die Ätiologie für eine Tuberkuloseerkrankung das Tuberkelbakterium.

Dabei stellten Forscher bereits fest, dass Menschen, die zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr eine intellektuell fordernde geistige Tätigkeit ausüben, auch seltener an demenziellen Syndromen wie etwa Alzheimer erkranken. Das ist wieder einmal die Correlatio.

Behandlung ÄtiologieDabei stellt sich die Ätiologie die Frage, ob solch eine anspruchsvolle Tätigkeit die Erkrankung verhindert oder ob auch die Prädisposition, also die Causa für einen Ausbruch schon in jüngeren Jahren besteht und damit auch eine Aufnahme der intellektuellen Tätigkeit verhindert.

Japaner gehören zu den Menschen mit der höchsten Lebenserwartung. Mediziner sind der Ansicht, dass die gesunde asiatische Ernährung ein entscheidender Grund dafür ist. Allerdings lässt sich das medizinisch nicht unbedingt beweisen.

Eine andere Vermutung legt nahe, dass Inselvölker einer genetischen Durchmischung unterliegen, die geringer ist. Aber auch das lässt sich nicht bestätigen. Allerdings bedeutet das auch nicht direkt, dass automatisch alle Japaner ein besonders hohes Alter erreichen.

Die Psychologie beschäftigt sich weiter mit der so genannten multifaktoriellen Ätiopathogenese von Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, affektive Störungen, Schizophrenie, aber auch der Manie und der bipolaren Störung.

Die Ausprägung, aber auch die Erscheinungsweise dieser Krankheitsbilder ist dabei vollkommen unterschiedlich. Es ist nämlich keine Ursache, denn es gibt dabei mehrere kausal zusammenspielende Faktoren, die zum Ausbruch einer Erkrankung führen. Auslösende Faktoren und die Ursache sind dabei genetische Prädispositionen, psychosoziale und biologische Faktoren.

Die Ätiologie ist eine Lehre. Sie forscht dabei nach Ursachen festgestellter Krankheiten und therapiert diese dabei nicht nur. Sie will dabei auch präventiv tätig sein und kann sowohl auf allen medizinischen Fachgebieten, aber auch beim Vorliegen aller Krankheitsbilder angewendet werden.

Durchführung & Wirkungsweise:

Der englische Epidimiologe und Statistiker Austin Brandford Hill entwickelte neun Kriterien, mit denen die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung für die medizinische Kausalität geprüft werden kann. Diese sind:

  1. Die Stärke: Besteht zwischen zwei Phänomenen eine schwache Assoziation, bedeutet das nicht, dass kein Zusammenhang zwischen ihnen existiert. Die meisten Menschen haben Meningokokken in ihren Nasenschleimhäuten, die wenigsten von ihnen erkranken jedoch an einer Meningkokken-Meningitis. Diese Tatsache widerlegt also keine Ursache-Wirkung-Beziehung.
  2. Die Folgerichtigkeit: Wenn verschiedene Wissenschaftler übereinstimmende Beobachtungen an diversen Risikogruppen beim Gebrauch von unterschiedlichen Methoden feststellt, erhöht sich die Kausalität-Wahrscheinlichkeit.
  3. Die Spezifität: Eine Ursache-Wirkung-Beziehung ist anzunehmen, wenn eine spezielle Gruppe an einer Erkrankung leidet, die bis dato allerdings nur unbefriedigend erklärt werden kann. Problematisch hierbei ist jedoch, dass eine Erkrankung zahlreiche Ursachen haben kann und eine Ursache diverse Erkrankungen erzeugen kann.
  4. Die Zeitlichkeit: Nach der vermuteten Ursache sollte auch die Wirkung eintreten. Wenn eine Verzögerung zu erwarten ist, muss der Effekt direkt nach der Verzögerung stattfinden.
  5. Der Biologischer Gradient: Eine Erkrankung sollte häufiger auftreten, wenn gegenüber dem Risikofaktor eine höhere Exposition gegeben ist. Hierbei stellt sich auch die Frage, ob das Ausmaß und / oder die Dauer entscheidend ist.
  6. Die Plausibilität: Eine plausible Erklärung zwischen der Wirkung und der Ursache ist zwar hilfreich, allerdings nicht zwingend notwendig. Die Plausibilität hängt nämlich vom derzeitigen Wissen ab.
  7. Die Stimmigkeit: Die Gewissheit darüber, dass eine Kausalität besteht, wird durch eine Übereinstimmung von Labor-Ergebnissen und den epidemiologischen Daten erhöht.
  8. Das Experiment: Es ist teilweise möglich, aus epidemiologischen Fakten experimentelle Annahmen zu prüfen.  Manchmal stößt dies allerdings an ethische Grenzen.
  9. Die Analogie: Bei ähnlichen Risikofaktoren und Wirksubstanzen sollte der Effekt berücksichtigt werden. Die Existenz einer Kausalität ist ein Anlass, weitere Ursachen zu suchen, die ähnliche Wirkungen haben könnten.

Die Kriterien gehören auch heute noch zu den meistzitierten Publikationen der Wissenschaft. Sie werden oft als starre Regeln angesehen und als „Checkliste“ missverstanden. Allerdings lehnte Sir Hill dies ab und riet dazu, die Merksätze nur zu nutzen, um Kausalitäten mit einem kritischen Ansatz zu überdenken.

Diagnose und Untersuchungsmethoden

Gesundheit = das Schweigen der Organe, aber auch der Zustand eines völligen seelischen, körperlichen und sozialen Wohlbefindens (WHO)
Krankheiten = im Hinblick auf die Gesundheit können sie als Störungen dieser gesunden Verläufe aufgefasst werden
Begriff der Krankheit ist dabei sowohl medizinisch als auch juristisch nicht abschließend definiert

Der Begriff der Krankheit ist sowohl juristisch als auch medizinisch nicht abschließend definiert. Definiert wird dabei die Gesundheit als das Schweigen der Organe oder auch als der Zustand eines völligen seelischen, körperlichen und sozialen Wohlbefindens, laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Krankheiten können im Hinblick auf die Gesundheit somit als Störungen dieser gesunden Verläufe aufgefasst werden.

Laut Virchow ist eine Krankheit somit das Leben unter abnormen Bedingungen mit dem Charakter der Gefahr. Virchow versteht die Krankheit dabei als Vorgang. Mehrere abnormen Reaktionen eines Organismus, die aufeinanderfolgen reagieren auf einen krankmachenden Reizzustand. Unter gesunden Bedingungen wäre der geregelte Ablauf eines Organismus noch gegeben, doch im Krankheitszustand ist dieser nicht mehr da.

Eine Diagnose stellt dabei Krankheiten fest und grenzt diese auch voneinander ab. Die Diagnose erkennt dabei sowohl die äußeren als auch die inneren Einwirkungen, die zu einer Krankheit geführt haben.

Diese Einwirkungen sind dabei die Ursache, wo die Ätiologie ansetzt. Diese beschäftigt sich dabei mit der Frage, wie eine bereits festgestellte Krankheit entstehen konnte und welche Faktoren diese auch ausgelöst haben.

Dabei arbeitet die Ätiologie mit den drei „C“, die Causa, Contributio und Correlatio. Jede dieser Grundlagen kennt dabei einen unterschiedlichen Grad des kausalen Zusammenhangs zwischen Ursache und Krankheit. Dabei kann die auch Patienten und den Medizinern helfen, eine festgestellte Krankheit und die Ursachen besser zu verstehen und auch diese rational einzuordnen.

Unser Fazit

Die Ätiologie arbeitet gemeinsam mit den drei „C“. Der Causal, Contributio und Correlatio. Diese sind dazu da, um einen unterschiedlichen Grad des kausalen Zusammenhangs zwischen der Ursache und der Krankheit zu erkennen.

Die Ätiologie beschäftigt sich des Weiteren mit der Frage nach dem wie und warum eine Krankheit überhaupt erst entsteht. Doch mit Hilfe der drei C schaffen es sowohl Mediziner als auch Patienten, eine bereits festgestellte Krankheit und ihre Ursachen besser zu verstehen und diese ganz einfach rational einzuordnen.

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