Assoziation

Assoziation bezeichnet die Fähigkeit, anhand von Wahrnehmungen einzelner Komponenten durch die Sinnesorgane, zu interpretieren und Reize schnell zuzuordnen. Die Assoziation ist dabei eine Fähigkeit, die in dieser Ausprägung dem Menschen vorenthalten ist. Sie hat Einfluss auf unser Denken – und damit auf unser Verhalten, unsere Selbstwahrnehmung, unseren Sinn für Realität, unsere Reaktionsfähigkeit und unsere Kultur.

Die Assoziation ist zudem einer der wesentlichsten Bestandteile von Phantasie und Wahrnehmung.


Was ist Assoziation?

Das Wort Assoziation lässt sich aus dem Französischen associer und dem Spätlateinischen associare ableiten. Übersetzt wird es zumeist mit verbinden und meinte in der Regel eine kontextbezogene Verbindung von Eindrücken und Gedanken miteinander.
Dabei werden über die Sinnesorgane (Auge, Nase, Tastsinn, Zunge, Ohren) Reize aus der Umwelt aufgenommen. Sie werden vorerst ohne besondere Sortierung in unser Gehirn geleitet und werden dann verarbeitet. Dabei werden sie nicht isoliert betrachtet und einsortiert, sondern werden vom Gehirn entsprechend vorhergegangener Informationen, Erfahrungen (in Form von Erinnerungen) und bestimmten Hirnarealen, die unterschiedlich geprägt und entwickelt sein können, verarbeitet.
Dadurch, dass wir schon im Mutterbauch Eindrücke gewinnen und das Gehirn diese speichert, ist das Denken und Wahrnehmen des Menschen niemals unvorbelastet. Vielmehr ist es für die Einordnung von Eindrücken und auch Gedanken wichtig, dass das Gehirn weiß, wo es sie einordnen muss. Reize werden dabei nach einem System sortiert, das individuell ist. In allen gesunden Fällen arbeitet es aber auf Basis von Bezugnahme auf bereits gespeicherte Informationen und häufige Denkmuster.
Da ein Eindruck dabei als Komponente eines Bildes oder einer Situation verstanden werden kann, ist diese Einordnung selten eindeutig. Ein Bellen eines Hundes beispielsweise kann, je nach Erfahrung, die Assoziation mit einem großen Hund, einem kleinen Hund, einem aggressiven Hund, positive Kindheitserinnerungen oder sogar ein Trauma auslösen.
Dieser Effekt entsteht dadurch, dass der Mensch Gelerntes und Erinnerungen nicht wirklich plastisch in zusammenhängenden Blöcken im Gedächtnis speichert, sondern in verschiedene Elemente aufzuteilen scheint, die unabhängig voneinander abgerufen und verbunden werden können. Entsprechend ergibt sich, dass ein Eindruck, der das Gehirn erreicht, an unterschiedlichen Stellen Unterschiedliches auslöst. Dabei sind auch Denkmuster entscheidend, die man sich aneignet. Bestimmte Assoziationen mögen für viele Menschen naheliegend sein. So kann beispielsweise der Geruch von Kaffee meist das Bild von Kaffee oder den Gedanken an ihn im Kopf verursachen. Bei wenigen Menschen mag es aber sein, dass sie den Geruch beispielsweise mit einem Keller assozieren, weil sie während ihrer Kindheit oft in einem Kolonialwarengeschäft waren, wo die Bohnen im Keller gelagert waren.
Dieses Beispiel ist nur eines von vielen. Dennoch teilen die meisten Menschen viele assoziative Eindrücke miteinander, die auf die jeweiligen Gewohnheiten und kulturellen Gegebenheiten in der jeweiligen Gesellschaft zurückzuführen sind.
Assoziation ist also, vereinfacht gesagt, das Verknüpfen von sensorischen Eindrücken mit den Prägungen im eigenen Gehirn, was dazu führt, dass man Reize einordnen und interpretieren kann.
Diese Fähigkeit ist maßgeblich für die Kommunikation mit Mitmenschen, da in der Sprache viele verschiedene Gründe und Hinweise auf Assoziation codiert werden. Dies ist auch ein Grund dafür, warum Menschen mit völlig unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und kulturellen Prägungen große Probleme bei der Kommunikation erfahren können – die Assoziationen zu einigen Begriffen können einfach ganz unterschiedliche Dinge bei den Menschen auslösen.


Assoziation und Phantasie

Assoziatives Vermögen und Phantasie sind eng miteinander verwoben. Die Phantasie ist bekanntermaßen die Fähigkeit, Szenarien und Dinge zu konstruieren, sich Dinge auszudenken und außerhalb von Normen zu denken. Sie gilt als freies Denken und kann durch Regeln und die eigene Denkweise eingeschränkt werden.
Da aber die Assoziation im Kopf ein assoziatives Netz errichtet, welches stetig erweitert wird, kann ein einzelner Gedanke also auch ganze Ketten von Ideen und Verknüpfungen in Gang setzen. Dabei ist es so, dass eine größere Menge an assoziierbaren Begriffen, Bildern, Erinnerungen und Interpretationen natürlich beim kreativen Schaffen ungemein erweiternd wirken. Man verfügt durch dieses assoziative Netz eben über mehr Ressourcen, wenn es größer ist und ständig durch Eindrücke erweitert wird.
Gleichzeitig sorgt es aber auch dafür, dass Eindrücke von außen und eigene Gedanken schneller in Bahnen gelenkt werden, die gewissermaßen durch unsere Vorurteile entstehen. Die Möglichkeit, bei Dingen und Eindrücken erweitert um die Ecke zu denken, steht also im Konflikt mit der Tatsache, dass ein weiter Erfahrungs- und Erinnerungsschatz häufig bereits Möglichkeiten der spontanen Assoziation und Interpretation von etwas vorweg nimmt.
Andererseits kann man durch Kreativitätstechniken gezielt auf seine eigenen oder fremde Assoziationen zurückgreifen, um Dinge miteinander zu verknüpfen und diese Neuschöpfungen dann als Ausgangspunkt für weitere Gedanken im kreativen Prozess zu verwenden.

Funktion & Aufgabe von Assoziation

Assoziation ermöglicht es uns, uns zu orientieren. Dies gilt dabei für unsere Umwelt, unsere Selbstwahrnehmung, die Fähigkeit, Probleme zu lösen und unser soziales Umfeld.
Dadurch, dass wir im Laufe unserer Erfahrungen Vorurteile – dem neutralen Begriff nach – aufbauen und meist mit Hilfe dieser Vorurteile assoziieren, müssen wir in vielen Situation nicht erst aktiv analysieren und Problemlösung betreiben.
Unser Gehirn ordnet Eindrücke für uns vor und gibt uns damit Impulse, wie wir handeln sollten. Beispielsweise assoziieren wir das Lauterwerden von Motorengeräuschen mit einem heranfahrenden Auto, was uns dazu motiviert, die Straße zu verlassen. Vertraute Stimmen assozieren wir automatisch mit der entsprechenden Person. Je nachdem, wie intensiv wir diese Person kennen, gibt uns unser Gehirn noch gemutmaßte Informationen über Laune der Person, Anlass der gesprochenen Worte oder Alkoholpegel der sprechenden Person.
Dass wir über all diese Dinge nicht immer wieder bewusst aufs Neue nachdenken müssen, verdanken wir dabei vor allem dem Prozess der Assoziation.
Sie hilft uns auch im dadurch im Alltag, dass sie uns bei bevorstehenden Tätigkeiten bereits darüber aufklärt, was wir vermeintlich zu erwarten haben. So sind wir bei Dingen, die uns positiv gestimmt haben oder bei uns positiv assoziiert sind, motivierter.
Assoziation hat also eine entscheidende Rolle, weil sie dem Menschen viel Arbeit im Alltag durch das Abrufen von Vorurteilen abnimmt, die wiederum unterbewusst unser Verhalten steuern. Diese Vorurteile sind die Muster und Reaktionen, die wir erlernt haben und die uns in bestimmten Situationen angemessen erscheinen. Meist sind sie nützlich, weil wir zum Beispiel übel riechendes nicht verzehren, Gefahren ausweichen oder Mitmenschen schnell einschätzen können.
Assoziationen können allerdings auch einfach nur aufgrund von Gelerntem entstanden sein. Nicht hinterfragte Informationen landen genau so in unserem assoziativen Netz wie bestätigte Erfahrungswerte. Dadurch kommen beispielsweise negative Vorurteile, einige Angststörungen und Kreativitätshemmungen zustande.
Die Assoziation ermöglicht uns also eine Reihe von Dingen, ohne die wir es im Alltag und im Leben sehr viel schwerer hätten:

  • Erkennung von Mitmenschen
  • Bei Vertrauten Mitmenschen werden zusätzliche Informationen assoziiert
  • Erkennen von Gefahr anhand einzelner Eindrücke wie Geräusch oder Geruch
  • Bei der Kommunikation
  • Im Alltag durch Vorurteile
  • Bei der Arbeit mit Dingen, Worten, Bildern, etc. durch Erweiterung durch Assoziation

Assoziation in der Therapie

Die Assoziation von Begriffen ist ein integraler Bestandteil der Psycho- und Gesprächstherapie. Durch assoziierte Begriffe des Patienten können Psychologen Rückschlüsse auf dessen Gedankenwelt ziehen. Dabei machen sie sich zunutze, dass Assoziationen von Denkmustern beeinflusst werden, die bei bestimmten psychischen Krankheiten und Leiden typisch sind.
Von Nutzen ist hierbei auch, dass ein Patient oder Gesprächsbedürftiger nicht konkret sein Leiden benennen muss. Liegen also eine Hemmung oder ein Unvermögen vor, seine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen, kann Assoziation von bestimmten Begriffen verwendet werden, um den Dingen auf den Grund zu Gehen.
Dabei wirken Schlüsselbegriffe als Ausgangspunkt und werden durch Assoziation umschrieben und eingeordnet. Die Möglichkeiten sind hier vielfältig und von Person zu Person höchst unterschiedlich.


Krankheiten & Beschwerden, die das Assoziationsvermögen betreffen

Das Assoziationsvermögen ist eine Komponente des gesunden Denkens. Ein Verlust oder eine Einschränkung dieser Fähigkeit kann entsprechend schwerwiegende Folgen für das Denken, Handeln, Kommunizieren und Wahrnehmen haben.
Dabei gibt es verschiedene Ursachen und Krankheitsbilder, von denen die Fähigkeit zum Assoziieren betroffen sein kann. Die meisten dieser Ursachen sind durch Schäden im Gehirn oder in der Psyche bedingt.

Psychische Ursachen

Liegt eine schwere Einschränkung oder ein Unvermögen zum rationalen Assoziieren vor, spricht man von einer Assoziationsstörung. Sie führt zu einem gestörten Denken, das eingeschränkt, irrsinnig oder emotional unkontrolliert sein kann. In einigen Fällen bemerken Betroffene hiervon nichts.
Ist die Assoziationsstörung schwerwiegend, kann der Betroffene seine Sichtweise weder aktiv korrigieren, noch korrigieren lassen. Eine gestörte Wahrnehmung bleibt ein Problem. Zum Beispiel bei Psychosen, Schizophrenie, Neurosen und Paranoia ist dies der Fall.
Weit häufiger sind leichtere Störungen des Assoziationsvermögens durch diverse andere psychische Leiden. Depressionen, Traumata und ähnliches schränken dabei den Menschen bezüglich vieler Dinge so weit ein, dass er nur noch beschränkt – meist negativ – assoziieren kann. Dies kann den Leidensdruck noch weiter verstärken. Positive Assoziationen sind, trotz dessen sie häufig auf Außenstehende naheliegend wirken, nicht möglich.
Aber auch vorübergehende Einschränkungen des Assoziationsvermögens kommen häufig vor. Übermüdung, Stress, Trunkenheit und hormonelle Effekte sind hier zum Beispiel maßgebliche Ursachen. In der Regel gehen diese Zustände vorbei und die volle Assoziationsfähigkeit – mit all ihren Effekten im Alltag – kehrt zurück.

Einschränkungen des Gedächtnisses

Eine Einschränkung des Gedächtnisses (und damit des Denkvermögens) geht mit einer Assoziationsstörung einher. Der Verlust von gespeicherten Informationen sorgt dabei eben auch für den Verlust von Vorurteilen, die das Gehirn beim Aufnehmen und Verarbeiten von Informationen von außen benötigt. Dadurch kommen falsche, unnachvollziehbare und orientierungslos wirkende Assoziationen und Äußerungen zustande.
Mögliche Ursachen hierbei sein zum Beispiel:

Fragen & Antworten zur Assoziation

Kann man Assoziation trainieren?

Ja. Man kann sein Assoziationsvermögen trainieren, indem man mit Begriffslisten arbeitet und nach Regeln oder auch völlig frei einfach drauf los assoziiert. Dabei gibt es kein Ziel, sondern es geht nur um das spontane Assoziieren von Dingen. Dabei fallen einem häufig auch im eigenen Gehirn festgesetzte Vorurteile auf.
Es gibt noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten, sein Assoziationsvermögen kennenzulernen und zu erweitern.

Kann man negative Assoziationen, wie zum Beispiel negative Vorurteile, abbauen?
Ja. Man muss sich dieser Vorurteile lediglich bewusst werden und sie intensiv hinterfragen, sich informieren und offen für diese Informationen sein. Wenn man die neuen Eindrücke vor dem Hintergrund des Vorurteils betrachtet, werden sie auch mit der entsprechenden Sache in Zukunft assoziiert. Ob dies nun die spontanen Assoziationen zu etwas ändert, ist individuell verschieden.

Kann man ohne Assoziation leben?
Man kann schon. Allerdings würde dies bedeuten, dass man jeden Sinneseindruck immer wieder völlig neu bewerten und einordnen müsste. Selbst niederste Tierarten haben reflexartige Handlungen, die auf ein gewisses Assoziieren – wenn auch nur rein instinktiv – hindeuten.

Unser Fazit zur Assoziation

Die Assoziation ist eine unwahrscheinlich nützliche Fähigkeit, die uns in unserem Denken und Kulturschaffen enorm voran bringt. Dadurch, dass sie uns schon unterbewusst lenkt, macht sie den Weg für größere Betrachtungen und Überlegungen frei, indem sie Eindrücke für uns vorsortiert. Ohne sie verliert man an Orientierung.

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