Blinddarmentzündung

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Eine Blinddarmentzündung oder Appendizitis ist eine relativ häufig vorkommende Entzündung des sog. Wurmfortsatzes – einem durch Evolution obsolet gewordenen Teil des menschlichen Darmes.

Zudem liegt im Deutschen eine fehlerhafte Benennung dieser Krankheit vor. Denn, wie bereits erwähnt, ist es der Wurmfortsatz des Blinddarmes, der entzündet ist und nicht der Blinddarm selbst. Ist der Blinddarm dagegen entzündet spricht man von einer Typhlitis.

Nichtsdestoweniger ist die Bezeichnung Blinddarmentzündung inzwischen so eingebürgert, dass es ein generelles Verständnis für das vorliegenden Leiden vorliegt, obwohl es falsch benannt ist.

Beim Wurmfortsatz oder Appendix handelt es sich um einen fingerförmigen Anhang am Blinddarm, der keine spezielle Funktion zu haben scheint. Er sitzt im unteren rechten Teil des Unterbauchbereiches. In selteneren Fälle sitzt er auch auf der linken Seite. Ist dies der Fall, werden Entzündungen zunächst oftmals falsch diagnostiziert.

Meist beginnt der durch eine Entzündung des Appendix verursachte Schmerz in der Nähe des Bauchnabels und „wandert“ von dort Richtung Wurmfortsatz. Zu Anfang ist der Schmerzpegel oft gering und für viele Betroffene kein Grund zur Sorge. Im Verlaufe der Zeit jedoch werden die Schmerzen immer intensiver bis sie kaum mehr auszuhalten sind.

Betroffene sind meist zwischen zehn und dreißig Jahren. Davor und danach kommen schwere Entzündungen des Blinddarmes nur sehr selten vor. Die Behandlung einer Appendizitis ist aufgrund ihres häufigen Vorkommens recht routiniert und besteht meist darin, den Blinddarm chirurgisch zu entfernen.

Welche Ursachen kann eine Appendizitis haben?

Blinddarmentzündung

Im Wurmfortsatz selbst sind eine Vielzahl von Lymphfollikeln zu finden, das macht ihn zu einem „engen“ Teil des Darms.

Darum kommt es bisweilen vor, dass beispielsweise Obstkerne von Kirschen, Melonen, Weintrauben, Äpfeln usw. sich darin festsetzen und aufgrund dessen sie Fremdkörper sind, eine Entzündung auslösen.

Ein weiterer Grund kann Wurmbefall sein. Zumeist Spulwürmer. Die Chance sich mit Würmern infizieren ist heutzutage eher gering, zumindest in Europa. Würmer breiten sich oft in unsachgemäß gelagerten Lebensmitteln, besonders Fleisch, aus und vermehren sich dort. Werden diese Lebensmittel dann konsumiert, kann es zu einem Wurmbefall kommen. Aber auch der Konsum des Fleisches bereits vor der Schlachtung infizierter Tiere oder ein generell unsauberes Lebensumfeld können zu einer Infektion führen. Dabei verursacht nicht jede Art Wurm eine Appendizitis.

Der wohl häufigste Grund für Blinddarmentzündungen sind jedoch sog. „Kotsteine“. Hierbei handelt es sich um steinartige Gebilde, deren Zentrum aus stark eingedicktem Kot besteht, der wiederum von semi-eingedicktem Kot oder anderen schleimartigen Substanzen umgeben ist. Diese Lagern sich im Wurmfortsatz ab und erzielen dort einen ähnlichen Effekt wie die bereits erwähnten Obstkerne es können. Das Entstehen von Kotsteinen kann vielerlei Gründe haben und neben einer Appendizitis auch noch diverse andere Leiden verursachen, bspw. Darmverschlingungen oder Durchbrüche.

Welche Symptome und Anzeichen weisen auf eine Blinddarmentzündung hin?

Eine Appendizitis beginnt in aller Regel mit Schmerzen im Unterbauch, vornehmlich der Nabelregion. Da der Nabel aber allgemein nicht mit dem Appendix assoziiert wird, denken sich Betroffene zuncähst oft nicht viel dabei und tun ihr Leiden als einfachen Bauchschmerz ab. Das kann ggf. gravierende Konsequenzen haben.

Andere Symptome beinhalten:

  • Plötzliche und starke Schmerzen im unteren rechten Bauchbereich
  • Wandernder Schmerz vom Nabel zum Sitz des Blinddarmes
  • Schmerzen werden stärker, wenn der Betroffene hustet, läuft oder den Unterbauch zu sehr bewegt
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verlust des Appetits
  • Gering Erhöhte Temperatur (kann sich im Laufe der Krankheit stark erhöhen)
  • Verstopfung oder Durchfall (manchmal im Wechsel)
  • Schwellung des Bauches

Frauen, die eine Appendizitis während der Schwangerschaft entwickeln, missinterpretieren die Symptome fälschlicherweise oftmals als durch die Schwangerschaft ausgelöst. Dies wird dadurch verstärkt, dass der Appendix während die Frau ein Kind erwartet, seine Position verändert und sich Richtung Oberbauch schiebt. Das kann eine Diagnose auch für Ärzte komplizierter machen, was oftmals gefährlich für Leib und Leben von Mutter und ungeborenem Kind ist.

Weitere Symptome für Betroffene können diverse weitere teils schwere Entzündungen im Abdomen sein. Hierzu zählen bspw. eine Entzündung der Harnleiter, diverser anderer Darmbereiche und oder der Eierstöcke.
Daher ist es nur zu empfehlen selbst beim kleinsten Verdacht auf eine etwaige Appendizitis schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen, um schlimmeres rasch und dauernd verhindern zu können.

Wie wird eine Appendizitis diagnostiziert und wie verläuft sie?

Die diagnostischen Mittel, um eine Blinddarmentzündung festzustellen sind aufgrund jahrhundertelanger Erprobung und Weiterentwicklung relativ schnell und sicher.

Vor nicht ganz einem Jahrhundert, wurden Blinddarmentzündungen meist mittels einer Darmuntersuchen mit den Fingern des Arztes festgestellt. Dies war unangenehm, aber effektiv genug, um mehr oder weniger sichere Diagnosen stellen zu können. – Auch heute findet diese Technik bisweilen noch Anwendung, wurde aber größtenteils durch weniger unangenehme und sicherere Vorgehensweisen ersetzt.


Die gängigsten diagnostischen Mittel zur Feststellung einer Appendizitis sind heutzutage:

  1. Allgemeine Untersuchung des Körpers:
    Hierzu bedient sich der Arzt, meist der Hausarzt, seiner klassischen Werkzeuge und untersucht den potentiellen Patienten eindringlich.Dazu wird oftmals leichter Druck auf den Appendix ausgeübt und dann plötzlich wieder genommen. Sollte sich der Schmerz nach Wegnahme des Druckes jedoch verstärken, anstatt sich zu verbessern, kann man von einer Infektion desselben beinahe mit Sicherheit ausgehen. Der Wurmfortsatz hat die Eigenschaft, ist er entzündet, mehr zu Schmerzen nachdem er stimuliert wurde, als währenddessen.Aber auch das bereits erwähnte Examinieren des Enddarmes mittels der Finger des Arztes ist bisweilen noch gebräuchlich.Bei schwangeren Frauen wird oftmals auch eine intensive Untersuchung des Beckens vorgenommen, um anderen Ursachen der Schmerzen ausschließen zu können.
  2. Bluttests:
    Nachdem dem Patienten Blut abgenommen wurde, identifiziert der Arzt das Ergebnis. Stellt er eine erhöhte Konzentration an weißen Blutkörpern fest, kann dies als Indikator für eine mögliche Infektion gelten.
  3. Urinproben:
    Auch die Urinprobe ist ein probates Mittel, um etwaige Blinddarmentzündungen feststellen zu können. Zudem kann mittels dieses Test ausgeschlossen werden, dass die Schmerzen beispielsweise von einem Nierenstein herrühren.
  4. Imaging Test:
    Bisweilen werden auch Röntgenaufnahmen oder Ultraschalltests des Unterbauches durchgeführt, um sich einen Überblick zu verschaffen, eine mögliche Entzündung feststellen zu können und darüber hinaus in der Lage zu sein, andere Ursachen für den Schmerz ausschließen zu können.

Diese Diagnosetechniken sind in der Regel schnell und zuverlässlich und es kommt nur noch sehr selten vor, dass ein Blinddarm oder vielmehr eine Blinddarmentzündung falsch diagnostiziert wird. Lediglich bei Betroffenen, die den Appendix auf der anderen Seite haben, kommt es bisweilen zu Fehlinterpretationen seitens des Arztes.

Ein typischer Verlauf wird wie oben beschrieben meist mit Schmerzen in der Gegend des Nabels eingeleitet, diese setzen sich dann Richtung Appendix fort und verstärken sich zusehends. Die Schmerzen können es dem Patienten teilweise unmöglich machen sich zu bewegen. Ist dies der Fall muss schleunigst gehandelt werden. Lässt man einen Blinddarm zu lange unbehandelt, ist es möglich, dass er reißt bzw. platzt. Ist dies geschehen können sich Wundflüssigkeit, Entzündungsverursacher und und Kot frei im Abdomen verteilen. Dies führt in vielen Fällen zum Tod des Patienten.

Heutzutage allerdings sind die Sterberaten für Blinddarmpatientne in Europa beinahe null Prozent.

Wie sieht eine Behandlung des entzündeten Blinddarms aus?

In beinahe allen Fällen einer Appendizitis wird nämlicher operativ entfernt. Medikamentöse Behandlungen dieses Leidens sind selten und nicht vielversprechend, auch ein natürliches Abklingen einer Blinddarmentzündung ist eher unwahrscheinlich.

Bei der Operation wird in der Regel ein kleiner Schnitt im Abdomen vorgenommen und der Appendix wird entfernt und der Darm verödet oder vernäht. Die zurückbleibende Narbe ist geringfügig und meist kaum zu sehen.
Alles in allem ist diese Operation reinste Routine für viele Chirurgen.

Wie kann ich einer Appendizitis vorbeugen?

Eine allgemeine Prophylaxe für eine Blinddarmentzündung gibt es leider nicht, da sie zu viele Auslöser haben kann. Man sollte einen allgemein gesunden Lebensstil pflegen und bereits bei geringem verdacht einen Arzt konsultieren. – Mehr kann man vorbeugend oft nicht tun und mehr ist aber auch glücklicherweise oft nicht nötig.

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