Appendektomie

Entfernung des Wurmfortsatzes (lat. Appendix veriformis)

 

Behandlung AppendektomieHaben Patienten starke Schmerzen im rechten Unterbauch und ist dieser auch stark druckempfindlich, dann handelt es sich in den meisten Fällen um eine sogenannte Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes).

Dieser chirurgische Eingriff ist ein Routineeingriff und wird sehr oft durchgeführt.

Der Wurmfortsatz (lat. Appendix vermiformis) befindet sich am Übergang zwischen dem Dünndarm und dem Dickdarm.

In diesem Ratgeber informieren wir Sie umfassend zum Thema Appendektomie.

 

Was genau ist eine Appendektomie?

 

Eine Appendektomie ist eine chirurgische Entfernung des Appendix veriformis aufgrund einer Entzündung. Der erste Abschnitt des Dickdarms ist der Blinddarm (Caecum). Er ist der weiteste, aber mit nur einer Länge von 6-8 cm, der kürzeste Abschnitt des Dickdarms. In den Blinddarm stülpt sich von links das Dünndarmende, das terminale Ileum, ein.

Genau an dieser Einmündungsstelle bilden sich zwei Schleimhautfalten (Ileozäkalklappe). Durch diese Klappen wird in regelmäßigen Abständen Dünndarminhalt in den Dickdarm transportiert. Am unteren Ende des Dickdarms hängt der Wurmfortsatz (Appendix veriformis) als wurmförmiges Anhangsgebilde.

 

Die Schleimhaut des Appendix veriformis, ist die des Dickdarms sehr ähnlich aufgebaut, jedoch sind hier zahlreiche Lymphfollikel eingelagert. Besonders im Kindesalter dienen diese Lymphfollikel der Infektabwehr. Normalerweise hat der Appendix veriformis einen Durchmesser von 1 cm und eine Länge die zwischen 2 und 25 cm liegt (durchschnittlich sind es aber 10 cm).

Bei einer Appendizitis handelt es sich um eine Entzündung dieses Wurmfortsatzes. Umgangssprachlich nennt man sie auch Blinddarmentzündung, was anatomisch jedoch nicht korrekt ist.

Diese Entzündung ist die häufigste akute Baucherkrankung und betrifft vor allem Kinder und Jugendliche. Die Entzündung entsteht dadurch, dass die Bakterien, die im Stuhl enthalten sind, ungehindert im Wurmfortsatz vermehren können, da sie hier nicht mehr weiter transportiert werden.

Es handelt sich sozusagen um eine Sackgasse. Oft ist die Diagnosestellung erschwert, da nur sehr wenige Patienten wirklich typische Symptome wie Appetitlosigkeit, mäßiges Fieber und wandernde Schmerzen im Unterbauch aufweisen.

Therapie der Wahl ist immer die frühzeitige Entfernung des Appendix veriformis. Wird er nicht frühzeitig entfernt kann es zu Eiterbildung und Gewebsnekrosen kommen. In seltenen Fällen kann der Wurmfortsatz sogar platzen und zu einer Peritonitis entfernen, welche in weiterer Folge tödlich enden kann.

 

Bereits vor über 300 Jahren wurde die erste Appendektomie durchgeführt, jedoch nicht erfolgreich. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg kam es leider sehr häufig zu Todesfällen im Kindheitsalter, da die Appendizitis nicht rechzeitig erkannt wurde und die Kinder durch einer Sepsis, ausgelöst durch eine Appendix Perforation, starben.

 

Wo hat die Appendektomie ihren Ursprung und wie hat sie sich im Laufe der Zeit entwickelt?

 

Eine Appendizitis entsteht durch Bakterien im Stuhl, welche in den Wurmfortsatz transportiert und nicht wieder abtransportiert wird. Die vorhandenen Bakterien vermehren sich schnell und verursachen eine Entzündung.

Die Entzündung äußert sich oft mit kolikartigen Bauchschmerzen im rechten Unterbauch. Meistens ist diese Region auch sehr schmerzempfindlich. Des Weiteren ist leichtes Fieber und Appetitlosigkeit ein häufiges Symptom. Die erste Appendektomie wurde bereits im 17. Jahrhundert durchgeführt, jedoch wurde sie erst im letzten Jahrhundert in die Routine-Operationen eingegliedert.

 

Bereits im Mittelalter beschäftigte man sich mit der Appendizitis, die damals noch als „Seitenkrankheit“ bezeichnet wurde. Zu dieser Zeit waren die anatomischen, wie aber auch chirurgischen Fähigkeiten noch nicht sehr ausgereift, daher war eine Appendizitis damals ein sicheres Todesurteil für die Betroffenen.

 

Funktion, Wirkung und Ziele – Behandlungen und Therapien

Behandlung AppendektomieBesteht der Verdacht auf eine Entzündung der Appendix veriformis, erfolgt in jedem Fall im Vorfeld eine sonographische Untersuchung des Unterbauches und Druckempfindlichkeitsprüfung, um andere Erkrankungen ausschließen zu können.

Zur weiteren Diagnosestellung werden noch Blutuntersuchungen im Labor durchgeführt um etwaige Entzündungsmarker im Blut ausfindig zu machen.

Nachdem festgestellt wurde, dass es sich um eine Appendizitis handelt, wird der Patient umgehend in den OP gebracht um die chirurgische Entfernung des Appendix veriformis durchzuführen.

Durchgeführt wird entweder eine konventionelle oder laparaoskopische Appendektomie.

Konventionell Appendektomie

Hier erfolgt der Zugang in den meisten Fällen über einen kurzen Längsschnitt am rechten Unterbauch. Die Durchtrennung muss gründlich durch mehrere Gewebeschichten erfolgen (Haut, Subkutis, Scarpa-Faszie, Externusaponeurose, Musculus obliquus internus abdominis, Musculus transversus abdominis, Fascia transversalis und Peritoneum parietale).

Der Chirurg lokalisiert die Appendix veriformis und skelettiert diese mit sogenannten Overholt-Klemmen. Mit einem Skalpell wird die Appendix veriformis vom Coecum abgetrennt. Vor dem korrekten Verschließen der Wunde, wird kontrolliert ob es nirgends zu Blutungen gekommen ist. Im Bedarfsfall wird eine Drainage gelegt.

Laparoskopische Appendektomie

Im Gegensatz zur konventionellen Technik wird nicht nur ein Schnitt gesetzt sondern drei Trokare (medizinisches Instrument um in eine Körperhöhle zu gelangen). In einem Trokar wird eine Kamera eingeführt, die anderen beiden sind für die Exploration der Bauchhöhle und für die Entfernung der Appendix veriformis vorgehesen.

Die Skelettierung erfolgt mittels bipolarer Klammer. Der Appendix veriformis wird durch eine Schlingenabtragung vom restlichen Gewebe abgetrennt und aus der Bauchhöhle geborgen. Die letzten Schritte sind dieselben, wie bei der konventionellen Methode.

 

  • konventionelle Appendektomie: manueller Schnitt und Entfernung des Appendix veriformis mit Skalpell
  • laparoskopische Appendektomie: Einsetzen von drei Trokaren, Absetzung mittels bipolarer Klammer

Durchführung und Wirkungsweise einer Appendektomie

 

Nach der Bauchraumeröffnung (entweder konventionell oder laparoskopisch) wird der Appendix veriformis über das Mesoappendix von der Blutzufuhr abgetrennt. Anschließend wird der Appendix veriformis direkt an der Übergangsstelle zum Coecum (Blinddarm) abgetrennt. Beim konventionellen Verfahren wird an dieser Stelle ein resorbierbarer Faden vernäht.

Wird die Operation laparoskopisch durchgeführt, wird dieser resorbierbare Faden als sogenannte „Röder-Schlinge“ eingesetzt. In manchen Fällen wird auch ein Stapler (hierbei handelt es sich um ein Klammernahtgerät) verwendet. Der Appendix veriformis wird aus der Bauchhöhle entfernt und die Bauchöffnung wieder verschlossen.

 

Ist die Entzündung schon weiter fortgeschritten und es ist zu einer Perforation des Appendix veriformis gekommen, muss sehr schnell gehandelt werden, da sich die Bakterien aus dem Stuhl im gesamten Bauchraum verteilen und eine schwere Sepsis verursachen können.

In diesem Fall ist eine laparoskopische Operation nicht möglich. Es muss ein großer Schnitt gesetzt werden und der gesamte Bauchraum zusätzlich mit physiologischer Kochsalzlösung gründlich mehrmals gespült werden um Infektionen zu vermeiden.

 

Diese Situation ist sehr kritisch, sowohl für den Patienten als auch für den Chirurgen, denn die Wahrscheinlichkeit eine Entzündung an einer anderen Stelle im Bauchraum ist sehr groß, da sich die Bakterien extrem schnell verteilen.

 

Vorteile des laparaoskopischen Verfahrens:

 

  • kleinere Schnitte
  • Untersuchung des gesamten Bauchraumes
  • seltener Wundheilungsstörungen
  • schnellere Rekonvaleszenz
  • seltener Narbenbrüche

Behandlung AppendektomieWie bei allen laparaoskopischen Eingriffen sind auch hier die Vorteile der minimal invasiven Methode deutlich ersichtlich. Durch die kleinen Eintrittsstellen der Trokare, kommt es zu einer beinahe nicht sichtbaren Narbenbildung.

Die Verwendung von Kameras im Bauchraum ermöglicht es, die gesamte Bauchhöhle zu untersuchen und somit die Diagnose stellen zu können. So können zum Beispiel auch Ovarialzysten zu genannten Symptomen führen.

Durch die kleinen Wunden, kommt es auch seltener zu Wundheilungsstörungen und die Patienten weisen eine deutlich verkürzte Rekonvaleszenz-Zeit, als Patienten der konventionellen Methode, auf.

 

Vorteile des konventionellen Verfahrens:

 

  • weniger Instrumente
  • einfache Erweiterung möglich

Bei speziellen Anforderungen kann die konventionelle Methode vom Vorteil sein. Besteht zum Beispiel der Verdacht einer Perforation des Appendix veriformis, darf die laparoskopische Methode auf keinen Fall durchgeführt werden. Hier muss der gesamte Bauchraum weiter eröffnet werden.

Wird in diesem Fall die konventionelle Methode angewandt, kann man sich im Vorfeld absichern, ob es zu einer Perforation gekommen ist oder nicht und bei Bedarf die Öffnung erweitern. Des Weiteren bedarf es viel Übung vom Chirurgen, um mit den laparaoskopischen Instrumenten fachgerecht umgehen zu können.

 

Diagnose & Untersuchungsmethoden

 

Die Diagnosestellung einer akuten Appendizitis stellt sich oft sehr schwer dar, da viele Patienten nicht die typischen Symptome aufweisen. In vielen Fällen hat der Patient nur leichtes Fieber und unklare Schmerzen im Bauch, ohne diese genau lokalisieren zu können.

Besonders schwer ist es oft bei kleinen Kindern, da diese sich nicht richtig ausdrücken können. Auch andere Erkrankungen wie zum Beispiel eine Salpingitis (Entzündung eines oder beider Eileiter) können ähnliche Symptome verursachen und erschweren somit die Diagnosestellung.

typische Symptome einer Appendizitis sind:

  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • zunächst ziehende Schmerzen in der Nabelgegend oder Oberbauch
  • nach Stunden kontinuierlicher Schmerz im rechten Unterbauch
  • mäßiges Fieber bis 39°C

Risiken & Nebenwirkungen der Appendektomie

 

  • Eiterbildung
  • Gewebsnekrosen
  • Perforation
  • Peritonitis
  • Insuffizienz der Naht
  • Verwachsungen
  • Blutungen
  • Narbenbruch
  • Sepsis (Blutvergiftung)

Gegenanzeigen & Wechselwirkungen

 

Wie bei jeder Operation bestehen auch hier gewisse Risiken wie zum Beispiel eine Keimverschleppung. In seltenen Fällen können auch Unverträglichkeiten gegenüber dem Narkosemitte auftreten. Das Risiko, eine der unten genannten Folgeerkrankungn zu bekommen, kann aber durch den Einsatz der laparaoskopischen Appendektomie drastisch reduziert werden. Dennoch hängt sehr viel von der Erfahrung der behandelnden Ärzte ab.

 

  • Keimverschleppung
  • Wundheilungsstörung
  • zu späte Entfernung
  • Symptome werden nicht richtig gedeutet

Wer behandelt?

 

Bei Verdacht einer Entzündung der Appendix veriformis, sollte immer ein Krankenhaus aufgesucht werden. Hier wird sich der diensthabende Notfallmediziner einen Gesamtüberblick über den Patienten verschaffen.

Wird der Verdacht durch sonographische Methoden und Laboruntersuchungen bestätigt, wird der Patient dem Chirurgen übergeben. Der Eingriff wird immer durch einen Chirurgen durchgeführt, da es sich um einen chirurgischen Eingriff handelt.

 

Unser Fazit

 

Bei einer akuten Appendizitis ist die chirurgische Entfernung (Appendektomie) unabdingbar und lebensrettend. Obwohl es sich um einen routinemäßigen Eingriff handelt, ist bei jeder Operation besondere Vorsicht geboten, damit es zu keinen Spätfolgen für den Patienten kommt. Nachdem der Appendix veriformis entfernt wurde, muss der Patient noch einige Tage stationär im Krankenhaus bleiben, hat aber keine Langzeitfolgen zu erwarten.

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